Filmfest 866 Cinema
Das Omen ist ein Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs Richard Donner aus dem Jahr 1976. Der Horrorfilm basiert auf einem Original-Drehbuch von David Seltzer und wurde unter anderem von dem Filmstudio 20th Century Fox produziert.
Mittlerweile habe ich einige der berühmten Horrorfilme der 1970er und 1980er Jahre gesehen, die das Genre, von Roger Corman ausgehend, auf ein Niveau hoben, das es zuletzt in den 1930ern hatte, im Grunde sogar in den früheren 1930ern. Aber die Zeiten waren in gewisser Weise Kreisläufer: Dort die Great Depression, dort der Downfall des Guten durch die politischen Morde der 1960er und den Vietnamkrieg und dessen unrühmliches Ende. Sehr auffällig ist, dass auch das verwandte Genre Science Fiction in den 1970ern mehrere dezidiert pessimistische Filme hervorbrachte bis vor allem „Star Wars“ leider dem kritischen Film in den USA generell durch seinen gigantischen Erfolg einen Schlag versetzte – von dem er sich bis heute nicht erholt hat. Mehr zu „Das Omen“ lesen Sie in der –> Rezension.
Handlung (1)
Zur 6. Stunde des 6. Tages im 6. Monat bringt Katherine Thorn, die Frau des US-amerikanischen Botschafters in Rom, ein Kind zur Welt, das jedoch direkt nach der Geburt stirbt. Ihr Mann, Robert Thorn, ist erschüttert, macht sich aber Sorgen um seine Frau, die nicht weiß, dass sie eine Fehlgeburt erlitten hat. Pater Spiletto, der im Krankenhaus arbeitet, empfiehlt ihm, das tote Baby mit einem zur selben Zeit geborenen Jungen auszutauschen, dessen Mutter aber bei der Geburt gestorben ist und das auch sonst keine Verwandten hat. Er zögert erst, lässt sich danach aber schließlich doch dazu überreden, damit seine Frau nicht wegen der Fehlgeburt trauert. Er lässt sie darüber in Unkenntnis und Katherine ist sehr glücklich über das neugeborene Kind, das sie für ihr eigenes hält; es bekommt den Vornamen Damien. Der Austausch des toten Sohns mit dem Sohn der toten Mutter ist bereits ein negatives Vorzeichen, ein schlechtes Omen.
Fünf Jahre später wird Robert Thorn Botschafter der USA in Großbritannien. Damien wächst wie ein ganz normaler Junge auf und zeigt bis dahin keine nennenswerten Auffälligkeiten. Doch bald darauf ereignen sich mysteriöse Vorfälle im Umfeld des jungen Damien. So erhängt sich auf seiner Geburtstagsfeier sein Kindermädchen vor den Augen der Gäste, indem es mit einem Strick um den Hals aus dem Fenster der Villa springt. Damien ist davon aber gänzlich unbeeindruckt und lächelt nur einem Rottweiler zu, der sich in der Nähe befindet.
Thorn erhält Besuch von dem Geistlichen Brennan. Der berichtet ihm, dass er vom Austausch der Babys damals im Krankenhaus weiß. Brennan erklärt Thorn, dass Damien kein normaler Junge, sondern der Sohn des Satans sei. Der Teufel habe das Kind mit einem Schakal gezeugt, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Brennan warnt eindringlich vor der bösen Macht, die von Damien ausgehe. Thorn glaubt ihm jedoch nicht und lässt ihn vom Sicherheitsdienst hinauswerfen. Durch rationales Denken geprägt, qualifiziert er zunächst die Warnungen des Geistlichen als Phantasmen ab. (…)
Rezension
Mittlerweile habe ich einige der berühmten Horrorfilme der 1970er und 1980er Jahre gesehen, die das Genre, von Roger Corman ausgehend, auf ein Niveau hoben, das es zuletzt in den 1930ern hatte, im Grunde sogar in den früheren 1930ern. Aber die Zeiten waren in gewisser Weise Kreisläufer: Dort die Great Depression, dort der Downfall des Guten durch die politischen Morde der 1960er und den Vietnamkrieg und dessen unrühmliches Ende. Sehr auffällig ist, dass auch das verwandte Genre Science Fiction in den 1970ern mehrere dezidiert pessimistische Filme hervorbrachte bis „Star Wars“ leider dem kritischen Film in den USA generell durch seinen gigantischen Erfolg einen Schlag versetzte – von dem er sich bis heute nicht erholt hat.
Aber „Das Omen“ ist noch kein restaurativer Film und nirgendwo kann man so gut in die Grütze hauen und mit den Ängsten der Zuschauer spielen wie in diesem Genre. Der Aufnahmetender wies die Neuverfilmung von 2006 aus, die Programmzeitschrift das Original von 1976. Wäre es dann wirklich die Neuversion geworden, hätte ich vermutlich gelöscht, denn Remakes interessieren mich nur als Remakes, nicht per se und daher hat es keinen Sinn, sie vor einem Original anzuschauen. Ausnahmen davon gab es allerdings schon, wenn es sich jeweils um besonders hervorzuhebende Werke handelte.
