Weiter, immer weiter – Tatort 1079 / Vorschau Sonntag 06.01.2018 DAS ERSTE 20:15 Uhr / #Tatort #TatortKöln #Köln #Koeln #Schenk #Ballauf #Tatort1079 #WDR #Weiterimmerweiter

Titelfoto © WDR, Martin Valentin Menke

Unser Motto – nicht für ewig, doch hoffentlich für immer

„Weiter, immer weiter“ ist der 73. Tatort mit Max Ballauf und Freddy Schenk als Ermittlerduo in Köln. Und Max Ballauf hat ja noch einige weitere Fälle mit Flemming in Düsseldorf gelöst oder diesen beim Lösen behindert.

Bis vor einiger Zeit hatten wir den Eindruck, der WDR hatte es sich zum Ziel gesetzt, mit Max und Freddy die Münchener Batic und  Leitmayr zu überholen, die Zahl der Filme betreffend, obwohl die Bayerncops schon 1991 gestartet sind, Freddy und Max hingegen erst 1997. Aber dann gibt es eine Art erkennbares Atem holen. Oft folgen drei neue Tatorte mit den beiden kurz hintereinander und dann eine längere Pause – so wie jetzt, der vorausgehende Fall trug den Namen „Familien“ und hatte die laufende Nummer 1057. Bei 22 Teams wäre ein solcher Abstand exakt richtig, wenn man nicht berücksichtigen müsste, dass einige ja häufiger drehen als andere und die Spitzenreiter bezüglich der Frequenz sind und bleiben die Kölner. Wer weiß, vielleicht wird das noch was, mit dem Spitzenplatz bezüglich der Fallzahl.

Dafür müssen die beiden allerdings weiter, immer weiter machen. Insofern hat man hier ganz unabhängig vom Inhalt des Films einen sehr treffenden Titel gefunden. Die beiden sind nun das Team auf Platz drei bezüglich der Dienstzeit, auf Platz zwei bei der Anzahl an Filmen und – auf Platz eins in den  Herzen der Zuschauer? Nicht ganz, wenn man die Durchschnittspunktzahlen in der Rangliste des Tatort-Fundus anschaut, da stehen sie derzeit auf Rang 4 oder 5 (ganz dicht bei den Münchenern und mit ihnen wechselnd), aber ob das an den Personen liegt oder an den Drehbüchern bzw. der Bewertung der Fälle als solche, das ist die Frage. Wir meinen, eher Letzteres. Und man kann bei so vielen Filmen nicht vermeiden, dass auch  mal welche darunter sind, die weniger Anklang finden.

Was aber wäre, wenn die beiden nicht „weiter, immer weiter“ machen würden? Ehrlich geschrieben: Mist wär’s. Es klingt platt, es so auszudrücken: Ohne sie wäre der Tatort nicht mehr das, was er war. Das trifft nach der Logik auf jede Veränderung zu. Aber die meisten Abgänge könnten wir leichter verschmerzen. Vielleicht sogar alle anderen. Wenn die Münchner die Köpfe, die weißhaarigen Könige, der zweigeteilte Doyen sind, sind die Kölner das Herzstück. Wo gibt es noch ein Team, bei dem schon der Abgang der Assistentin eine Tragödie darstellt und ein kleines Erdbeben auslöst? So sonst werden so viele Manierismen gelebt und akzeptiert, die Currywurstbude gegenüber dem Dom, die aus der Zeit gefallenen, eingezogenen dicken Schlitten von Autos, die ewigen Fails von Max im persönlich-sozialen Bereich? Auch das synchrone Zeiten der Ausweise ist jetzt offenbar ein Ritual, ein Bild wie dasjenige, das wir als Titelfoto gewählt haben, gab es schon in „Nachbarn„.

Aber die beiden zeigen eine Menschlichkeit und Natürlichkeit, die andere Teams nicht erreichen können, auch wenn gute Schauspieler am Werk sind. Sowas kann man nicht entwickeln, das muss man ausstrahlen, und das von Beginn an. Sicher ist am Auftritt einiger Ermittler im Lauf der Zeit bisschen was justiert worden, doch im Wesentlichen zählt die Kontinuität. Da kommt es sehr gut, wenn Charaktere vom Start weg Identifikationspotenzial aufweisen und das tun Freddy und Max wie sonst wohl kein Ermittlerpaar. Auch wenn man bei Max so wunderbar den Alterungsprozess seines Darstellers Klaus J. Behrendt verfolgen konnte, während Freddy lange Zeit fast gleich aussah und Dietmar Bär erst in jüngster Zeit etwas faltiger wird, für uns werden sie nicht altes Eisen, sondern reifen zusehends. Gesetzter sein ist kein Nachteil, man verstrickt sich auch nicht so leicht, was besonders Max und dessen Seelenfrieden zugute kommen dürfte. Die Tage, als er direkt ins Herz getroffen wurde und immer alles furchtbar ausging, sind vorbei. Aber es geht weiter, immer weiter. Und das ist gut so und wie das Leben.

Handlung

+++ Toter bei Verkehrskontrolle: Mann wird von Straßenbahn erfasst +++ Wurde er von Drogendealern zu Tode gehetzt? +++ Polizist Frank Lorenz belastet russische Geschäftsleute +++ Gibt es einen „Maulwurf“ bei der Kripo? +++

Es ist eine nächtliche Verkehrskontrolle mit weitreichenden Folgen. Als der Polizist Frank Lorenz den jungen Mann auffordert, aus seinem Auto auszusteigen, sieht der nur noch einen Ausweg: Pascal Pohl flieht. Er rennt auf die nahen Bahngleise.

Nur wenige Sekunden später ist er tot – überfahren von einer Straßenbahn. Doch was auf den ersten Moment aussieht wie ein tragischer Unfall, weitet sich aus zu einem undurchsichtigen Rachefeldzug. Denn offensichtlich war die Russenmafia hinter dem jungen Drogendealer her, weiß der in der Szene gut vernetzte Lorenz. Max Ballauf und Freddy Schenk übernehmen die Ermittlungen.

Besetzung und Stab 

Dead Kennedys – „Holidays in Cambodia”
Metallica – “Nothing Else Matters”
The Moddy Blues – “Nights in White Satin”

Hauptkommissar Max Ballauf – Klaus J. Behrendt
Hauptkommissar Freddy Schenk – Dietmar Bär
Assistent Norbert Jütte – Roland Riebeling
Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth – Joe Bausch
Polizist Frank Lorenz – Roeland Wiesnekker
Franks Schwester Mechthild „Mecki“ Lorenz – Annette Paulmann
Franks Kollegin, die Polizistin Vera Kreykamp – Laina Schwarz
Mirko Pohl – Vincent Redetzki
sein Bruder Pascal Pohl – Wolf Danny Homann
Irina Nikitina – Katerina Medvedeva
ihr Sohn Nikolaj Nikitin – Vladimier Burlakov
Nikolajs Anwalt – Dirk Ossig
Fjodor, Kontakt von Lorenz – Rostyslav Bome
Hotelbesitzer Roman Beresow – Jevgenij Sitochin
Mitarbeiter der Spurensicherung – Yusuf Edy Erdugan
u.a.

Drehbuch – Arne Notling, Jan Martin Scharf
Regie – Sebastian Ko
Kamera – Moritz Anton
Schnitt – Dora Vajda
Szenenbild – Michaela Schumann
Musik – Olaf Didolff

© 2019 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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