Corona-Report 22/22: Impfstoff gegen Omikron + Die PCR-Test-Verweigerung aus klassenpolitischer Sicht + 164.000 Infizierte an einem Tag, neuer Höchststand + Corona und die miese Stimmung + Gesellschaftliche Nebenwirkungen | Corona Lage | Info, Service, Politik

Frontpage | Corona Lage: Infos, Service, Politik, Berlin| Neuer Infektionszahlen-Rekord, obwohl ein Bundesland nicht gemeldet hat

Mittwoch, 26. Januar 2022. Gestern wurden 164.000 Neuinfektionen gemeldet, ein neues Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz stieg auf 940 (Vorgag: 894). Erstmals, seit wir die Daten beobachten, wird nur noch eine gerundete Zahl von Neuinfektionen angegeben, weil aus Hamburg gestern keine Zahlen gemeldet wurden.

Intro

  • Das Robert-Koch-Institut (RKI) weist mittlerweile aber auch generell darauf hin, dass nur noch eine näherungsweise Erfassung der aktuellen Daten möglich ist.[1]
  • Wir weisen auf unser gestriges Special „Die PCR-Test-Verweigerung aus klassenpolitischer Sicht“ hin, das im politischen Teil zu finden ist.
  • Wir verbreitern unsere Quellenbasis und lassen unter bestimmten Umständen auch „Alternativmedien“ zu Wort kommen. Dies gilt besonders bei Themen, bei denen sich Widersprüche offenbart haben.[2]
  • Karl Lauterbach rechnet mit 400.000 bis 600.000 Neuinfektionen pro Tag auf dem Höhepunkt der Omikron-Welle, der etwa Mitte Februar erreicht sein sollte.[3]Außerdem verteidigt er die Verkürzung des Genesenen-Status auf drei Monate.[4]
  • Ein Corona-Impfstoff, der an die Omikron-Mutation angepasst werden konnte, ist bei Biontech und Pfizer in Arbeit.[5] .
  • Dazu passt gut: Einen interessanten Artikel, schon etwas älter, darüber, wie es möglich war, die Entwicklungszeit der Corona-Impfstoffe so kurz zu halten, finden Sie hier: Pfizer und Biontech: Wie IT die Impfstoffentwicklung revolutioniert – computerwoche.de.  
  • Wir eröffnen ein neues Kapitel, das sich vor allem mit Nebenwirkungen der Pandemie sozialer, mentaler, wirtschaftlicher Art befasst.

Zum vorausgehenden Corona-Deutschland-Report:

Corona-Report 21/22: Die PCR-Test-Verweigerung aus klassenpolitischer Sicht + Inzidenz steigt weiter + Impfpflicht vielleicht im Sommer oder nicht | Corona Lage | Info, Service, Politik – DER WAHLBERLINER

Zum aktuellen Corona-Berlin-Report:

Corona-Report Berlin 2: Verspätet, aber doch: Schulbetrieb der Lage angepasst | Frontapge Corona Lage | Fokus Berlin – DER WAHLBERLINER

Infoblock

  • Weltweit gemeldete Neuinfektionen gestern und an den Tagen zuvor.[6]
    • 3,36 Millionen (25.01.2022 – eine Woche zuvor: 3,52 Millionen)
    • 2,41 Millionen (24.01.2022 – eine Woche zuvor: 3,02 Millionen)
    • 2,23 Millionen (23.01.2022 – eine Woche zuvor: 2,07 Millionen)
    • 2,84 Millionen (22.01.2022 – eine Woche zuvor: 1,94 Millionen)
    • 3,65 Millionen* (21.01.2022 – eine Woche zuvor: 2,45 Millionen)
    • 3,61 Millionen* (20.01.2022 – eine Woche zuvor: 3,23 Millionen)
    • 3,52 Millionen* (19.01.2022 – eine Woche zuvor: 3,26 Millionen)
    • 3,02 Millionen (18.01.2022 – eine Woche zuvor: 3,20 Millionen)
    • 2,07 Millionen (17.01.2022 – eine Woche zuvor: 2,81 Millionen)
    • 1,94 / 3,23 / 3,26* / 3,20* / 2,81* / 2,17 / 1,87 / 2,24 / 2,52 / 2,59 Millionen (13.01. bis 06.01.2022)

„Immer wieder gibt es Tage, deren Zahlen die Hoffnung nähren, dass auch die Omikron-Welle nun weltweit ihren Gipfel erreicht oder überschritten hat. Für Deutschland allerdings gilt das nach allgemeiner Auffassung nicht“, schrieben wir gestern. Auch heute liegt die Zahl der Neuinfektionen weltweit knapp unter derjenigen der Vorwoche, aber bei den Wochentrends ist immer noch ein Anstieg von 9 Prozent festzustellen. Insgesamt beträgt die Zahl der weltweit gemeldeten Infektionsfälle nun 360 Millionen.[7]

  • Gemeldete Neuinfektionen in Deutschland.[8]

„Der steile Anstieg von gestern auf heute, die höchsten bisher an einem Montag gemeldeten Fallzahlen, lassen auf neue Höchststände in den nächsten Tagen schließen, denn der von uns bisher erfasste Zeitraum belegt, dass an den Tagen Mittwoch, Donnerstag und Freitag die erfassten Neuinfektionen jeweils die höchsten innerhalb der Woche sind“, schrieben wir gestern. Diese Prognose hat sich heute leider erfüllt, mit 164.000 Neuinfektionen wurde der bisherige Höchststand von ca. 141.000 deutlich übertroffen. Wir haben nun die Daten bis zum 24.12.2021 rückwärts erfasst, um einen besseren Überblick über den Wechsel von der vierten Welle zur Omikron-Welle zu zeigen.

  • Aktuelle 7-Tage-Inzidenz in Deutschland.[9]

„Auch der relativ steile Anstieg der Inzidenz an einem Dienstag, der auf Daten des Vortags beruht, lässt darauf schließen, dass ein weiteres Plus bei den Fallzahlen und der Inzidenz auf uns wartet“, schrieben wir gestern. Unsere Befürchtung, dass die Inzidenz in Deutschland heute schon über 1.000 springen könnte, hat sich zwar nicht erfüllt, das liegt aber auch am bereits relativ hohen Basiswert der Neuinfektionen vor einer Woche. Ebenso spielt eine Rolle, dass ein Hochinzidenz-Bundesland (Hamburg) gestern keine Zahlen gemeldet hat und daher heute mit einer ermäßigten Tendenz von 1.250 in die Gesamtstatistik eingeht.

