Briefing 284 | Wirtschaft | AMD, Nvidia, Marktmacht, High Tech, KI-Implementierung, Grafikkarten, Umsatzsprung im 2. Quartal 2023
In letzter Zeit ist eine Firma in die Schlagzeilen geraten, die nicht so bekannt ist wie die Riesen Apple, Amazon, Microsoft, die Social-Media-Giganten und einige andere. Sie heißt Nvidia und fast jeder von uns hat etwas von ihr im Computer.
Unterhalb des Begleittextes erweitern wir die Informationen noch ein wenig, damit Sie einen Mehrwert von diesem Artikel gegenüber der Grafik haben und natürlich, damit klar wird, warum wir uns auch mit dieser Art von Wirtschaftsnachrichten befassen. Hier geht es beispielsweise darum, wer das Rennen beim Einsatz von Chips in Rechenzentren gewinnt, die mit KI arbeiten.
Infografik: NVIDIA vs. AMD: Wer gewinnt das Chip-Wettrennen? | Statista
Verdienten die Chip-Hersteller 
Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.
AMD und NVIDIA in der Vergangenheit das meiste Geld im Gaming-Segment, sind mittlerweile die Produkte, die in Rechenzentren eingesetzt werden, weitere starke Umsatztreiber. Das hat einen guten Grund: Für effiziente KI-Berechnungen und das Trainieren von Large Language Models (LLMs), die Chatbots wie Bard oder ChatGPT zugrundeliegen, sind Grafikkarten-Chips derzeit am besten geeignet und werden unter anderem als von normalen Computern entkoppelte Lösungen in Rechenzentren eingesetzt.
Mittlerweile produzieren sowohl AMD als auch NVIDIA eigene KI-Lösungen für Supercomputer, die Prozessor, Grafikchip und Arbeitsspeicher kombinieren. Wie sehr dieser Fokus auf Chips für Rechenzentren die Umsätze vor allem eines Unternehmens bestimmt, zeigt unsere Grafik.
So machten Einnahmen aus Rechenzentrumslösungen für NVIDIA schon im zweiten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres etwa 57 Prozent des Gesamtumsatzes aus, zwischen Februar und April stieg dieser Wert bereits auf 60 Prozent. Im Vergleich dazu stellt das Geschäft mit Rechenzentren für AMD noch einen vergleichsweise kleinen Posten dar. Zwischen Januar und April nahm die Firma damit rund 1,3 Milliarden US-Dollar ein. Im Gaming-Segment, das NVIDIA und AMD seit einigen Jahren praktisch unter sich aufteilen, erzielte der Chip-Hersteller mit 1,8 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal 2023 deutlich mehr Umsatz.
Auch abseits von NVIDIA und AMD ist der Markt für Halbleiter und Chips mehr als lukrativ. Analysen von Garnter zufolge sollen allein im Jahr 2022 rund 600 Milliarden US-Dollar mit Computerchips umgesetzt worden sein. Marktführer in der Chip-Industrie waren im vergangenen Jahr Samsung, Intel und SK Hynix mit Anteilen von 11, 10 und 6 Prozent.
Lange Zeit hieß es, wenn es um den Kauf eines neuen Rechners ging: Intel oder AMD? Von Nvidia hingegen waren vor allem die Grafikkarten bekannt, von ihnen ist auch eine in dem Rechner verbaut, an dem wir diesen Artikel schreiben, während der Prozessor von Intel kommt. Wie kommt aber ein Grafikkarten-Hersteller dazu, plötzlich ein führendes Unternehmen auf dem großen Wachstumsgebiet der KI zu werden? Oben ist es erklärt.
Wegen einer eher rudimentären Informationslage mussten wir erst einmal nachschauen, wie es der Nvidia-Chef innerhalb kurzer Zeit schaffen konnte, zu den 25 Reichsten der Welt aufzuschließen. Wieder einmal ist die Bewertung eines Unternehmens um so vieles höher als der Umsatz und der Gewinn, dass man es nach klassischen Maßstäben als Hochrisiko-Papier einstufen müsste. Tatsächlich? Wenn man zum Beispiel via ChatGPT Zahlen abfragt, muss man immer aufpassen, dass vor allem die Zeiträume stimmen und außerdem der eigene Ansatz richtig ist, zum Beispiel dahingehend, in welchem Geschäftsjahr wir uns gerade befinden:
NVIDIA hat im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2023 einen Umsatz von 6,05 Milliarden US-Dollar erzielt, was einem Rückgang von 21% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Gewinn pro verwässerter Aktie nach GAAP für das Quartal betrug 0,57 US-Dollar, was einem Rückgang von 52% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Umsatz für das Geschäftsjahr 2023 betrug 26,97 Milliarden US-Dollar, was einem Rückgang von 0% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Gewinn pro verwässerter Aktie nach GAAP betrug 1,74 US-Dollar, was einem Rückgang von 55% gegenüber dem Vorjahr entspricht1. Möchtest du noch mehr darüber erfahren?
