Fünf Tage, fünf Nächte (Пять дней, пять ночей, DDR, UdSSR 1961) #Filmfest 196

Filmfest 196 A

2020-08-14 Filmfest ASpoilert die Geschichte

Ich muss es vorausschicken: Der MDR, der prädestinierte ARD-Sender für die Ausstrahlung von DDR-Produktionen, für deren Fernsehfilme, aber auch für die teilweise großartigen DEFA-Spielfilme, ist selbstverständlich auch für solche Filme wie „Fünf Tage, fünf Nächte“ die kompetenteste Adresse in Deutschland.

Gerade deshalb aber sollte er diesen Film heute, mehr als 30 Jahre nach der Wende und mit einem gesamtdeutschen Publikum, nicht unkommentiert ausstrahlen. Das hat die DEFA-Stiftung in ihrer Restauration nämlich auch nicht getan, sondern ein Begleit-Feature erstellt, von dem ich erst durch die einzige externe Kritik erfuhr, welche in der IMDb gelistet ist und sich auf die DVD bezieht, auf der die Dokumentation enthalten ist, nicht nur auf den Film. Die deutsche Wikipedia schweigt hingegen komplett über die kleinen Differenzen zwischen dem, was im Film gezeigt wird und der historischen Wirklichkeit. Worum geht es? Darüber und über weitere Aspekte des Films ist mehr zu lesen in der -> Rezension.

Handlung (Wikipedia)

Tag 1: Am 8. Mai 1945 besetzen sowjetische Soldaten Dresden. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Kommunist Erich Braun kommt in die Stadt zurück, die ein Trümmerfeld ist. Inmitten von Schutt und Zerstörung sucht Hauptmann Leonow die verschwundenen Bilder der Dresdner Gemäldegalerie. Er wird an den Maler Paul Naumann verwiesen. Er besitzt zwar Bilder, jedoch nur solche, die er selbst gezeichnet hat und die neben der Zerstörung der Stadt auch seine große Liebe Katrin thematisieren. Paul hat im Krieg seinen linken Arm verloren und will nie mehr malen. Leonow fordert ihn auf, die Soldaten zur Gemäldegalerie zu bringen. Dort treffen die Männer auf die Museumsangestellte Luise Rank, die zunächst vorgibt, nichts vom Verbleib der Bilder zu wissen. Als sie erkennt, dass Leonow ein Kunstliebhaber ist, gibt sie ihm eine Karte, die sie in einem Tresor gefunden hat. Auf ihr ist ein Tunnel eingezeichnet, in dem schließlich einige Dutzend Gemälde der Galerie gefunden werden, darunter Rembrandts Rembrandt und Saskia im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Paul erkennt im Tunnel unter den Soldaten Erich Braun, der damals zusammen mit Katrin verhaftet wurde. Er erzählt Paul, dass Katrin im KZ einer Russin geholfen habe und dafür wahrscheinlich ermordet wurde. Erichs Bitte, ein Plakat mit einem Kampfaufruf zu zeichnen, lehnt Paul ab, da er nie wieder kämpfen will.

Tag 2: Aus Moskau wird die anerkannte Restauratorin und Kunstwissenschaftlerin Dr. Nikitina nach Dresden geholt. Die Bilder haben unter der Feuchtigkeit im Tunnel sehr gelitten, Farbschichten lösen sich und andere Bilder beginnen Risse aufzuweisen oder zu schimmeln. Auf Pauls Rat hin werden die gefundenen Gemälde nach Schloss Rassnitz gebracht. Die Experten bemühen sich um erste Notrestaurierungen der Bilder. Als die Sixtinische Madonna in einem Saal aufgestellt wird, verharren alle Anwesenden beim Anblick des Bildes fasziniert und ergriffen und auch Sergeant Koslow, der zuvor noch Unverständnis gezeigt hat, dass man sich angesichts der Lage in der Stadt Sorgen um die Gemälde macht, gesteht, nie Schöneres gesehen zu haben.

