Dauerhaftes Böllerverbot? | Frontpage | Umfragen | Civey | Verbot 2021 wegen Corona – und weiter?

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Ganz nebenbei ist uns durch Corona ein Wunsch in Erfüllung gegangen. Seit Jahren kämpfen wir gegen den Irrsinn der privaten Silvesterböllerei. Sicher, wir sind in Berlin privilegiert durch ein großes öffentliches Feuerwerk zum Jahreswechsel, aber daran sieht man auch den Unterschied: Diese private Pyrotechnik ist einfach lächerlich.

Es sieht bescheiden aus und die Böller haben einzig die Funktion, andere zu erschrecken. Von der Umweltbelastung und der Belastung durch den Lärm für Mensch und Tier gar nicht zu reden. Gegenwärtig zeichnet sich in der nachfolgenden Civey-Umfrage eine knappe Mehrheit für ein komplettes Verbot des privaten Feuerwerkens auch nach Corona ab:

Sollte es ein dauerhaftes Verbot von Böllern und Feuerwerk geben?

Helfen Sie uns bitte, der Politik zu sagen: Es ist ein Muss, um in diesen immer stressigeren Zeiten einen Gegenakzent zu setzen. Wenn Klima- und Umweltschutz und die Steigerung der städtischen Lebensqualität wirklich ernst gemeint sind, wird es im Sinne der Erhaltung der Freiheit aller sowieso zu Einschränkungen der Freiheit einzelner kommen, da könnte man sich mit dem Verbot einer so unsinnigen Sache wie dem Böllern schon etwas einstimmen und immer daran denken: Wenn Einzelne ihre Freiheit zu sehr ausnutzen, wenn freiwillige Selbstbeschränkung keine Chance hat, dann wird es zu allgemeinen und verpflichtenden Maßnahmen kommen müssen, damit diese Gesellschaft weiterhin funktionieren kann. Vielleicht sogar etwas besser als gerade jetzt, in diesem Sinne ist es auch richtig, eine Corona-Impfpflicht einzuführen. Fairerweise schreiben wir an dieser Stelle, dass wir auch dafür sind, damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben, bevor Sie mit uns zusammen für ein Böllerverbot stimmen. Falls Sie noch nicht abgestimmt haben, noch ein paar Infos von Civey zur Sache:

Anfang Dezember haben sich Bund und Länder auf ein Böllerverbot an Silvester geeinigt. Demnach wird es zu Silvester ein Verkaufsverbot für Raketen und Böller geben. Mit dieser Coronamaßnahme sollen zu große Menschenansammlungen verhindert werden. Zudem sollen bereits überlastete Kliniken nicht noch mit Unfallopfern durch Feuerwerkskörper belastet werden.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert schon lange ein dauerhaftes Feuerwerksverbot. Ihr zufolge haben Böller und Feuerwerk fatale Folgen für Tiere, Umwelt und Gesundheit. Der Bundesverband Pyrotechnik bezeichnet das Verbot laut rbb als Panikmache und „Todesstoß“ für die Branche. Verletzungen seien vielmehr auf erhöhten „Alkoholgenuss und illegale Feuerwerksprodukte“ zurückzuführen.

Auf politischer Ebene fordert die Linke laut DUH ein Verkaufsstopp für Böller mit sehr lauter Knallwirkung. Sie setzt sich wie die Grünen dafür ein, dass die Entscheidungsbefugnis über Verbote an die Kommunen delegiert wird. FDP und SPD lehnen generelle Verbote ab, denn böllerfreie Zonen in feuergefährdeten Stadtteilen seien effektiver und gäbe es bereits. Auch die CDU bevorzugt Sensibilisierung und Aufklärung statt Verbote.

Wir sind auch dafür, in Zukunft nur noch ganz leise Böller zuzulassen, etwa solche, die nicht mehr Krach machen als eine Knallerbse. Allein die Vorstellung bringt uns zum Lachen. Wenn schon, denn schon, denn der geräuscharme Böller als solcher ist paradox. Deswegen besorgen sich in unserer Stadt die richtigen Böllerfans Produkte, die hierzulande schon jetzt nicht erlaubt, aber in der Nähe und von „Quellen“ günstig zu erwerben sind. Und die sogenannten böllerfreien Zonen kennen wir in Berlin: Die umfassten bisher höchstens ein Prozent des Stadtgebiets und was passiert außerdem? Sie werden es schon erraten haben: Im Falle einer Kontrolle verziehen sich die Böllerfans von diesen zentralen Orten ein paar Meter weiter in unsere Kieze.

Einen gar nicht zu unterschätzenden Vorteil hat das Böllerverbot schon jetzt: Bisher haben wir in unserer Umgebung noch keine Abschüsse vernommen. Das war in früheren Jahren in der zweiten Dezemberwoche ganz anders. Es geht uns auch nicht darum, dass sich in coronafreien Zeiten nicht unzählige Menschen versammeln dürfen, wir haben mit der Straße des 17. Juni eine der größten Freiluft-Partyzonen überhaupt. Wie der Tiergarten nach Großereignissen aussieht, ist wieder eine andere Sache, deswegen wurde einst die Loveparade aus Berlin verbannt. Im Grunde ein ähnlicher Hintergrund: Die Menge an Dreck, die zurückgelassen wurde, war nicht mehr mit dem hippen Image der Stadt zu rechtfertigen.

Beim Böllern geht es um etwas, das man gar nicht abwägend, so oder so beurteilen kann, Feiern vs. Dreck zum Beispiel. Es geht darum, etwas zu beenden, das einfach zu 100 Prozent sinnlos ist und nur belästigend. Vielleicht eine kleine Hilfe: Nein, das ist nicht typisch verbotsdeutsch, in einigen als sehr großzügig geltenden Ländern bzw. Städten wurde diesem Unsinn längst ein Ende gesetzt. Wir schließen kurz die Augen. Wir stellen uns ein Land vor, das von anderen Ländern einfach nur das Gute, das Soziale, das Sinnvolle übernimmt und dass die Menschen dabei entdecken, wie wunderbar Rücksichtnahme gegenüber anderen sein kann. Okay, wir wollen nicht gleich übertreiben. Für dieses Jahr reicht uns das Böllerverbot als Zeichen des guten Willens.

Hier noch einmal der Link zum Abstimmen:

Sollte es ein dauerhaftes Verbot von Böllern und Feuerwerk geben?

TH

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