Briefing 280 | Umwelt / Klima, Klimareport: Rekordtemperaturen im Juli 2023
Liebe Leserinnen, dieser abgelaufene Juli war ja nun wirklich durchwachsen, oder? Gefühlt jedenfalls der kühlste seit vielen Jahren, zumindest in Berlin. Und so viel Regen. Gewitter gar. Es kam zu mehreren Tagen, an denen wir deswegen aufs freiwillige Radfahren (keine Arbeitswege) verzichtet haben. Auch der oft anhaltend starke Wind in der Stadt hat uns davon abgehalten.
Aber wenn wir jetzt aus dem Fenster schauen, dann freuen wir uns. In nicht weniger als drei der vergangenen sechs Jahre hat unsere Hofkastanie wegen Wassermangels vorzeitig die Blätter eingerollt und ausgesehen, als sei schon Oktober.
Oder nochmal anders, wenn das normale Braunwerden und auch die bei diesem Baum üblichen Verfärbungen der Blätter wegen Schädlingsbefall (den der Baum hat, seit wir ihn kennen, ohne sich davon am weiteren Wachsen und Gedeihen hindern zu lassen) sehen anders aus. Zum ersten Mal hatten wir das Phänomen des Einollens und der Herbstverfärbung schon im Juli / August im Jahr 2018 beobachtet. Es war das erste Dürrejahr, direkt im Jahr 2019 ging es weiter und dann … im Jahr 2021 oder 2021, da sind wir uns gerade nicht sicher, kam das Problem erneut auf. Dieses Jahr ist alles wieder „normal“. Und darüber freuen wir uns. Zu welchen Schlüssen verleitet dieser vergleichsweise kühle und nasse Sommer (auch der Frühling war recht regenreich)? Schauen wir uns erst die folgende Grafik an:
Infografik: Wie warm war es im Juli 2023? | Statista

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.
Der Copernicus Climate Change Service (C3S) hat bestätigt, das der vergangene Juli der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen war. Weltweit belief sich die Oberflächenlufttemperatur auf rund 17 Grad. Damit war der vergangene Monat 1,5 Grad wärmer als die Durchschnittstemperatur der Jahre 1850 bis 1900. Das heißt, dass in diesem Zeitraum der im Pariser Abkommen festgelegte Grenzwert überschritten wurde. Aber nicht nur auf dem Land war es laut C3S ein Rekordmonat. So wurden in Teilen des Atlantiks extreme Hitzewellen gemessen, während sich über dem östlichen Äquatorialpazifik weiterhin El-Niño-Bedingungen entwickelten. In weiten Teilen des Südlichen Ozeans rund um die Antarktis wurden für diese Jahreszeit bemerkenswerte Wärmeanomalien beobachtet, die mit der weit unterdurchschnittlichen Meereisbedeckung rund um den Kontinent zusammenhängen.
Leider kennen auch wir Menschen, die aus diesem einzelnen kühleren Sommer jetzt den Schluss ziehen, dass der Klimawandel wieder einmal eine Erfindung ist, mit der man uns umerziehen will. Auch die Rekordhitze im Süden Europas und die immer weiter zunehmenden Waldbrände werden schlicht für Erfindungen gehalten. Natürlich sind viele dieser Brände „gelegt“, aber das muss man ja erst einmal so können, dass sie sich aufgrund der großen Trockenheit rasend schnell ausbreiten und Menschen in Siedlungen in Gefahr bringen.
Weltweit sieht es genauso aus. Wir haben dieses Jahr in Deutschland wahrscheinlich gerade davon profitiert, dass es in anderen Gegenden besonders heiß war. Weltweit setzt sich der Anstieg der Temperatur der Erdoberfläche fort. Vor allem die Geschwindigkeit, mit der das, gemessen wurde der Monat Juli, passiert, ist mehr als bedenklich. Gemäß der abgebildeten Grafik sind es mindestens 0,8 Grad mehr gewesen als in den ohnehin heißen Vorjahren. Nur stimmte damals die Wahrnehmung in Deutschland mit den weltweiten Rekordwerten überein, dieses Jahr ist das nicht so. Deutschland zu benennen, ist schon übertrieben, die Diskussionen darüber führen wir im Grunde nur innerhalb Berlins, wo es wirklich frisch und windig zugeht, im Vergleich zu den Vorjahren.
