Wo leben die meisten Geflüchteten? (Statista + Kurzkommentar) | Briefing 470 | Geopolitik, Gesellschaft

Briefing 470 Geopolitik, Gesellschaft, Geflüchtete, Länder mit den meisten Geflürchteten

Heute liefern wir Ihnen ein Update zu den Geflüchteten in wichtigen Ländern. Wer beherbergte im Jahr 2023 die meisten Geflüchteten? Deutschland steht erwartungsgemäß weit vorne – aber nicht an erster Stelle. Es hat uns überrascht, welches Land die meisten Geflüchteten aufgenommen hat:

In vielen Ländern ist die Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Das zeigt die Statista-Animation auf Basis von Daten des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR. Die meisten dieser Flüchtlinge stammten aus Syrien, der Ukraine und Afghanistan. Zu den Ländern, in denen derzeit die höchste Zahl an Flüchtlingen und Asylbewerbern leben, sind die USA, die Türkei, der Iran und Deutschland.

Laut UNHCR gab es weltweit zum Ende des Jahres 2022 ca. 35 Millionen Flüchtlinge. Allerdings gibt es auch Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes zur Flucht gezwungen und aus ihrer Heimat vertrieben werden. Die Zahl dieser Binnenflüchtlinge bezifferte das UNCHR am Ende des Jahres 2022 auf ungefähr 62,5 Millionen. Insgesamt zählte das UNHCR ca. 108 Millionen Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Rund 10 Millionen davon haben alleine im Jahr 2022 ihre Heimat verlassen, woran der Krieg in der Ukraine einen großen Anteil hatte.

Neben Kriegen und Konflikten verschärfen die Auswirkungen des Klimawandels die Not von Vertriebenen. Das Zusammentreffen von Konflikten und Klimawandel beeinträchtigt ihre sie dabei, lebenswichtige Ressourcen und nachhaltige Existenzgrundlagen zu sichern.

Innerhalb der Europäischen Union werden die meisten Erstanträge auf Asyl in Deutschland gestellt. Mit einigem Abstand folgen Länder wie Spanien und Frankreich. Die meisten Antragssteller in Deutschland kam 2022 aus Syrien, gefolgt von Afghanistan, der Türkei und dem Irak. Hinzu kommen die etwa eine Million Ukrainerinnen und Ukrainer, die vor dem Krieg in ihrem Land geflohen sind und weiterhin in Deutschland leben. Sie müssen kein reguläres Asylverfahren durchlaufen und tauchen daher in der Asyl-Statistik nur in geringer Zahl auf.

Das Asyl bezeichnet einen geschützten Aufenthaltsort und ist ein Begriff für die Aufnahme von Verfolgten. Nach Artikel 16a des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland genießen politisch Verfolgte Asyl. Damit wird das Asylrecht in Deutschland nicht nur auf Grund der völkerrechtlichen Verpflichtung aus der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 gewährt, sondern hat als Grundrecht Verfassungsrang. Es ist das einzige Grundrecht, das nur Ausländern zusteht.

Beim Flüchtlingsschutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention sind die Anforderungen etwas geringer als beim Asyl. Die Verfolgung muss nicht vom Staat ausgehen. Das gilt zum Beispiel für Syrer, die vor der Terrormiliz „Islamischer Staat“ geflohen sind. Wird im Asylverfahren festgestellt, dass der Bewerber das Recht auf Flüchtlingsschutz hat, wird er als Flüchtling anerkannt.

Ein paar grundsätzliche Informationen enthält der Begleittext von Civey auch. Die Rennbalkengrafiken sind deshalb interessant, weil sie Entwicklungen gut nachvollziehbar machen. Auf einer rein informatorischen Ebene, Hintergründe erfährt man durch sie selbstverständlich ebenso wenig wie in der Regel durch nicht bewegte grafische Darstellungen. Wie es in Deutschland zu der hohen Zahl an Geflüchteten gekommen ist, weiß man einigermaßen. Überrascht hat uns die Situation in den USA. Schon unter dem migrationsfeindlichen Präsidenten Donald Trump nahm die Zahl der Geflüchteten in den Vereinigten Staaten plötzlich zu und erreicht mittlerweile einsame Höhen. Deshalb ist es interessant zu erfahren, wo diese Menschen herkommen. Die vielen „illegalen“ Grenzübertritt in die USA (bis  zu 400.000 monatlich) können damit nicht gemeint sein.

