Crimetime 1230 – Titelfoto © HR
So ein Tag … ist der 133. Fernsehfilm der Tatort-Krimireihe. Vom Hessischen Rundfunk produziert, wurde die Episode am 7. Februar 1982 im Ersten Programm der ARD erstmals ausgestrahlt. Es handelt sich um den einzigen Fall von Polizeihauptmeister Rolfs, dargestellt von Klaus Löwitsch. Er muss hierin einen Pelzraub aus dem Geschäft verhindern, in dem seine Freundin arbeitet.
Klaus Löwitsch spielt einen Streifenpolizisten im Revier am Frankfurter Hauptbahnhof, der keine Versetzungsgesuche schreibt und dem echt etwas an den Menschen im Revier liegt. Raue Schale, netter Kerl. Doch die alte Frau Böckler, die mit Kuchen auf ihn wartet, stirbt, weil er keine Zeit hat, sie zu besuchen, den Freitod, und am Ende – ja, so ist das eben, am Ende. Offenbar mochte man das Konzept beim Hessischen Rundfunk, das mit diesem ungewöhnlichen Tatortfilm verwirklicht wurde und wiederholte es 1985 in „Acht, neun … Aus“ (Tatort 166). Mehr dazu lesen Sie in der Rezension.
Handlung (1)
Werner Rolfs ist Polizeihauptmeister im Frankfurter Bahnhofsviertel. Als junger Spund wollte er seinerzeit unbedingt dorthin; inzwischen ist er 47 Jahre alt und hat manchmal Angst, mit gewissen Situationen nicht so fertig zu werden, wie das von einem Polizisten im heißesten Viertel der Mainmetropole erwartet wird.
Rolfs ist geschieden, seine Freundin Monika arbeitet für den Pelzhändler Griesebach. Rolfs bildet sich ein, seinetwegen Grund zur Eifersucht zu haben, obwohl Monika das heftig bestreitet. Es gibt auch einige andere Leute, auf die er schlecht zu sprechen ist. Vor allem Sobeck, Besitzer eines vielfrequentierten Etablissements im Bahnhofsviertel, mit seinen rüden Geschäftspraktiken gehört dazu.
Als Werner Rolfs an diesem Samstagmittag zum Schichtdienst fährt, weiß er, dass ihm und seinen Kollegen ein Großkampftag bevorsteht: ein Bundesligaspiel findet statt. Ausgerechnet Sobeck, dem Rolfs nur zu gern das Handwerk gelegt sähe, will das ausnutzen. Er hat zwei Ganoven von auswärts nach Frankfurt kommen lassen, sie sollen während des Spiels Griesebachs Pelzlager ausräumen. Alles ist gründlich vorbereitet, die Sache müsste reibungslos über die Bühne gehen. Das erweist sich jedoch als Irrtum. Sobeck ist indessen nicht bereit, auf die erhoffte Beute zu verzichten, durch einen Trick will er doch noch an die Pelze herankommen.
Rezension
Nur heißt der Rolfs dann Dietze, eben wegen des Endes des Tatorts 133 mit dem Namen „So ein Tag“. Das war so ein Tag, da spielte die Frankfurter Eintracht gegen den 1. FC Kaiserslautern, ein Pelzhändler sitzt auf dem Honoratiorenbänklein, VIP-Lounges waren noch kein Begriff und die Fans hießen zwar auch schon Fans, aber auch Schlachtenbummler, wobei hier seltsamerweise zwischen beiden Gruppen unterschieden wird. Vermutlich wurden aus den Schlachtenbummlern die Hooligans, was ja angesichts der Begriffsverwendung logisch wäre.