Für das laufende Geschäftsjahr vermeldet Nvidia ganz andere Zahlen, das heißt, wir setzen nun eine ganz aktuelle Information auf eine Grafik, die ebenfalls erst wenige Wochen alt ist. aber den vielleicht entscheidenden Umsatzsprung von Nvidia im Q2 2023 noch nicht zeigt. Vielleicht haben wir just den Moment erwischt, in dem sich in dem Teil der Chipindustrie, der die KI bewirtschaftet, Historisches ereignet hat:
- August 2023
- Rekordumsatz von 13,51 Mrd. $, 88% mehr als im 1. Quartal, 101% mehr als im Vorjahr
- Rekordumsatz im Rechenzentrum von 10,32 Mrd. $, ein Plus von 141% gegenüber dem 1. Quartal und ein Plus von 171% gegenüber dem Vorjahr
NVIDIA (NASDAQ: NVDA) meldete heute für das am 30. Juli 2023 endende zweite Quartal einen Umsatz von 13,51 Mrd. $, was einem Anstieg von 101% gegenüber dem Vorjahr und einem Anstieg von 88% gegenüber dem Vorquartal entspricht.
Der GAAP-Gewinn pro verwässerter Aktie belief sich im Quartal auf 2,48 US-Dollar, was einem Anstieg von 854 % gegenüber dem Vorjahr und einem Anstieg von 202 % gegenüber dem Vorquartal entspricht. Der Non-GAAP-Gewinn pro verwässerter Aktie belief sich auf 2,70 US-Dollar, was einem Anstieg von 429 % gegenüber dem Vorjahr und einem Anstieg von 148 % gegenüber dem Vorquartal entspricht.
„Eine neue Computer-Ära hat begonnen. Unternehmen auf der ganzen Welt wechseln von Allzweck- zu beschleunigtem Computing und generativer KI“, sagte Jensen Huang, Gründer und CEO von NVIDIA.
„NVIDIA-GPUs, die über unsere Mellanox-Netzwerk- und Switch-Technologien verbunden sind und auf denen unser CUDA-KI-Software-Stack ausgeführt wird, bilden die Recheninfrastruktur der generativen KI.
„Im Laufe des Quartals kündigten große Cloud-Service-Provider massive NVIDIA H100-KI-Infrastrukturen an. Führende Anbieter von IT-Systemen und Software für Unternehmen kündigten Partnerschaften an, um NVIDIA KI in jede Branche zu bringen. Das Rennen um die Einführung generativer KI ist eröffnet“, sagte er.
Der große Sprung nach vorne kam also erst im Folgequartal, das auf der Statista-Grafik nicht mehr dargestellt ist. Diese Zahl wiederum ist richtig, denn 13,51 / 7,2 = 1,876. Ob AMD da noch mithalten kann oder das Rennen schon verloren ist? Die Frage lautet: nein. Der Umsatz verharrte im Q2 2023 auf dem Niveau von Q1, mithin bei 5,4 Milliarden Dollar. In der Tat sind es die hohen Umsätze mit Rechenzentren, die Nvidia weiter ausbauen konnte, die auf die Siegerstraße führten, während das Gaming-Business vielleicht nicht ausgereizt ist, wenn man sieht, wie z. B. die Umsätze in Deutschland für Gaming-Software weiter steigen, aber nicht solche großen Sprünge erlaubt.
Der Börsenwert entwickelt sich bei solchen Sprüngen meist noch besser als der Umsatz, manchmal auch besser als der Gewinn. Die Aktie von Nvidia stieg innerhalb eines Jahres um 181 Prozent. Das wäre also eine goldene Geldanlage gewesen, hätte man sich an diesem Zuwachs beteiligt. Die gesamte Marktkapitalisierung beträgt derzeit 1,16 Billionen Dollar und damit liegt das Unternehmen auf Rang 8 weltweit. Apple führt die Liste weiterhin an, vor der saudischen Ölgesellschaft ARAMCO und Microsoft. Durch den starken Anstieg des Aktienswertes hat sich das Vermögen von Nvidia-CEO Jensen Huang jüngst auf 46 Milliarden Dollar erhöht. Nvidia-CEO Jensen Huang ist jetzt rund 46 Milliarden Dollar schwer – Business Insider.
Wir werden also bei anhaltendem Erfolg von Nvidia einen neuen Namen lernen müssen, wenn es um die Reichsten der Superreichen geht. Bisher ist es ein Name, der von Zweifeln uns Skandalen und von Spins, wie sie Personen à la Elon Musk, Jeff Bezos und andere betreffen, weitgehend frei, da die Chip-Industrie mehr oder weniger als neutral bis nützlich wahrgenommen wird und Huang bisher nicht durch extreme Exzentrik aufgefallen ist. Hier wird aber gerade das „next big thing“ der Tech-Branche generiert, ohne dass dies schon so bekannt ist wie die Unternehmen und deren Gründer, die in den letzten Jahrzehnten nach vorne geprescht sind.
Trotzdem zeichnet sich auch hier wieder mindestens ein Oligopol, wenn nicht auf längere Sicht ein Beinahe-Monopol in einem bestimmten Segment der High-Tech-Industrie ab, das kritisch hinterfragt werden muss, gerade aus europäischer Perspektive, außerdem erreicht kein kapitalistisches Unternehmen eine solche Stellung, dass wirklich „sauber“ arbeitet und nicht dazu tendiert, seine Marktmacht zu missbrauchen. Natürlich ist der im verlinkten Artikel beschriebene Vorgang längst vergessen, angesichts des Aufbruchs in ein neues, KI-affines Zeitalter, aber es wird sicher nicht der letzte sein.
Wieder einmal geht es um technologische Führerschaft und wieder einmal ist kein europäisches Unternehmen vorne dabei. So wird das nichts mit einer mehr autarken Wirtschaft, die auch eine mehr selbstbestimmte Politik erlauben würde.
TH
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