„Dänemark und Israel weisen Inzidenzen von beinahe 4.600 aus, Frankreich liegt bei knapp 3.800. Weitere Länder verzeichnen Anstiege, auf immer noch hohem Niveau verharren die USA (1.500) und Großbritannien (966). Unsere Beschreibung stammt vom 24.01.2022“, stand hier gestern zu lesen. Die heutige Aktualisierung weist für Israel eine Inzidenz von 7.700, für Dänemark eine solche von 5.000 aus. Wir hoffen, dass vor allem erstere Zahl ein Erfassungsfehler ist, denn auf einem ohnehin dergestalt hohen Niveau eine solche Zunahme innerhalb weniger Tage ist beinahe unvorstellbar. Frankreich liegt weiterhin bei 3.800, Portugal folgt mit 3.500.

  • Todesfallzahlen durch / mit Corona in Deutschland

Zur Übersterblichkeit haben wir einen Artikel veröffentlicht, der eine differenzierte Betrachtungsweise nahelegt.[10] Auch zu den „Impftoten“gibt es mittlerweile Daten vom Paul-Ehrlich-Institut.[11] Trotzdem ist mittlerweile festzuhalten, dass die rückläufigen Todesfallzahlen bei ansteigenden Neuinfektionszahlen eine positive Nachricht sind. Auch die Wochentendenz von Worldometers verzeichnet einen Rückgang der Todesfallzahlen in Deutschland um 18 Prozent.[12]

  • Aktuelle Inzidenz aller Bundesländer.[13]

Berlin hat erwartungsgemäß die Inzidenzspitze wieder inne. Hamburg ist wohl auch deshalb auf Platz vier zurückgefallen (zuvor Platz 2), weil es gestern keine Zahlen gemeldet hat. Leider steigt auch in Bremen die Inzidenz seit zwei Tagen wieder an, der kleinste Stadtstaat hatte seit dem Beginn der Omikron-Welle die höchste Inzidenz, bis er in der vergangenen Woche von Berlin und Hamburg überholt wurde.

  • Die Stadt- und Landkreise bzw. Stadtbezirke mit den höchsten Inzidenzwerten:[14]
    • Berlin-Mitte (3.109 / 3.166 / 2.843 / 2.845 / 2.814/ 2.200 / 2.286 / 1.797/ 1.379 / 1.352 / 1.353 / 1.332)
    • Berlin-Pankow (2.842 / 2.034 / 1.757 / 1.872 / 1.954 / 1.508 / -)
    • Berlin-Tempelhof-Schöneberg (2.410 / 1.774, neu auf der Liste)
    • Berlin-Neukölln (2.115 / 1.764/ 1.768 / 1.751 / 1.562 / 1.621 / 1.651 / 1.541 / 1.374/ 1.419 / 1.488)
    • Berlin-Spandau (2.022 / 1.915 / 1.790 / 1.790 / 1.737 / 1.590 / 1.407)
    • Berlin Friedrichshain-Kreuzberg (2.171 / 1.878 / 1.782 / 1.819 / 1.776 / 1.586 / 1.502 / 1.477 / 1.362 / 1.596 / 1.644 / 1.586)
    • LK Dachau (Bayern) (1.997 / 1.790 / -)
    • SK Wiesbaden (1.880, 1.808 / -)
    • SK Bremerhaven (1.790, neu auf der Liste)
    • Folgend: SK Potsdam, SK München

Mittlerweile stellen sechs der zwölf Berliner Bezirke die Kommunen mit den höchsten Inzidenzwerten dar. Auch unser Wohnbezirk ist dabei und hat sich auf Platz drei „vorgearbeitet“, begründet durch einen sehr steilen Anstieg von gestern auf heute. Schon während der bisherigen Wellen war dieser Bezirk immer mit an der Spitze und verzeichnet die meisten Todesfälle aller Bezirke in Berlin. Mittlerweile tauchen unter den Spitzenreitern vermehrt Kommunen aus den Hochinzidenzländern Brandenburg, Hessen und Bayern auf.

  • Der wichtige R-Wert in Deutschland (eine infizierte Person steckt wie viele weitere Personen an?). Wir weisen darauf hin, dass die Werte in der Regel Korrekturen erfahren, wir folgen diesbezüglich der verwendeten Quelle.[15]
  • 1,18 (25.01.2022)
  • 1,23 (24.01.2022) – korrigiert von 1,21
    • 1,23 (23.01.2022) – korrigiert von 1,21
    • 1,18 (22.01.2022) – korrigiert von 1,24
    • 1,19 (21.01.2022) – korrigiert von 1,22
    • 1,16 (20.01.2022) – korrigiert von 1,15
    • 1,15 (19.01.2022) – korrigiert von 1,09
    • 1,12 (18.01.2022) – korrigiert von 1,07
    • 1,13 (17.01.2022) – korrigiert von 1,08
    • 1,14 (16.01.2022) – korrigiert von 1,11
    • 1,15 (15.01.2022) – korrigiert von 1,19
    • 1,19 (14.01.2022) – korrigiert von 1,23
    • 1,19 (13.01.2022) – korrigiert von 1,21
    • 1,20 (12.01.2022) – korrigiert von 1,11
    • 1,17 (11.01.2022) – korrigiert von 1,11
    • 1,17 (10.01.2022) – korrigiert von 1,10
    • 1,19 (09.01.2022) – korrigiert von 1,17
    • 1,23 (08.01.2022) – korrigiert von 1,30

Werte von mehr als 1,10 gelten bereits als sehr kritisch, diese Marke wird überschritten, seit wir den R-Wert erfassen.

Service, Fakten, Politik nach Themenschwerpunkten

  • Boostern (Service, Fakten)

Was beim Boostern zu beachten ist.[16] Interessanterweise wird die „Kreuzimpfung“ von der Stiko nun nicht ausdrücklich empfohlen. Für die Auffrischimpfung soll möglichst der mRNA-Impfstoff verwendet werden, der bei der Grundimmunisierung zur Anwendung kam. Wenn dieser nicht verfügbar ist, kann bei ≥30-Jährigen der jeweils andere mRNA-Impfstoff verwendet werden. Die STIKO betrachtet in der Altersgruppe ≥30 Jahre die beiden mRNA-Impfstoffe als gleichwertig.[17]

Nachträglich wirkt das plötzliche Promoten der Kreuzimpfung, als zu wenig Comirnaty-Impfstoff zur Verfügung stand, eher an der Verfügbarkeit als an der medizinischen Best Practice orientiert. 

