Crimetime Vorschau – Titelbild © ORF, Felix Vratny
Eines schnell vorneweg: Wie üblich, wenn der Montag ein Feiertag ist, wird auch der 1239. Tatort namens „Azra“ erst am Montagabend (29.05.) Premiere feiern. Heute Abend gibt es „Rythm and Love“, einen Thiel-Boerne-Tatort (Nr. 1166) zu sehen.
„Azra“ hingegen kommt aus Wien: Die Tatort-Folge 1239 “Azra” handelt von einer jungen Frau namens Azra, die als Informantin für die Polizei arbeitet und im Dienst der Abteilung für Wirtschaftskriminalität im Umfeld des gefährlich groß gewordenen Datviani-Clans Indizien sammeln soll1. Azra spielt die Schlüsselrolle im 31. Fall der Wiener Ermittler Moritz Eisner und Bibi Fellner2. Der Tatort ist der 55. Fall des österreichischen Ermittlers Moritz Eisner und der 31. gemeinsame Fall des Ermittlerteams Eisner/Fellner3.
Der letzte Fall der beiden ist gerade erst gelaufen, gefühlt zumindest (Tatort Nr. 1226, „Was ist das für eine Welt“) und wurde, sagen wir mal, von der Kritik gemischt aufgenommen. Hebt sich die Stimmung beim Wien-Nachfolger nun wieder?
„An diesem Krimi gibt es absolut nichts zu mäkeln, denn er ist temporeich, er ist voller überraschender Wendungen und er ist spannend auf konstant hohem Niveau – was will man mehr? Ach ja: eine überzeugende Story, authentische Charaktere? Werden ebenso geboten, und vor allem Mariam Hage in der Episodenhauptrolle der geheimnisvollen Azra ist eine Wucht. Die beste Empfehlung für den Ausklang des Pfingstwochenendes: einfach einschalten, genießen und bloß nicht zu früh ausschalten – denn spannend bleibt es bis zur letzten Sekunde.“
Tatort Folge 1239: Azra – Tatort Fans (tatort-fans.de)
Wenn der Tatort so ist, wie die Tatort Fans ihn hier bewerten, dann wird doch wohl niemand vorzeitig ausschalten? Man weiß nie, der anstrengende Dienstag wartet auf uns alle und auch für die allerschönsten Gewohnheiten, etwa das Anschauen jedes neuen Tatorts, kann das Nervenkostüm mal zu dünn werden. Dass der Tatort selbst so nervenzerfetzend ist, dass wir ihn nicht bis zum Schluss ertragen ist, uns noch nicht passiert, obwohl gerade die Wien-Tatorte es in sich hatten, als Bibi Fellner dazukam und es ordentlich Action gab. Diese Teamergänzung liegt aber nun schon mehr als ein Jahrzehnt zurück und auch Eisner / Fellner hatten schon Filme, die man als eher gemütlich bezeichnen kann. Leider gibt es die Rangliste der Plattform Tatort-Fundus nicht mehr und auch nichts Vergleichbares, dort konnte man sich immer anschauen, wie eine doch beachtlich große Zahl von Fans der Reihe einen Film eingeschätzt hat. Das war eine hervorragende Ergänzung zu den professionellen Kritiken und zum eigenen Eindruck, inklusive der Kommentare, denen man zustimmen konnte oder nicht.