Für mich war es ungewohnt, Gregory Peck in einer Rolle zu sehen, in welcher er am Ende erschossen wird, aber das ist ihm ja immerhin schon einmal zu Beginn seiner Karriere in „Duel in the Sun“ passiert, insofern kehrte er ziemlich zum Anfang zurück und sahnte dabei groß ab. Weil „Das Omen“ seine Produktionskosten um das 15fache übertraf und Peck bei recht niedriger Grundgage von 250.000 Dollar mit zehn Prozent am Einspielergebnis beteiligt war, müsste er für damalige Verhältnisse herausragende 6 Millionen Dollar brutto an diesem Streifen verdient haben, der ganz sicher nicht sein bester ist.
Ob es ein guter Horrorfilm ist, klären wir gleich, erst zu Gregory Peck. Ich weiß nicht, was es ist, aber je älter ich werde und je häufiger ich ihn gesehen habe, desto mehr nervt mich sein hölzernes und unnatürliches Spiel. Er gehörte ja zu den ersten ausgebildeten Theaterschauspielern, die im US-Film groß herauskamen, aber ich habe auch meine Probleme mit James Dean, manchmal mit Marlon Brando, die mehr oder weniger seine Nachfolger waren. Anders bei Montgomery Clift, beispielsweise, der auch ein Method Actor war. Sich vom allzu Bühnenhaften zu lösen, scheint nicht so einfach zu sein, aber wenn es schon nicht klappt, dann lieber so exzessiv wie Brando als so eckig wie Peck in vielen Fällen . Natürlich kommt hinzu, dass ich mit ihm trotzdem viele großartige Filme der 1950er wie „Ein Herz und eine Krone“ oder „Weites Land“ verbinde. Letzteren rechne ich ihm hoch an, denn er hatte diesen Western mit pazifistischer Grundaussage produziert und eine etwas kuriose, im Verlauf aber passendere Hauptrolle gespielt. Gleichwohl bezieht der Film im Stil der Zeit seine gute Spannung aus der Gewaltspirale, die in ihm gezeigt wird. Und dann natürlich „Wer die Nachtigall stört“, in dem seine Realpersona, seine Überzeugungen und die seiner Figur so gut eineinanderfließen, dass es komplett authentisch und sympathisch wirkt.
So schön ist „Das Omen“ leider nicht aufgebaut, sondern reiht ziemlich monoton eine gruselige Aktion an die nächste. Zwar stimmt der Wechsel zwischen dramatischen und ruhigeren Szenen einigermaßen, aber die Handlung wirkt furchtbar beliebig zuammengebaut und dieses Mal muss ich dem kirchlich orientierten Lexikon des internationalen Films Recht geben: Die Verwendung religiöser Motive ist ziemlich albern und spekulativ dargestellt. Offenbar diente „Der Exorzist“ (1973) als Vorbild und es gibt ja in „Das Omen“ auch einen Exorzisten. Leider kommt Gregory Peck nicht mehr dazu, dessen Anweisungen zu befolgen. Das ist ein vergleichsweise geschickter Moment, dass man nicht erfährt, ob er noch Zeit hatte, das Kind des Satans zu töten, bevor er erschossen wurde. Wie es zu dieser absurden Verfolgung durch die Polizei nebst Tötung in der Kirche kam, ist allerdings eines jener Handlungselemente des Films, die sein Niveau stark beeinträchtigen. Es ist schlicht Quatsch, dass plötzlich die Polizei hinter Thorn her ist, er hat ja nichts getan, worüber sie informiert gewesen wäre und was sie zu einer solchen Jagd hätte veranlassen können. Das Kind wird sie nicht gerufen haben. Auch dieses Changieren bei den Schauplätzen ist etwas, das ein guter Horrorfilm in der Regel vermeidet. Der Film wirkt dadurch zerfahren und ihm fehlt dieses Klaustrophobische des einzigen, des einen unheimlichen Ortes, zu viel Zeit geht dafür drauf, die Reisetätigkeit von Thorn darzustellen.
Lee Remick als Thorns Frau und alle anderen Darsteller habe ich neutral gesehen. Nichts Grandioses, nichts, was schrecklich schlecht gewesen wäre. Der kleine Junge, gespielt von Harvey Stephens, macht seine Sache aber gut und wirkt hinreichd teuflisch – so sehr, wie ein fünfjähriges Kind wirken kann, wenn es nicht zusätzlich über paranormale Kräfte verfügt. Warum es die nicht gleich besitzt und so viele Helfer braucht, wie das neue Kindermädchen und den Hund, ist allerdings mehr als nur einer Frage wert. Auch der Teufel kann aber offenbar nicht hexen. Man muss dem Katholizismus wirklich dafür danken, dass er solche gruseligen Vorlagen liefert, an denen sich ganze Heerscharen von Regisseuren abgearbeitet haben. Hätte die Reformation weltweit gesiegt, wäre es wesentlich dröger zugegangen, im kirchlich orientierten Horrorfilm.