Tag 3: Paul sieht zahlreiche KZ-Überlebende auf einer Straße am Wagen der Soldaten vorbeiziehen. Aggressivität anderer Soldaten gegenüber ihm als Deutschen wehrt Leonow ab – nicht jeder trage Schuld an den Gräueln der Nazis. Die Soldaten suchen nach weiteren Bildern der Galerie, fahren in die Dörfer und suchen in Kirchen nach verschwundenen Bildern. In einem Dorf werden sie auf das Schloss Waldstein aufmerksam gemacht, in dem noch SS-Männer leben würden. Da Paul es ablehnt, dass das Schloss gewaltsam gestürmt wird, verlässt er die Soldaten und geht zu Fuß nach Dresden zurück. In Meißen trifft er unerwartet Katrin wieder, die das KZ überlebt hat. Die Soldaten stürmen erfolgreich Waldstein, wo sie weitere Gemälde der Galerie sicherstellen können. Auf dem Rückweg treffen sie auf einen Arbeiter, der ihnen Paul und die erschöpfte Katrin übergibt.

Raffaels Sixtinische Madonna, eines der gefundenen Gemälde

Tag 4: Der Arbeiter erkennt, dass weitere Bilder im Schacht Brigitte, seiner früheren Arbeitsstätte, gelagert sein müssen. In Dresden wird unterdessen Katrin aktiv. Sie lässt Paul in der Wohnung zurück, der sich weigert, am aktuellen Geschehen oder am Klassenkampf teilzunehmen. Erich Braun bittet sie, die Waisenkinder der Stadt aus den Ruinen zu holen und sie zieht los. Unter den Kindern, die sie in die Innenstadt zurückbringt, befindet sich auch ein kleiner blonder Junge, den Sergeant Koslow beim Einmarsch der sowjetischen Soldaten in Dresden als „ersten Deutschen“ begrüßt hatte. Unterdessen erkennen Nikitina und andere Fachleute, dass die Bilder in Dresden nur eine Erstversorgung erhalten können. Richtige restauratorische Maßnahmen könnten erst in Moskau ergriffen werden, sodass festgelegt wird, die Bilder in die Sowjetunion zu bringen. Paul fühlt sich von den „Siegern“ verraten. Der Arbeiter erscheint in Dresden und erzählt, dass die bisher fehlenden Bilder wahrscheinlich im Schacht Brigitte gelagert sind. Die Soldaten gehen zum stark verminten Schacht und der Arbeiter und Sergeant Koslow begeben sich als erstes in den Schacht. Koslow gelingt es, sämtliche Minen zu entschärfen. Im Höhlenbereich, in dem sich das Wasser gesammelt hat, findet er schließlich alle fehlenden Gemälde, teils im Wasser stehend. Als er ein im Wasser treibendes Gemälde aufhebt, explodiert eine darunter liegende Mine. Er wird bei der Explosion getötet. Der Arbeiter kann die Mine verlassen und den anderen vom Fund berichten.

Tag 5: Die Gemälde aus dem Schacht sind geborgen. Inmitten der Bilder steht Koslows Sarg und Luise Rank erweist dem Toten die letzte Ehre. Paul hat sich unter die von Katrin gerettete Kinderschar begeben und malt den „ersten Deutschen“ mit einem Teddy im Arm, den er ihm im Namen von Sergeant Koslow übergeben sollte. Es wird ein Plakat werden, dass zum Kampf aufruft. Der kleine Junge jedoch soll nie Koslow und die Menschen vergessen, die er kurz nach Ende des Krieges in schwerer Zeit getroffen hat.

Rezension

„Fünf Tage, fünf Nächte“ ist der erste (auch) in der DDR produzierte Spielfilm, dessen Rezension auf dem Filmfest des Wahlberliners gezeigt wird. Fast 31 Jahre nach dem Fall der Mauer und 30 Jahre nach der Wiedervereinigung beginne wir nun auch im „neuen“ Wahlberliner damit. Es wird allerdings auch zu einem DEFA-Special kommen, für viele Filme, die in diesem Special besprochen werden, gelten die Einschränkungen und Kritikpunkte nicht, die bei „Fünf Tage, fünf Nächte“ angebracht werden müssen.

„Die zeitgenössische Kritik befand, dass der Film durch die gewollte Breite der Erzählung und das Bemühen, „ein großes Zeitgemälde zu entwerfen“, am Ende an Tiefe vermissen lasse, so bleibe zum Beispiel die Liebesgeschichte zwischen Paul und Katrin vordergründig. (Winfried Junge: Wenn alle Filmleute der Welt. In: Forum, Nr. 12, 1961.)

