„Wutanfall wegen Wuchermieten“ (taz) // @HeimatNeue #Mietenwahnsinn_stoppenn #Mietenwahnsinn #Gemeinwohl #Verdrängung #Gentrifizierung #Zufriedenheit #Zufriedenheitsindex #Angst #Mietenwucher #Mieterhöhung

2018-11-11 Mieter,kämpft um diese Stadt + zusammen gegen MietenwahnsinnMedienspiegel 163 / Serie „Mieter!“

Aus Gründen der Verträglichkeit für die Entwicklung der eigenen Stimmung schreiben wir ja täglich selten mehr als einen Beitrag über einen aktuellen Verdrängungsfall in Berlin. 

Diesen Beitrag haben wir heute aber schon hinter uns und wir haben vor allem dessen Ende erheblich umschreiben müssen, damit nicht das Umgekehrte passiert, nämlich, dass sich die Stimmung oder Befindlichkeit auf den Beitrag auswirkt. Und weil es so grau ist, wettermäßig und so, dachten wir uns, wir lassen es nochmal Sommer werden. Nicht Sommer 2018, viel zu heiß und trocken. Nicht Sommer 2017, da hat es fast nur geregnet. Vielleicht Sommer 16? Genau.

Denn der Sommer 16 ist schon so richtig historisch. Damals war alles noch ganz anders. In Berlin regierte noch die SPD mit der CDU. Erinnert sich noch jemand an den damaligen Innensenator Henkel? Der hatte immer versucht, die renitenten Kiezbewohner in der Rigaer am Henkel zu packen. Okay, der jetzige Chef des Inneren heißt Geisel. Aber der ist in erster Linie nicht so fürs Bauen und Wohnen zuständig. Und darum geht es ja. Wieder einmal.

In der taz vom 13.08.2016 hat ein gewisser Herr Arzt, der aber nicht Arzt, sondern logischerweise Journalist war oder ist, sich über die hohen Mieten in Berlin ausgelassen. Da wurde also jemand mal wütend. Sicher nicht der erste Wutanfall dieser Art, aber doch interessant zu lesen. Gentrifizierung ist als Thema viel älter, sogar in Berlin, aber wir finden, man merkt sehr deutlich, dass damals noch ein Klima in der Stadt herrschte, das tatsächlich nicht dazu geeignet war, über die Wutanfälle hinauszukommen. Wäre nun die politische Konstellation noch die des Sommers 16, was wäre eigentlich passiert? Die Vermutung liegt nah, dass weniger geschehen wäre als nun mit 2RG. Wären zum Ausgleich dafür die Mieterproteste richtig groß geworden?

Es wäre ja immerhin denkbar, denn der Erfolg einzelner Initiativen in der Stadt, der sich immer mehr zeigt, ist auch ein Ventil. Ein soziales Ventil, das vielleicht verhindert, dass ein richtiger Ruck entsteht, der eine große Mieter_innenbewegung hervorbringt. Wo der individuelle Erfolg immer noch möglich scheint, verzögert sich die Bildung des Klassenbewusstseins. Deshalb gibt es keine großen Mieterdemos, obwohl das dringend geboten wäre. Es zeigt sich nämlich nun auch ein Seiten-Effekt des Erfolgs: Wenn er einen zu großen Hype auslöst und schon wieder etwas Elitäres hat, kann er diejenigen, die gegen Gentrifizierung kämpfen – nicht spalten, es gibt bisher keine Einheit – aber  weiter fragmentieren? Wir haben das mal ganz abstrakt formuliert, ohne einzelne Vorgänge zu benennen, die uns im Moment beschäftigen. Aber jene, die ihre persönlichen Ziele mit viel Power und Findigkeit erreicht haben, werden ab diesem Moment wieder zufriedene Supporter_innen eines sinnentleerten Kapitalismus sein und die Armen werden arm und vergessen bleiben, weil sie nicht laut wurden mit denen die mehr Kapazitäten hatten und nicht oben schwimmen können in der Blase der Zufriedenheit.

Uns hat man heute noch einen Beitrag empfohlen, in dem beinahe paradiesische Zustände beschrieben werden. 84 Prozent der Menschen in Berlin finden ihre Miete klasse. Wir hoffen, man hat auch nur Mieter_innen gefragt und nicht die Kosten für den Betrieb von Eigentumswohnungen gleich mit verwurstet. Wenn wir Linke zum Beispiel eingeschenkt bekommen, dass 80 Prozent der Menschen in Deutschland a.) ihre eigene wirtschaftliche Lage, b.) die EU, c.) das gegenwärtige Management der Migration und was noch alles super finden, dann fragen wir uns: Wieso sind die dann fast alle gleichzeitig unzufrieden mit der Bundesregierung? Wieso gibt es, wenn detaillierter gefragt wird, wenn Unterthemen aufgemacht werden, so viel Frust? So, wie ihn der Herr Arzt in seinem Beitrag bezüglich der Mieten ausdrückt?

Der Tendenz des heutigen Morgenpost-Beitrags gemäß haben also alle Zufriedenen bloß Angst davor, dass es noch schlechter wird und dass sich diejenigen, welche die Befragungen machen, die Namen der Befragten notieren und sie als subversive Elemente an den Tiefen Staat verpfeifen, wenn sie sich nicht hinreichend zufrieden geben. Wir meinen: Zumindest an Ersterem ist wirklich was dran. Man ist eben bescheidener geworden. Sonst käme man ja wirklich aus dem Frust nicht mehr heraus.

Zum Beispiel, wenn man sich ständig vor Augen halten würde, mit welch mittelmäßigen Qualifikationen die Altvorderen noch fette Kohle verdienen konnten. Da ist man lieber zufrieden mit dem, was ist, denn schlimmer geht immer. Und wenn man dann erst seine persönliche Verdrängung verhindert hat, dann hat man im Grunde auch sein Lebensziel erreicht.  Der Entgentrifzierte, der Entwütet-Zufriedene von heute ist nicht mehr so gut situiert wie der Zufriedene von gestern, aber zufrieden, dass er nicht komplett ins Loch gefallen ist, also beispielsweise an den Stadtrand ziehen musste. Die Kapitalisten von heute haben ein breites und höchst zufriedenes Grinsen im Gesicht: Es ist wird alles immer besser und besser.

Die Stadtgesellschaft ist genau das, was jetzt aktiv werden musste, damit die Entwicklung des Neoliberalismus nichts ins Stocken gerät. Die Stadt wehrt sich punktuell, partizipiert punktuell, reüssiert punktuell und das Ganze, das was alles auch noch ist, gerät vollends aus dem Blick.

TH

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