Es gibt etwas wie einen Ersatz „light“, der aber nur die Bewertung der letzten drei Filme einfließen lässt, wenn es um das Team-Ranking geht. Wie war der Tatort?: Die Tatort-Tabelle Durch diese Eingrenzung kann es z. B. passieren, dass die Münsteraner mit ihren herausragenden Einschaltquoten und vielen Fans auf dem letzten Platz landen. Es gibt auch eine Liste mit den bestbewerteten und am schlechtesten bewerteten Tatorten aller Zeiten, die in der Tendenz sehr wohl die frühere Gesamtliste des „Fundus“ spiegelt, aber auch Abweichungen zeigt. Auch sie ist aber nur ein kleiner Ausschnitt aus dem gesamten Tatorte-Bestand und basiert auf diesen Kritiken: Wie war der Tatort?: Archiv: Unsere Tatort-Kritiken chronologisch sortiert. So gesehen, sind wir noch vorne, wir haben etwa 800 Tatorte bewertet und irgendwann, wenn die Gesamt-Artikelliste des Wahlberliners fertig ist, generieren wir daraus auch eine auf Features bezogene Liste, die es ermöglicht, alle Tatort-Kritiken zusammenzufassen. Wir kommen aber derzeit ins Hintertreffen, weil wir es nicht mehr schaffen, über alle aktuellen Tatorte sofort nach der Premiere zu schreiben. Nach diesem Exkurs in die Welt der Bewertungen zurück zu den – Bewertungen:
„Tatort Wien: Moritz Eisner kommt in die Jahre. Als Paar sind die beiden gewohnt tragisch, aber natürlich immer auch sehr witzig – sofern man alles versteht. Das ist auch dieses Mal wieder eine Herausforderung, denn die Österreicher sprechen in dieser Folge noch „österreichischer“ als sonst. Ich habe aber meine Zweifel, ob Zuschauer nördlich des Weißwurst-Äquators alles verstehen. Der Tatort ist ok, aber vor allem wieder einmal mehr etwas für echte Fans von Moritz Eisner und Bibi Fellner. Und da gibt es ja ganz schön viele in Deutschland, der Sprachbarriere zum Trotz.“
Tatort-Kritik „Azra“ aus Wien am Pfingstmontag (swr3.de)
Die Jahre gehen an uns allen nicht spurlos vorüber. Deren 13 ist es her, dass wir angefangen haben, für den „ersten“ Wahlberliner Kritiken zu schreiben. Und viele der besonders beliebten Ermittler:innen sind schon ganz schön angejahrt, nicht nur der Oberstleutnant Moritz Eisner. Es gibt sogar welche, die nach ihrem realen Alter gar nicht mehr im Polizeidienst sein dürften, z. B. Ivo Batic alias Miroslav Nemec, den wir letzte Woche im neuen, allgemein gut aufgenommenen München-Tatort sehen konnten (der Darsteller zählt 69 Lenze). Aber bei Harald Krassnitzer, der den Eisner gibt, ist doch noch alles okay, er ist Baujahr 1960. Spannend: Gehen in Österreich die Beamten auch mit 65 in Pension? Ja, für Männer. Frauen können jetzt schon mit 60 in den ganz sicher wohlverdienten Ruhestand gehen. Anders als in Deutschland wird in Felix Austria nicht daran gearbeitet, die Menschen bis zum Tod arbeiten zu lassen, um sich auf diese Weise vor einer gerechten Rentenreform zu rücken. Die hat man dort auch offenbar nicht nötig, die Renten sind eh viel höher als bei uns.
Das musste mal geschrieben werden, wenn in einer Kritik schon auf Eisners Alter angespielt wird. Ach ja, letzte Woche hat der SWR-Check fünf von fünf Elchen ausgegeben, dieses Mal sind es drei. Was aber ist mit der Sprachbarriere? Klar, das Schwyzerdütsch muss übersetzt werden, das versteht hier kein Mensch. Was den Wiener Dialekt angeht, könnten uns unsere speziellen Österreich-Kenntnisse noch etwas helfen, wir erleben es aber auch bei den Wien-Krimis immer wieder, dass wir mit einzelnen Begriffen Mühe haben. Es wird am Alter und an der fortschreitenden Entfernung zur Gewinnung der erwähnten Spezialkenntnisse liegen.
Damit zur nächsten Kritik. Wir wollten schon schreiben: Haben Sie bemerkt, unsere heutige Vorschau ist wieder traditionell, mit den üblichen Kritiken, die wir im Laufe der Zeit so sehr schätzen gelernt haben (u. a., weil sie, wie wir, mit Bewertungen arbeiten)? Leider lässt sich Tittelbach-TV gerade nicht aufrufen, auch nicht auf dem Handy. Wir können also an dieser Stelle nur verraten, dass sie 5 von 6 Sternen vergeben haben. Der Durchschnitt liegt bei dieser Publikation, Tatorte betreffend, bei ca. 4,5 Sternen, zuletzt kam es häufiger auch mal zu 4/6.
„Sie nannten sie Knochenbrecherin. Eine schnelle Rechte und eine Stirn aus Stahl: Der Wien-»Tatort« erzählt von einer V-Frau, die bei der Mafia als Bodyguard anheuert. Furioses Gekeile und Getrickse mit tiefer Tragik.“
»Tatort« aus Wien: »Azra« mit Moritz Eisner und Bibi Fellner – DER SPIEGEL
Obwohl Christian Buß von viel Gekeife und Gekeile erzählt, war er von der erwähnten tiefen Tragik offenbar tief berührt und vergibt 9/10.