Die vierte Impfung hingegen steht noch nicht an, sagte Charité-Virologe Leif Erik Sander dem RBB.[18]  Zu viele Booster könnten demnach schädlich sein, meint auch die EMA, die zu gegebener Zeit auch die Kreuzimpfungen empfohlen hatte.[19] Auch dazu gibt es nun neue Darstellungen:

Eine vierte Dosis des COVID-19-Impfstoffs von BioNTech/Pfizer scheint keinen nennenswert höheren Schutz vor einer Ansteckung mit Omikron zu bieten als die dritte Impfung. Dies deutet eine vorläufige Studie aus Israel an. Israel ist das erste Land, welches systematisch seine Bürger zu einer vierten Impfung aufgerufen hatte. (…) Die Ergebnisse scheinen Zweifel zu bestätigen, welche die Arzneimittelzulassungsbehörde der Europäischen Union (EMA) bereits letzte Woche geäußert hatte. (…)  Einige Länder wie Dänemark, Ungarn und Chile haben trotz der Bedenken der Regulierungsbehörden bereits Auffrischungsimpfungen mit der vierten Spritze zugelassen. Noch Ende Dezember hatte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation Tedros Ghebreyesus erklärt, dass pauschale Auffrischungsimpfungen die Pandemie eher verlängern würden als sie zu beendet.[20]

Die Politik in Deutschland will die Impfpflicht, wenn sie kommt, nur auf drei Impfungen erstrecken. Das ist natürlich nur eine Momentaufnahme. Die Inzidenz in Israel liegt, falls die aktuellen Daten stimmen, bei 7.700, in Dänemark bei 5.000.

  • Keine PCR-Tests mehr für alle: Die Fakten und das Allgemeine

„Wir kommen leider nicht umhin, auch dies zu vermelden. Die meisten Schnelltests sind nicht sicher, das hat nun das Paul-Ehrlich-Institut bekanntgemacht.

Schnelltest ist nicht gleich Schnelltest: Die Tests der unterschiedlichen Hersteller weisen teilweise eklatante Unterschiede bezüglich der Genauigkeit auf, mit der sie eine Corona-Infektion erfassen. So kommt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sogar zu dem Schluss, dass viele im Handel erhältliche Tests nicht sensitiv genug sind, um eine Infektion mit SARS-CoV-2 feststellen zu können.[21]

Ein Unternehmen, das kürzlich für seine Mitarbeitenden Schnelltests gekauft hatte, ärgerte sich so sehr über diesen Tatbestand, dass es eine App entwickelt hat, mit der Sie Ihren Schnelltest testen lassen können.

Zerforschung präsentiert: schnelltesttest.de – zerforschung

Würde man die nach dieser Ansicht[22] üblichen Kriterien für solche Tests an die Schnelltests anlegen, wären „92 Prozent von ihnen Schrott“.

Wir müssen zurück zum Testen und es gehört an diese Stelle. Haben Sie  über die Probleme mit den Schnell- oder Antigentests aufmerksam gelesen? Gestern hat nun Karl Lauterbach verkündet, dass es genau darauf hinausläuft, dass die allermeisten von uns überhaupt keine PCR-Tests mehr bekommen werden. Die Laborkapazitäten seien endlich, heißt es. Offenbar hat sich die Formulierung an journalistischen Beiträgen wie diesem orientiert, wobei nicht mehr das Testmaterial, sondern das Laborpersonal nun den „Flaschenhals“ darstelle.[23]

Angesichts der steigenden Zahl von Corona-Infektionen in Deutschland sollen nicht mehr alle per Schnelltest positiv Getesteten einen PCR-Test bekommen (…). Lauterbach argumentierte, die Wahrscheinlichkeit, dass der PCR-Test ein anderes Ergebnis anzeige als ein professioneller Antigen-Test, sei „sehr gering bei der hohen Prävalenz der Omikron-Variante“. Auch das Schnelltest-Ergebnis gehe an das Gesundheitsamt. „Der PCR-Test ist nicht mehr Voraussetzung für die Meldung beim RKI. So sparen wir wichtige PCR-Kapazitäten für den Höhepunkt der Welle.“

Wichtig zu wissen: Auch in zweiter Instanz, also nach einem positiven Antigen-Test, ist kein PCR-Test für alle Betroffenen mehr vorgesehen. Die 3G-Strategie ist angesichts der geringen Validität der meisten Antigen-Tests ohnehin fraglich. Künftig werden noch mehr Menschen, die nicht direkt im Krankenhaus landen, unter dem Melde-Radar durchlaufen und andere anstecken.

Zumindest bei einem positiven Antigen-Test wäre es wichtig, eine Bestätigung durch den „Gold-Standard unter den Tests zu erhalten“, denn wenn Infektionen nicht sicher nachgewiesen werden, beansprucht das zwar nicht mehr so sehr die Kapazität der Labore, jedoch umso mehr die der übrigen medizinischen Infrastruktur:

Der PCR-Test (auch Labortest genannt) ist der Goldstandard unter den Corona-Tests. Mittels PCR-Test kann in einer Probe aus den Schleimhäuten der Atemwege zuverlässig nachgewiesen werden, ob Erreger vorhanden sind. Beim PCR-Test handelt es sich um ein Standardverfahren in der Diagnostik von Viren. Der Test beruht auf der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion (polymerase chain reaction, PCR). Dabei wird Erbmaterial des Virus vervielfältigt. Dadurch gelingt es, Viren nachzuweisen, auch wenn erst wenige Erreger vorhanden sind. Der PCR-Test hat also eine hohe Sensitivität – er weist das Virus mit einer hohen Treffsicherheit nach. Zudem wird gezielt nur das Erbmaterial des Coronavirus SARS-CoV-2 vervielfältigt. Der Test hat damit eine hohe Spezifität, weist also genau das gewünschte Virus nach.

Der PCR-Test gilt als das zuverlässigste Verfahren, um den Verdacht auf eine akute Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 abzuklären. Es ist für alle Altersgruppen der ausschlaggebende Test für die Entscheidung, ob eine Person sich aufgrund einer SARS-CoV-2-Infektion in Isolierung begeben muss.

