Sport | Fußball, Bundesliga, Meisterschaften, Zuschauerzahlen
Sport ist im neuen oder zweiten Wahlberliner nicht mehr so prominent vertreten wie im Vorgänger, wo uns besonders die Live-Ticker zu Großereignissen viele Zugriffe gebracht haben. Aber morgen wird es zu einem Großereignis kommen, das uns doch zu einem kurzen Artikel reizt. Die deutsche Meisterschaft im Vereinsfußball der Herren wird vergeben. Der Entscheid findet tatsächlich erst am letzten Spieltag statt, wie die folgende aktuelle Tabelle belegt:
aktuelle Bundesligatabelle – Suchen (bing.com)
Schon dieser Entscheid am letzten Spieltag ist etwas Besonderes geworden, das hat es in den letzten Jahren selten gegeben. Warum? Weil die Bayern meistens so weit vorne lagen und die Nörgelei über die langweilige Bundesliga groß.
Fußball-Bundesliga: Punktevorsprung Meister vs. Vizemeister | Statista
Bis zur 25 Punkte betrugt der Bayern-Vorsprung vor dem nächsten Verfolger, dem Vizemeister in zehn ununterbrochenen Meisterschaften seit 2013. Es begann mit dem legendären Jahr, als Jupp Heynckes die Bayern zu diesen 25 Punkten Vorsprung, zum Gewinn der Champions-League (im Finale gegen Dortmund) und zum Pokalgewinn führte. Das Triple, das Maximum, was man im Vereinsfußball holen kann. Am Ende gewann Bayern noch die Club-Weltmeisterschaft, so dass man von einem Quatruple sprechen kann. Nur einmal wurde es in den letzten Jahren eng, in der Saison 2018/19, als die Bayern die Meisterschaft nur mit zwei Punkten Vorsprung gewann. Dieses Mal aber liegt der BVB vorne und wenn er morgen nicht alles falsch macht, im letzten Spiel der Saison zuhause gegen Mainz, wird die unheimlich, unfassbare Siegesserie der Bayern beendet sein. Zum Glück? Die Mehrzahl der Fußballfansl wird es wohl so sehen. Wir verweisen jedoch auf diese Grafik:
Statistiken zur 1. Fußball-Bundesliga | Statista
Die Bundesliga gibt es seit der Saison 1963/64, also seit 59 Jahren. In dieser Zeit hieß der Meister 31-mal Bayern München. Auf Platz 2 schon die Dortmunder mit fünf Titeln, ebenso wie Borussia Mönchengladbach. Bei Letzteren ist es lange her, aber mit Dortmund würde die Mannschaft die Bayern ablösen, die auch den letzten Meister vor der Dauerserie gestellt hatten, unter ihrem Trainer Jürgen Klopp in der Saison 2011/12. Es war übrigens gar nicht so knapp, wie wir es in Erinnerung hatten, in dieser Saison und in der vorherigen konnte der BVB den FCB immerhin um jeweils 8 Punkte abhängen. Für alle Mannschaften außer den Bayern ist das ein großer Vorsprung und belegt außerdem, wie gut die Dortmunder unter dem jetzigen Liverpool-Trainer waren, nicht eine Schwäche des FCB, die es eigentlich in den letzten Jahrzehnten nie gab.
Es kam höchstens mal vor, dass andere noch etwas besser waren. Das sehen wir auch anlässlich der aktuellen Situation so. Es kriselt etwas, man verliert mal ein Spiel, nicht alle Spielerkäufe waren wohl richtig, das Management muss sich erst zurechtrütteln, der Trainerwechsel mitten in der Saison bei eigentlich noch guter Ausgangsposition ist hinterher leicht als falsch zu bezeichnen, aber die Substanz ist immer noch groß. Was Dortmund geleistet hat, ist sicher größer in Relation zu den Möglichkeiten, aber international kann man sich nach wie vor nur auf die Bayern verlassen (oh, Frankfurt!, aber nicht in der Champions League.
