Filmfest 892 Cinema
Die Maske runter ist ein US-amerikanisches Kriminaldrama von Richard Brooks aus dem Jahr 1952. Die Produktion mit Humphrey Bogart in der Rolle eines Chefredakteurs wird oft dem Film noir zugerechnet.
Die englischsprachige Wikipedia behauptet auch fest, dies sei ein Film noir. Es ist schwierig, gegen diese immer mehr um sich greifende Zuschreibung anzugehen, die quasi den kompletten Kriminalfilm der 1940er und 1950er amerikanischer Herkunft umschließt, wenn diese Form von Inklusion anhält. Dadurch wird die Bezeichnung als Film noir aber wertlos, weil sie keine Unterscheidungen mehr ermöglicht. Ist „Die Maske runter“ ein Film noir, darüber ein paar Sätze, aber mehr natürlich zu vielen anderen Aspekten steht in der –> Rezension.
Handlung[1]
Ed Hutcheson ist der aufrechte Chefredakteur von The Day, einer New Yorker Tageszeitung mit qualitativ hochwertigen Berichten, deren Besitzer vor kurzem gestorben ist. Die Witwe des Besitzes, Margaret Garrison, hat sich von ihren geldgierigen Töchtern Katherine und Alicia überreden lassen, The Day an den rivalisierenden Zeitungstycoon Mr. Henry zu verkaufen. Hutcheson ist sich bewusst, dass dies das Ende der Zeitung bedeuten würde, da Henry mit dem Kauf nur einen Konkurrenten loswerden will. Der Chefredakteur hat zusätzlich private Sorgen: seine Frau Nora hat ihn verlassen, da er ständig nur seine Zeitung im Kopf hatte. Nun will sie mit Lewis Schaefer einen neuen Mann heiraten, obwohl sie eigentlich noch immer Ed liebt.
George Burrows, ein Reporter des Day, arbeitet an einer gefährlichen Geschichte über den einflussreichen und wohlhabenden Gangster Rienzi, der immer noch auf freiem Fuß ist, da ihm seine Verbrechen nie nachgewiesen werden konnten. Rienzi soll hinter dem Mord an Bessie Schmidt, einer jungen Frau, deren Leiche aus dem Fluss gezogen wurde, stecken. Burrows wird jedoch bei seiner Arbeit an dem Fall brutal zusammengeschlagen. Hutcheson beschließt daraufhin, mit ganzer Kraft gegen Rienzi zu arbeiten. Er hofft, dass er durch die Geschichte wieder steigende Leserzahlen bekommt und so das Ende der Zeitung noch verhindern kann. Rienzi zeigt sich wütend und droht Hutcheson, der allerdings nicht von seinem Kurs abweicht.
Die Reporter des Day finden heraus, dass Bessie Schmidt die Geliebte des verheirateten Rienzi war und dieser auch ihren Unterhalt finanzierte. Bessies Bruder Herman war ebenfalls in Geschäfte mit Rienzi verwickelt. Die Reporter können Herman Schmidt ausfindig machen, der sich vor den Handlangern Rienzis versteckt hält und denkbar nervös ist. Nach einigen Lügengeschichten berichtet Herman, dass seine Schwester Rienzi um größere Summen Geld betrogen habe, die er ihr zur Aufbewahrung gegeben habe. Herman gesteht, dass er in seiner Angst Rienzis Leuten das Versteck von Bessie verraten habe – er kann seine Geschichte allerdings nicht zu Ende erzählen, da falsche Polizisten, bei denen es sich in Wahrheit um Rienzis Männer handelt, ihn aus dem Büro des Day entführen. Herman kann sich zwar befreien, fällt aber bei seiner Flucht in eine Druckerpresse und stirbt.
Margaret Garrison ist beeindruckt von der Geschichte über Rienzi und entschließt sich, doch noch den Verkauf der Zeitung zu verhindern, damit nicht das Lebenswerk ihres Mannes zerstört wird. Allerdings sind die Mehrheitsanteile der Zeitung mittlerweile im Besitz ihrer beiden Töchter, die weiterhin an Mr. Henry verkaufen wollen. Bei der entscheidenden Gerichtsverhandlung hält Hutcheson eine flammende Rede, in der er auf die Wichtigkeit einer vielfältigen Zeitungslandschaft hinweist und Wahrheit sowie Gerechtigkeit als Merkmale einer guten Zeitung wie dem Day ausmacht. Der Richter, ein langjähriger Leser der Zeitung, stimmt Hutcheson zwar zu, urteilt aber, dass der Verkauf an Henry aus juristischer Sicht legal sei. Der Day steht damit vor dem Aus.
