Max Mustermann ohne Söhne – Zahlen zur Nachfolge in Familienbetrieben (Statista + Kurzkommentar) | Briefing 172

Briefing 172 | Wirtschaft, Gesellschaft, Betriebsnachfolge, Generationen

Als wir den Titel lasen, dachten wir, mit Max Mustermann sei der typische Durchschnittsmensch in Deutschland gemeint, der in jeder Hinsicht ebenjenen Durchschnitt repräsentiert. Den es natürlich nur als Fiktion oder Konstruktion gibt, denn niemand ist exakt durchschnittlich. Aber dann kam doch eine Wirtschaftsgrafik zum Vorschein, die wir Ihnen vorstellen möchten.

Es geht um die Sukzession, die Nachfolge in Familienbetrieben. Auf den ersten Blick sehen die Zahlen dramatisch aus, deswegen muss man unbedingt eine bestimmte Kennziffer bzw. zwei davon aus dem Erklärungstext zur Grundlage der Betrachtung machen: Die Zahl derjenigen, die eine Stilllegung ihres Betriebs planen oder in Erwägung ziehen. Aus diesem Anteil von Betrieben, die nicht oder nicht sicher fortgeführt werden sollen, ergeben sich die hohen Zahlen in der Grafik mit deutlicher Tendenz zur Nennung mehrerer Gründe.

Infografik: Max Mustermann ohne Söhne | Statista

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

Etwa acht Prozent der 2022 von KfW Research befragten Inhaber:innen von mittelständischen Unternehmen planen mit ihrem Ruhestand die Stilllegung des Betriebes – weitere elf Prozent ziehen eine Betriebsschließung in Erwägung.

Etwa die Hälfte der Befragten mit Rückzugsplänen würde das Unternehmen gerne im Familienbesitz behalten – ein Wunsch, an dem es häufig scheitert, wie die Statista-Grafik zeigt. Unter allen Befragten, die vorhaben ihr Unternehmen in Zukunft stillzulegen, nannte rund die Hälfte ein mangelndes Interesse seitens der Familie als Grund.

Eine erfolglose beziehungsweise zu aufwendige Suche nach einer Nachfolge sind für jeweils rund 19 Prozent ausschlaggebend. Weitere Ursachen für die Nachfolgelücke sind etwa zu viel Bürokratie (29 Prozent) oder momentane Geschäftssituationen, die einen Verkauf verhindern (14 Prozent). Oft ist es dahingehend eine schlechte wirtschaftliche Lage, die eine Übernahme der Geschäfte für Nachfolger:inne unattraktiv macht.

Nicht jede:r Geschäfstführende strebt indes eine Nachfolge an – für rund 48 Prozent der Umfrageteilnehmer:innen mit Stilllegungsplänen bedeutet der Ruhestand bewusst auch das Ende des Unternehmens. Die Nachfolgelücke und vermehrte Betriebsschließungen dürften in den kommenden Jahren an Brisanz gewinnen. Aktuell sind bereits 31 Prozent der Unternehmer:innen 60 Jahre und älter. Das sind rund 1,2 Millionen und damit etwa dreimal so viele wie noch vor 20 Jahren.

Zumindest größere und gutgehende Betriebe sollten Nachfolger:innen in der Geschäftsführung finden – sie müssen ja nicht aus der Familie kommen. Viele Familienbetriebe hatten irgendwann, oft nach Generationen, doch Manager an der Spitze, die familienfremd waren. Vielleicht wäre aber auch eine Vergesellschaftung das Richtige, wenn die Inhaber Arbeitsplätze zu ruinieren drohen, weil sie nicht mehr motiviert und die Erben zerstritten sind oder etwas anderes machen wollen. Wir halten die obige Grafik für ziemlich normal und die kleinen Verschiebungen hin zur Bürokratie als Grund, sind dem Trend der Zeit geschuldet, aber nicht spektakulär. Wenn man alle Betriebe hernimmt und 8 Prozent Stilllegungskandidaten, dann sind also nur vier Prozent aller Betriebe durch mangelndes Interesse der Familie gefährdet.

TH


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