Filmfest 843 Cinema
Hintertreppe ist ein Film des Theaterregisseurs Leopold Jessner aus dem Jahre 1921. Als Co-Regisseur arbeitete der auch für die Filmbauten zuständige Bühnenbildner Paul Leni.
Paul Leni war mir bisher vor allem als der Erschaffer von „Das Wachsfigurenkabinett“ aus dem Jahr 1923 bekannt. Wenn man diesen etwas ruckig, aber fantasievoll gestalteten Film mit „Hintertreppe“ vergleicht, kommt man nicht darauf, dass es sich um denselben Regisseur „mit künstlerischem Anspruch“ handelt, was an Thematik und Stilistik gleichermaßen liegt – obwohl beide Filme dem Expressionismus zugerechnet werden. Die Unterschiede werden wir nicht detailliert erklären, sie sind zu augenfällig, aber mehr zu „Hintertreppe“ steht in der -> Rezension.
Handlung[1]
Jeden Abend trifft sich ein Dienstmädchen mit ihrem Liebhaber am Ausgang der Hintertreppe ihres Hauses. Dabei werden die beiden regelmäßig vom im Kellergeschoss wohnenden, verkrüppelten Briefträger beobachtet, der das Mädchen insgeheim liebt. Eines Tages wartet sie vergeblich auf ihren Geliebten, seine Briefe bleiben ebenso aus. Dann bringt der Briefträger ihr doch einen Brief, in dem ihr Geliebter ihr seine Liebe beteuert.
Voller Überschwang, um ihm zu danken, bringt sie dem Briefträger einen Krug mit Bowle (Punsch) in dessen Kellerwohnung. Dabei stellt sie fest, dass dieser ihr den Brief geschrieben hatte, um sie zu trösten. Sich vom Geliebten verlassen glaubend, wendet sie sich schließlich dem Briefträger zu. Sie haben eine Romanze.
Als er auf sie mit dem Abendessen wartet, kehrt unerwartet der ehemalige Geliebte zurück, er war im Krankenhaus und seine Post kam nicht an – der Briefträger hatte sie aus Eifersucht unterschlagen. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Briefträger und dem Geliebten, an deren Ende die Hausbewohner den Briefträger mit einer Axt in der Hand und den toten Geliebten zu seinen Füßen vorfinden. Wegen des Skandals verliert das Dienstmädchen seine Stellung. Sie steigt aufs Dach des Hauses und springt in den Tod.
Rezension
Ich habe den Schluss so verstanden, dass sie in den Tod geht wegen des Skandals, ganz richtig. In der ausführlicheren Handlungsangabe der englischen Wikipedia steht, sie sei gefeuert worden, weil sie ihren Job vernachlässigt hat. Begeht man deswegen Selbstmord? Kontinentale Moralvorstellungen jener Jahre zu interpretieren, die etwas über banale Gebrauchsfähigkeit von Menschen hinausreichen, ist je nach Herkunft des Interpreten wohl auch Glücksache. Nun wäre es interessant, festzustellen, ob eine Frau in einem US-amerikanischen Film von einiger Bedeutung und aus den frühen 1920ern ebenso gehandelt hat. Für mich war das Meiste, was in „Hintertreppe“ passiert, auch mehr als 100 Jahre nach seiner Entstehung noch recht gut nachvollziebar. Nicht alles, offen geschrieben. Da geht es aber mehr um Details als um die „Linie“, zumal der Film ohne Zwischentitel auskommt und trotzdem verständlich ist. Vermutlich war das auch eine Demonstration: Das expressionistische Spiel besonders von Fritz Kortner erklärt viel Äußeres und Inneres, Henny Porten muss da nicht mehr so viel tun, tut aber doch das Ihrige. Den dritten Mann, gespielt vom späteren Regisseur Wilhelm Dieterle, sieht man kaum. Er stellt eher die Bedrohung für das leider doch nur imaginäre Glück des verdrucksten kleinen Postboten dar.
