Filmfest 868 Cinema
Legenden der Leidenschaft (Originaltitel: Legends of the Fall) ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1994. Der Regisseur war Edward Zwick, das Drehbuch schrieben Susan Shilliday und William D. Wittliff anhand eines Romans von Jim Harrison. Die Hauptrollen spielten Brad Pitt, Anthony Hopkins, Aidan Quinn, Julia Ormond und Henry Thomas.
Ein epischer Film aus dem Jahr 1994 mit dem noch jungen Brad Pitt in der Hauptrolle, der damals gerade mit solchen Werken zum Superstar wurde, betrachtet fast 25 Jahre später (vom Zeitpunkt der Erstellung des Entwurfs aus gesehen, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels sind es bereits 28 Jahre). Was ist zu schreiben? Es steht in der -> Rezension.
Handlung (1)
Der Film erzählt die Geschichte der drei Söhne von Colonel William Ludlow: Tristan, Alfred und Samuel. Sie leben auf einer einsamen Ranch in Montana kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Tristan ist ein wilder Junge, der sich dem Indianer „Ein-Stich“, der für Colonel Ludlow arbeitet, sehr nahe fühlt. Samuel, der in Harvard studiert, kommt nach Hause und bringt seine Verlobte Susannah mit. Diese lebt sich auf der Ranch sehr schnell ein und verbleibt dort längere Zeit. Die Söhne melden sich trotz des Widerstands ihres Vaters freiwillig bei der kanadischen Armee, um im Ersten Weltkrieg für die Briten zu kämpfen. Dabei stirbt im Jahr 1915 Samuel durch Gewehrfeuer, da Tristan ihn aus den Augen gelassen hat. Voller Schuldgefühle und Depressionen rächt sich Tristan an mehreren deutschen Soldaten, indem er sie ersticht und skalpiert, wie er es in seiner Jugend von „Ein-Stich“ lernte. Wieder in Montana rivalisieren Tristan und Alfred um Susannah. Alfred offenbart ihr kurz nach der Rückkehr aus Europa seine Liebe, sie beginnt aber mit Tristan eine Affäre.
Tristan ist nach dem Krieg ein gebrochener Mann und beginnt eine Weltreise. Er schickt Susannah einen Brief, in dem er sie darum bittet, nicht mehr länger zu warten und einen anderen Mann zu heiraten. Nach vielen Jahren kehrt Tristan von Schuld und Depressionen gereinigt wieder zurück. Susannah ist inzwischen mit Alfred verheiratet, der in der Politik als Kongressabgeordneter tätig ist. Colonel William Ludlow hat inzwischen einen Schlaganfall erlitten und kann seitdem kaum noch sprechen. Während der Prohibition in den späten 1920er Jahren wird Tristan zu einem Alkoholschmuggler und gerät dabei ins Visier einiger Regierungsbeamter.
Tristan heiratet die mittlerweile erwachsene Isabel Zwei, die Tochter eines Arbeiters und einer Indianerin auf der Ranch. Während einer Auseinandersetzung mit einigen Regierungsbeamten im Alkoholschmuggel wird Isabel Zwei versehentlich tödlich verwundet. Tristan verübt zusammen mit Decker Rache, darunter auch an einem der O’Banion-Brüder. Währenddessen nimmt sich Susannah aus Kummer mit einer Pistole das Leben.
Der korrupte Sheriff und der andere O’Banion-Bruder erscheinen auf der Farm und werden daraufhin von Colonel Ludlow erschossen. Der dritte Bewaffnete wird von Alfred erschossen. Alle Konflikte zwischen Alfred, Tristan und ihrem schwer kranken Vater scheinen bereinigt zu sein. Wegen der verübten Morde begraben sie nachts noch die Leichen der Angreifer und versenken deren Auto im Fluss. Tristan ist daher gezwungen zu fliehen. Er bittet Alfred darum, sich um seine Kinder zu kümmern, was dieser ihm verspricht. Viele Jahre später im Jahr 1963 stirbt der inzwischen gealterte Tristan im Kampf gegen einen Grizzly-Bären.