Unterdessen betritt Mrs. Schmidt, die aus Deutschland eingewanderte Mutter von Bessie und Herman, das Büro des Day. Kurz vor ihrer Ermordung hatte Bessie ihr Tagebuch, in welchem sie Rienzi entlarvt, und das gestohlene Geld ihrer Mutter zur Aufbewahrung gegeben. Mrs. Schmidt, die als langjährige Leserin Vertrauen zu der Zeitung hat, ist entschlossen, Rienzi mit ihrer Aussage vor Gericht zu Fall zu bringen. Nora hat ihre Heiratspläne inzwischen fallen gelassen und kehrt zu Ed zurück, der mit dem absehbaren Ende des Day seinen Posten als Chefredakteur abgeben muss und nun hoffentlich mehr Zeit für sie haben wird. Ein wütender Rienzi ruft bei Hutcheson an und droht ihm mit dem Tod, falls er die Enthüllungen von Mrs. Schmidt drucken würde. Hutcheson lässt sich nicht einschüchtern und bringt die Sache auf der Titelseite, gegen Rienzi wird Anklage erhoben. Im Büro des Day erlöschen unterdessen die Lichter.
Rezension
Humphrey Bogart ist untrennbar mit dem Film noir verbunden, denn mit „Der Malteser Falke“, mit dem er zum Superstar wurde, gilt auch als Auftakt der „Schwarzen Serie“. Dabei ist dieser Film gar nicht im Kern schwarz, sondern eher differenziert oder auch grau, wenn man es nicht scheckig mag.
„Die Maske runter“ ist in erster Linie ein Film über eine Zeitung, in der das Verbrechen direkt auf die Zeitung durchgreift und einen Zeugen aus ihr heraus entführt. Wir hätten uns ja die Marken der Polizisten mal zeigen lassen, die ihn einfach aus der Redaktion heraus mitnehmen. Sicher hätte „Boss“ Hutchinson das auch getan, aber der war gerade abwesend und die übrigen Zeitungsmänner lieben zwar ihren Beruf, sind aber doch nicht ganz die harten Jungs, die Bogart so gut verkörpern kann.
Für die Hauptrolle des Ed Hutcheson galten zunächst Gregory Peck und Richard Widmark als Favoriten. Regisseur Richard Brooks plädierte allerdings für Humphrey Bogart, mit dem er seit den gemeinsamen Dreharbeiten bei Gangster in Key Largo (1948) – wo Bogart Hauptdarsteller und Brooks Drehbuchautor war – eine Freundschaft pflegte. Für Richard Brooks, der zuvor lange nur als Drehbuchautor gearbeitet hatte, war Deadline U.S.A. erst der dritte Film als Regisseur. Nach langen Verhandlungen gewann Bogart die Hauptrolle, doch die Dreharbeiten verliefen nicht ohne Reibungen: Er hatte kurz zuvor unter körperlich harten Bedingungen African Queen gedreht und wirkte müde, was sich teilweise in einem unfreundlichen und arroganten Verhalten gegenüber der Filmcrew ausdrückte.[1]
Es ist natürlich blöd, wenn man das Obenstehende vor dem Anschauen des Films gelesen hat. Dann findet man natürlich so eine Art Wurschtigkeit, die sich in Richtung der Müdigkeit interpretieren lässt, die hier Erwähnung findet. Wir haben uns Gregory Peck und Richard Widmark in der Bogart-Rolle vorgestellt und finden: beide hätten sie ausfüllen können. Auf unterschiedliche Weise natürlich, aber das hätte funktionieren können. Peck hätte sie sicher etwas statuarischer angelegt, die Qualen, von den gierigen Erben und von bösen Buben eingekeilt zu sein, hätte Widmark sicher sehr gut rübergebracht. Bei Peck wäre es ein eher der Habitus „jetzt gerade“ geworden, bei Widmark ein „trotz allem“, bei Bogart aber ist es was? Schwer zu definieren, aber ich finde, er legt die Rolle etwas zu humorlos an und wirkt von dem Typ, den er hier verkörpert, einen Tick zu zynisch, um sich so für seinen Job aufzuopfern. Nicht umsonst zählt „Deadline – U.S.A.“, wie der Film im Original heißt, zu den am wenigsten bekannten aus Bogarts Zeit als großer Star, also von ca. 1940 bis zu einem Tod im Jahr 1957.
