Briefing 252 | Rentensystem, Ost, West, Frauen, Männer
Als Ergänzung zum untenstehenden Ausgangsartikel bringen wir Ihnen nun eine Anzahl von Rennbalken, so die wörtliche Übersetzung von Racing-Bar-Statistiken, wie sie immer mehr in Mode kommen. Die Entwicklung der Renten für verschieden lange Arbeitsleben und natürlich für Frauen und Männer seit 1991 sehen Sie hier, falls sich die Youtube-Einbettung nicht automatisch öffnet.
Die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern ist in Deutschland nach wie vor groß. Das geht aus einer Statista-Animation hervor, die auf Daten der Deutschen Rentenversicherung basiert. Die Animation zeigt, dass Frauen im Alter weniger Rente erhalten als Männer, vor allem wenn sie mindestens 15 Jahre lang Beiträge gezahlt haben. Im Jahr 2021 betrug die Differenz in dieser Gruppe 446 Euro (Frauen: 919 Euro, Männer: 1365 Euro). Im Vergleich zu 1993 hat sich die Lücke zwar etwas verringert, aber nicht geschlossen.
Auch bei den Rentnern, die mindestens 35 oder 45 Jahre lang Beiträge gezahlt haben, gibt es eine deutliche Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. Frauen bekommen hier weniger Rente als Männer, und die Lücke hat sich seit 1993 kaum verändert. Nur bei den Rentnern, die maximal 15 Jahre lang Beiträge gezahlt haben, liegen die Frauen vor den Männern.
Die Gründe für diese Ungerechtigkeit sind vielschichtig: Frauen haben im Durchschnitt niedrigere Rentenansprüche, weil sie oft in schlechter bezahlten Branchen arbeiten als Männer. Außerdem arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit, unterbrechen öfter und länger ihre Erwerbstätigkeit für Care-Arbeit und sind seltener in Führungspositionen vertreten.
Die Daten zeigen nur die Netto-Altersrenten, die von der Rentenversicherung gezahlt werden. Das heißt nicht, dass alle Menschen im Alter nur so viel Geld zur Verfügung haben. Manche haben zusätzliche Einkünfte aus einer Beamtenversorgung, einer privaten Altersvorsorge oder einer berufsständischen Versicherung. (Zusammenfassung des Statista-Textes durch ChatGPT, verfassen, mittellang, informativ, Absatz).
Einen kleinen Tipp haben wir für Statista. Unsere Exkursionen zu ähnlichen Grafiken von anderen Anbietern zeigen uns, dass die Menschen offenbar auch dann bereit sind, millionenfach anzuklicken, wenn die Entwicklung der Zeitleiste etwas länger dauert. 30 Sekunden für 30 Jahre anstatt 15 Sekunden wären hier auch kein Problem und kognitiv die bessere Lösung.
TH / Statista
Wie lange haben Sie gearbeitet und wieviel Rente haben Sie zu erwarten? Statista hat ein komplettes Arbeitsleben von 45 Jahren „harmonisiert“ und für Ost und West, für Frauen und Männer in den Jahren 2018, 2022, 2022 dargestellt:
Infografik: 1.543 € Rente nach 45 Jahren Arbeit | Statista
1.543 Euro Rente pro Monat bekommen Senior:innen in Deutschland – wenn sie mindestens 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben. Das geht aus einer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegenden Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine schriftliche Frage des Linken-Bundestagsfraktionschefs Dietmar Bartsch hervor.
Dabei gibt es einen deutlichen Geschlechterunterschied. Männer bekommen 1.637 Euro, Frauen 1.323 Euro. Erhebliche Unterschiede bestehen auch zwischen alten und neuen Bundesländern, wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt. Bartsch nennt das gegenüber dem RND eine „eine beschämende Bilanz der Rentenpolitik der letzten zwei Jahrzehnte“ die zeige, „dass wir weit entfernt sind von einem gerechten System auskömmlicher Renten“.
Indes weist die Deutsche Rentenversicherung darauf hin, dass die Daten nur die von der Rentenversicherung ausgezahlten Netto-Altersrenten zeigen. Im Einzelfall würde vielen Menschen im Alter ein höherer Betrag zum Leben zur Verfügung stehen, da oft zusätzliche Ansprüche über eine Beamtenversorgung, eine private Altersvorsorge oder Zahlungen aus einer berufsständischen Versicherung erworben worden sind.
Die Entwicklung der Renten zeigt immerhin, dass der Gap sich langsam schließt. Sowohl der zwischen Männern und Frauen als auch der zwischen Ost und West. Er war in früheren Zeiten wesentlich größer. Die Frage ist ohnehin, ob man im Rentensystem ausgleichen kann, was in der Arbeitswelt angelegt ist, nämlich, dass Männer immer noch durchschnittlich um ca. 20 Prozent besser bezahlte Jobs haben und dass im Westen eher die Spitzengehälter zu finden sind. Die Unterschiede bei gleicher Tätigkeit sind hingegen relativ gering (ca. 6 Prozent zugunsten der Männer abzüglich dem Öffentlichen Dienst, im Osten gibt es keine niedrigeren „Ost-Tarife“, sofern Tariflöhne bezahlt werden).
Eine wesentliche Ungerechtigkeit besteht in der Bewertung einzelner Tätigkeiten. Während einiges Bullshit-Business hoch bezahlt ist, werden systemrelevante Berufsfelder immer noch eher bescheiden vergütet – und in diesen wichtigen, aber von der Gesellschaft merkwürdig gering honorierten Berufen sind überwiegend Frauen tätig.
Der Blick richtet sich also auf eine Gesellschaft, die dort versagt, wo es um die Abschichtung der Relevanz und von Schein und Sein geht. Es gibt seit vielen Jahren eine Entwicklung, die Hokuspokus und Geschäftemacherei, Spekulation und Ausbeutung gegenüber ehrlicher Arbeit privilegiert, und darunter leiden vor allem der Wert dessen, was Frauen zum Funktionieren der Gesellschaft tatsächlich beitragen, weil sie seltener auf den vier genannten Feldern und häufiger auf der anderen Seite zu finden sind.
Es bedarf einer breiten Diskussion darüber, was der Markt bestimmen darf, wer über den Marktwert von Arbeit bestimmt und was das über diese Gesellschaft und ihre sozioökonomische Verfassung aussagt.
Ein weiteres Problem sind die in Deutschland generell zu niedrigen Renten. Da hilft es nicht, dass die DRV darauf hinweist, dass zu ihren Leistungen bei manchen Rentner:innen weitere Bezüge hinzutreten. Es sind in der Regel auch diejenigen, die schon hohe gesetzliche Renten haben, die noch über Zusatz-Alterseinkommen verfügen.
Was den Vergleich mit anderen Ländern angeht, der zumindest angedeutet werden muss: Es wird von den Freunden der Ungleichheit gerne angeführt, dass es immer diese oder jene systemischen Unterschiede zu berücksichtigen gibt, wenn Deutschland so erschreckend schlecht dasteht – per Saldo ist es aber wirklich so, dass die Menschen hierzulande viel mehr von Altersarmut bedroht sind als im europäischen Ausland.
TH
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