Musk führt Ranking der Superreichen an (Statista) + Kommentar: Die Reichen, die Mächtigen und die Trägen | Briefing 264 | Wirtschaft, Gesellschaft

Briefing 264 | Wirtschaft, Gesellschaft, Superreiche, Verarmung der Mehrheit, Macht und Terror

Musk führt Ranking der Superreichen an.

Wieder, muss man sagen, zwischenzeitlich war LVMH-Chef Bernard Anault einmal vorne. Vor allem das Jahr 2020 hat Elon Musk in den Olymp der Reichsten aufsteigen lassen, weil damals  Tesla zur weltweit wertvollsten Marke aufstieg. Infografik: Tesla ist die wertvollste Automarke | Statista.

Aktuell ist Tesla unfassbare 823 Milliarden Dollar wert. Tesla market cap – Suchen (bing.com). Hoffentlich geht sich das auch für diejenigen aus, die erst später eingestiegen sind. Wer eine Aktie von Tesla haben will, muss dafür aktuell etwa 240 Dollar ausgeben. Als Tesla 2013 an der Börse startete, bekam man einen Anteilsschein für etwa 2 Dollar. Zwischenzeitlich waren schon einmal über 300 Dollar aufgerufen worden. Der größte Teil dieser Bewertung ist einfach eine einmalige Story, denn wertvoller als Toyota oder VW ist Tesla sicherlich in realen Assets nicht. Mehr Kommentar von uns finden Sie unterhalb der Grafik von Statista und dem zugehörigen Text:

Infografik: Musk führt Ranking der Superreichen an | Statista

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

Keiner ist aktuell reicher als Elon Musk. Der aktuelle Bloomberg Billionaires Index taxiert das Vermögen des Tesla-CEOs auf 233 Milliarden US-Dollar. Es ist indes nicht nicht lange her, da war der Spross einer wohlhabenden südafrikanischen Familie sogar 300 Milliarden US-Dollar schwer. Der einzige Europäer in den Top 10 ist Bernard Arnault mit 192 Milliarden US-Dollar Vermögen. Der Franzose verdankt seinen Wohlstand unter anderem dem Luxusgüter-Konzern „LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton SE“. Auf Platz drei folgt Amazon-Gründer Jeff Bezos dessen Vermögen von den Analyst:innen derzeit auf 153 Milliarden US-Dollar taxiert wird. Damit kommen die drei reichsten Männer der Welt zusammen auf 578 Milliarden US-Dollar. Das entspricht laut Zahlen der Bundesbank der Gesamtspareinlagen der der Deutschen im Jahr 2022. Der reichste Deutsche ist derzeit Klaus-Michael Kühne auf Rang 27. Das Vermögen des Mehrheitseigentümers des Logistikdienstleisters Kühne + Nagel und HSV-Mäzens soll sich derzeit auf rund 45 Milliarden US-Dollar belaufen.

Elon Musk ist bei allem, was man gegen ihn vorbringen kann, allerdings auch ein Sonderfall. Das vielleicht letzte schillernde Wunderkind einer Tech-Ära, die von Einzelpersonen geprägt wurde. Auf Platz 4 finden wir das Wunderkind der vorherigen Generation, Bill Gates. Doch was ist mit den anderen? Der LVMH-Boss wurde von der Regierung Macron so gepampert, dass er in diese Gruppe amerikanischer Superreicher aufsteigen konnte und die üblichen Verdächtigen fordern natürlich auch in Deutschland Steuerermäßigungen für die ganz Reichen, damit vielleicht auch wieder einer von ihnen es unter die Top 10 schafft.

Ansonsten stellt LVMH lauter Nice-to-Have-Produkte her, die kein Mensch wirklich braucht bzw. nicht in dieser überteuerten Form. Im Prinzip ist der Konzern ein Ausdruck von Dekadenz. Irgendwie passend, dass Frankreich ausgerechnet damit einen Vermögens-Superstar hervorbringt, nicht auf dem Industriesektor. Oder beim Handel, wie Jeff Bezos, die Nummer drei und sicher ein besonders ruchloser Vertreter seiner Klasse. Wir kaufen alle bei Amazon, geschenkt. Trotzdem müsste es nicht sein, dass die Steuern in manchen Ländern so niedrig sind, dass die Gründer solcher Online-Händler dermaßen reich werden können. Müsste Amazon vernünftige Steuersätze abführen, hätte ein Jeff Bezos vielleicht nur 20 oder 30 Milliarden Dollar. Genug, um über den Monat zu kommen, meinen wir.