Und was ist mit Regisseur Richard Brooks, der mit „Die Katze auf dem heißen Blechdach“, „Elmer Gantry“ und „Süßer Vogel Jugend“ zu einem profilierten Erschaffer hochwertiger Literaturverfilmungen werden sollte? Er hat hier ein Originaldrehbuch verfasst, das gerade bei Zeitungen einigen Respekt erfuhr, auch, weil einiges aus der realen Welt der Tagesblätter darin sichtbar wird:
ie im Film gezeigte Zeitung The Day hat in der New York Sun ein reales Vorbild. Die New York Sun galt als eine der ernsthaften New Yorker Zeitungen und musste 1950 nach insgesamt 117 Jahren Zeitungsgeschichte eingestellt werden, als sie mit einer anderen Zeitung verschmolz. Durch ein kleines Wortspiel im Film wird diese Verbindung auch angedeutet: Der Gründer der New York Sun hieß Benjamin Day (1810–1889), eben wie die Zeitung im Film. Als ein weiteres Vorbild für Richard Brooks soll das Ende der von Joseph Pulitzer geführten Zeitung New York World gedient haben. Die Söhne von Pulitzer wollten die Zeitung nach dessen Tod nicht weiterführen, sondern lieber in fremde Hände geben und verkaufen.
Deadline U.S.A. wurde mit überwiegend positiven Kritiken bedacht. Die New York Times schrieb, dass wirklich gute Zeitungsfilme nur selten entstehen würden. „Dieser, obwohl melodramatisch, macht von Grund auf alles richtig.“ Der Film sei authentisch von Brooks inszeniert worden, verlange allerdings wegen seiner drei Handlungsstränge auch die Aufmerksamkeit des Zuschauers.[5] Variety lobte die Leistung von Humphrey Bogart als „überzeugend“.[6] Das Lexikon des Internationalen Films schrieb: „Engagierter Film mit vorzüglicher Besetzung, der bisweilen etwas glatt und wortreich die Notwendigkeit einer unabhängigen Presse vor Augen führt.“[7]
In diesem Fall muss ich dem Lexikon des Internationalen Films zustimmen, der Film hätte etwas mehr vom Show-don´t-tell-Prinzip verwirklichen dürfen. Es gibt zwei Aspekte, die hier zu erwähnen sind: Brooks hatte wohl auch deshalb mit seinen Theaterverfilmungen Erfolg, weil ihm dieses wortreiche Genre zupass kam, er konnte geschliffene Dialoge, gesprochen von guten, ausgebildeten Theaerschauspielern wie Paul Newman, gut auf die Leinwand bringen. Die Tendenz, die Dinge auszusprechen, zeigt auch „Die Maske runter“. Andererseits könnte ich mir vorstellen, dass das etwas Verkrampfte, das hier zu sehen ist, auch den Zeitumständen geschuldet war. Hier wird zwar nach alter Manier ein Gangsterboss als Gegner der freien Presse installiert, nebst den herzlosen Erben und Aufkäufern, die in allem nur ein Business sehen, die sogar Zeitungen kaufen, um sie als Konkurrenz aus dem Weg zu schaffen, aber der McCarthyismus, der für traumatische Zustände und viel Verunsicherung in Hollywood gesorgt hatte, neigte sich gerade erst dem Ende zu und so darf man den Film auch als Appell für eine freie Filmindustrie und für die Meinungsfreiheit überhaupt verstehen.
Es gab immer wieder Phasen, in denen diese Freiheit unter Druck zu stehen schien, das galt Ende der 1940er besonders für linke Ansichten, nachdem der Kalte Krieg begonnen hatte. Die bedrückende Atmosphäre der Zeit für Medienmacher und Filmschaffende kommt in „Deadline – U.S.A.“ recht gut rüber, wenn man der Symbolik weiterhin folgen mag und den Zeugen als einen verängstigten Drehbuchautor, beispielsweise, sehen mag, der sich mit der falschen politischen Partei eingelassen hat und um seine berufliche Existenz fürchten muss. Die Watchdogs der Kommunistenjäger holen ihn dann sozusagen aus dem Schauplatz einer Offenbarung heraus, die für sie selbst hätte unangenehm werden können. Das ist natürlich eine Konstruktion, die versucht, die Pressekonzentration und die Anfeindungen der Presse durch undemokratische Kräfte zu verknüpfen, aber es gibt einen weiteren Hinweis darauf, dass der Film (auch) so zu verstehen sein könnte:
Humphrey Bogart und seine Frau Lauren Bacall zählten zu den deutlichsten Unterstützern der Kollegen, die ins Visier der Commie-Jäger geraten waren, ihren öffentlichen Support für die Gejagten konnten sie sich (gerade noch) leisten, weil sie zu den größten Stars zählten und weil sie selbst unangreifbar waren. Wenn es oben heißt, Bogart „gewann“ die Rolle, dann wollte er sie wohl unbedingt haben, unterstützt von einem politisch ähnlich denkenden Freund Richard Brooks. Vielleicht hat ihm auch die ganze Entwicklung der politischen Landschaft damals schlechte Laune bereitet, nicht nur die Nachwirkungen seines Abenteuers in Afrika, das ihm einen Oscar einbrachte.