Der PCR-Test sollte insbesondere eingesetzt werden: bei Symptomen, die auf eine Erkrankung an COVID-19 hindeuten, unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus, nach einem positiven Ergebnis im Antigen-Schnelltest, Antigen-Selbsttest oder PCR-Pooltest (…).[24]

An diese fachliche und angesichts der schwächeren Validität auch der „professionellen“ Antigen-Tests wichtige Empfehlung will die Politik sich jetzt also nicht mehr halten. Wir finden das, vorsichtig ausgedrückt, schwierig. Die Unsicherheiten, die Corona mit sich bringt, wachsen damit weiter an.

  • Keine PCR-Tests mehr: die klassenpolitische Sicht

Hierzu gibt es nun eine Generalkritik, die sich am Ende der PCR-Tests für alle festmacht, aber zu einem kleinen Manifest geführt hat, das weit über diesen Tatbestand hinausreicht und das gesamte Corona-Management umfasst. Man kann es auch als klassenkämpferische Abrechnung bezeichnen.

„Klasse gegen Klasse“ legt klar, dass das Ende der PCR-Tests bei weiterhin schwachen allgemeinen Maßnahmen gegen die Pandemie ein erneuter Schlag gegen die Ärmeren ist, die sich das private Bezahlen von PCR-Tests nicht leisten können. Wir haben, als wir uns vorgestern erstmals zum Ende der PCR-Tests für alle geäußert haben, mehrfach unsere Formulierungen entschärft, bevor der Artikel veröffentlicht wurde, insbesondere wegen der Lauterbach-Fans unter unseren Leser:innen. „Klasse gegen Klasse“ ist nicht so zimperlich, wie Sie hier nachlesen können.[25]

„Die Regierung setzt auf Durchseuchung – doch unser Leben ist mehr wert als ihre Profite!“ lautet die Überschrift des Artikels, der auch als Kampfaufruf zu verstehen ist. „KgK“ werden viele unserer Leser:innen nicht kennen, aber in der Studierendenschaft der Berliner FU ist diese politische Gruppierung mittlerweile eine Hausnummer vor allem unter denjenigen, die von der Linken und anderen „linken“ Parteien enttäuscht sind und begleitet die sozialen Kämpfe in Berlin (etwa den Klinikstreik im letzten Herbst) sehr aktiv, auch gegen die etablierten Gewerkschaften, und versucht mehr und mehr, in diesem Sinne mitzugestalten.

Wir kommen nicht umhin, festzuhalten, dass man sich bei KgK fast alles notiert hat, was bisher beim Corona-Management schiefgelaufen ist und es in einer insgesamt leider weitgehend zutreffenden Darstellung zusammengefasst hat. „Durchseuchung“ ist dabei in etwa das, was wir oben sehr vorsichtig als „viele Fälle werden nun unter dem Radar laufen“ angedeutet haben. Nur eben, dass die Durchseuchung entgegen anderslautender Aussagen der Politik   als beabsichtigt angesehen wird. Was wir mehr als ein Gefühl großen Ärgers empfanden, aber im Corona-Report nicht so ausführlich und eindeutig hätten formulieren können, wird hier auf aktivistische, kämpferische Weise niedergelegt. Einzig die Abgrenzung der verschiedenen Motive gegen die Impfpflicht ist schwierig, das merkt man dem Text an, aber wir finden es richtig, dass man diese Abgrenzung so plausibel wie möglich darstellt, damit keine falschen Querfront-Vorwürfe entstehen können.

Im Grunde fügt sich auch dieser Teil der Argumentation zu einem logischen Ganzen, wenn man es vom Beginn der Pandemie her betrachtet und nicht von den Notwendigkeiten aus, die sich aus dem Missmanagement während der Pandemie ergeben haben.  

  • Impfnebenwirkungen

Auch bezüglich der Impfnebenwirkungen nimmt die oben zitierte Publikation „Science Files“ eine klare Mindermeinung ein und bewertet sie viel höher als üblich. Die Gegenmeinung wiederum finden Sie hier.[26] Tut uns leid, wir mussten schmunzeln. Hatten Sie nach den Impfungen auch Phantomschmerzen? Dann wissen Sie jetzt, was ein Nocebo-Effekt ist. Wir halten das für eine schwierige Darstellung.

Nun gibt es auch Daten, die etwas über die Häufigkeit von Impfschäden aussagen könnten: 1.421 Anträge auf Entschädigung für Impfschäden bei 163 Millionen Impfungen wurden bisher gestellt, das ist eine Schadensquote von 0,0008 Prozent, sie bezieht sich aber auf alle, nicht auf die erfolgreichen Anträge.

Witzig aber schon wieder diese Einlassung: Spitzenreiter in Sachen Anträge sind Bayern (295) und Nordrhein-Westfalen (188) – was allerdings auch die beiden einwohnerstärksten Bundesländer sind. Außerdem liegen nicht aus allen Bundesländern Zahlen vor.“[27] Wir wissen jetzt nicht, von wo keine Zahlen vorliegen und wie sehr eine komplette Erfassung die Gesamtzahl verändern würde, aber wir rechnen nicht mit mehr als einer Verdoppelung. In der Tat ist nicht die Zahl der möglichen Nebenwirkungen entscheidend, sondern das, was tatsächlich in der Praxis sichtbar wird. Ach ja: 25 Anträge wurden bisher genehmigt.

  • Omikron und Maskenwirkung (Service)

(…) Ein Ergebnis der Forscher: Tragen die infizierte und die nicht-infizierte Person eine gut sitzende FFP2-Maske, ist liegt die Gefahr einer Ansteckung nach 20 Minuten selbst auf kürzester Distanz bei kaum mehr als ein einem Promille. (…)[28] Dann wäre es sogar sinnvoll, im gesamten öffentlichen Raum die Pflicht zu Maske tragen zu etablieren. Einen exakten Vergleich mit OP-Masken gibt der Artikel aber nicht her.

  • Endemische Lage in Sicht?

Bisher, besonders angesichts gerade stark steigender Fallzahlen, schreiben wir es noch an den Ende des Reports, aber es  könnte bald ganz nach vorne rücken: Über das Ende der pandemischen Lage wird weltweit immer mehr diskutiert.[29] Besonders in den Ländern, in denen die Omikron-Welle bereits abzuflachen scheint.

