Heimisches Obst und Gemüse reicht nicht (Statista + Kurzkommentar) | Briefing 265 | Wirtschaft, Gesellschaft, Gesundheit

Briefing 265 | Wirtschaft, Agrarprodukte, Fleischprodukte, Essen und Trinken, Selbstversorgung, Autarkie

Die Globalisierung ist aus guten Gründen mittlerweile einer kritischen Betrachtung ausgesetzt. Bei einem Exportland wie Deutschland muss man bei dieser Kritik allerdings etwas genauer hinschauen, wenn es um Autarkie geht, was sie wirklich bedeuten würde. Auf der Importseite sieht es auch nicht so gut aus, denn wir haben uns daran gewöhnt, viele Lebensmittel nicht nur saisonal, sondern ganzjährig konsumieren zu können.

Dabei hilft vor allem das europäische Ausland, aber auch immer „exotische“ Produkte, die auf anderen Kontinenten wachsen und weite Wege hierher zurücklegen, spielen auf einem „diversifizierten“ Speiseplan eine Rolle. Andererseits sind selbst Klassiker wie Äpfel nur deshalb noch einigermaßen erschwinglich, weil die Knappheit der heimischen Ernte nicht die Preise bestimmt. Auffällig ist, dass bei Obst die Importquote noch höher ist als bei Salat und Gemüse, der hierzulande auch wetterunabhängig im Gewächshaus gezüchtet wird bzw. werden könnte, um den Bedarf zu decken.

Dass ausgerechnet das Fleisch, das in der Defensive ist und geradezu Anfeindungen ausgesetzt, auch ein regionales oder wenigstens nationales Produkt darstellt und zumindest bei der Transportwegebetrachtung und bezüglich seines Autarkiefaktors nachhaltiger ist als Ware, die tausende oder zigtausende von Kilometern zurücklegt, bis sie her verzehrt werden kann, wird wohl nicht dazu führen, dass der Fleischkonsum wieder ansteigt.

Zu Recht, wie wir meinen, denn bis ein Kilo Fleisch entstanden ist, werden viele Produkte benötigt, die wiederum importiert werden – vom Tierwohl, dem CO2-Ausstoß und den gesundheitlichen Aspekten abgesehen und nur auf das hier betrachtete Thema bezogen.

Hingegen sind Freund:innen des Essens auf Getreidebasis in jeder Hinsicht bestens aufgestellt. Es gibt genug davon und gesund ist es auch – mit Unterschieden natürlich, wie es sie bei jeder Lebensmittelsorte gibt.

Infografik: Heimisches Obst und Gemüse reicht nicht | Statista

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu.

Morgen [die Grafik stammt vom 02.08.2023, Anm. TH] veröffentlicht der Deutsche Bauernverband (DBV) seinen zweiten Zwischenbericht zur Getreideernte 2023. Dann wird sich zeigen, ob die Dürre in Deutschland Einfluss auf die Erntemenge hat. Im Normalfall kann sich Deutschland laut Daten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gut selber mit Getreide versorgen.

Insgesamt beläuft sich der Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln auf 87 Prozent. Aber wir sind längst nicht in allen Bereichen autark, wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt. Das betrifft zum Beispiel Gemüse, aber mehr noch Obst. Selbst bei Äpfeln kann Deutschland seinen Bedarf zu weniger als 50 Prozent aus eigener Ernte decken. Auch bei anderen heimischen Obstsorten wie Brom- und Stachelbeeren Birnen oder Kirschen sind es weniger als 20 Prozent. Niedrig ist der Selbstversorgungsgrad auch bei Fisch sowie Ölen und Fetten. Gut sieht es dagegen bei Fleisch und Geflügel aus.

Im ersten Erntebericht hatte der DBV von unerwartet guten Erträgen bei Wintergerste berichte. Dennoch war der Ausblick Mitte Juli verhalten. „Die vorliegenden Ergebnisse lassen vermuten, dass Winterweizen und Winterraps mehr unter der Trockenheit gelitten haben als die Gerste“, so die Einschätzung des Verbands.

Statista-Begleittext zur Grafik

 


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