2019/30: Schwerpunkt Preistreiberei zum Exzess, Gruß ins Schillerkiez, nach Schöneberg und an AirBnB // ‏ @elbeeckeweigand @lisapaus @HeimatNeue @derjochen @Mieterproteste @SusanneHoppe2 @KiezinAktion @BGemeinwohl @BMieterverein @22Marion_Noiram @Kiez_Web_Team #Mietspiegel #DertäglicheMiespiegel Berlin #Gentrifizierung #Verdrängung #Milieuschutz #Milieuschutzgebiet #Mieter #DIELINKE #Bundestag #Mieterverein #CDU #Lichtenberg #Parteispenden #Vorkaufsrecht #Mietpreisbremse

2019-01-26 der tägliche mietspiegel

Serie und Dossier „Mieter, kämpft um diese Stadt!“

Unser vierter Mieten-Tagessammler zeigt Ihnen, liebe Leser_innen zunächst, dass der Mietenwahnsinn keine Grenzen kennt und warum wir endlich über Enteignung nachdenken müssen, und zwar schnell. Dazu unser heutiger Hauptkommentar.

Denn wenn solche Preise wirklich gezahlt werden und ein Berliner Mietendeckel erst ein ein paar Jahren kommt, verfestigen sich diese Zustände.

14.) „Akelius macht’s möglich“ – Schillerkiez in Neukölln für fast 24 Euro kalt pro m²:

Ein Tweet von der IG „Elbestraße und Ecke Weigandufer“ hat uns darauf aufmerksam gemacht.

Hier direkt zum Angebot bei Immoscout24.

Für uns ist die Wohnecke der Initiative im schönen Neukölln-Nord nicht abstrakt, wir hatten ja nur ein paar hundert Meter davon entfernt unsere ersten Zelte in Berlin aufgeschlagen, sind oft Richtung Osten am Weigandufer entlang und wollten die WG später in Richtung Weserstraße wechseln – und zogen stattdessen nach Schöneberg, weil es sich kurzfristig so ergab. Im Schillerkiez, das etwas mehr westlich liegt, an der Grenze zu  Tempelhof, haben wir Freunde, die man zur eingesessenen linken Szene rechnen kann. Wir sind über das, was wir in der Anzeige sehen, auch ziemlich fassungslos.

Denn das Ganze hat eine politische Dimension: Jeder, der solche Preise zahlen kann und möchte, der erfüllt für die Immobilienhaie eine Mission. Er bringt den Anspruch auf Verdrängung und Etablierung anderer Lebensmodelle mit und kann sich in der Regel nicht mit den Menschen aus der traditionellen Szene eines solchen links geprägten Kiezes solidarisieren. Es geht weniger darum, ob die schon länger ansässigen Menschen ihn als Eindringling betrachten, es ist umgekehrt: Er hat mit ihrer speziellen Kultur,. auf die man sich einlassen muss, in der Regel nichts am Hut. Andere Lebensweise, andere Ansprüche, er wird weitere, ähnliche Neubewohner nachziehen und die Kneipenkultur, die Ladenkultur werden sich wandeln. Natürlich steht eine Stadt nicht still, wir sind ja auch mal hergekommen, aber die Gegensätze, die sich hier herausbilden, sind zu schroff. Am Ende sieht es dann aus wie in Gegenden im Ostteil, die wir kennen und die rapider Gentrifizierung unterworfen waren. Die Alteingesessenen sind für die Neuen sowas wie Restfolklore, die dann aber auch weg kann, wenn man sich daran satt gesehen hat. Sozial bleibt jede Gruppe für sich, ein Miteinander ist durch die großen sozialen Unterschied kaum gegeben. Das mag in Einzelfällen anders sein, aber als wir nach Berlin kamen, hatten wir gerade in Friedrichshain einen guten Einblick in die Art, wie Verdränger und Verdrängte einander sowas von gar nichts zu sagen hatten.  Das konnte niemanden überraschen.

15.) Und Schöneberg gibt’s auch fast zum Schnäppchenpreis – ca. 25 Euro / m². Kalt natürlich:

Und Marion hat uns den passenden Anschluss geliefert, indem sie auf den Tweet aus Neukölln reagiert hat.

Die Belziger Straße, das ist ja nun fast unsere jetzige Wohnlage. Bei uns läuft die Gentrifizierung nicht ganz so rasant ab, weil im Akazienkiez ein recht stabiles Publikum wohnt, viel öffentlicher Dienst und so. Die ziehen einfach nicht aus, was sollen die Gentrifizierer da machen?