Hierzulande ist eine solche Diskussion verführt, denn Omikron ist noch in der Ausbreitungsphase. Die vergleichsweise umfassenden Corona-Maßnahmen in Deutschland („Maßnahmen-Weltmeister“) werden zwar immer wieder kritisiert, das sollte uns aber nicht beirren: Wirklich harte Einschränkungen gibt es nur wenige, es wurden trotz der stark ansteigenden Inzidenz auch keine neuen beschlossen (Stand 24.01.2022).

Berlin (dpa) – Im Kampf gegen die immer stärkere Corona-Ausbreitung in Deutschland sollen weitreichende Alltagsauflagen für Millionen Menschen noch länger bleiben. Bund und Länder beschlossen am Montag aber vorerst auch keine Verschärfungen.[30]

Die Maßnahmen sind zwar weit gefächert, was die Eingriffe in verschiedene Lebensbereiche angeht, aber die Auswirkungen im Alltag sind nicht ansatzweise mit jenen eines Lockdowns zu vergleichen. Genau diese Handhabe ziehen in Sachen Corona führende Klinik-Mediziner aber in Zweifel:

„Der Infektiologe Chefarzt Clemens Wendtner hält bei hohen Infektionszahlen Einschränkungen weiter für notwendig und plädiert für ein Beibehalten der Regelung zu regionalen Lockdowns ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1000.“[31]

Wendtner und sein Team hatten am 27.Januar 2020 den ersten deutschen Corona-Patienten stationär aufgenommen und seitdem rund 3.600 Fälle behandelt, ohne sich selbst infiziert zu haben. In Bayern gibt es auch etwas wie eine regionale Lockdown-Pflicht bei hoher Inzidenz, aber nur eigentlich, nicht wirklich. Mittlerweile zählt Bayern wieder zu den Hochinzidenz-Bundesländern.

Die jetzt im Vergleich zu anderen Ländern starken Kontaktbeschränkungen wie 2G plus in der Gastronomie sind auch das Resultat großer Versäumnisse der Politik im Umgang mit der Pandemie während der dritten und der vierten Welle, die seinerzeit mit Social-Media-Hashtags wie „Schwere Schuld“ markiert wurden. Aber die Vorbereitungen für die Banalisierung von Corona laufen:

Nach Einschätzung des US-Immunologen Anthony Fauci wird es künftig darum gehen, das Coronavirus so zu kontrollieren, dass das gesellschaftliche Leben wie zuvor stattfinden kann. Ausrotten ließe sich der Erreger wohl nicht. „Wenn Sie sich die Geschichte der Infektionskrankheiten ansehen, haben wir nur eine Infektionskrankheit ausgerottet, und das sind die Pocken“, sagte Fauci bei einer virtuellen Diskussionsrunde des Weltwirtschaftsforums in Davos.[32]

Worum geht es beim Weltwirtschaftsforum? Um die Wirtschaft natürlich. Nicht um die Kneipe um die Ecke, die von Corona wirklich stark betroffen ist, sondern um die Großkonzerne und Superreichen, die seit Corona so gut verdienen wie nie zuvor. Also nicht die Leute nach Hause schicken, wenn eine neue Corona-Mutation um die Ecke kommt, nicht so viel Fez mit Maßnahmen, sondern fleißig weiter für das Kapital malochen lassen (das haben wir geschrieben, bevor wir das Statement von KgK eingebunden haben, es handelt sich also nicht um eine Aufstachelung von deren Seite). Das Weltwirtschaftsforum hat Texte verfasst, in denen steht, wie viel besser es   wäre, wenn kapitalistische Unternehmen und nicht hinderliche Staaten, die noch ein paar Sozialstandards aufrechterhalten, die Welt (alleine) regieren würden. Die 80 Prozent Regentschaft des Großkapitals, die sowieso etabliert sind, reichen den Strategen vom WEF noch nicht.

  • Impfgegner:innen, Protest gegen die Corona-Maßnahmen

Auch diesem Thema wollen wir uns einigermaßen ernsthaft widmen, daher zitieren wir heute zunächst einen Artikel aus Telepolis, den wir interessant finden. Er bezieht sich auf eine Demo, die in Berlin bereits im Dezember 2021 gelaufen ist und auf das Narrativ von der sozialen Spaltung durch Corona oder gar durch die Impfpflicht. Wir sind ebenfalls der Ansicht, es gibt keine „Corona-Spaltung“, sondern lediglich eine Spaltung nach Klassen und Interessen, die längst vor Corona etabliert war und sich seit Jahrzehnten verstärkt. Unter diesem Gesichtspunkt kann man die Pharma-Profite oder bestimmte, nur der Wirtschaft (dem Kapital) dienliche Maßnahmen kritisieren, aber nicht unter Verwendung eines falsch verstandenen Freiheitsbegriffs.[33] Der Subtitel „Demokratie-Idealisten in Aktion“ verfälscht insofern etwas den Inhalt des Beitrags, es sei denn, er ist ironisch gemeint.

  • Impfpflicht

Die Spitze der institutionellen Fachwelt, voran Gesundheitsminister Karl Lauterbach, meint offiziell, eine Durchseuchung sei nicht zu akzeptieren, ebenso äußert sich Christian Drosten.[34] Die Impfpflicht, falls sie kommt, soll hingegen kein Impfzwang sein, sondern mit der Zahlung eines Bußgelds darf man sich freikaufen.[35] So sprach die Bundesjustizministerin Nancy Faeser. Merken Sie etwas? Es hängt mal wieder vom Geldbeutel ab, ob Menschen sich an Regeln halten müssen.

