Briefing 279 | Weltwirtschaft, *Keine Streitkräfte, aber auch staatliche Einzelunternehmen und Staatskonzerne, nicht nur private Unternehmen
Wir starten in die Donnerstagsberichterstattung mit einer Grafik, die wieder etwas Einblick in die Wirtschaft der Welt gibt. Dieses Mal geht es um die größten (zivilen) Arbeitgeber, die Streitkräfte wurden ausgeklammert. Ebenfalls ausgeklammert, aber nicht im Begleittext zur Grafik erwähnt: der Öffentliche Dienst der verschiedenen Staaten als Gesamt-Arbeitgeber.
Wohl aber sind einzelne Staatsunternehmen aufgelistet wie die indische Eisenbahngesellschaft mit fast 1,2 Millionen Beschäftigten.
Infografik: Die größten Arbeitgeber der Weltwirtschaft | Statista

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.
Kein Unternehmen der Welt hat mehr Mitarbeiter:innen als Walmart. Laut den aktuellen Quartalszahlen des US-Einzelhandelsriesen sind es sogar 2,1 Millionen. Nicht einmal E-Commerce-Riese Amazon kommt an diese Zahl heran, obwohl es mit rund 1,47 Millionen Beschäftigten den zweiten Rang unter den staatlichen und privatwirtschaftlichen Unternehmen belegt. Einzig die Verteidigungsministerien beziehungsweise Armeen Indiens, Chinas und der USA, schaffen es mit jeweils mehr als 2,5 Millionen Arbeitskräften und Soldat:innen diese beiden US-Firmen zu überbieten.
Wie die Statista-Grafik zeigt, ist China mit seinen drei staatlichen Institutionen am häufigsten unter den Top 10 vertreten. Die Energieversorger China National Petroleum und State Grid sowie die chinesische Post kommen gemeinsam auf eine Beschäftigtenzahl von mehr als 2,6 Millionen. Die einzigen europäische Vertreter in der Liste der größten Arbeitgeber sind die Consulting-Firma Accenture (721.000 Mitarbeitende) mit Sitz im irischen Dublin und der deutsche Automobilhersteller Volkswagen, der weltweit etwa 676.000 Menschen beschäftigt.
Ein bisschen kommentieren wir natürlich auch heute wieder.
- Man darf die Autoindustrie in Deutschland nicht unterschätzen, auch wenn VW die Mehrzahl seiner Mitarbeitenden mittlerweile im Ausland beschäftigt. Volkswagen ist einer der größten privaten Arbeitgeber weltweit. Am 31. Dezember 2021 beschäftigte Volkswagen – die chinesischen Gemeinschaftsunternehmen einbezogen – insgesamt 672.789 Mitarbeiter, das sind 1,5 % mehr als Ende 20201. Die Verteilung der Mitarbeiter auf das In- und Ausland blieb im vergangenen Jahr weitgehend stabil: Ende 2021 arbeiteten 43,9 % der Belegschaft in Deutschland1. Die Marke Volkswagen beschäftigt weltweit rund 200.000 Mitarbeiter, davon etwa 120.000 in Deutschland. geschaeftsbericht2021.volkswagenag.com, 2. weiseantworten.com, 3. geschaeftsbericht2020.volkswagenag.com, 4. decar.autos, 5. volkswagen-groupservices.co.
- Walmart ist wirklich außerhalb aller normalen Dimensionen. Die Firma hat weltweit etwa 10.500 Märkte und beschäftigt dabei mehr als 2 Millionen Menschen. Das heißt, in jedem Walmart arbeiten durchschnittlich 200 Menschen. Kennen Sie in Deutschland einen Supermarkt oder Baumarkt, von dem Sie den Eindruck haben, er könnte 200 Beschäftige aufweisen? Einige von ihnen sehen Sie natürlich nicht, aber in Deutschland kommt der gesamte Einzelhandel auf etwa 3 Millionen Beschäftige, die in knapp 330.000 Geschäften tätig sind. Statistiken zum Einzelhandel in Deutschland | Statista. Ein Grund für die hohen Belegschaften in den USA selbst dürfte sein, dass dort viele Lowjobs, die woanders längst automatisiert werden, vor allem in Asien, immer noch von billigen und schlecht gestellten menschlichen Arbeitskräften ausgeübt werden.
- Dass hingegen einige chinesische Unternehmen auf den vorderen Plätzen zu finden sind, verwundert angesichts einer Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen nicht.
- Accenture hat seine Beschäftigten natürlich überall auf der Welt verteilt und ist ein typisches Beispiel dafür, wie Irland mit konkurrenzlosen Vergünstigungen für die Ansiedlung von Konzernzentralen seine kleine Volkswirtschaft aufbläst, ohne dass die Mehrheitsbevölkerung davon entsprechend profitieren würde. Gemäß der US-Initiative für eine weltweite Unternehmens-Mindeststeuer in Höhe von 15 Prozent der Gewinne, gegen die Irland sich lange gesperrt hat, muss vielleicht doch künftig der eine oder andere Euro mehr abgedrückt werden. Eine realistische Unternehmens-Mindeststeuer auf Gewinne müsste mindestens das Doppelte betragen und es müsste unausweichlich jedes Land sanktioniert werden, das versucht, diese Mindestvorgabe von dann 30 oder wenigstens 25 Prozent zu unterlaufen, wahlweise jedes Unternehmen dort, wo es seine großen Märkte hat, die Gewinne aber in Niedrigsteuerländer verschiebt.
- Zu Amazon schreiben wir heute einmal nichts, weil die Firma für uns sehr zwiespältig ist.