Die anderen auf der Liste haben überwiegend mit IT-Technik zu tun, mit Warren Buffett als Ausnahme, der allerdings eine Legende der Spekulation und der Vermögensverwaltung ist. Auch ein besonders guter Riecher über Jahrzehnte, ohne größere Ausfälle, darf belohnt werden, aber würden 10 Milliarden Dollar anstatt 118 nicht ausreichen?  Er wurde im Grunde dadurch reich, dass er andere reicher gemacht hat, die seiner eigenen Klasse angehören und auf ihn hört die amerikanische Politik wie auf niemanden sonst in den amerikanischen Neun unter den Top Ten. Da ist nicht nur Geld, sondern auch viel Einfluss vorhanden. Das ist ja auch das Reizvolle für Menschen, die materiell schon alles haben: an Macht zu gewinnen. Insofern sind Verschwörungstheorien über die Reichen und Mächtigen nicht vollkommen aus der Luft gegriffen, denn selbstverständlich wirken sie zusammen, um noch reicher und einflussreicher zu werden und nutzen sie dafür Events wie das Weltwirtschaftsforum oder die berühmt-berüchtigte Bilderberg-Konferenz. Man könnte auch alles per Videokonferenz machen, dann wären die Events weniger schillernd und symbolisch, aber ändern würde das nicht viel.

Die obigen Personen sind allerdings nur die reichsten Einzelnen der Welt. Die reichste Familie ist die saudische Königsfamilie mit einem geschätzten Vermögen von über einer Billion Dollar (mehr als 1.000 Milliarden). Ihr gehört überwiegen der saudische Ölkonzern Aramco, der einen um ein Vielfaches höheren Wert hat als selbst die amerikanischen Giganten wie Exxon Mobile, er wird auf etwa 2 Billionen (2.000 Milliarden) Dollar geschätzt. Das ist nur geringfügig weniger als die offiziellen Staatsschulden einer großen Volkswirtschaft wie Deutschland.

Diese Familien sind die wahren Krösusse, und was sie mit ihrem Geld alles finanzieren, ist gefährlich und wie sie Politik machen, das ist nichts anderes als so furchtbar, dass eine „wertegesteuerte“ Außenpolitik ihnen die kalte Schulter zeigen müsste. Stattdessen liefert man ihnen Waffen und pampert sie aktuell, um Putin eins auszuwischen. Aber Sie wissen ja, die Doppelstandards des Westens. Die helfen natürlich auch höchst zweifelhaften Figuren zu unermesslichem Reichtum.

Diese politischen Umstände sind im Grunde schlimmer als die Tatsache, dass es im Kapitalismus zu reichen Menschen kommt. Denn das Unterdrückungspotenzial ist bei reichen Potentaten, das zeigt schon die Wortähnlichkeit, noch höher als bei reichen Selfemademen oder was man so dafür hält, wenn man die Einflüsse von Herkunft und staatlicher Anfangsförderung weglässt. Die Auswüchse des Kapitalismus sind die eine Seite einer krassen Schieflage des Systems, das Empowerment von Terrorstaaten durch den Westen, seine Geschäftemacher und seine Politiker das andere.

Wir werden übrigens auch bald chinesische Milliardäre in den Top 10 sehen, wenn nichts dazwischenkommt und der Staat sie einfach verschwinden lässt. Und in Deutschland werden wir immer noch Kommunisten finden, die China für ein kommunistisches Land halten und deren Antiamerikanismus stärker ist als jede Logik. Kein Wunder, dass das mit mehr Gleichheit auf der Welt nichts wird und die Reichen immer reicher werden. Sie nutzen ja nur aus, was das System ihnen bietet. Und das System, diejenigen, die das zulassen und teilweise auch noch vollidiotische Fans dieser Reichen sind, das sind wir alle. Weil wir so sind, wie wir sind, haben wir uns auch eine Politik ausgesucht, die das tut, was wir ihr sozusagen empfehlen, nämlich sich den Reichen anzudienen, anstatt die Mehrheit wieder wohlständig zu machen.