Zu den vier Dauergästen in unserer Kritikenschau haben wir heute als „freie Stimme“ mal diese gestellt:
„Lohnt sich das Einschalten? Ja, weil es sich um einen klassischen Krassnitzer-Neuhauser-Krimi aus Wien handelt. Im Fokus stehen die beiden Ermittler, die eine emotionale Bindung zur Haupt- und titelgebenden Figur „Azra“ aufbauen. Eingebettet wird das Ganze zwar nicht in einen spektakulären Rahmen, aber dennoch in eine durchaus spannende Handlung. Der Plot trägt den Film locker über die 90 Minuten und bleibt von Anfang bis Ende spannend. Lediglich der etwas arg überfrachtete Schluss, mit einigen Wendungen, hätte etwas runder gestaltet werden können. Die letzten Sekunden des Films sind dann aber wieder beeindruckend inszeniert und bringen einmal mehr die große Stärke des Wien-„Tatorts“ zum Ausdruck: das unendliche Vertrauen zwischen Eisner und Fellner.“
„Tatort: Azra“: Wie wird der neue Wien-Krimi? | STERN.de
Und ist Vertrauen in diesen Zeiten nicht wichtiger denn je und seltener denn je, also unendlich wertvoll? Wir sind gespannt auf den neuen Wien-Krimi, empfehlen ihn an dieser Stelle aufgrund der weit überwiegend positiven Kritiken und kommen zum Schluss.
TH
Handlung
Eine junge Frau wird zum Schlüssel in einem Fall organisierter Kriminalität: Seit einiger Zeit schon arbeitet Azra als Informantin für die Polizei und soll als V-Person im Dienst der Abteilung für Wirtschaftskriminalität im Umfeld des gefährlich groß gewordenen Datviani-Clans Indizien sammeln. Doch dann passiert ein Mord: Der Bruder des Bosses wird vor einem seiner Clubs erschossen, und das BKA nimmt die Ermittlungen auf.
Als sich Moritz Eisner und Bibi Fellner am Tatort einfinden, ist kaum absehbar, was auf sie zukommen könnte: eine interne Fehde unter den Clan-Leuten oder gar ein größerer Bandenkrieg? Die Leute Datvianis halten jedenfalls trotz zugesicherter Kooperation mit der Polizei diszipliniert dicht und die üblichen Ermittlungsmethoden liefern nur enttäuschende Ergebnisse. Als es den Ermittler:innen gelingt, mit der V-Person Azra Kontakt aufzunehmen, wendet sich allerdings das Blatt: So nah wie sie kommt schließlich niemand an die Verdächtigen heran. Doch auch wenn das Vorhaben vielversprechend klingt, es ist hochriskant und sowohl für Eisner und Fellner als auch für Azra ein wahres Spiel mit dem Feuer – was sich spätestens bewahrheitet, als nach einer Aktion der Kontakt zu ihr abreißt und Azra nicht mehr aufzufinden ist.
Besetzung und Stab
|
Moritz Eisner |
Harald Krassnitzer |
|
Bibi Fellner |
Adele Neuhauser |
|
Azra |
Mariam Hage |
|
Beka Datviani |
Lasha Bakradze |
|
Tinatin Datviani |
Mariam Avaliani |
|
Irakli Datviani |
Vladimir Korneev |
|
Eva Brunner |
Zeynep Buyrac |
|
Wassili |
Jevgenij Sitochin |
|
Ernst Rauter |
Hubert Kramar |
|
Luka Datviani |
Temiko Chichinadze |
|
Mikhail |
Marcel Wahab |
|
Uniformierter |
Christoph Bittenauer |
|
BKA Beamter Hannes |
Markus Hamele |
|
WEGA Einsatzleiter |
Ahmet Simsek |
|
Trainer |
Boris Hatchatourov |
|
Funktionsbereich |
Name des Stabmitglieds |
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Musik: |
Paul Gallister |
|
Kamera: |
Ioan Gavriel |
|
Buch: |
Sarah Wassermair |
|
Regie: |
Dominik Hartl |
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