Die Suche nach den Bildern der Dresdner Gemäldegalerie nach dem Zweiten Weltkrieg, ihre Rettung durch die Sowjetarmee und die erste Auseinandersetzung der Menschen jener Tage mit der völlig veränderten Umwelt nach dem Zusammenbruch des Hitlerregimes. Umständlich erzählt und schwach inszeniert, dazu voller historischer Ungenauigkeiten. (Lexikon des internationalen Films)

Die Inszenierung fand ich gar nicht schwach, sie hat heute, fast 60 Jahre nach der Produktion des Films, etwas Statuarisches, Mächtiges, übt durchaus eine Faszination aus, der Plot ist im Wesentlichen auch so erzählt, wie man es vom Theater kennt, nämlich in Akten: In diesem Fall fünf. Die Farbgebung, die Kamera-Arbeit, alles exzellent gemacht – und natürlich die großartige Musik von Dimitri Schostakowitsch. Diese ist vielleicht das Beste am gesamten Werk.

Der Inhalt ist hingegen nicht so großartig, weil er nicht der Wahrheit entspricht. Schon beim Anschauen hatte ich das deutliche Gefühl, hier wird hemmungslos idealisiert – bezüglich der Roten Armee, aber auch die Deutschen im Film werden vergleichsweise zahm behandelt, sofern sie nicht gerade der SS angehören. Eine Wahrheit ist schnell ausgesprochen bzw. geschrieben: Es handelt sich bei „Fünf Tage, fünf Nächte“ um einen Propagandafilm, der die stalinistische Ära verklärt und wie die Sowjetarmee in Ostdeutschland vorging, nachdem sie Städte wie Dresden von den Amerikanern übernahm. Natürlich spielt das amerikanische (nicht erwähnt: das britische) Bombardement der Stadt, das im Februar 1945 stattfand und militärisch völlig sinnlos war, eine Rolle, aber es wird tatsächlich nur erwähnt, mehr nicht.

Das ist auch okay, denn die Geschichte des Krieges hat einen Widerhaken, aller deutschen Schuld zum Trotz: Die Zerstörungswut, die sich in solchen Akten der Vernichtung wie in Dresden ausdrückte, nachdem im Westen des Landes ohnehin schon alliierte Truppen unterwegs waren, befleckt die Befreiung vom Faschismus moralisch doch ein wenig, und die Hypothese, dass Hitler genauso gehandelt hätte wie Harris, hätte er die Möglichkeit dazu gehabt, ist eben eine Hypthese, die vor allem darauf fußt, wie durch die Shoah Millionen von Menschenleben barbarisch vernichtet wurden.

Aber es gab ja noch die Rote Armee, die nicht bombardierte, sondern sich unter enormen Entbehrungen nach Deutschland durchkämpfte und die 25 Millionen toten Menschen in der Sowjetunion und die Politik der verbrannten Erde und das unfassbare Leid, das der deutsche Überfall angerichtet hatte. Wenn man im Film nun also die Linie verfolgt hätte: Alles, was euch genommen wird, sind Reparationen und ihr müsst berechtigterweise von vorne anfangen, dann wäre das weniger zu beanstanden gewesen, ebenso wie der Verlust der deutschen Ostgebiete. Einen Ausgleich für die Verwüstungen der Wehrmacht im Osten hatte die Sowjetunion nämlich in der Tat vorgenommen, indem sie industrielle Anlagen auf dem Gebiet der späteren DDR demontierte. Dieses Vorgehen gab es im Westen nur kurz, bevor man auf die viel bessere Idee kam, die BRD zu gründen und sie wirtschaftlich so stark werden zu lassen, dass die Menschen dort sich in der Westintegration überwiegend wohlfühlten. Dadurch wurde die BRD für die USA weitaus wertvoller, als es die DDR für die Sowjetunion je werden konnte, wie sich auch an den massiven Ost-West-Fluchtbewegungen bis zum Mauerbau zeigte.

Kurz vor diesem Mauerbau, in der Chruschtschow-Ära, entstand „Fünf Tage und fünf Nächte“, dem leider vorzuwerfen ist, dass er nicht ehrlich aufrechnet und das harte Regime der Sowjetunion im Osten begründet, sondern so tut, als sei man den Deutschen gegenüber ausschließlich edelmütig bis gutmütig gewesen – und habe die Gemälde der Dresdner Galerie tatsächlich zur Restaurierung in die Sowjetunion verbracht, um sie zurückzugeben, wie mehr angedeutet als ausgedrückt wird, aber man muss den Film so lesen.