Die Vermieter gehen dann gerne in die Sanierung, um endlich vorwärts zu kommen –  immer ist irgendein Haus gerade eingerüstet und kürzlich war der Fall Gleditschstraße 49-69 auch für uns ein Aufreger, der mit einer mittelguten Lösung befriedet wurde (Abwendungsvereinbarung). Mit Blick wiederum nach Mitte und auch nach Neukölln (Verdränungsfall „BoeThie“, Böhmische Straße und Thiemannstraße),  weil es um denselben Investor, eine dänische Pensionskasse, ging. Dies endete im bisher größten Ankaufsfall per Ausübung bezirklicher Vorkaufsrechte in Berlin.

Was man auf dem Bild sieht, ist schon fast die ganze Wohnung. Studentenappartementgröße und es gibt sicher auch viele Eltern, die kein Problem mit dem aufgerufenen Preis haben. Die Fenster müssten es leicht machen, das Haus in einer Umgebung, in der überwiegend Altbauten stehen, zu identifizeren. Früher hätten wir das als Sport angesehen, aber heute? Erstens steht es selbstbewusst in der Anzeige, die demnach von Privat sein dürfte und – wann immer die Preise in den Kneipen wieder anziehen, denken wir: Das kommt davon. Wie jüngst, als der Latte Macchiato in einem unserer Lieblingscafés, das – genau – an der Ecke zur Belziger Straße liegt, bei einem Besuch nach ein paar Monaten Pause locker die 4-Euro-Grenze übersprungen hatte.

16.) Und dann hätten wir aus dem wilden Treiben der Vermieter noch dies: 

Ein Tweet der Bundestagsabgeordneten Lisa Paus (Grüne) hat uns auf die Spur gesetzt.

Es kann nicht sein, dass sich diese Modelle, noch mehr aus Mietwohnungen rauszuholen als in den oben beschriebenen Beispielen, in Berlin überhaupt breitmachen darf, egal, ob die Firma, die das alles vermittelt, Steuern dafür zahlt oder nicht. Das, was die Politiker_innen hier fordern ist zu wenig, sorry. Der Reaktion des AirBnB-Sprechers merkt man deutlich an, dass er froh ist, dass nur die Art der Steuerabführung und nicht das Modell an sich diskutiert wird. Um es klarzumachen: Hier werden 10.000 Wohnungen dem Berliner Wohnungsmarkt zugunsten von ein paar Städter-Hoppern vorenthalten. Wohnraum, der dringendst gebraucht wird und in einer Größenordnung von fast zwei Dritteln des Neubauvolumens in der gesamten Stadt (2017). AirBnB verkauft das auch noch quasi als soziale Tat, dass sich Vermieter eine goldene Nase verdienen können („Wohnen bei Freunden“ etc.). Das Zweckentfremdungsgesetz wird bisher auch nur sehr gemächlich angewendet bzw. dessen Einhaltung nicht konsequent überprüft. Und AirBnB-gesteuerte Wohnungen sind eben nicht nur steuerlich problematisch, sondern erfüllen meist den Zweckentfremdungstatbestand.

Wir haben im verlinkten Beitrag dargestellt, warum wir meinen, dass in Berlin das AirBnB-Modell nicht erwünscht ist, selbst, wenn es Steuern einbringen sollte.

17.) Damit es nochmal klar ist. Berlin = für Normalverdiener zu teuer:

Um die drei oben gezeigten Fälle ins größere Ganze zu stellen, dieser kurze Beitrag in der Berliner Morgenpost, erschienen am 23. Januar. 13 Prozent Steigerung bei den Angebotsmieten von Januar 2019 gegenüber Januar 2018 in Berlin.

Die Ermittlung mag nicht strikt wissenschaftlich sein, aber würde jemand, der die obigen Beispiele gelesen hat, es wagen zu behaupten, da sei nichts dran? Wer weiß, wo wir bei den Steigerungsraten im Februar landen und im weiteren Verlauf des Jahres,wenn solche Preise sich durchsetzen lassen?

Der Hype geht weiter, bisherige Mieterschutzmaßnahmen hindern die Immobilienhaie nicht daran, immer höher zu pokern und sie tanzen auf dem Vulkan. Wenn dieser schläfrige Lavaberg doch mal ausbricht, wird’s allerdings heiß werden, in dieser Stadt und viel verbrannte Erde wird zurückbleiben.

Vielleicht lässt sich das ja noch verhindern. Die Politik soll sich bitte endlich wirksame Mietpreis-Begrenzungsmodelle einfallen lassen!

TH

SMH 241-243, Medienspiegel 235, 236

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