Dass wir es so herum sehen, liegt daran, dass wir nicht autoritär und nicht paternalistisch denken, wie auch viele Linke es tun, die meinen, es müsste eine Erlöserinnenfigur wie Sahra Wagenknecht kommen, um die Ausgebeuteten endlich zur Sonne zu führen. Diese Haltung ist in Wirklichkeit genau das, was die Superreichen schätzen, nämlich eine, die nicht auf Selbstermächtigung gerichtet, sondern auf Führung. Wo aber Führung ist, da ist auch Macht. Und wo Macht ist, da wirkt der Einfluss des Kapitals. Es gibt derzeit keine Alternative dazu. Macht hat mit Kapitalakkumulation in mittlerweile unvorstellbarem Ausmaß zu tun und damit, dass die Staaten sich selbst damit schwächen, dies zu fördern und damit Demokratien auch die Mehrheit der Bevölkerung verlieren. Niemand, der oben auf der Liste zu sehen ist, hätte ein Problem damit, sein Business in einer offiziellen Diktatur weiterzubetreiben, da dürfen Sie ganz sicher sein, nachdem viele Demokratien schon jetzt Mischsysteme aus formaler Partizipation der Bevölkerung und tatsächlicher Machtformation sind. Aber, um es noch einmal zu schreiben: Dass es so läuft, das müssen wir auch unserer eigenen Bequemlichkeit zuschreiben. In allen Ländern, in denen es überhaupt die Möglichkeit gibt, irgendetwas zu wählen, nicht in jenen, in denen die Bevölkerung noch nie eine solche Chance hatte.

Wir sind da auch nicht so abstrakt unterwegs, wie es bisher geklungen haben mag. Wir haben die Berliner Mietenbewegung über zwei Jahre schreibend begleitet und dabei studieren können, wie es zumindest im Kleinen gehen kann, nämlich durch Kooperativen, die dort bei der Politik andocken, wo es zumindest noch eine grundsätzliche Bereitschaft gibt, Self-Empowerment zu fördern. Wäre die Mehrheit nicht so träge, wäre z. B. auf diesem Gebiet viel mehr möglich, wie auch der Volksentscheid zur Enteignung von Großwohnkonzernen in Berlin zeigt. Es gibt die kritische Masse in beiden Bedeutungen des Begriffs, aber sie muss eben auch vom Sofa kommen und sich einbringen. Der absurde Reichtum weniger lässt sich sehr wohl begrenzen, wenn die vielen ihre Rolle als Souverän in einer Demokratie ernst nehmen, die sich nicht im alle paar Jahre wählen gehen erschöpfen darf. Das reicht eben in diesen Zeiten des neoliberalen Freidrehens, scheinbar in einem konkurrenzlosen System, nicht, um eine Demokratie mit Leben zu füllen.

In Frankreich, wo Herrschaften wie M. Arnault bei der Mehrheitsbevölkerung nicht so wohlgelitten sind, wie es nach außen wirken mag, weil dort alle das Elegante und Schöne lieben, das seinen Sinn in sich selbst trägt und von LVMH hergestellt wird, gab es vor ein paar Jahren eine Bewegung, die die hässliche Fratze eines repressiven, kapitalhörigen Staates, der sich selbst liberal und europafreundlich nennt, zutage gefördert hat. Allerdings waren die Gelbwesten nach unserer Ansicht thematisch-ideologisch zu eng, um zu einer systemkritischen Metabewegung zu werden, die außerdem über die spezifisch französischen Verhältnisse hätte hinaus wirksam werden können. Immerhin hat sie den neoliberalen Durchmarsch für ein paar Jahre aufhalten können.

TH


Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar