Briefing 216 | Gesellschaft, PPP, Gesichter der Demokratie
Die Seite enthält ein Interview mit Kerstin Ott, einer bekannten deutschen Sängerin und Songwriterin, die mit dem Hit “Die immer lacht” berühmt wurde. Sie spricht über ihre persönliche Bedeutung von Demokratie, den Umgang mit LGBTQ-Menschen, die geschlechtergerechte Sprache und den Umgang mit sozialen Netzwerken. Außerdem verrät sie, was sie zum Lachen und zum Weinen bringt und wie sie abseits der Bühne tickt. Die Seite ist Teil der Initiative Gesichter der Demokratie, die sich für den Schutz und die Stärkung von Demokratie, Pluralismus und Pressefreiheit einsetzt. (Zusammenfassung ChatGPT)
Pressetext:
Ob Gender*sternchen, Gender:doppelpunkt, Gender_Gap oder Sprechpausen: Das Thema Gleichberechtigung in der Sprache polarisiert und erhitzt die Gemüter derzeit wie kaum ein anderes. Laut einer Umfrage des WDR lehnt eine Mehrheit der Deutschen das Gendern ab. Doch inwieweit stehen LGBTQ-Menschen hinter der Verwendung geschlechtersensibler Sprache? Im Interview mit der Initiative Gesichter der Demokratie verrät die Schlagersängerin Kerstin Ott („Die immer lacht“) überraschend: „Ich befinde mich damit noch in einer Auseinandersetzung mit mir selbst, um herauszufinden, ob ich es gut finde oder nicht.“ Die 41-jährige gelernte Malerin und Lackiererin könne die Frage, ob Medien sowie öffentliche Institutionen gendergerecht kommunizieren sollten, demnach noch nicht beantworten.
Klare Kante hingegen zeigt Ott beim Thema Rechtsextremismus: „Ich finde es sehr deutlich erkennbar, dass die Menschen unzufrieden sind und sich aus Frust oder Unwissenheit nach rechts orientieren. Diese Parteien arbeiten mit der Unsicherheit und der Angst der Menschen.“ Ein Seitenhieb – wohl insbesondere in Richtung der AfD.
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Mit den Interviews von „Gesichter der Demokratie“ nehmen wir eine Tradition wieder auf, die wir aus Kapazitätsgründen zwischenzeitlich einstellen mussten – in diesem Fall allerdings in veränderter Form. Wir veröffentlichen nur den obigen Pressetext und den Hinweis auf das Interview, nicht das Interview selbst, Letzteres war ein Wunsch von Sven Lilienström. Außerdem schreiben wir dieses Mal keinen Kommentar zum Interview selbst.
Bei einigen dieser Beiträge hatten wir vor, Interview und Kommentar in zwei getrennten Artikel zu präsentieren, weil sie uns im Sinne unserer Rubrik „Demokratie in Gefahr“ zu detaillierten Anmerkungen gereizt haben, das konnten wir aber nicht im vorgesehenen Maße leisten, sodass immer noch Äußerungen von Politiker:innen bei uns veröffentlicht sind, deren kritische Hinterfragung sich zumindest angeboten hätte. Unter anderem betrifft dies ein Interview mit dem Ministerpräsidenten das Landes Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, der möglicherweise der nächste Kanzlerkandidat der Unionsparteien werden wird.
Gleichwohl, die Demokratie ist vielfältig. Was wir nicht wollen, was wir aber auch nicht in dem Maße sehen wie Menschen, die sich für bedrängt halten, ist eine Diskursverengung in dem Sinne, dass die Meinungsfreiheit grundsätzlich bedroht wird, unter welchem Vorwand auch immer. Eher schon gibt es in der Realpolitik große Probleme, die immer größere Ungleichheit im Land trotz Meinungsfreiheit wenigstens zu bekämpfen, deswegen haben wir uns vor allem der Markierung der Ungleichheit und Ungerechtigkeit verschrieben.
Die Beiträge von „Gesichter der Demokratie“ bilden ein breites Meinungsspektrum, bisher unter Ausschluss von ganz rechts und links ab und geben uns Einblicke auch in das Denken von Angehörigen der Elite, die nicht jeden Tag von sich aus die Nähe der Medien suchen. Darunter einflussreiche Personen, die sich nicht, wie Politiker:innen, ständig zu ihren Ansichten und ihrem Verhältnis zur Demokratie äußern. Auch Menschen, die es nicht gewohnt sind, täglich geschliffene Statements zum Thema abzugeben, kommen zu Wort und manchmal sind ihre Einlassungen die interessantesten, weil vergleichsweise ungefiltert. Wir finden es sympathisch, dass es nicht abgesprochen wirkt, wenn jemand zu einem Thema noch keine Meinung hat und das offen ausdrückt, weil er sich in einem Nachdenkprozess befindet.
Alle diese Beiträge sind daher ein wertvoller Bestandteil der Arbeit für die Demokratie und die Transparenz der Demokratie in Bezug auf das, was bekannte Persönlichkeiten denken – oft mit persönlichen Einblicken, die den Texten eine besondere Note geben.
Da Der Wahlberliner auch ein Meinungsblog ist, sind wir selbstverständlich gehalten, unsere Meinung zu äußern. Beim Thema gendergerechte Sprache zählen wir zur Pro-Fraktion, lassen das Gendern aber auch aus sprachklanglichen Gründen manchmal sein. Die Grenze für gendergerechte Sprache stellt für uns gegenwärtig die fiktionale Literatur dar.
Sie werden aber bemerkt haben, dass wir uns zuletzt bei Civey-Umfragen häufig „unentschieden“ gestellt haben und dabei ging es um wichtige Themen. Nicht, dass wir zu diesen Themen gar keine Ansicht hätten, aber die konkrete Fragestellung hat für uns summarisch ein Patt zwischen Pros und Contras ergeben. Es ist nicht auszuschließen, dass sich unsere politische Fahrtrichtung durch neue Erkenntnisse, Ereignisse oder auch nur leicht veränderte Fragestellungen verändert. Auch das gehört für uns zu einer demokratischen Statur: Sich immer wieder selbst zu prüfen und neue Entwicklungen in das eigene Meinungsbild einfließen zu lassen, ohne Grundüberzeugungen preiszugeben, wie die Notwendigkeit, für eine gerechtere, menschenfreundliche und mehr partizipativ und auf Teilhabe für alle angelegte Gesellschaft einzutreten.
TH
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