Briefing 221 | Wirtschaft, Einführung des digitalen Euro, EZB, Zahlungssysteme, Gesellschaft
Liebe Leser:innen, haben Sie sich schon einmal Gedanken um die Weiterentwicklung des Geldsystems im digitalen Zeitalter gemacht? Oder zahlen Sie mit Paypal oder investieren gar in den Bitcoin und andere Kryptowährungen? Nun will die EZB den digitalen Euro einführen. Haben Sie dazu eine Meinung? Dann stimmen Sie hier ab:
Erklärungstext aus dem Civey-Newsletter:
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Einführung eines digitalen Euros im Juli 2021 beschlossen und wird voraussichtlich Ende Juni ihre Vorschläge präsentieren. Mit ihm soll ein schnelles und sicheres elektronisches Zahlungsmittel etabliert werden. Eine digitale Währung wird auch von anderen Ländern wie China, Schweden, Norwegen und Russland geplant. Venezuela und die Bahamas haben sie bereits eingeführt.
Bundesfinanzminister Lindner (FDP) hat sich Anfang Juni auf der Republica für den digitalen Euro ausgesprochen. Durch ein neues computergestütztes Zentralbankgeld solle die Abhängigkeit von den USA und Zahlungssystemen wie Paypal oder Mastercard reduziert werden, erklärte Lindner. Die Sozialwissenschaftlerin Carola Westermeier sagte im Deutschlandfunk, ein digitaler Euro sei sehr viel sicherer als Kryptowährungen, weil die EZB als Instanz dahinter stehe.
Die Pläne der EZB stoßen immer wieder auf Kritik. Laut Handelsblatt könnte die rege Nutzung eines digitalen Euros kleinere Banken aufgrund des gesetzlich vorgeschriebenen Liquiditätspuffers in Bedrängnis bringen. Kolumnist Maurice Höfgen argumentiert in der Berliner Zeitung , dass Geldeinlagen bis zu 100.000 Euro ohnehin staatlich abgesichert sind und die geplante Digitalwährung daher keinen Vorteil böte. Ein europäisches Zahlungssystem nach dem Vorbild Paypal wäre dem digitalen Euro stattdessen vorzuziehen.
Obwohl wir immer wieder kritische Stimmen lesen, die vor allem die Durchleuchtbarkeit der Bürger:innen mit dem Digitalgeld kritisieren, vermischt sich das auch mit Argumenten zur möglichen Bargeldabschaffung, die in Deutschland gar nicht gut ankommt.
Deswegen haben wir ChatGPT zur Sache befragt: Was ist der Unterschied zwischen digitalem Euro und Abschaffung des Bargelds?
Ein digitaler Euro würde das Bargeld ergänzen, aber nicht ersetzen. Es wird im Euroraum wie bisher Bargeld geben. Mit einem digitalen Euro, der neben dem Bargeld genutzt werden könnte, würde auf die steigende Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher nach schnellen und sicheren digitalen Bezahlmöglichkeiten reagiert 1.
Ein digitaler Euro wäre ein digitales Zahlungsmittel, das genauso sicher, einfach und günstig zu verwenden ist wie das heutige Bargeld. Er könnte von allen Menschen kostenlos für den grundlegenden Zahlungsbedarf verwendet und überall im Euroraum genutzt werden 1.
Da die wesentlichen Informationen von der EZB selbst stammen, haben wir noch einmal anders gefragt: Bitte suche kritische Stimmen zum digialen Euro.
Laut einer Umfrage sieht die Mehrheit der Menschen in Deutschland eine solche Digitalwährung kritisch. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) ließ ermitteln, ob die Deutschen mit den vorhandenen Zahlungsmöglichkeiten zufrieden sind – demnach bejahen das drei Viertel der Befragten (76 Prozent) und finden den digitalen Euro nicht notwendig 1. Möchtest du mehr darüber erfahren?
Ja, bitte.
Nur knapp ein Drittel der Befragten (29 Prozent) hat derzeit überhaupt eine konkrete Vorstellung davon, wie die digitale Variante der EU-Währung ausgestaltet sein und was man mit einem digitalen Euro anfangen könnte. Die BdB-Hauptgeschäftsführerin Henriette Peucker mahnte daher, grundlegende Fragen müssten durch die Zentralbank beantwortet werden, damit das Projekt in der Mitte der Gesellschaft ankomme – etwa, wie ein digitaler Euro aussehen soll und welche Vorteile und Risiken er mit sich bringt . Gibt es noch etwas anderes, das du wissen möchtest? 😊
Welche sind die Risiken des digitalen Euro?