Bogart, ein liberaler Demokrat, [141] organisierte das Committee for the First Amendment (eine Delegation nach Washington, D.C.), das sich gegen das wandte, was er als die Belästigung von Hollywood-Drehbuchautoren und Schauspielern durch das House Un-American Activities Committee ansah. Später schrieb er einen Artikel mit dem Titel „I’m No Communist“ für die Märzausgabe 1948 des Magazins Photoplay, in dem er sich von den Hollywood Ten distanzierte, um der negativen Publicity entgegenzuwirken, die sich aus seinem Aussehen ergab. Bogart schrieb: „Die zehn Männer, die vom Ausschuss für unamerikanische Aktivitäten des Repräsentantenhauses wegen Missachtung angeklagt wurden, wurden von uns nicht verteidigt.“ [142]
Vielleicht ist in Bogarts Rolle auch etwas von einem gescheiterten Rebellen enthalten, der er wirklich als Person war und in einer Hinsicht ist der Film tatsächlich „noir“: Die Zeitung kann nicht gerettet werden, und das ist von erheblicher Bedeutung, auch, weil es ein unübliches Ende darstellt, dass die Guten zwar mit der Publikation der Wahrheit einen Sieg erringen, aber dadurch nicht das Mandat zum Weiterkämpfen. Vielleicht dachte Bogart beim Dreh auch an seine Rollen und seine Rolle und reflektierte Dinge, die zurücklagen, wodurch sein Filmcharakter hier einen Tick zu dominant gerät.
Keine Zweifel gibt es darüber, dass der Film sehr handlungsreich und dynamisch ist, der Slang in der Redaktion und Bogarts lispelnd-genuschelte Aussprache sorgten dafür, dass ich die Entscheidung als richtig empfinde, englische Subs mitlaufen zu lassen, auch wenn sie automatisch generiert waren und die bei dieser Art der Erstellung üblichen Fehler enthielten. Immerhin konnte ich die Fehler identifizieren. Der Film war also für mich auch etwas anstrengend und das passt gut zu der angespannten Atomsphäre in der Zeitungsredaktion, die sich dadurch noch mehr verdichtete, zumindest für mich als individuellen Betrachter.
Finale
Während es auf die Ehe von Bogarts Figur aufgrund der Persönlichkeiten Bogarts und seiner Partnerin Kim Hunter nicht so zutrifft, sind der Kampf um das Leben der Zeitung, die arme Frau Schmidt und anderes in der Tat etwas theatralisch geraten, wie es die NYT in etwa ausdrückt. Das ist eben auch ein Zeichen von Richard Brooks´ Filmen, neben der intensiven Verwendung längerer, oftmals geschliffener Dialoge. Dass „Die Maske runter“ dennoch nicht langatmig wirkt, ist umso mehr eine beachtliche Leistung, die sich im guten Spiel und der an Elementen reichen Handlung ausdrückt.
Wahrscheinlich kommt er nicht an den Film „Ace in the Hole“ aus dem Jahr zuvor heran, der eher medienkritisch ist, sein Appell wirkt etwas aufdringlich, aber die positiven Seiten überwiegen und wir kommen in etwa auf die Punktzahl, die gegenwärtig auch von den Nutzern der IMDb im Durchschnitt für „Die Maske runter“ vergeben wir (7,2/10).
70/100
© 2023 Der Wahlberliner, Thomas Hocke
(1), kursiv und tabellarisch: Die Maske runter – Wikipedia, Humphrey Bogart – Wikipedia
[1] Die Maske runter – Wikipedia
| Regie | Richard Brooks |
|---|---|
| Drehbuch | Richard Brooks |
| Produktion | Sol C. Siegel |
| Musik | Cyril J. Mockridge |
| Kamera | Milton R. Krasner |
| Schnitt | William B. Murphy |
| Besetzung | |
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