Nach heutigen Maßstäben ist das Drehbuch ein Baukastenplot, das Filming ist für die Verhältnisse der Zeit in Ordnung und zeigt einige besonders gelungene Momente bei der Kameraarbeit – der Hit ist aber die Musik von Jerry Goldsmith, die einzige, für die er einen Oscar erhielt. „Ave Satanis“ war für damalige Verhältnisse sehr krass und stilprägend für die Horrorfilm-Scores kommender Jahrzehnte. Für mich ist die Musik das Beste am gesamten Film, der mich auch deshalb genervt hat, weil die Rottweiler in ihm ein so mieses Image als Höllenhunde verpasst bekommen. Klar, es gibt weniger gefährliche Hunde, aber grundsätzlich ist das Phänomen dasselbe, das schon den Haien zwei Jahre zuvor arge Probleme bereitet hat. Tiere werden bedenkenlos zu Trägern menschlicher Eigenschaften – und Obsessionen gemacht. Aber alles kein Vergleich zu dem, was Spinnen im Film schon aushalten mussten, um Ängste von Menschen vor ihrem eigenen Tun mit acht mehr oder weniger behaarten Beinen zu versehen.
Finale
Die IMDb-Nutzer werten derzeit mit 7,6/10, das ist ein guter Wert für einen Film dieser Art, der mit Gregory Peck etwas anachronistisch besetzt ist und mehr von ein paar Effekten als von einer gut ausgearbeiteten Handlung mit klugen Elementen lebt. Nerviges gab’s genug, neben den erwähnten Punkten noch diesen: Wie unglaublich borniert die Menschen sind, bis sie mal raffen, dass etwas Ungewöhnliches vor sich geht. Da muss Thorn erst seine Frau verlieren bzw. kann ihren Tod nicht mehr verhindern, damit er richtig aktiv wird und hat anfangs die typische Rolle des Rationalisten, für den selbst offensichtlichste Zeichen für paranormale Vorgänge Quatsch sind. Das ist generell die Schwäche von Filmen dieser Art, dass Menschen, im Gegensatz etwa zum SF oder auch zum Krimi, so furchtbar suboptimal handeln und maßlos schwer von Begriff sind. Anders hätte sich ja eine schwerfällige Handlung wie die von „Das Omen“ auch nicht entfalten können. Irgendwie passt aber die Rolle des wenig versatil wirkenden Botschafters Thorn zu Gregory Peck, auch wenn’s jetzt etwas boshaft klingt. War ein Guter, politisch gesehen, nur sein Spiel ist in manchen Filmen nicht mein Ding. Wo es wirklich funktioniert: In Hitchcocks „Ich kämpfe um dich“ („Spellbound“) von 1945. Da hat er ja einen Typ zu spielen, der neben sich steht und erst einmal hinter seine eigene Identität steigen muss – und das gelingt ihm gut.
Den Film fand ich spannender und auf seine psychologisierende Weise und auch wegen der Art, in der Hitchcock darin psychologisert, gruseliger als „Das Omen“. Wirklich übel war darin nur eine Szene, übel, nicht gruselig: Wie der Fotojournalist von einer Glasplatte erlegt wird. Die Szene war zumindest in ihren letzten Sekunden ein Thrill, auch wenn zu früh klar wurde, dass der Mann nun sein Leben verlieren wird, gemäß Weisagung auf seinen eigenen Fotos. Der beste Film über ein satanisches Kind ist für mich übrigens nach wie vor „Rosemaries Baby“ von Roman Polanski (1968) und was da alles an Horror gegenüber der eigenen katholischen Erziehung des Regisseurs drinsteckt, das kann man von außen, als Nichtkatholik wohl doch nicht so gut nachbilden. Von Regisseur Richard Donner wiederum gefällt mir „Superman“, der im selben Jahr entstand wie „Das Omen“, um einiges besser.
Die Bewertung der IMDb-Nutzer halte ich für zu hoch gegriffen und ende bei 63/100, wobei noch ein paar Pluspunkte für die Musik zu verbuchen sind.
© 2022 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2018)
(1), kursiv und nachfolgende Auflistung: Wikipedia
Regie Richard Donner
Drehbuch David Seltzer
Produktion Harvey Bernhard
Musik Jerry Goldsmith
Kamera Gilbert Taylor
Schnitt Stuart Baird
Besetzung
Gregory Peck: Robert Thorn
Lee Remick: Katherine Thorn
David Warner: Keith Jennings
Billie Whitelaw: Mrs. Baylock
Harvey Stephens: Damien
Leo McKern: Bugenhagen
Patrick Troughton: Pater Brennan
Martin Benson: Pater Spiletto
Robert Rietty: Mönch
Tommy Duggan: Priester
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