Einige Risiken des digitalen Euros sind die wachsende Abhängigkeit von nichteuropäischen Infrastrukturen im europäischen Markt für Zahlungsdienste und die mögliche Untergrabung des Vertrauens in und der Kontrolle über die eigene Währung durch die zunehmende Nutzung privatwirtschaftlicher Zahlungsmittel 1. Möchtest du mehr darüber erfahren?
Ja, bitte.
Ein digitaler Euro könnte jedoch auch Chancen bieten. Mit dem Digitalen Euro könnten perspektivisch digitale Zahlungen im Euroraum unabhängig von nichteuropäischen Infrastrukturen im Zahlungsverkehr ausgeführt werden. So ließen sich Risiken und Abhängigkeiten im Zahlungsverkehr reduzieren. Das käme auch der Finanzstabilität zugute .
Wenn Sie wirklich ins digitale Geld einsteigen wollen, müssen Sie mindestens die von ChatGPT genannten Quellen lesen und sich von dort aus am besten weiter informieren, wenn Sie einen echten Überblick haben wollen, denn von der Kritik aus ist der Bot selbstständig wieder in Richtung positiv gewandert. Wir haben noch einmal nachgefasst.
Kritiker haben schon lange gewarnt: EU-Kommission will digitalen Euro einführen (neopresse.com)
Haben Sie gewusst, dass in afrikanischen Ländern die Mehrheit der Menschen gar kein Bankkonto hat und Zahlungsvorgänge vor allem über Digitalsysteme wie PayPal abwickelt? So wird eine schlechte Infrastruktur und erschwerter Zugang durch Digitalisierung ausgeglichen. Ist das aber bei uns, wo sogar jeder Mensch das Recht auf ein Bankkonto hat, ähnlich zu betrachten?
Wir meinen, das ist es nicht. Gerade das Sparkassensystem, von dessen Seite sich extrem negativ gegen den digitalen Euro geäußert wird, sorgt seit langer Zeit für Stabilität, Ausgeglichenheit und allgemeinen Zugang zum Bankwesen auch für Menschen, die nicht zu den Privilegierten zählen, und würde es durch den digitalen Euro ernsthaft angegriffen, wäre das ein weiterer Rückschritt in Sachen Bürger-Partizipation.
Schon klar, aktuell ärgern wir uns, wie die Sparkassen, besonders die Berliner Sparkasse, bei den Kontoführungsgebühren zulangen, während wir unser Paypal-Konto umsonst aufladen könnten. Wir nutzen Paypal aber gar nicht als Gelddepot, sondern wirklich nur für Zahlungsvorgänge und nur, weil es tatsächlich komfortabel ist, sogar Ratenzahlungen erlaubt und mittlerweile die am weitesten verbreitete Zahlungsmöglichkeit beim Online-Kauf darstellt. Doch worüber werden die abgewickelt? Über unser Sparkassenkonto, in der Regel. Dieses Andocken an eine Bank vor Ort, bei der man im Notfall vorsprechen kann, wenn etwas nicht funktioniert, möchten wir keinesfalls missen. Da sind wir eben doch mehr Generation X als Generation Z.
Außerdem wird kritisiert, dass die EZB bisher die Antwort schuldig geblieben ist, welchen Mehrwert der digitale Euro haben soll, vor allem in Relation zu seinen Risiken. Wir haben unsere Meinungsbildung in dieser Sache noch nicht abgeschlossen, aber einstweilen haben wir mit „eher negativ“ gestimmt – und eine Überraschung erlebt.
In der Regel sammeln sich die Menschen bei Civey-Umfrage dort, wo alles klar ist. Also entweder eindeutig ja oder eindeutig nein. Nicht so beim digitalen Euro. Mit uns haben etwa 50 Prozent bisher mit „eher nein“, also mit Vorbehalten, gestimmt. Wenn wir’s richtig erinnern, haben wir noch nie so viele Stimmenanteile bei der skeptischen, aber nicht eindeutig ablehnenden Meinung gesehen.
Das belegt auch, dass der Informationsstand zum Thema, wie auch bei uns, bei den meisten Menschen noch nicht allzu hoch sein dürfte und gleichzeitig den Vorteil der Civey-Umfragen. Es gibt keinen Gesichtswahrungseffekt, der dazu führen könnte, dass man in einer Sache eine klare Meinung äußert, obwohl man noch gar nicht sicher ist. Niemand bekommt mit, wo man sein Kreuz setzt, wenn man es nicht will, auch kein:e Gesprächspartner:in im Wege einer telefonischen Umfrage.
TH
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