Kühle Temperaturen im Sommer 2023 in Deutschland sind kein Zeichen dafür, dass der Klimawandel nicht stattfindet. Wetter und Klima sind zwei verschiedene Dinge. Wetter bezieht sich auf kurzfristige Veränderungen in der Atmosphäre, während Klima die langfristigen Muster von Temperatur, Niederschlag und anderen Wetterbedingungen beschreibt12.
Es ist wichtig zu beachten, dass der Klimawandel nicht bedeutet, dass es überall auf der Welt immer wärmer wird. Stattdessen führt er zu einer Zunahme von extremen Wetterereignissen, einschließlich Hitzewellen, Dürren, Stürmen und Überschwemmungen12. Ein kühler Sommer in Deutschland ist also kein Beweis dafür, dass der Klimawandel nicht stattfindet. Es ist nur ein Beispiel für die natürliche Variabilität des Wetters. 1. correctiv.org, 2. merkur.de, 3. umweltbundesamt.de
Diese Betrachtungen kann man natürlich weiter vertiefen, dafür hat uns ChatGPT, das uns die kurze Zusammenfassung geliefert hat, Passagen verlinkt und Quellen benannt. Natürlich gibt es auf der Welt noch andere Aspekte als den Klimawandel, die unser Handeln bestimmen (sollten), man muss beispielsweise aufpassen, dass nicht gerade der Klimawandel dazu genutzt wird, die Ungleichheit auf der Welt immer weiter – nun ja, anzuheizen. Deswegen sehen wir auch die CO2-Bepreisung kritisch, wenn nicht wenigstens das Klimageld für Wenigverbraucher bzw. Wenigerzeuger von Treibhausgasen als Gegensteuerung ausgekehrt wird.
Deswegen kann man den Klimawandel aber nicht leugnen und auch nicht behaupten, er habe nichts mit menschlicher Tätigkeit auf der Erde zu tun. Auch wahr ist, dass CO2 einen Grundstoff des Lebens darstellt, aber wenn in verschwörungstheoretischen Magazinen sogar gelernte Chemiker:innen behaupten, es könne deshalb nicht schädlich sein, notabene, es könne gar nicht genug davon geben, fragen wir uns schon, wie diese Menschen es zu einem Studienabschluss gebracht haben. Das Problem ist derzeit die Überproduktion, die nicht mehr von der Natur gebunden werden kann, der natürliche CO2-Kreislauf wird durch die von Menschen verursachten Emissionen massiv gestört. Ein natürlicher Klimawandel verläuft auch nicht in dem Eiltempo, das wir jetzt gerade wieder sehen.
Eine Bemerkung am Rande: Deshalb ist auch das wieder in Mode kommende Verfeuern von Holz in verschiedenen Formen, am liebsten als Pellets, alles andere als klimaneutral. Klar, der Baum hat das CO2 irgendwann aufgenommen, der gefällt wird, um diese kleinen Pressteile herzustellen. Aber über viele, viele Jahre hinweg, während es beim Verfeuern innerhalb von Tagen und Wochen wieder freigesetzt wird. Das Gleiche wie bei der Kohle übrigens, nur nicht so extrem bezüglich Entstehungszeit des Energieträgers und seiner Verbrennung. Wir können nur vor der klimatechnischen Milchmädchenrechnung warnen, irgendeinen fossilen Brennstoff als klimafreundlich labeln zu wollen. Man muss bei der Klimaneutralität auch den Zeitfaktor berücksichtigen. Wie lange dauert es, bis die Natur CO2 binden kann in Relation zur Geschwindigkeit der Freisetzung durch Menschen?
Und wir sollten den Klimawandel wirklich ernst nehmen und gleichzeitig ein Konzept entwickelt, wie er nicht zu noch mehr sozialen Verwerfungen führt. Aufhalten können wir ihn ja nicht mehr, höchstens mittelfristig bremsen.
TH
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