Das Seltsame daran ist: 1961 mussten die DDR-Deutschen doch gewusst haben, dass diese Kunstgegenstände nicht zurückkehrten, bis auf einen kleinen Teil, der 1955 retourniert wurde, was interessanterweise zeitlich beinahe mit einem Ereignis zusammenfällt, das im Westen für große Emotionen gesorgt hat: Die Rückkehr der „Zehntausend“, der letzten Kriegsgefangenen aus der SU, der spektakulärste PR-Coup, den Kanzler Adenauer je gelandet hatte. Die Bilder davon sind unglaublich bewegend und trugen entscheidend dazu bei, dass Adenauer bei den Wahlen 1957 als bisher einziger Kanzler eine absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erringen konnte.

Die Kritik, die wir in der IMDb gefunden haben, referiert weiterhin, dass die Gemälde durchaus nicht in einem so schlechen Zustand waren, wie sie im Film gezeigt wurden, womit ja erst rechtfertigt wird, dass sie nach Moskau müssen, um sicher vor Verfall zu sein. Vielmehr seien sie überwiegend sachgemäß gelagert worden und der Sachverhalt genau umgekehrt: Zehn Jahre nach dem großen Kunstraub (Beutefieber) seien die meisten der Kunstgegenstände in Russland immer noch nicht inventarisiert gewesen.

„Den größten Fund machten die Sowjets in einem Steinbruch bei Groflcotta im Kreis Pirna. Dorthin war ein Teil der Dresdner Gemäldegalerie ausgelagert worden, die zu den weltbesten Sammlungen gehörte und unter anderem Raffaels Sixtinische Madonna enthielt. Bald darauf stieß man auf zwei weitere Hauptdepots mit Kunstschätzen aus der Dresdner Galerie, eines im Schloss Weesenstein und das andere nahe der tschechischen Grenze bei Pockau-Lengenfeld. Die Kunstbeutebrigaden sicherten die Funde und organisierten den Transport nach Schloss Pillnitz in Dresden, wo das Sammeldepot für die Beutekunst aus Sachsen eingerichtet wurde.
Am 30. Mai 1945 unterrichtete Marschall Konew Stalin telegraphisch über den Fund der Schätze aus der Dresdner Galerie. Stalin antwortete Konew am 12. Juli: „Gewähren Sie notwendige Hilfe für den Abtransport der von der Brigade Oberst Rototajews vorbereiteten Fracht nach Moskau. Bedenken Sie, die Fracht ist von nationaler Bedeutung; sorgen Sie für notwendige Sicherheit und melden Sie den Vollzug. Stalin.“ Zwei Wochen später, am 26. Juni, erging der GKO-Beschluss Nr.9256 über die Ausfuhr der Kunstschätze aus den Beutedepots in Dresden in die Sowjetunion.
Aus der Sammlung der Dresdner Galerie wählten die Angehörigen der Kunstbeutegruppe 600 Gemälde zum Abtransport aus. „Am 30. Juli verließ ein Zug mit Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen, Drucken und anderen Kunstobjekten der Dresdner Sammlungen die Stadt. Die restlichen Kunstwerke verblieben in Pillnitz unter der Obhut der sowjetischen Militärverwaltung.“
Das Komitee für Kunstangelegenheiten beim SNK beschloss, die in Dresden erbeuteten Kunstschätze und Kunstwerke dem Puschkin-Museum für Bildende Künste zu überlassen. Chraptschenko, der Vorsitzende des Komitees, schrieb am 22. August 1945 an Molotow: „Dies wird – zusammen mit den bereits vorhandenen Sammlungen des Puschkin-Museums – ermöglichen, in Moskau ein grofles Museum für Weltkunst zu errichten, das in seiner Bedeutung solchen Kunstmuseen wie dem Louvre in Paris, dem Britischen Museum in London, der Eremitage in Leningrad gleich sein wird.“ Die Idee eines groflen Museums für Weltkunst in Moskau, ausgestattet mit Beutekunstwerken, wurde später aus politischen Gründen fallen gelassen. Andernfalls hätte man vor der ganzen Welt zugegeben, in groflem Stil Kunstwerke geraubt zu haben.
Das Puschkin-Museum erhielt im Sommer 1945 aus der Sammlung der Dresdner Galerie neben der Sixtinischen Madonna Meisterwerke von Rembrandt (14), Rubens (11), Tizian (5), Veronese (4), van Dyck (12), Velazquez (3), Correggio (4), Murillo (2), Tintoretto (3), Giorgione (Schlummernde Venus), Ribera (5), Botticelli und anderen. Hinzu kamen weitere Kunstschätze wie antike griechische Skulpturen, altägyptische Vasen, einmalige westeuropäische und östliche Porzellansammlungen.“ (Bogdan Musial, „Die ungeheuerlichste Verschleppungsaktion von Kulturgütern in der Geschichte„)