Je länger die Debatte um die Einführung einer Impfpflicht in Deutschland dauert, desto mehr bröckelt die Front ihrer Befürworter. Noch vor Jahresende sah es so aus, als herrsche in Gesellschaft und Politik breite Einigkeit, dass die Pandemie nur mit einer raschen Gesetzgebung zur Einführung einer allgemeinen Impfpflicht zu stoppen sei.[36]

Mittlerweile begründet Karl Lauterbach seinen Ruf nach einer Impfpflicht eher mit der Herbstwelle, die er bereits kommen sieht, als damit, dass sie gegen Omikron noch etwas bewirken könnte.[37]

In diesem Artikel hingegen wird er geradezu einer Kehrtwende bezichtigt, wir meinen aber, da wird ein wenig übertrieben. Dass er keinen eigenen Antrag zur Impfpflicht in den Bundestag einbringen mag, soll vor allem der Tatsache Rechnung tragen, dass es sich um eine ethische Frage handelt. Interessante Idee, damit auch den Fraktionszwang bei einer kommenden Abstimmung aufzuheben.[38]

Die Situation in den Kliniken werde sich wieder verschärfen, so Lauterbach. Momentan erkrankten vor allem die Jüngeren, die viele Kontakte hätten. Wenn sich die Älteren infizierten, werde die Zahl der Klinikeinweisungen wieder steigen. „Da kann es, je nach Entwicklung, nicht nur bei den Intensivstationen knapp werden, sondern auch auf den normalen Stationen. Es droht die Schließung ganzer Abteilungen“, sagte er. „Eine Durchseuchung bedeutet, dass Hunderttausende schwer krank werden und wir wieder viele Tausend Corona-Tote beklagen müssen.“[39]

Dieses Statement müsste man nun also als auf den Herbst 2022 bezogen deuten, denn, siehe oben: Omikron rennt ohne Impfpflicht durch. Trotzdem will die Bundesregierung und will auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach keinen eigenen Vorschlag für ein Gesetz einbringen, das die Impfpflicht regeln soll. Die neuesten Aussagen dazu klingen weniger nach Ethik als nach Furcht vor Blamage:

„(…) Lauterbach begründet das mit seiner Neutralität als Minister. (…)  „Als Bundesgesundheitsminister muss man respektieren, wenn eine Entscheidung eine Gewissensentscheidung des Parlaments ist. (…) Kanzler Scholz will, dass der Entwurf für ein Gesetz zu einem so sensiblen Thema aus der Mitte des Parlaments kommt. (…) Während SPD und Grüne sich größtenteils für die Pflicht ausgesprochen haben, ist die FDP zögerlich. Bundesfinanzminister und FDP-Chef Christian Lindner hat sich noch nicht festgelegt. Eine eigene Mehrheit für die Einführung einer Impfpflicht wäre der Ampel-Koalition nicht sicher.“

Aus dem Artikel geht auch hervor, dass die CDU-Abgeordneten wohl überwiegend für eine Impfpflicht stimmen würden, insofern wäre eine eigene Mehrheit der Regierung nicht zwingend. Doch wie stünde man da, wenn die Opposition helfen muss, damit Ampel-Koalitionäre, welche die Mehrheit der Abgeordneten stellt, ein Gesetz durchbringen können? Inkrafttreten der Impfpflicht: Frühestens Mai 2022, eher später heißt es mittlerweile.[40] 

Das Neueste in dieser angeregten Diskussion mitten während der Pandemie ist, dass nun offenbar doch ein Gesetzesvorschlag für eine Impfpflicht ab 18 in Vorbereitung ist. Oder doch ab 50?[41]

Mittlerweile sind drei Gruppenanträge zu einer Impfpflicht in Vorbereitung, die CDU will einen weiteren eigenen Vorschlag einbringen, „der differenziert sein und die Diskussion befrieden soll.“[42]

Unsere Meinung zur Impfpflicht können Sie hier nachlesen: Die Corona-Impfpflicht: Unsere Stellungnahme (Spin-off aus dem Corona-Report) | Frontpage | Corona Meinung | Impfpflicht – DER WAHLBERLINER

  • Impfstatus, Hospitalisierung

In den vier Wochen zwischen dem 14. Dezember und dem 12. Januar waren demnach von 8912 Corona-Intensivpatienten, deren Impfstatus bekannt war, fast zwei Drittel ungeimpft. Das entsprach insgesamt 5521 Fällen oder 62 Prozent der Neuaufnahmen mit erfasstem Impfstatus. Von etwa jedem zehnten Patienten war der Impfstatus nicht bekannt.[43]

Zweifel an der Wirksamkeit der bisherigen Impfungen gegen die Ansteckung mit Omikron an sich sind hingegen schon in der Welt, seit es Omikron gibt, hier ein Bericht vom 10.12.2021, der sich auf Beobachtungen in Südafrika bezieht.[44]

Nichts anderes als ein Schutz vor schweren Verläufen durch die bisherigen Impfstoffe lässt sich auch aus diesem Artikel des Spiegel schließen, der vor einigen Tagen seinerseits für Schlagzeilen gesorgt hatte, weil die Überschrift so knallig klingt: „Halb Europa könnte sich [gemäß Aussagen der WHO] bis März mit Coronavirus infizieren“.[45] 

  • Genesenen-Status, Verkürzung durch das RKI (Info)

Geht nun aber die just erfolgte Verkürzung des Genesenen-Status von 180 auf 90 Tage durch das RKI auch in die panische Richtung?

Fachliche Vorgaben für Genesenennachweise, mit Wirkung vom 15.01.2022:

Ein Genesenennachweis im Sinne der COVID-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung und der Coronavirus-Einreiseverordnung muss aus fachlicher Sicht folgenden Vorgaben entsprechen:

  1. a) Die Testung zum Nachweis der vorherigen Infektion muss durch eine Labordiagnostik mittels Nukleinsäurenachweis (PCR, PoC-PCR oder weitere Methoden der Nukleinsäureamplifikationstechnik) erfolgt sein

UND b) das Datum der Abnahme des positiven Tests muss mindestens 28 Tage zurückliegen

UND c) das Datum der Abnahme des positiven Tests darf höchstens 90 Tage zurückliegen.

Diese Vorgaben werden regelmäßig überprüft und können sich gemäß Stand der Wissenschaft ändern.[46]

Die Politik ist trotzdem zumindest in Teilen verärgert darüber, dass das RKI Änderungen mit massiven Auswirkungen kundtut, ohne die Gründe zu kommunizieren, auch wenn sie grundsätzlich die gegenwärtigen Corona-Regeln okay findet.[47] Das ist keine Lappalie, denn an einer viel zu unkoordinierten und wenig erhellenden Kommunikationspolitik krankt das Corona-Management mindestens ebenso sehr wie an den sachlichen Fehlern, die bereits begangen wurden. 