Rezension
Ich hätte den Film für neuer gehalten, rein von der Anmutung. Er hat nicht diese sonnige Aura, die viele Filme der Clinton-Ära auszeichnet, ist schon eher in den Farben und der emotionalen Tonlage der nach 2001-Ära gehalten. Natürlich ist mir nicht verborgen geblieben, wie jung Brad Pitt darin aussieht. Trotzdem hätte ich auf ein jüngeres Produktionsdatum getippt. Technisch kann man ja heute kaum noch Unterschiede zwischen Filmen feststellen, die innerhalb der letzten 25 Jahre entstanden sind – mit Ausnahme der zunehmenden Zahl von Streifen, die mit CGI aufgemöbelt sind oder ganz auf ihr basieren, da hat sich natürlich im besagten Zeitraum viel getan.
Wie kurz zuvor Tom Cruise „In einem fernen Land“ (1992) betritt Brad Pitt hier für ihn Neuland, indem er die Hauptrolle eines epischen Films besetzt; spätestens durch diese Rolle, wenn nicht schon zuvor durch „Interview mit einem Vampir“ (ebenfalls 1994) wurde Pitt zu einem „Teenie-Idol.“ Vermutlich waren es die vielen langen Haare, die dafür gesorgt haben. Oder dass Pitt am Grabstein seines im Krieg getöteten Bruders so herzzerreißend weint. Das war damals noch recht ungewöhnlich im Film oder wirkt auf mich besonders ungewöhnlich, weil die Szene so ausgespielt ist. Ich habe überhaupt noch keinen Film gesehen, in dem die Schauspieler so oft rote Augen haben wie in diesem. Trotzdem bleibt die emotionale Temperatur auf eher mittlerem Niveau.
„Legenden der Leidenschaft“ ist ein echter Publikumsfilm, vor allem ganz junge Frauen, also tatsächlich Menschen im Teenie-Alter, sind hochgradig begeistert. Das ist auch das Alter, in dem man mehr schwärmt als einen Film analysiert. Die über 45jährigen Frauen sind aber nicht viel anders drauf, insgesamt bewerten Frauen den Film interessanterweise höher als Männer. Die Kritik ist überwiegend anderer Ansicht, und sie hat Recht.
Die Inszenierung ist zwar gut bebildert, aber dramaturgisch bieder und flach, alles ist höchst vorhersehbar, bis auf den Schluss, für dessen Wendungen dann eine der kleinen Gewaltorgien benötigt wird, in denen amerikanische Filme oft ihre zweifelhafte Katharsis finden. Die Szene, in welcher der Polizist mit der Tommy Gun wild umherballert in einer Haltung, in der kein normaler Mensch, schon gar nicht ein geübter Mann wie er, ein solches Gewehr halten würde, und dabei zufällig Tristans Frau totschießt, ist so grunddämlich, dass ich mich richtig geärgert habe über das, was uns hier mal wieder verkauft wird, um der Handlung endlich etwas Dynamik zu verschaffen. Und die hat sie am Ende, da wird alles an Tempo aufgeholt, was bisher versäumt wurde. Dadurch sieht man aber nicht einen insgesamt wohlgestalteten, sondern ziemlich auseinanderfallenden Film.
Dass die Entwicklungen zwischen den Personen so leicht vorauszusagen sind, liegt auch daran, dass es diese allzu deutlichen Einstellungen gibt, in denen nur faszinierte Blicke festgehalten werden. Da muss der arme Samuel ja draufgehen, damit aus diesen Blicken zwischen Tristan und – nicht Isolde, sondern Susannah ernsthaft und ohne die Figuren moralisch zu diskreditieren, mehr werden kann und Alfred auch noch ins Spiel kommen darf.
In den ersten Minuten musste ich aber schon über einige Hürden steigen. Brad Pitt in dem Alter ist für mich kein Epen-Schauspieler und kann einen solchen Film darstellerisch kaum tragen. Dass das für mich mit dem damals ebenfalls jungen Tom Cruise „In einem fernen Land“ ganz gut funktioniert, liegt an der Inszenierung, die ihn besser führt und daran, dass die Chemie mit der Hauptdarstellerin Nicole Kidman auffällig gut ist. Aber es ist in „Legenden der Leidenschaft“ ebenfalls die weibliche Hauptrolle, gespielt von Julia Ormond, die den Film emotional führt und damit verhindert, dass er ins Lächerliche abgleitet. Ihre Intensität spiegelt die Emotionen, die Pitt nur schwerlich rüberbringt, in der Liebe zu ihm. Auch Aidan Quinn als Bruder Alfred in einer nicht beneidenswerten Rolle und Anthony Hopkins, mal nicht als Hannibal Lecter, sondern als Vater der drei Brüder, ebenso der Native American Gordon Tootootsis („Ein-Stich“) performen nach meiner Ansicht besser als Pitt, dessen Acting die Tiefe und Hintergründigkeit ziemlich abgeht, die es für eine Rolle wie diese braucht.