Ein ganz normaler Samstagnachmittag also, doch wie geschaffen dafür, dass man das Geschäft des Pelzhändlers ausrauben kann, weil die Polizei ja fast nur im Stadionbereich tätig ist. Schlägereien unter Fans sieht man aber gar nicht, welche die Polizei schlichten müsste, aber die Namen der Fußballspieler auf dem Platz, die kennt man teilweise noch. War eine gute Zeit für die Eintracht, das Team um den Koreaner Bum Kun Cha, im Mittelfeld war auch ein gewisser Joachim Löw gelistet, der in der Spielzeit immerhin auf 24 Einsätze kam und 5 Tore schoss, der seine Durabilität unter Beweis stellt, indem er damals schon seine heutige Frisur trug, wobei der Schnauzer, der das Bild abrundete, jetzt allerdings fehlt. Der Torhüter hingegen hieß Jürgen Pahl und hatte einiges zu tun, gegen Kaiserslautern. Das Spiel endete 2:2. War eine gute Zeit, für die Eintracht, 1980 hatte man den Uefa-Pokal gewonnen und 1981 den DFB-Pokal. Gut, dass man, als der Film gedreht wurde, noch nicht wusste, dass Frankfurt im Lautern im folgenden Frühjahr mit 2:6 untergehen würde (1).
Fußball lag damals also in der Luft, in der Bankenstadt am Main, da ging was. Im Milieu der kleineren und größeren Kriminellen geht ja immer was. Uns hat sich nicht ganz erschlossen, warum unbedingt der Einsatz der Polizei im Stadion abgewartet werden musste, um in das Pelzgeschäft einzubrechen, das hätte man auch Nachts machen können oder Sonntags, denn dadurch, dass der Einbruch so organisiert war, dass Einbrecher alle Zeit der Welt hatten, mit den Fellen des auch nicht ganz sauberen Händlers wegzuschwimmen, unter denen ist „gefleckte Ware“; Die Felle von Leoparden, die schon damals nicht mehr zwecks Kleidungsherstellung verwendet werden durften und deren Preis auf dem Schwarzen Markt offenbar hoch gewesen sein muss. Dass hinter dem Einbruch, den zwei ziemlich unterschiedliche und skurrile Typen begehen, der Kiezkönig steckt, in dessen Nachtclub eine minderjährige Thailänderin auf mysteriöse Weise Selbstmord begangen hat, ist wieder mal typisch – manche Leute können nur krumm und bescheiden sich auch nicht mit einem trotz gewisser Rufschäden immer noch passabel gehenden Vielmäderlhaus.
Geld ist das Motiv von mehr oder weniger allem, was passiert, dieses Lied singen die Frankfurter Tatorte seit den ersten Tagen, in denen Kommissar Konrad, und das hat sich erst mit der Einführung von Sänger/Dellwo im Jahr 2002 wesentlich geändert. Dabei geht es im Kiezrevier auch noch sehr rau zu, die eingefahrenen und sonst dort verweilenen Frauen sind ordinär, die Polizisten kaum weniger, auch untereinander herrscht kein von vierzig Jahren Sozialpädagogik zu Wohlklang veränderter Ton. Der würde die Konflikte an diesem Ort auch kaum lösen. Selbstverständlich ist „So ein Tag“ ebenso moralisch wie alle anderen Tatorte, vielleicht sogar moralischer als der Durchschnitt, wenn man bedenkt, wie klar hier noch zwischen Gut und Böse geschieden wird. Aber der Film ist auch deutlich mehr rechtsorientiert als die meisten der Reihe, und dürfte daher kommen, wie auch der teilweise an Filmen der Stahlnetz-Reihe orientierte Ton, dass er von Altregisseur Jürgen Roland inszeniert wurde, der schon in den 1960ern die Krimilandschaft im deutschen Fernsehen mitgeprägt hat – eben mit der Reihe Stahlnetz, dem Tatort-Vorgänger, der sozusagen sein Kind und wiederum einer amerikanischen Produktion nachempfunden war.
Die konservativere Haltung des Films kann man an einigen Szenen gut beobachten. Nicht nur, dass einer der beiden Pelzgeschäft-Einbrecher, nämlich der Fachmann für die Ware, zunächst daherkommt wie ein Klischee-Italiener, nein, es gibt auch einen echten Italiener, der das Transportauto für die Beute zum Geschäft fahren soll, und der verfängt sich auf der Autobahn bei der Polizei, als diese wegen des Fußballspiels den Verkehr umleitet. Er beschimpft nämlich einen Polizisten, der ihn anweist, als Nazi, und das geht gar nicht, da wird er gleich mal mit auf die Wache genommen. Die größeren Verbrecher sind allerdings erkennbar Einheimische, die gut vernetzt sind und Einfluss haben, weil bei ihnen die wichtigen Leute der Stadt den Liebestrieb ausleben können, der zuhause offenbar ein Kümmerdasein fristet.