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass Politiker eben doch besondere Menschen sind, auch physisch, und zumindest, wenn sie dem Bundestag angehören: Für sie gilt der Genesenen-Status weiterhin sechs Monate lang.[48]

  • Omikron und die Folgen

Auch wenn die Omikron-Variante als „milder“ gelte, sei das kein Grund, nachlässig zu sein, heißt es allgemein. Derzeit wird von einer Reduzierung der Hospitalisierungsrate in Höhe von 50 Prozent gegenüber Delta ausgegangen, von weniger Intensivpatient:innen in Relation zu allen Hospitalisierten und von einem drei bis vier Tage kürzeren Krankenhausaufenthalt, wenn es denn dazu kommt. Geimpfte, gesunde Menschen jüngeren Alters und Kinder seien, wie schon bisher, kaum von schweren Folgen betroffen.[49] Bezüglich der Hospitalisierungsquote ähnlich, aber im Verlauf wird in diesem Artikel wesentlich sträker auf kritische Aspekte insbesondere der deutschen Situation hingewiesen: „„Leider habe Deutschland «noch eine besondere Konstellation von Demographie und Immunität, die Sorge bereitet», sagte Keppler. «Wir haben etwa 17 Millionen Ungeimpfte, die meisten davon sind wahrscheinlich auch ungenesen. Davon sind etwa 2,5 Millionen über 60, haben also ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe, die eine Behandlung auf der Intensivstation zur Folge haben können. Das unterscheidet uns von anderen Ländern.““[50]

  • Omikron und die Spätfolgen 

Ein begreiflicherweise noch recht neues Thema: Wie sieht es bei der „milderen“ Omikron-Variante eigentlich mit den Spätfolgen, mit „Long-Covid“ aus?

„(…) Experten gehen (…) davon aus, dass es allein durch die hohen Infektionszahlen auch eine Flut an Betroffenen mit Spätfolgen geben wird. Denn bezüglich Long-Covid ist eins sicher: Menschen mit milden Verläufen oder gar asymptomatisch Infizierte sind nicht vor Spätfolgen geschützt. So rechnet auch Jördis Frommhold, Chefärztin an der Median-Reha-Klinik in Heiligendamm und führende Expertin in Sachen Long-Covid in Deutschland, mit einer Flut von Long-Covid-Patienten durch die von Omikron verursachten stark steigenden Infektionszahlen. Da laut einer aktuellen Studie ungefähr zehn Prozent aller Infizierten von Spätfolgen betroffen seien, geht sie davon aus, dass Omikron zu einem massiven Anstieg führen könnte: „So oder so ist hier aber von mehreren Hunderttausend bis zu Millionen Menschen die Rede, die Spätfolgen haben werden – und das allein in Deutschland, sagte sie dem „RND“.[51]

  • Corona and beyond – Die Pandemie, ihre Nebenwirkungen und Folgen

Der Anstieg häuslicher Gewalt während der Lockdowns wird immer wieder besprochen und auch immer wieder als Grund gegen Lockdowns ins Feld geführt. In diesem Artikel wird versucht, dem tatsächlichen Anstieg auf die Spur zu kommen, der wohl höher ist, als die Kriminalstatistik es ausweist.[52] Wenn häusliche Gewalt während Phasen von Beschränkungen der Außer-Haus-Aktivitäten ansteigt, dann aber nicht „wegen des Lockdowns“, sondern weil Gewalt in vielen Beziehungen bereits strukturell angelegt ist. Sie bricht sich dann lediglich noch häufiger Bahn. Ganz sicher sind gute Nerven gefragt, wenn es eng wird zuhause und eine großzügige Umgebung hilft dabei, diese zu bewahren, aber das gesellschaftliche Phänomen häuslicher Gewalt muss grundsätzlich betrachtet werden, nicht corona-abhängig.

In einer aktuellen Umfrage von Allensbach für das ZDF sind 80 Prozent der Menschen der Ansicht, die Gesellschaft habe sich durch Corona verschlechtert und die Stimmung wird immer schlechter.[53] Anfangs waren 78 Prozent der Ansicht, Deutschland komme gut durch die Pandemie, mittlerweile sind es nur noch 44 Prozent. Tatsächlich gab es zu Beginn der Pandemie die Hoffnung, dass in dieser Zeit die Solidarität wachsen würde und Ungerechtigkeiten mehr auf den Tisch kämen.

Die bittere Wahrheit ist: Es läuft genau umgekehrt, und zwar in beiden Punkten.

Auch uns kommt es, vorsichtig ausgedrückt, langsam hoch und stellt unsere Solidarität auf eine sehr harte Probe, wenn wir sehen, dass die Beamten schon wieder einen Corona-Bonus bekommen, obwohl sie die einzigen, sind, deren persönliche Sicherheit während der Krise um keinen Deut abgenommen hat und die auch sonst bestens versorgt und umsorgt werden. Der Staat hält seine Vasall:innen mit klingender Münze bei Laune, kauft sich also Wähler:innen.

Gleichzeitig wächst das Vermögen der Superreichen immer schneller, weil sie Profiteure der Kapitalschwemme sind, die natürlich in derlei wirtschaftlich wackeligen Zeiten nicht gestoppt werden kann  – was aber dringend erforderlich wäre, um die weitere Zunahme der Ungleichheit wenigstens etwas zu bremsen. Außerdem prosperiert besonders ausbeuterisches Business derzeit von der veränderten Lebensführung vieler Menschen während der Pandemie stärker als andere Teile der Wirtschaft. Währenddessen verarmt die Mehrheit aufgrund der steigenden Teuerung ebenfalls immer schneller. Dadurch wird übrigens auch der positive Effekt des ach so tollen Mindestlohns von 12 Euro aufgefressen.

TH

[1] Omikron-Welle nicht mehr zu überblicken: RKI gibt Schätzwerte (msn.com)

[2] Mit zunehmender Vertiefung des Themas Corona verspüren wir das Bedürfnis, nicht nur Medien zu zitieren, die der Politik sozusagen hinterherschreiben, sondern auch solche, die eine eigene Meinung oder sogar eigene Recherchen veröffentlichen. Die Verbreiterung der Quellenbasis bedeutet bisher aber kein Abweichen von unserer überwiegend affirmativen Linie gegenüber einer strikten Corona-Politik bzw. einer solchen, die der Omikron-Welle unter Wahrung großer Vorsicht Rechnung trägt. Wir weisen künftig Publikationen aus dem „alternativen Spektrum“ hinter der Fußnotenzahl mit (AM)  aus und schreiben zu dieser Quelle ein paar Zeilen in der Fußnote, wenn wir es für angebracht halten.