Mittlerweile sind wir erheblich weiter und ich rechne Pitt zu den Schauspielern, die in einer großen, anspruchsvollen Rolle glaubwürdig sind, aber 1994 war es für Tristan Ludlow doch etwas früh, wenn man den Film nicht aus der Fan-Perspektive sieht, sondern versucht, objektiv die Leistungen der Mitwirkenden zu beurteilen. Die Mystik, die sich aus der Initiation von Tristan im Moment des Aufeinandertreffens mit dem Bären ergibt, kommt nicht wirklich rüber, und das ist bei einem Film, der auf einer mystischen Verbindung zwischen Mensch und Tier, Jäger und Jäger, aufbaut, ein nicht geringes Handicap.
Die leichtfertige Art, wie Hollywood europäische Geschichte unter das unbedarfte Publikum streut, war ein weiterer Faktor, der den ersten Teil des Films nicht angenehmer macht. Den Zweiten Weltkrieg schenkt man natürlich ab, weil es keinen Grund gab, ihn anzuzetteln, egal, was vorher geschah, doch die Faktoren, die zum Ersten Weltkrieg geführt haben, sollte man entweder gar nicht oder etwas faktengetreuer und ausgeglichener erklären, wenn man schon alle drei Söhne aufs europäische Schlachtfeld schickt und sie dort durch grünlichgelb wabernde Gasangriffswolken schreiten lässt. Aber das Niveau dieser Darstellung entspricht eben auch der Oberflächlichkeit des gesamten Films, der das, was in dem Thema steckt, nicht annähernd ausspielt. So gesehen, darf man auch die manchmal sehr plane Spielweise von Brad Pitt nicht allein ihm anlasten, denn ein junger Schauspieler, der schon mehr Star als Charakterdarsteller ist, braucht eine starke Regie-Hand, um seine bisherigen Grenzen zu überschreiten und ein Epos zu tragen.
Finale
„Legenden der Leidenschaft“ ist im Grunde der falsche Titel, im Original heißt der Film ja auch „Legends of the Fall“, was sich nicht so leicht erschließt und der Buchvorlage folgt. Dieses Mal hat sich gerächt, dass ich die Fakten zu einem Film immer erst nach dem Anschauen recherchiere, weil ich möglichst unbeeinflusst vor dem Bildschirm Platz nehmen möchte, denn ich habe jetzt nicht im Kopf, ob sich alle wichtigen Wendepunkte im Leben der Figur Tristan, die erste Begegnung mit dem Bären, der Tod Samuels, die zweite, die dritte Begegnung mit dem Bär oder, bei der dritten, wohl doch mit einem anderen Grizzly, wirklich im Herbst abspielen.
Nach dem großen Erfolg von „Glory“, einem wegweisenden Bürgerkriegsdrama, gedreht 1989, war Regisseur Edward Zwick durchaus zuzutrauen, dass er einen Stoff wie „Legends of the Fall“ meistert, aber zu einem großen Film fehlt hier doch eine Menge. Das ist schade, weil man spürt, wie viel Potenzial der Stoff hat, der hier zu einer Mischung aus Landschaftswestern, Kriegsfilm und Schmugglerstory aus der Prohibitions-Ära gerinnt, die durch eine große Liebe geklammert werden könnten, wenn denn der Eindruck, es handele sich um eine solche, die Beliebigkeit des Genres überstrahlen könnte.
Eine Anmerkung aus dem Jahr der Veröffentlichung des Textes: Ich kann mich überhaupt nicht mehr an den Film erinnern, an kein Detail, keine Szene. Das sagt mir vor allem, dass meine eher negative Einschätzung durch den Mangel an Durabilität dieses Werks in meinem Gedächtnis gestützt wird. Oder es wird rasant schlechter, das wäre natürlich auch eine Möglichkeit.
56/100
© 2022 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2016)
| Regie | Edward Zwick |
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| Drehbuch | Susan Shilliday William D. Wittliff |
| Produktion | Patrick Crowley William D. Wittliff Edward Zwick Marshall Herskovitz |
| Musik | James Horner |
| Kamera | John Toll |
| Schnitt | Steven Rosenblum |
| Besetzung | |
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