Ja, es ist keine schöne Welt, in der fast jeder Dreck am Stecken hat – nur die Polizei nicht, trotz der im wörtlichen Sinn hemdsärmeligen Art von Leuten wie Rolfs, von allen in diesem Milieu denkbaren Themen hat man eine mögliche Polizeikorruption mal noch ausgelassen, die wird in späteren Tatorten aber auch angesprochen.
Dass die Spannung dieses Tatorts sich ein wenig in Grenzen hält, liegt vor allem daran, dass das Ende schon zu Beginn erzählt wird, so dass es sich in gewisser Weise um einen Whodunit rückwärts handelt und um einen Howdidithappen. Prinzipiell okay, aber die Dramaturgie wäre steiler gewesen, wenn nicht das Duell zwischen Rolfs und Sobeck ins Leere gegangen wäre. Denn am Ende ist es nicht eine verdeckt eingefädelte Rachetat des Bordellbesitzers, sondern ein wirklich dummer Zufall, der Rolfs zur Strecke bringt. Sicher, ohne Sobecks Zutun hätte sich zwar der einfältige Kleinganove Blinki nicht zu dem Zeitpunkt in der Tiefgarage befunden, in dem auch Rolfs dort auftaucht, aber dass eine fehlgeleitete Kugel den Polizisten trifft, den Blinki doch eigentlich mag und als eine Art Vertrauensperson ansieht, das war nun wirklich nicht vorhersehbar, nicht einmal für den intriganten Sobeck.
Finale
Ob es wirklich bei der Frankfurter Revierpolizei so zugegangen ist, in den frühen 1980ern? Dieser betont realistische Stil, der hier gepflegt wird, birgt auch die Gefahr, dass man sich selbst keine Übersetzung für einen Film fertigt, wie das bei heutigen Tatorten mit ihren oftmals deutlichen Stilisierungen notwendig ist, um ihre Botschaften richtig zu interpretieren. Nicht der Fall an sich dicht an der Wirklichkeit, sondern das, was man aus ihm herauslesen kann. Die Mechanismen, die zu seiner Entstehung geführt haben, wie sie wirken in unserer Welt. DieMedienrezeption hat sich verändert, aber eines stimmt sicher nicht: Dass „So ein Tag“ langsamer oder konservativer ist – er hat nur eben die Sprache und die Machart seiner Zeit, es werden weder optisch noch musikalisch besondere Reize gesetzt, die heutige Tatorte edler und ein wenig mehr entrückt wirken lassen.
Denn die Realität, die hat sich gewiss nicht so stark verändert, wie man es glauben könnte, wenn man nur die unterschiedlichen Stile und Erzählweisen der Tatorte aus den frühen 1980ern und der heutigen als Maßstab heranziehen würde. „So ein Tag“ ist allerdings auch für jene Zeit vor über 30 Jahren ein wenig besonders.
7/10
© 2024 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2015)
(1) Mehr Daten zum Tatort und zum Spiel (Wikipedia-Seite, a. a. O.): So ein Tag … wurde zwischen dem 29. Juni und dem 8. August 1981 in Frankfurt am Main gedreht. In der Folge werden Bilder eines Bundesligaspiels gezeigt, in dem man unter anderem die damaligen Stars Hans-Peter Briegel, Friedhelm Funkel und den heutigen Bundestrainer Joachim Löw als Spieler, Walter Eschweiler als Schiedsrichter und den damaligen Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann sowie den FDP-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag, Wolfgang Mischnick, als Zuschauer auf der Ehrentribüne sehen konnte. Bei der Erstausstrahlung konnte diese Folge 17,82 Mio. Zuschauer erreichen, was einem Marktanteil von 48 % entsprach.
| Regie | Jürgen Roland |
|---|---|
| Drehbuch | |
| Produktion | Dieter von Volkmann |
| Musik | Nils Sustrate |
| Kamera | Werner Hoffmann |
| Schnitt | Birgit Bosboom-Schröder |
| Premiere | 7. Feb. 1982 auf ARD |
| Besetzung | |
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