Asylgesuche können, anders als in Deutschland, keinen wesentlichen Beitrag zu diesen hohen Zahlen geleistet haben, wenn man dieser Information glaubt, zumindest nicht bis 2022. Allerdings weichen die Quellen dazu erheblich voneinander ab, uns kommen diese Daten realistischer vor. Die Aufnahmequote von 46 oder 45 Prozent bei den Erst- und Zweitanträgen wirkt ebenfalls glaubhaft. Die meisten Asylsuchenden kommenden dort aus lateinamerikanischen Ländern, hier wiederum steht Kuba an erster Stelle.

Neben den Asylbewerbern („Aslyees“) gibt es eine weitere Kategorie von Geflüchteten, die nach UN-Kriterien als „Refugees“ aufgenommen werden, die Zahl ist allerdings mit 85.000 pro Jahre (2016) nicht sehr hoch. In Deutschland gibt es diese Möglichkeit der Einwanderung grundsätzlich nicht, wohingegen für Geflüchtete aus bestimmten Ländern (Syrien 2015, 2016 und Ukraine seit 2024) Ausnahmen dahingehend gemacht werden, dass diese kein Asylverfahren durchlaufen müssen. Für die USA gilt nach dieser Quelle:

  • Das US-Recht unterscheidet zwischen “refugee” und asylee”.
    Refugees sind Flüchtlinge, die vor ihrer Ankunft in den USA die Erlaubnis bekommen, sich dort niederzulassen. Asylbewerber suchen zuerst in den USA Schutz und beantragen dann ein Bleibereicht. Für beide gelten dieselben Kriterien für Zulassung bzw. Ablehnung.
  • Resettlement bedeutet Neuansiedlung.
    Wer als Flüchtling im Resettlement Program zugelassen wird, darf überall in den USA wohnen und arbeiten. Nach einem Jahr muss er eine Greencard beantragen, fünf Jahre später kann er amerikanischer Staatsbürger werden.
  • Flüchtlinge können sich nicht direkt für dieses US-Programm bewerben.
    Sie brauchen zunächst eine Anerkennung als Flüchtlinge durch den UNHCR (die Uno-Flüchtlingsorganisation), der sie dann für bestimmte Drittländer empfiehlt. Das betrifft weniger als ein Prozent der Flüchtlinge in aller Welt (laut UNHCR-Statistik), von denen die USA mehr als die Hälfte aufnehmen (laut US-Statistik).
  • Das Prozedere nach dem ersten Antrag auf einen Neustart in einem Drittland dauert meist um die zwei Jahre. (…)
  • Wie viele Flüchtlinge dürfen denn nach Amerika ziehen?
    Die USA legen jedes Jahr fest, wie Plätze für ein Resettlement sie an Flüchtlinge in aller Welt vergeben. 2015 sind es 70.000. Im Jahr 2016 erhöht sich diese Zahl auf 85.000 FlüchtlingeDas Refugee Processing Center hat viele Statistiken über die Herkunft der Flüchtlinge.

Wir werden in diesem kleinen Artikel nicht nachforschen, wie die hohen Geflüchtetenzahlen z. B. im Iran zustande kommen, uns gemäß der Situation von Iranern in Deutschland eher ein Land zum Wegziehen schien. Aber man sieht: Deutschland ist nicht alleine mit hohen Zugangszahlen an Geflüchteten. Bei der Türkei beispielsweise ist auch bekannt, dass sie nach wie vor viele Geflüchtete aus dem syrischen früheren Kriegsgebiet beherbergt. 

TH


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