Hintertreppe ist ein dem Expressionismus verhafteter Kammerspielfilm. Dafür stehen die bildfüllenden Bauten von Paul Leni und Karl Görge (insbesondere die schmal gehaltene, verwinkelte Hintertreppe und die hochaufragenden, kaum lichteinlassenden Hausfronten), mehr aber noch das bühnenexpressionistische Spiel von Fritz Kortner unter der Führung von Leopold Jessner. Der Österreicher Carl Mayer, Autor von Das Cabinet des Dr. Caligari, wendet sich hier zum zweiten Mal nach Scherben (Regie: Lupu Pick) vom Fantastischen ab und dem Realismus zu.
Enge, Abgeschiedenheit, Isolierung gar, das ist es, was die Figuren vereint und trennt. Ganz klar ein im Kern expressionistisches Werk. Es ist erstaunlich, wie bei diesem Stil Freiraum für individuelle Gestaltung zelebriert wurde. Keiner der expressionistischen deutschen Stummfilme scheint dem anderen zu gleichen. Schon deshalb sind sie alle Kunstwerke, von denen jedes auch den Anspruch erhebt, eigen und einzig zu sein. Einer Standardisierung entzieht sich sogar das Spiel der Darsteller, das in den verschiedenen Filmen des Stils auch verschieden akzentuiert ist. Am exaltiertesten kam es mir in „Von morgens bis mitternachts“ vor, sehr effektvoll in „Das Cabinet des Dr. Caligari“ und eindringlich in den Kammerspielfilmen, wie „Scherben“ (Lupu Pick, 1920) oder eben „Hintertreppe“, an dem Pick ebenfalls mitgewirkt hat. Heute würde man letztere beide Filme auch als Sozialdramen bezeichnen.
Hintertreppe ist ein deutscher Stummfilm aus dem Jahr 1921, der von Leopold Jessner inszeniert wurde. Der Film gilt als ein Beispiel für den expressionistischen Stil im deutschen Kino der Weimarer Republik. Die Handlung dreht sich um ein Dreiecksverhältnis zwischen einer Dienstmagd, einem Briefträger und einem Soldaten in einem Mietshaus.
Der Film zeichnet sich durch eine innovative Kameraführung, eine expressive Beleuchtung und eine symbolische Bildsprache aus. Die Schauspieler agieren mit starken Gesten und Mimik, um die Emotionen der Figuren zu vermitteln. Der Film nutzt auch die Architektur des Mietshauses als ein Element der Dramaturgie, indem er die Enge und die Isolation der Bewohner zeigt.
Der Film ist jedoch nicht ohne Schwächen. Die Handlung ist recht einfach und vorhersehbar, und die Charaktere sind eher stereotyp als nuanciert. Der Film wirkt auch etwas moralisierend und sentimental in seiner Darstellung der Liebe und des Verrats. Der Film hat zwar einen künstlerischen Anspruch, aber er erreicht nicht die Tiefe und die Komplexität anderer expressionistischer Meisterwerke wie Das Cabinet des Dr. Caligari oder Metropolis.[2]
Hintertreppe ist ein deutscher Stummfilm aus dem Jahr 1921, der von Leopold Jessner inszeniert wurde. Der Film gilt als ein Beispiel für den expressionistischen Stil im deutschen Kino der Weimarer Republik. Die Handlung dreht sich um ein Dreiecksverhältnis zwischen einer Dienstmagd, einem Briefträger und einem Soldaten in einem Mietshaus.
Der Film zeichnet sich durch eine innovative Kameraführung, eine expressive Beleuchtung und eine symbolische Bildsprache aus. Die Schauspieler agieren mit starken Gesten und Mimik, um die Emotionen der Figuren zu vermitteln. Der Film nutzt auch die Architektur des Mietshauses als ein Element der Dramaturgie, indem er die Enge und die Isolation der Bewohner zeigt.
Der Film ist jedoch nicht ohne Schwächen. Die Handlung ist recht einfach und vorhersehbar, und die Charaktere sind eher stereotyp als nuanciert. Der Film wirkt auch etwas moralisierend und sentimental in seiner Darstellung der Liebe und des Verrats. Der Film hat zwar einen künstlerischen Anspruch, aber er erreicht nicht die Tiefe und die Komplexität anderer expressionistischer Meisterwerke wie Das Cabinet des Dr. Caligari oder Metropolis.