- Wir dachten bisher, Foxconn sei ein Unternehmen der VR China. Die legendär schlechten Arbeitsbedingungen, unter denen dort teilweise im Westen teuer angebotene Marken-Elektroware hergestellt wird, werden jedenfalls vom chinesischen Festland aus berichtet. Wahrscheinlich würde auf Taiwan, wo Foxconn ebenfalls viele Werke hat, niemand zu solchen Konditionen eine Werkhalle betreten, wie sie unter einer „kommunistischen“ Führung erlaubt und üblich sind. Man sieht an solchen Konstellationen aber auch, dass manches Narrativ über Staaten viel zu linear ist, auch das über die beiden Chinas und sich immer wieder neue Aspekte auftun, wenn man etwas genauer hinschaut.
- Foxconn, ein taiwanesisches Unternehmen, das unter dem Namen Foxconn Technology Group auf dem Markt auftritt, ist der größte Hersteller für elektronische Produkte der Welt und einer der größten Arbeitgeber der Welt1. Seit Mitte der 2000er Jahre kommt es regelmäßig zu internationaler Kritik an den niedrigen Löhnen und den unmenschlichen Arbeitsbedingungen, unter denen die mehr als eine Million in der Produktion Angestellten leiden1. Eine Untersuchung der Organisation SACOM aus Hongkong, die sich für Arbeitnehmerrechte einsetzt, zeigt, dass die Arbeitnehmer extrem viele Überstunden machen müssen und dass der Arbeitsschutz mangelhaft ist2. Während der Arbeit herrscht eine Atmosphäre der Einschüchterung und Foxconn behandelt seine Mitarbeiter wie Maschinen2. Im vergangenen Jahr begingen wegen den unmenschlichen Arbeitsbedingungen mindestens 13 chinesische Foxconn-Arbeiter Selbstmord2. 1. de.wikipedia.org, 2. dw.com, 3. businessinsider.de
- Wenn Sie also solch ein überteuertes Apple iPhone besitzen, denken Sie bitte auch an die Menschen, die es für’n Appel und ’n Ei und unter miesen Bedingungen produziert haben, woher also die Riesengewinne von Apple & Co. kommen. Wir sind immer wieder erstaunt, wie viele Menschen aus dem sogenannten linken Spektrum totale Markenfreaks sind, denen das alles wurscht ist, nur das Hipster-Dasein zählt. Da mutet die Empfehlung von Unternehmensethikern, dass die Kunden die Anbieter zu besserem Verhalten den Arbeitenden gegenüber zwingen müssten, geradezu naiv an. Leider scheint auch der Hersteller unseres aktuellen Smartphones bei Foxconn produzieren zu lassen, aber wir haben keine klaren Informationen darüber gefunden, um welche Modelle es sich handelt. Wenn man ehrlich ist: Alle lassen bei Foxconn produzieren, aber der Unterschied ist, dass einige trotzdem ein Premium-Image vor sich hertragen und andere fairere Preise machen, während bei Luxusauto-Herstellern als Gegenbeispiel in der Regel keine Auftragsarbeiten bei Dacia in Rumänien ausgeführt werden. Bei den Zulieferern, auch denen von VW, sieht es natürlich anders aus, sie kommen aus vielen Ländern, auch aus China.
- Foxconn ist der weltweit größte Hersteller von Elektronik- und Computerteilen. Als Auftragshersteller produziert das Unternehmen unter anderem für Hewlett-Packard, Dell, Apple, Nintendo, Microsoft und Sony1. Der Konzern produziert bzw. produzierte im Auftrag die Spielekonsolen Nintendo DS, Wii, Wii U, Xbox 360 und PlayStation1. In den Auftragsbüchern des Unternehmens finden sich regelmäßig Namen wie Amazon, Acer, Sony, Cisco, Intel, Nintendo, Microsoft und nahezu allen anderen großen IT-Unternehmen2. 1. de.wikipedia.org, 2. businessinsider.de, 3. welt.de
Die mit Quellen belegten Textteile haben wir von ChatGPT recherchieren lassen, um Ihnen mit vertretbarem Zeitaufwand an einem Tag mit wenig Möglichkeiten zum Schreiben substanzielle Informationen anbieten zu können. In einige Unternehmen haben wir keinen Einblick genommen, aber es fällt schon auf, dass die ganz großen Arbeitgeber oft auch besonders in der Kritik stehen. Selbstverständlich gilt das auch für Amazon, um doch noch einen Nachsatz zu dem Unternehmen aufzunehmen. Einer der besten unter den 10 Tops nach Größe dürfte tatsächlich VW sein, vor allem in Deutschland, wo die Beschäftigten nach wie vor von speziellen Konditionen durch das sog. VW-Gesetz profitieren. Deshalb halten wir diesen großen industriellen Arbeitgeber auch für besonders wichtig und sehen mit Sorge, wie man sich gegenwärtig schwer damit tut, den Riesenkonzern auf Zukunftskurs zu bringen. Wenn man schon ein paar Jahre dabei ist, hofft man und sieht man allerdings ein wenig anders: Auch zu Beginn der 1990er gab es eine Phase, in der VW schlecht performte, Qualität und Gewinne, besonders bei der Marke Volkswagen, waren damals auch ziemlich mäßig und man lief dem Trend ein wenig hinterher, wie jetzt bei den E-Autos auf dem chinesischen Markt. Trotzdem ist VW immer noch die Nummer zwei weltweit nach Toyota, obwohl man behauptet, nicht mehr vorrangig auf die Absatzzahlen, sondern auf die Margen zu schauen.
TH
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