Deutsche Fluglinien gelten als besonders umweltschonend – nächster Schritt: Stehplätze werden getestet + ein Gatenzaungespräch in Kleinmachnow // #TUIFly #TuiAirways #Condor #Lufthansa #CO² #Klimawandel

Jetzt ist es bewiesen, denn die ARD hat es gemeldet: Deutsche Flugreiseanbieter, besonders Urlaubsflieger, gehören zu den umeltfreundlichsten weltweit.

Auch die britische TUI Airways, die auf Platz 1 liegt, gehört ja zur deutschen TUI AG, insofern bleibt alles im eigenen Haus und es zeigt sich wieder einmal, dass uns beim Umweltschutz niemand etwas vormacht.

  • Auffällige viele Ferienflieger sind unter denjenigen, welche die geringsten CO²-Emissionen pro Nutzlastkilometer aufweisen, was dafür spricht, dass sie flexibler belegt werden können als die Anbieter von Linienflügen wie etwa die Lufthansa (die erwähnte Condor ist allerdings der Ferienflieger der Lufthansa).
  • Um Flüge noch billiger (die Rede ist von ab 9,99 für innerdeutsche Flüge, 19,99 für Flüge innerhalb von Europa und 29,99 für Überseeflüge mit 1 x umsteigen) anbieten zu können, wird nun über die schon lange in Diskussion stehende Stehplatzbestückung nachgedacht, mit der man die Sitzplatzkapazität eines mittelgroßen Großraumflugzeuges von ca. 200-250 auf 550 fast verdreifachen könnte. Man ist zuversichtlich, dass man damit umweltbelastende Angebote wie die Flixbusse wieder von den deutschen Verkehrswegen vertreiben und damit das Rasen auf deutschen Autobahnen wieder ein bisschen erleichtern kann.
  • Für längere Flüge wurde ebenfalls ein leichtgewichtiges Boxensystem aus Karbon-Verbundmaterial zum Liegen übereinander getestet, ähnlich den Kleintier-Transportkäfigen, die vor allem für fliegende Katzen und Hunde verwendet werden – wenn das Wording nicht etwas problematisch wäre, könnte man auch von fliegenden Särgen sprechen. Das Problem des schnellen Notausstieges auch für die besonders billigen Boxen-Schlafplätze Triebwerksnähe wurde bisher jedoch nicht überzeugend gelöst und hat derzeit keine Chance auf Zulassung durch das Luftfahrt-Bundesamt.
  • Dass die TUI sich besonders ums umweltfreundliche Ferienfliegen bemüht, ist auch deshalb besonders erfreulich, weil sie mit ihren 13 Kreuzfahrtschiffen vermutlich mehr Schadstoffe in die Luft bläst als der gesamte deutsche Straßen- und Schienenverkehr, da gibt es doch durch weniger Emissionen im Flugbetrieb einen leichten umweltmäßigen Ausgleich von ca. 0,1 Prozent, der auch für firmenintern ausgestellte Klima-Zertifikate in Anrechnung gebracht wird.

In einigen Kreisen von Berlin und dem nahen Umland gab es schon erste positive Reaktionen auf die neue Meldung der ARD.

So war etwa Nele Kleinschmidt-Mattern sehr aus Kleinmachnow, die wir heute zur Sache befragt haben, sehr erleichtert, denn es sei seit dem heißen und trockenen Sommer 2018 im Familienrat vermehrt zu Diskussionen darüber gekommen, ob der dreimalige Jahresurlaub, der zu unterschiedlichen Stränden und Kulturzielen in Südostasien und Lateinamerika führt, nicht doch umweltpolitisch politisch unkorrekt sein könnte. Mit den neuen Erkenntnissen, so ist Frau Kleinschmidt-Mattern sicher, wird auch künftig für eine Mehrheit pro Ferienflüge im häuslichen Generationen-Rat gesorgt sein, denn sachlichen Argumenten pro Umweltschutz wurden in diesem Gremium noch immer berücksichtigt. Sie führt das am Beispiel der letzten Sitzung vor der Sommerpause im Juni aus: Dabei ging es um die Wahl des neuen SUV-Modells und man entschied sich für einen deutschen Premium-Hersteller und einen Typ, der als Hybridfahrzeug nicht mehr fossilen Brennstoff benötigt als zwei japanische Kleinwagen, die nur mit Benzin fahren, obwohl er das Vierfache an Komfort, Sicherheit und Gewicht auf die vier Räder bringe „Aber ein Wagen dieser Art war ja nun wirklich unumgänglich! Wir haben drei Kinder, die morgens und nachmittags alle sicher zu ihren Schulen gefahren werden müssen, man glaubt ja nicht, wie viele Unfälle es mittlerweile durch  rasende Eltern gibt, die ihre Kinder auf den letzten Drücker bis vor den Eingang fahren.  Ein unmöglicher Zustand, gegen den wir mittlerweile eine Initiative gegründet haben, die schon eine gute Presse und eine Anhörung beim Senat hatte (…).“

Frau Kleinschmidt-Mattern ist auch Mitglied der örtlichen Bürgergruppe gegen Fluglärm, wie ein großes Plakat am Gartenzaun belegt. „Wir haben dafür gestimmt, dass  Innenstadtflughafen Tegel erhalten bleibt, obwohl wir nicht die FDP wählen, sondern schon in der zweiten Generation den Grünen unsere Stimmen geben“, erklärte sie uns beiläufig und meinte, sie hoffe sehr, dass  BER-Schönefeld niemals fertig werden wird, der die Menschen im Süden der Stadt und im hochwertigen südlichen Umland so ungebührlich belaste. Die Aussichten dafür stehen gut, konnten wir aufgrund unserer intimen Kenntnisse über das Berliner Bau- und Planungswesen beruhigen, dass auch die dritte Generation der Grünwähler_innen im Hause Kleinschmidt-Mattern vom BER-Fluglärm weitgehend verschont bleiben wird.