Es ist natürlich etwas fies und auch eklektisch, eine KI zu besprechen, die eine Besprechung zu einem Film gemacht hat und die noch viel lernen muss. Sie kann zum Beispiel nicht beurteilen, ob unsere Rezensionen als Einführungen zu verstehen sind oder an Fortgeschrittene gerichtet sind und wie stark subjektiv der Stil geprägt ist. Wie eben der Expressionismus, der ja auch ein Gegenstück zur späteren neuen Sachlichkeit darstellt.
Der Film ist nur 50 Minuten lang. Die Komplexität von „Caligari“ (etwa 80 Minuten) oder gar des epochalen „Metropolis“ kann er nicht haben. Es war schon so gedacht, dass es hier einfach zugehen sollte. Nun war Metropolis ein späteres Werk, aber den Caligari gab es schon und auch die Großfilme etwa von Ernst Lubitsch. Man tastete sich also nicht ans Metier heran, sondern wollte und konnte wohl nur „klein“ filmen. Allerdings mit einem großen Star: Henny Porten. Sie wird in Darstellungen wegen ihrer etwas bäurischen Optik gerne als typisch deutsch im Stil der Zeit beschrieben, und es ist etwas daran, weil sie beliebter war als einige wirklich schöne Frauen, die es schon damals im deutschen Film zu bewundern gab.
Das ist es eben gerade nicht, bei Porten, die Bewunderung. Sie war volksnäher als fast jeder andere Star der Zeit. Wandelbar war sie aber schon, sie konnte nicht nur das Dienstmädchen, sondern auch Anna Boleyn verkörpern, ohne dass sie in einer der Rollen fehlbesetzt wirken würde. Natürlich war konnte sie sich prächtig austoben in dem Bauernstück „Kohlhiesels Töchter“ (1921) an der Seite des ebenfalls gut gelaunten Emil Jannings und unter der Regie von Lubitsch. Diese Filme stellen im Spektrum des gehobenen damaligen Kinos wohl auch das anderen Pol dar: lustig, geradezu übermütig, mal eher in der besseren Gesellschaft spielen, aber auch als Bauernschwank. In „Hintertreppe“ sollte man ihr eher schlichtes Spiel nicht als mangelndes Können auffassen. Ich denke schon, dass sie sich Fritz Kortner, dem bekannten Bühnenschauspieler, hier auch untergeordnet hat.
Finale
Angesichts unser heutigen Moralvorstellungen wirkt die Geschichte natürlich krass „sentimental“, aber sie ist auch konsequent. Wenn man so will, ist der Axtmord sogar der Eintritt ins Genre Film noir. Sehr beeindruckend fand ich jedenfalls das Ende des Dienstmädchens auf dem Dach. Das heißt, die Sekunden vor ihrem Ende. Denn sie in Zeitlupe fallen und unten aufklatschen lassen, das war damals weder technisch gängig, noch hatten die Filme eine so ungemeine Lust am Vulgären wie heute. Gerade deshalb waren wie eindrucksvoller. Mir ist der emotionale Einstieg durchaus gelungen. Für ein so sehr trauriges Werk liegt auch die IMDb-Bewertung von gegenwärtig 6,8/10 recht hoch. Die Traurigkeit stellt sich schon lange vor dem Tod des Dienstmädchens ein. Der heutige Rezipient weiß schon durch das Spiel von Kortner, dass das nicht gutgehen kann, mit ihm und seiner Nachbarin, die ihm immer die Post für die Herrschaft abnimmt. Vielleicht ahnten es auch die damaligen Kinozuschauer sogleich.
TH
© 2023 Der Wahlberliner, Thomas Hocke
[1] Hintertreppe (1921) – Wikipedia
[2] ChatGPT
| Regie | Leopold Jessner, Paul Leni |
|---|---|
| Drehbuch | Carl Mayer |
| Produktion | Hanns Lippmann, Henny Porten |
| Musik | Hans Landsberger |
| Kamera | Karl Hasselmann, Willy Hameister |
| Besetzung | |
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