Aber so hoffnungslos, wie s die Statistik-Überschrift zu den bisherigen Meisterschaften andeutet, ist die Lage gar nicht. Der Rest der Liga muss sich nur darauf einigen, wer nun anstatt der Bayern künfti 27-mal Meister werden muss, und zwar hintereinander, um die Bayern zu überholen. Wenn wir Trainer des BVB wären, würde uns die Aussicht, konsequent an diesem Erfolg zu arbeiten, stark motivieren, denn der BVB ist es ja wohl, der die Verfolgung der Bayern auch bei der Meister-Rekordjagd aufnehmen muss. Morgen können die Dortmunder damit anfangen.
Die Bayern haben sich ihre Sonderstellung im Prinzip von Beginn ihrer Zugehörigkeit zur Ersten Liga an erarbeitet und sind heute so weit, dass jede Sensibilität, die dort zu bemerken ist, die Medien aufs Höchste interessiert. Reibungsverluste im Grunde, wie es sie in anderen Vereinen auch gibt, nur interessiert es dort niemanden außerhalb des Vereins selbst. Auch bezüglich des Aufmerksamkeitswerts hat sich Dortmund aber über die Jahre einen respektablen zweiten Platz erarbeitet, unter anderem unter den Trainerlegenden Otmar Hitzfeld und Jürgen Klopp, der morgen dem BVB die Daumen drücken wird, dass nicht noch etwas dazwischen kommt, beim Abfischen des sechsten Meistertitels seit Bundesligagründung.
Trotz der Sonderstellung der Bayern in der Bundesliga hatte Dortmund einen phänomenalen Zuschauerschnitt, den höchsten in der Liga, und seit Jahren fast alles via Dauerkarten vergeben. Das schafft eine gewisse Planungssicherheit, auch wenn die Zuschauer im Stadion nur noch eine von vier Haupteinnahmenquellen neben den Fernsehrechten, den Sponsorengeldern und dem Merchandising sind. Hinzu kommt eventuell ein Plus aus Transfer-Erlösen, die Zahlen dazu können aber von Saison zu Saison stark schwanken.
Fast 82.000 Zuschauer im früheren Westfalenstadion, jetzt Signal-Iduna-Park werden den BVB anfeuern, in der Münchener Allianz-Arena werden es vielleicht 75.000 sein. Nur Dortmund hat auch währen der gesamten Saison seine ohnehin größte Stadionkapazität in Deutschland voll ausschöpfen können. Vermutlich könnten die Dortmunder 100.000 Dauerkarten oder mehr verkaufen, wenn das Stadion noch größer wäre. Echte Liebe kennt keine Grenzen, während das Publikum in München verwöhnt und wenig begeisterungsfähig ist. So zumindest das Klischee. Und damit zu den Zahlen:
Infografik: BVB mit meisterlichem Zuschauerschnitt | Statista

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.
Borussia Dortmund hat am letzten Spieltag der Saison 2022/23 die Chance Meister zu werden auf dem Fuß. Ein Spieltag vor Schluss steht der BVB mit zwei Punkten Vorsprung auf Bayern München an der Spitze der Tabelle. Es wäre die erste Meisterschaft der Dortmunder seit der Saison 2011/12 und gleichzeitig auch die erste, die der FC Bayern seitdem nicht gewinnt.
Das Rennen um die Meisterschale bleibt also bis zum Schluss spannend. Hinsichtlich der Fans sind die Dortmunder allerdings schon jetzt meisterlich. Durchschnittlich pilgern rund 81.219 (Stand: 33 Spieltag) Fußballbegeisterte zu den Heimspielen des BVBs in das Westfalenstadion (Signal Iduna Park). Bei einer Kapazität von 81.365 Zuschauer:innen bei Bundesligaspielen, bedeutet das eine Auslastung von im Schnitt 99,8 Prozent über die gesamte Saison hinweg. Eine respektable Leistung für das Stadion mit den meisten Zuschauer:innenplätzen. So knapp an der 100-Prozent-Grenze kratzt nur das Rheinenergiestadion des 1. FC Köln (99,5 Prozent Auslastung).