  • Im Gegensatz zum Wording der ARD, diesem typischen Verschleierungs-Mainstream-Medium, handele es sich aber nicht um Umweltschonung, sondern lediglich um etwas weniger Belastung als bei anderen Fluglinien gaben wir zu bedenken, nahmen unser Tablet aus der Tasche und zeigten Frau Mattern einige Informationen, nach denen der Flugverkehr aus der Wikipedia, wie etwa diese:
    • Durchsatz durch das Triebwerk: 850.000 kg eingesaugte Luft und 2700 kg Kerosin. Das Triebwerk verlassen in dieser Zeit 130.000 kg heiße Luft (Kerntriebwerk) und 722.700 kg kalte Luft (Nebenstrom).
  • Das sind nach unseren Berechnungen für einen Langstreckenflug ca. 100 Kilo Kerosin pro Passagier oder, auf den Benzinverbrauch umgerechnet, 2.000 Hybrid-SUV-Autokilometer.
  • Oder, auf die Anmerkung von Frau Kleinschmidt-Mattern hin, dass ja immer effizientere Antriebe entwickelt würden:
    • Durch die jährlichen Wachstumsraten des Luftverkehrs von derzeit 7,1 %werden die Einsparungen durch sparsamere Antriebe bei weitem zunichte gemacht.
    • Die gesunkenen Preise von Flügen und deren einfache Verfügbarkeit haben zu einem enormen Anstieg der Flugreisen insgesamt geführt und dadurch die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen vervielfacht. Deutschlandweit stiegen die Emissionen des Luftverkehrs zwischen 1990 und 2014 um 85 % an, von knapp 15 Mio. Tonnen 1990 auf ca. 26–27 Mio. Tonnen 2014.

Frau Kleinschmidt zupfte daraufhin eine imaginäre Fluse von ihrem Strickpullover mit dem begehrten Grüne-Welt-Siegel darauf, blickte uns an und senkte ihre Stimme, bevor sie sagte: „Wir finden es auch unmöglich, dass mittlerweile Kreti und Plethi in die Luft gehen – zumal doch Sophie-Charlotte, unsre Älteste, bald in den USA studieren und mindestens alle zwei Monate mit solchen Leuten im selben Flugzeug sitzen wird, wenn sie hierherkommt, um ihre sozialen Kontakte zu pflegen, damit diese nicht in der im virtuellen Nirgendwo verloren gehen. Im Rat haben wir auch darüber nachgedacht, ob wir zusammen mit guten Freunden ein eigenes kleines Flugzeug sharingweise anschaffen sollten – aber so erregt habe ich Magnus, meinen Mann nie zuvor erlebt: Wollen wir jetzt den Merz machen – dieser Erzkapitalist!, brüllte er plötzlich, und denken Sie, er schlug mit der Faust auf den fair hergestellten  und gehandelten Bambus-Esstisch.  Vermutlich drängte ein Trauma seiner wilden, politischen Jugendjahre auf verbalen Ausdruck, wir werden das noch therapeutisch klären. Wir hatten im Anschluss sehr viel Empathie und Zeit aufwenden müssen, um unseren Kindern zu erklären, was ein Erzkapitalist ist, denn mit derlei Old-School-Begriffen sind sie bisher niemals konfrontiert worden. Es gelang uns aber, sie davon zu überzeugen, dass der unverzichtbare kulturelle Kurzfrist-Austausch per Langstrecken-Charterflug nichts mit diesem Kapitalismus zu tun hat. Dabei sind wir doch sonst so darauf bedacht, keine plakative oder gar populistische Sprache zu verwenden. Ja. Nie ist was einfach, finden Sie nicht?“

Wir hätte uns mit dieser interessanten Frau noch ewig austauschen können, aber da erschien ein Mann mit After-Hipster-Bart und dickrandiger Fensterglas-Brille im Rahmen der Haustür und meinte, es sei nun aber schon höchste Zeit, sonst erreiche man zu spät die #Unfehlbar-Demo.

Im Weggehen konnte ich noch aus dem rechten Augenwinkel erkennen, wie das von Frau Kleinschmidt-Mattern erwähnte, mattschwarz glänzende SUV aus der Garage glitt, wie drei junge Menschen in naturfarbenen Strickpullovern und mit bunten Transparenten bewaffnet aus dem frisch restaurierten Siedlungshaus stürmten und sie im für Großplakate  besonders geeigneten Kofferraum des Halb-Geländewagens verstauten.

Ein paar Minuten später war ich am S-Bahnhof und nahm mir vor, nochmal etwas ausgiebiger zu recherchieren, ob das viele Urlaubsfliegen nicht doch dazu beiträgt, sich ökologisch und sozial weiterzuentwickeln. Und wie man trotz so vieler Impressionen wie an diesem Morgen zu viele Adjektive vermeidet, die bei genauer Analysen zudem teilweise als nicht nur deskriptiv aufgefasst werden könnten. Ich schaue aus dem Fenster und oben zieht eine vierstrahlige Maschine am Himmel vorüber. Sie hinterlässt wunderschöne, Fernweh verursachende Kondensstreifen. Ich muss unbedingt wieder mit meinem Parteifreund G. reden, dem Chemtrail-Spezialisten.

Dies war ein Beitrag aus der Reihe, die auf dem folgenden Logo angegeben ist.2018-06-28 Spottlight

Die Daten zum Flugverkehr, und das sind nicht alle schlechten Nachrichten dazu, stimmen aber.

© 2018 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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