Aus einer linken Position heraus, mit Kontakten zu Menschen, die russische Propaganda teilweise sehr unreflektiert aufnehmen, zitiere ich dergleichen nicht gerne, außerdem ist mir bekannt, dass der polnische Historiker Bogdan Musial umstritten und nicht gerade ein Freund Russlands ist. Trotzdem muss die obige Darstellung erst widerlegt werden – und klingt sie, als wenn man Stalin derlei nicht zutrauen könnte, dem Mann, der 20 Millionen Russen und Russinnen über die Klinge springen und in Arbeitslager verschleppen ließ, im Zuge seiner „Säuberungen?“ Das obige Zitat ist konzentriert auf die Gemäldegalerie, spart Zerstörungen aus, die als Retoure auf die Politik der verbrannten Erde gesehen werden können und natürlich auch die Übergriffe gegenüber der Bevölkerung, insbesondere gegenüber Frauen, die man den Soldaten, die wir im Film sehen, selbstverständlich nie zutrauen würde, wenn sie mit staunenden und das Erhabene sofort intuitiv erfassenden Augen vor den Gemälden der Galerie stehen.

Finale

Im Grunde müsste ein Film wie „Fünf Tage, fünf Nächte“ genauso unter Vorbehalt gestellt werden wie Nazi-Propagandafilme, die nicht unkommentiert gezeigt werden dürfen und nur einem bestimmten Publikum zugänglich sind. Sicher ist die Botschaft humanistischer, auf Versöhnung gerichtet, das muss man dem Film jenseits seiner Falscharstellungen auch zugute halten, aber dadurch kommt das Gefühl auf, dass 1961 so eine Art „Schwamm drüber“ inszeniert werden sollte: Ihr wisst, was ihr getan habt, ihr wisst, was wir getan haben, wir wissen, was wir getan haben, aber im Sinne der ostdeutsch-sojwetischen Freundschaft schaffen für für nachfolgende Generationen ein beidseits, aber vor allem uns selbst betreffend geschöntes Bild, mit dem alle leben können oder müssen, ob sie wollen oder nicht. Bald darauf gab es die Alternative der Flucht in den Westen ohnehin nicht mehr – bzw. nicht mehr ohne Lebensgefahr.

Die heutigen jüngeren Generationen kennen die Wahrheit meist nicht, und deswegen ist die unkommentierte Ausstrahlung dieses Films mehr als diskutabel, weil somit noch 60 Jahre nach seinem Entstehen ein Propagandazweck erfüllt wird, der auf falsch dargestellten Tatsachen beruht. Heute, nachdem es die DDR seit 30 Jahren nicht mehr gibt, sollte man etwas elaborierter an Werke wie „Fünf Tage, fünf Nächte“ herangehen und den Zuschauern ein paar Zusatzinformtationen gönnen, die immerhin von der DEFA-Stiftung erstellt wurden, nicht von irgendwelchen russlandfeindlichen Westmedien. Die schwache Wertung ist der verfälschenden und propagandaistischen Geschichtsdarstellung des Films geschuldet, rein technisch und künstlerisch wäre es zu einer Punktevergabe im siebten Dezil gekommen.

55/100

© 2020 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Leo Arnstam,
Heinz Thiel,
Anatoli Golowanow
Drehbuch Leo Arnstam,
Wolfgang Ebeling
Produktion DEFA
Mosfilm
Musik Dmitri Schostakowitsch
Kamera Alexander Schelenkow,
Tschen Ju Lan
Schnitt Tatjana Lichatschowa
Besetzung

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