Briefing 525 Wirtschaft, Arbeitsmarkt, KI, Stellenanzeigen, AI
Vor etwas mehr als einem Jahr war die KI ein großes Thema, unter anderem wegen der Bildgeneratoren, die damals Furore machten. Zu der Zeit lancierte Microsoft auch ChatGPT für alle, heute bekannt als Bing Copilot. Wir haben uns damals positiv zur Verwendung von auch im Rahmen der Arbeit an diesem Blog geäußert.
Anfangs haben wir jede KI-Verwendung klar kenntlich gemacht; mittlerweile, glauben wir, können die Leser:innen, geschult wie sie jetzt sind, sofort erkennen, wo wir KI einsetzen, zum Beispiel an der Art, wie die Texte mit Zitaten unterlegt sind. Dabei geht es nur um Informationen. Kommentierend wirkende Textteile entfernen wir, denn Kommentieren ist unser Revier. Und wird es vorerst bleiben. Wie aber sieht es mit der KI am Arbeitsmarkt aus? Dazu wurde gestern eine Statista-Grafik veröffentlicht:
Wie wichtig sind KI-Kenntnisse auf dem Arbeitsmarkt?

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz CC BY-ND 4.0 Deed | Namensnennung-Keine Bearbeitung 4.0 International | Creative Commons erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.
Generative KI ist auf dem deutschen Arbeitsmarkt angekommen. Das zeigen Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Nachdem die Anzahl der monatlichen Online-Stellenanzeigen mit Bezug auf generative KI in Deutschland zu Jahresbeginn noch relativ niedrig war, suchen Unternehmen seit Juni 2023 auf konstant hohem Niveau entsprechende Fachkräfte. Dabei geht es laut IW-Einschätzung oft um Tätigkeiten aus den Bereichen Marketing und Medienkommunikation. „Beispiele sind Texte für soziale Medien oder Unternehmenswebseiten. Dabei entsteht mit dem sogenannten ‚Prompten‘ eine neue Kompetenz, die die Fähigkeit beschreibt, möglichst passgenau Text in Form einer Aufgabe für den Chatbot einzugeben, sodass ChatGPT die besten Resultate generiert.“ Abgesehen von Texten benennt der Bericht noch zwei weitere Einsatzbereiche von künstlicher Intelligenz, die Generierung von Bildern oder Programmier-Code.
Eines ist sicher, für die Überprüfung der Rechtschreibung verwendet Statista keine KI; wir haben uns erlaubt, die wichtigsten Fehler im obigen Text zu beseitigen. Damit stößt man im Grunde auch schon auf ein Problem: Trotz aller Möglichkeiten, alles Mögliche checken und korrigieren zu lassen, auch mit KI, hat sich die Qualität von Textproduktion bisher nicht verbessert. Wir stehen deshalb zu unseren von Hand generierten Fehlern und finden natürlich auch Fehler bei anderen leichter als die eigenen. Damit sind wir keine Ausnahme, das ist ein allgemeines Kognitionsproblem bei Menschen, das es bei der KI nicht geben sollte.
Oben geht es aber um generative KI, die also nicht redigieren soll oder dergleichen, sondern eigene Inhalte kreieren. Vorgaben müssen aber Menschen machen, die Kompetenz dazu wird in den Stellenanzeigen verlangt, die in der Grafik summarisch abgebildet werden. Haben Sie das Kleingedruckte gelesen? Das IW hat diese 1.231 Stellen mit KI-Bezug aus nicht weniger als 16 Millionen Stellenangeboten extrahiert. Das ist ein Faktor von 0,000076 oder 0,008 Prozent. Dabei werden nicht einmal alle Stellen rein KI-bezogen sein, sondern lediglich die Kompetenz, passende Texte für die KI zu erstellen, neben vielen anderen Skills verlangen. Auch bei der Bildgenerierung geht es in der Regel um Textwissen, weil mit Textvorgaben Bilder erzeugt werden sollen. Selbstverständlich bildet diese Grafik nicht den gesamten KI-Markt ab, man kann aus ihnen nicht schließen, wo und in welchem Umfang KI schon eingesetzt wird, und natürlich sind wir gespannt, wie es bis zum April 2024 weitergegangen ist.
Hinter allem steht die Frage: Wird KI mehr nützen als schaden, mehr Arbeitsplätze schaffen als vernichten? Und wie verhält sich zu dieser Frage das Verlangen von Kreisen, die Menschen immer mehr und immer länger arbeiten zu lassen? Im Grunde müsste es so laufen, dass jede technische Neuerung menschliche Arbeit einspart. Wieso das nicht passiert? In Deutschland jedenfalls hat es damit zu tun, dass seit einigen Jahren die Produktivität stagniert, mittlerweile sogar sinkt. Dieses Problem gibt es in anderen Ländern aber nicht in dem Maße oder gar nicht, also müsste die KI zu einer Steigerung der Wirtschaftstätigkeit führen, wenn sie wenigstens arbeitsplatzneutral sein soll. Wir wollten aber heute nur ein Schlaglicht auf ein Feld neuer Technik werfen, das in Deutschland noch keine große Relevanz bei der täglichen Arbeit hätte, wenn man nur die obige Statistik heranziehen würde. Wir haben auf die Entwicklung weiterhin ein Auge und werden uns von Zeit zu Zeit auch mit inhaltlicher Vertiefung zum Thema melden.
TH
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