Menschenhandel: Anstieg der weltweiten Strafverfolgung. Zum Tage der Verschwundenen (Statista + Info-Plus) | Briefing 287 | Gesellschaft

Briefing 287 | Menschenhandel, Tag der Verschwundenen am 30.08.2023

Unser heutiger Informations-Artikel befasst sich mit dem weltweiten Phänomen des Menschenhandels. Morgen ist der „Tag der Verschwundenen“. Eine Grafik dazu:

Infografik: Menschenhandel: Anstieg der weltweiten Strafverfolgung | Statista

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

Mehr als 15.000 Strafverfolgungen wegen Menschenhandelsdelikten und rund 5.577 Verurteilungen zählt das US-Außenministerium in ihrem Trafficking in Persons Report 2023. Der Bericht zeigt, dass die Covid-19-Pandemie die Risiken für gefährdete und marginalisierte Bevölkerungsgruppen, die dem Menschenhandel ausgesetzt sein könnten, verschärft hat. Obwohl die Grenzen geschlossen wurden und das Reisen in den vergangenen Jahren schwieriger wurde, hat die Krise den Menschenhandel nicht beendet. Sie führte vielmehr dazu, dass Kriminelle ihre bisherigen Taktiken anpassten, um die besonderen Umstände auszunutzen. Die Anzahl der Strafverfolgungen und abgeschlossenen Gerichtsprozesse ist derweil deutlich gefallen. Im Jahr 2022 wurden die globalen Ermittlungen gegen die Menschenhändler dann wieder hochgefahren, wie die Statista-Grafik anhand der weltweiten Daten zeigt.

Als besonders gravierend identifiziert der Bericht die Lage in den elf Ländern Afghanistan, Eritrea, Russland, Burma, Iran, Südsudan, China, Nordkorea, Syrien, Kuba und Turkmenistan. Hier gibt es nachweisliche Muster von systematischem, von der Regierung geduldetem oder unterstütztem Menschenhandel in Form von Zwangsarbeit, sexueller Ausbeutung oder Rekrutierung von Kindersoldaten.

Eigene Recherche / ChatGPT, weil wir die Berliner Zahlen wissen wollten:

Menschenhandel ist ein globales Phänomen, das auch Deutschland betrifft. In Berlin wurden im Jahr 2022 mehrere Fälle von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen oder der Arbeitsausbeutung aufgedeckt. Laut dem Bundeskriminalamt gab es in Berlin im Jahr 2022 **465 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandel und Ausbeutung**, davon **291 Verfahren wegen sexueller Ausbeutung**. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft führten mehrere Durchsuchungen durch, um die Täter und Täterinnen zu identifizieren und die Opfer zu befreien. Die Opfer von Menschenhandel sind oft in einer Situation totaler Abhängigkeit, Gewalt und Rechtlosigkeit. Der Berliner Senat engagiert sich seit 20 Jahren gegen diese schwere Form der Verletzung von Menschenrechten und setzt sich für den Schutz und die Verbesserung der Situation der Opfer ein.

Die Dunkelziffer dürfte sehr hoch sein, auch in Berlin, das wiederum im Weltvergleich relativ viele Verfahren zählt. Die Zahl der Verurteilungen ging aus dieser Anfrage nicht hervor. Wir bitten bei den obigen Zahlen um Vorsicht, weil sie nicht zu den gesamtdeutschen Zahlen passen und wie bei dieser Form von Anfrage keine Quellen erhalten:

Bundeskriminalamt: Menschenhandel nimmt deutlich zu | tagesschau.de. Demnach würden fast alle deutschen Verfahren in Berlin durchgeführt. Die deutsche Gesamtzahl von etwas über 500 korreliert aber gut mit der weltweiten Zahl von etwa 15.000 Ermittlungsverfahren, wobei in Deutschland etwa dreimal so viel Verfahren durchgeführt würden wie im Weltdurchschnitt.

Polizei und Zoll haben im vergangenen Jahr deutschlandweit 510 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandel und Ausbeutung geführt. Dies seien zehn Prozent mehr als im Jahr 2020, teilte das Bundeskriminalamt in Wiesbaden mit. Insbesondere die Ausbeutung minderjähriger Opfer habe 2021 stark zugenommen. Diese Verfahren seien um fast ein Viertel (23 Prozent) auf 237 gestiegen. Sie hätten 283 Opfer und 249 Tatverdächtige betroffen.

Die Zahlen der Tagesschau beziehen sich auf 2021, nicht auf 2022 und dürften 2022 bezüglich der Ermittlungsverfahren angestiegen sein, nicht unbedingt bezüglich der Zahl der Verurteilungen.

Dass es einen Rückgang der Ermittlungen während Corona gab, ist nachvollziehbar, allerdings kam es auch in den Jahren zuvor schon zu einem Abschwung. Wegen der besseren Lager oder wegen nachlassendem Eifer der Ermittlungsbehörden weltweit? Der Tag der Verschwundenen ist für uns auch wieder eine Novität, davon hatten wir zuvor nie gehört. Umso mehr empfiehlt sich auch bei diesem Menschenrechte-Thema eine Vertiefung.

TH


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