Auch beim Zuschauendenschnitt ist der FC Bayern München der schärfste Verfolger des BVB. Die Allianz Arena wurde in der laufenden Spielzeit von durchschnittlich 70.594 Fußball-Fans besucht und war damit zu 94,1 Prozent ausgelastet. Dortmund und München sind laut Daten von transfermarkt.de die einzigen Klubs, die mehr als eine Million Stadionbesucher:innen in dieser Saison registriert haben.
Mit Hertha BSC steht der erste Absteiger bereits fest. Mit den Berlinern verliert die Bundesliga eines der am besten besuchten Stadien (durchschnittlich 49.494 Besucher:innen). Aber auch Schalke 04 und der VfB Stuttgart sind noch zwei weitere vom Abstieg bedrohte Klubs, mit einem Zuscher:innenschnitt, der deutlich über dem Ligadurchschnitt von 42.585 liegt. Sollten alle drei Vereine in die 2. Bundesliga absteigen, so würde das Liga-Oberhaus schlagartig eine Menge Fans verlieren.
Wir wagen anzumerken, dass es ja auch Mannschaften gibt, die in die Bundesliga aufsteigen werden, aber vertiefen uns jetzt nicht in der Form, dass wir nachschauen, wer es wohl sein wird und wie das den Saldo verändern könnte. Erfahrungsgemäß haben Mannschaften mehr Zulauf, wenn sie in der Ersten Liga spielen, aber in unterschiedlichem Ausmaß gegenüber einer Zweitligasaison. Wie es in der kommenden Saison aussehen wird, lässt sich ohnehin nicht exakt berechnen. Sicher scheint, dass der BVB wieder über 80.000 Zuschauer pro Spiel anlocken wird, egal, ob es nun klappt mit der ersten Meisterschale seit elf Jahren, und dass die Münchener wieder ziemlich sicher auf Platz 2 landen werden. Überholen könnten sie den BVB wenigstens auf diesem Gebiet sowieso nicht, denn die Allianz-Arena ist nun mal etwas kleiner bzw. auf weniger Zuschauer ausgelegt als der Signal-Iduna-Park, der eine Legende in ganz Europa darstellt. Hier müssten viel öfters internationale Spiele ausgetragen werden, natürlich mit dem BVB als Teilnehmer. Nun ja, neue Chance, neues Glück, man wird auch nächstes Jahr wieder in der Champions League dabei sein. Sogar in Europa liegt der BVB zuschauermäßig vorne – oder zumindest war es vor fünf, sechs Jahren so. Neuere Zahlen habe ich leider nicht gefunden. Theoretisch haben einige Vereine mehr Möglichkeiten, wie etwa Barcelona mit dem Camp Nou, dem größten europäischen Stadion mit einer Kapazität von 99.000 Plätzen.
https://www.goal.com/de/galerien/die-meistbesuchten-stadien-europas/26/v97f0c1crqujzly3e3eoy4ba
Danach liegt Dortmund knapp vor dem FC Barcelona, auf Platz 3 folgt Manchester United mit seinem Stadion Old Trafford. Wie wir wissen, wurden vor allem die Werte der Saison 2020/21 sehr durch die Corona-Pandemie verfälscht, deswegen sind die aktuellen, oben für Deutschlands Spitzenclubs in Sachen Zuschauerzahlen angegebenen Werte auch so interessant. Dortmund konnte demnach noch einmal ein wenig zulegen, seit der Vor-Corona-Zeit, die Bayern hatten hingegen schon mehr Zuschauer als aktuell.
TH
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