[3] ++ Corona-Fallzahlen: 140.000 Neuinfektionen in Deutschland – Karl Lauterbach mit düsterer Omikron-Prognose | Panorama (fr.de)

[4] Karl Lauterbach verteidigt Verkürzung des Genesenenstatus | WEB.DE

[5] Coronavirus: BioNTech/Pfizer testen neuen Omikron-Impfstoff | tagesschau.de

[6] COVID Live – Coronavirus Statistics – Worldometer (worldometers.info)

[7] COVID-19 Weekly Trends by Country – Worldometer (worldometers.info)

[8] Bundesländer | RKI COVID-19 Germany (arcgis.com)

[9] Bundesländer | RKI COVID-19 Germany (arcgis.com)

[10] Höchste Sterbeziffer seit 1946 – über eine Million Todesfälle 2021 + Auswirkungen von Corona? | Service Bevölkerungsdaten, Corona-Daten | Todesfälle, Sterbefälle – DER WAHLBERLINER

[11] Paul-Ehrlich-Institut: 73 Todesfälle wahrscheinlich durch Corona-Impfung (berliner-zeitung.de) – Bezahlartikel

[12] COVID-19 Weekly Trends by Country – Worldometer (worldometers.info)

[13] Bundesländer | RKI COVID-19 Germany (arcgis.com)

[14] RKI COVID-19 Germany (arcgis.com)

[15] Corona-Zahlen: R-Wert für Deutschland (corona-in-zahlen.de)

[16] Was Sie wissen müssen, bevor Sie zum „Boostern“ gehen | WEB.DE

[17] Epidemiologisches Bulletin 48/2021 (rki.de), Tabelle 1 auf Seite 5, Zusammenfassung Seite 8

[18] Charité-Forscher Sander hält vierte Impfung gegen Corona für „aktuell nicht so wichtig“ | rbb24

[19] EMA warnt vor zu häufigem Boostern – ZDFheute

[20] COVID-19: Erschöpfen zu viele Booster-Impfungen unser Immunsystem? | Wissen & Umwelt | DW | 19.01.2022

[21] Corona-News im Ticker: App soll Kunden vor schlechten Schnelltests bewahren | WEB.DE

[22] (AM) Paul-Ehrlich-Institut evaluiert Antigen-Schnelltests: 92% der Tests sind Schrott – SciFi (sciencefiles.org)

[23] Corona: Labore verlangen Priorisierung von PCR-Tests (faz.net)

[24] PCR-Test: Goldstandard unter den Corona-Tests – infektionsschutz.de

[25] Klasse Gegen Klasse – Die Regierung setzt auf Durchseuchung – doch unser Leben ist mehr wert als ihre Profite!

[26] Studie: Viele Impfreaktionen wohl in Nocebo-Effekt begründet | WEB.DE

[27] Corona-News im Ticker: So viele Anträge auf Entschädigung für Impfschäden wurden in Deutschland bislang gestellt | WEB.DE

[28] Studie: FFP2-Maske wirkt sich bei Omikron und Delta unterschiedlich aus | WEB.DE

[29] [25] Umgang mit Corona: Politiker und Experten bereiten ein Ende der Pandemie vor – wann wird das Coronavirus endemisch? (msn.com)– via Handelsblatt

[30] Pandemie: Bund und Länder halten an Corona-Einschränkungen fest | ZEIT ONLINE

[31] Infektiologe für regionale Lockdowns ab Inzidenz 1000 (msn.com)

[32] Fauci spricht sich für Leben-mit-dem-Virus-Strategie aus (msn.com)

[33] Impfpflicht-Kritiker in Berlin auf der Straße: Demokratie-Idealisten in Aktion | Telepolis (heise.de)

[34] Christian Drosten und Karl Lauterbach geben Pressekonferenz zu Omikron | WEB.DE

[35] Nancy Faeser: „Niemand wird zwangsweise geimpft“ – WELT

[36] COVID-19-Impfpflicht – kein klares Bild in Politik und Wissenschaft (msn.com)

[37] [34] Corona-Virus: Karl Lauterbach erwartet Höhepunkt der Omikron-Welle Mitte Februar (msn.com)

[38] „Morning Briefing“: Lauterbach überrascht mit einer Kehrtwende bei der Impfpflicht | WEB.DE

[39] Gesundheitsminister Lauterbach stimmt die Republik auf schwere Zeit ein | WEB.DE

[40] Corona-Impfpflicht per Gesetz: Darum macht Lauterbach keinen Vorschlag | WEB.DE

[41] Corona-Impfpflicht: Weitere Details – Kommt sie im Sommer? – Berliner Morgenpost

[42]  Corona-News im Ticker: So viele Anträge auf Entschädigung für Impfschäden wurden in Deutschland bislang gestellt | WEB.DE – 26.01.2022, Aktualisierung um 9:27 Uhr

[43] DIESE Zahlen schaffen Klarheit: So viele Ungeimpfte landen mit lebensbedrohlichen Covid-Erkrankungen auf den Intensivstationen (msn.com)

[44] Omikron: Ansteckung trotz Booster-Impfung möglich | aponet.de

[45] Coronavirus: WHO – Halb Europa könnte sich bis März mit Omikron infizieren – DER SPIEGEL

[46] RKI – Coronavirus SARS-CoV-2 – Fachliche Vorgaben des RKI für COVID-19-Genesenennachweise

[47] Tobias Hans zu Corona: „Überzeugt, dass Regeln nicht zu weitgehend sind“ – WELT

[48] „Unverschämtheit“: Politiker kritisieren Sonderregel für Genesene im Bundestag | WEB.DE

[49] Harmloses Omikron? Wie kritisch die Infektion wirklich ist | WEB.DE

[50] Virologe: Omikron nicht «mild» – Kliniken vor neuer Welle (msn.com)

[51] Long-Covid-Expertin warnt: „Mehrere Hunderttausend bis Millionen Menschen werden Spätfolgen haben“ (rnd.de)

[52] Häusliche Gewalt und Corona-Lockdowns: Ursache nicht erkannt? | Telepolis (heise.de)

[53] Allensbach-Umfrage zu Corona: Schlechte Stimmung wächst (faz.net)

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