Tini – Tatort 245 / Vorschau Dienstag, 25.12.2018 RBB 23:25 Uhr / Weitere alte RBB-Tatorte / #Tatort #TatortBerlin #Berlin #Markowitz #Lamprecht #Tini #TatortTini #Tatort245

Titelfoto © RBB

Der große Berliner und gewisse andere Kandidaten

Nun geht alles ganz schnell. Während der RBB sich Zeit ließ mit der Erstausstrahlung der restaurierten Bülow-Tatorte (1985-1989 gedreht), geht es mit Nachfolger Markowitz über die Weihnachtsfeiertage hinweg im Schweinsgalopp.

„Tödliche Vergangenheit“ wurde bereits ausgestrahlt, nach „Tini“ folgt „Tod einer alten Frau“ (Tatort 275) bereits übermorgen und nur einen Tag später zeigt der RBB „geschlossene Akten“ (Tatort 296), am 29.12. dann der letzte Markowitz-Tatort mit dem passenden Namen „Endstation“ (Nr. 305). Drei Markowitz-Tatorte fehlen, zumindest zwei davon haben wir aber bereits für den „ersten Wahlberliner“ rezensiert: „Berlin – beste Lage“ und „Blutwurstwalzer“. Sie zählen vermutlich nicht zum frisch restaurierten Kontingent, zweite Staffel. Die erste Staffel enthielt die Mehrzahl der Berliner Tatorte der 1970er und der frühen 1980er.

Sind wir damit durch? Nein. Am 30.12. gibt es einen Knall- oder Überraschungseffekt. Mit „Tod im U-Bahnschacht“ hat der RBB noch einen bisher nicht in den Restaurierungs-Staffeln enthaltenen Film auf Lager. Der 57. Tatort stammt nämlich aus dem Jahr 1975. Es handelt sich um den ersten von drei Tatorten mit dem Kommissar Schmidt, die anderen beiden „Feuerzauber“ und „Transit ins Jenseits“ wurden durchaus in der ersten, 2017 präsentierten HD-Neu-Staffel untergebracht. Nicht aber „Tod im U-Bahn-Schacht“.

Der Grunde dürfte klar sein, wenn man in die Rangliste des Tatort-Fundus schaut. „Tod im U-Bahn-Schacht“ gilt als zweitschlechtester Tatort aller bisherigen Zeiten, noch negativer bewertet als der berüchtigte gelbe Unterrock vom damaligen SWF, den der heutige SWR mit sehr langem Anlauf vor einiger Zeit dann doch wieder rausrückte, nach dem Motto, es darf keine sogenannten Giftschrank-Tatorte aus qualitativen Gründen geben. So hat wohl auch der RBB gedacht und wir finden das klasse. Man muss den Mut haben zu zeigen, dass die Berliner Tatorte nicht selten die handwerklichen Mängel aufweisen, die auch sonst in der Stadt allenthalben zu besichtigen sind. Es ist ja historisch erklärbar, dass hier auf eine Weise geschlampt wurde und immer noch wird, die aufgrund der ungewöhnlichen Häufung von großen Fails wie dem BER auch lange nach der Wiedervereinigung noch sehr auffällig zutage tritt.

Tatortmäßig hat Berlin erst in der Endphase des Wirkens von Ritter und Stark zu den besten anderen Schienen aufgeschlossen – und ist gerade dabei, das endlich erreichte und die traditionelle Filmstadt Berlin spiegelnde Niveau mit den überambitionierten und die Großstadt von heute doch etwas zu eigenwillig bzw. subjektiv interpretierenden Rubin-Karow-Filmen wieder auf Mittelmaß zu senken.

Und durch eine dicke Soße muss der RBB ohnehin noch durch, wenn er weitermachen will mit der Aufarbeitung seiner Vergangenheit: die Roiter-Tatorte. Nicht weniger als zwölf Filme mit diesem Ermittler wurden im Anschluss an die Markowitz-Ära gedreht und sie gelten in Toto als der furchtbarste qualitative Absturz innerhalb der Reihe.  Folgerichtig ist auch der beim Tatort-Fundus am allerschlechtesten bewertete Film (derzeit Rang 1088) einer aus der Roiter-Ära und nennt sich „Ein Hauch von Hollywood“.

Mit „Tod im Jaguar“ findet sich in diesem Dutzend zudem ein sogenannter politischer Giftschrank-Film, der wegen diskriminierender Darstellungen nicht mehr gezeigt wird. Ob sie beim RBB dieses Werk auch restaurieren und wieder freigeben werden, darauf sind wir echt gespannt. Das wäre dann ähnlich wie Vorbehaltsfilme aus der NS-Zeit einfach einfach so, ohne die obligatorische Einführung und nur für Publikum, das diese Einführung ganz sicher erhält, also in einem Kino, in dem diese möglichst live stattfindet, darzubieten. Wirklich? Vielleicht nicht ganz, aber wir tippen darauf, dass der Film nie wieder kommen wird.

Weil Tatortgeschiche auch Kulturgeschichte ist und außerdem die Zeitgeschichte spiegelt, ist sie manchmal interessanter als die Filme selbst und das gilt für Berlin in besonderem Maß: Die meisten älteren Tatorte, die hier gedreht wurden, sind als Filme und Fälle keine herausragenden Klassiker geworden, aber da die Stadt eine so besondere Geschichte hat, hebt sich der Qualitätsnachteil zumindest für uns als mittlerweile einigermaßen instruierte Tatort-Historiker  und Berlin-Kenner dadurch auf, dass man von dieser Stadtgeschichte auf mehreren Ebenen einiges zu sehen bekommt. Einiges davon ist bewusst eingebaut oder gezeigt worden, anderes wird als Subtext sehr deutlich.

Nun aber zur Handlungsbeschreibung von „Tini“

TH

Handlung

Ingenieur Wiegand kommt bei einer Maschineninspektion ums Leben. Was zunächst wie ein Arbeitsunfall aussieht, stellt sich sehr schnell als vorsätzlich herbeigeführter Anschlag heraus. Da die Ermittlungen keinerlei konkrete Hinweise auf mögliche Motive, und damit auf den Täter, ergeben, bittet Kommissar Markowitz die Familienangehörigen um Mithilfe bei dem Versuch, in der Vergangenheit des Opfers Anhaltspunkte für die Tat zu finden.

Dabei aber stößt er auf zunehmende Zurückhaltung; alle scheinen bestrebt, ihm etwas zu verheimlichen, und lenken gerade dadurch seine Neugierde auf sich. Vor allem Wiegands Tochter Tini reagiert darauf mit immer größer werdender Verschlossenheit. Mühsam gelingt es Markowitz, Teile eines Puzzles zu sammeln, die schließlich die Konturen einer Tragödie erkennen lassen und ihm offenbaren, dass er auf der Suche nach einem Täter nur Opfer gefunden hat.

Infos

Zwischen 1991 und 1995 spielte Günter Lamprecht acht Mal den Berliner Kriminalhauptkommissar Franz Markowitz. „Tini“ war sein zweiter Einsatz, die Folge wurde am 7. Juli 1991 erstmals im Ersten ausgestrahlt. 

Kriminalhauptkommissar Franz Markowitz – Günter Lamprecht
Achim Wiegand – Rüdiger Vogler
Ingrid Wiegand – Lisa Kreuzer
Stefan Wiegand – Henry Arnold
Geber Max – Volkert Martens
Tini Wiegand – Caroline Redl

Buch: Werner Waldhoff
Regie: Stanislav Barabas

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