Filmfest 1158 Cinema – Concept IMDb Top 250 of All Time (202)
Green Book – Eine besondere Freundschaft (Originaltitel Green Book) ist eine US-amerikanische Tragikomödie von Peter Farrelly, die am 11. September 2018 im Rahmen des Toronto International Film Festivals ihre Weltpremiere feierte.
Nicht zuletzt zählt der Film zu jenen, die wir auf der großen Tour durch die Top 250 der IMDb aller Zeiten besprechen, denn es handelt sich auch um ein Roadmovie. Auf jeden Fall macht „The Green Book“ nachdenklich und wir schreibenin der –> Rezension, was wir beim Nachdenken gefunden haben und was andere über den Film und zum Film zum Besten geben.
Handlung (1)
Der Türsteher Tony Lip ist Italoamerikaner, stammt aus der Arbeiterklasse und kam über die siebte Schulklasse nicht hinaus. Weil der Club Copacabana in New York, in dem er arbeitet, wegen Umbaus 1962 für mehrere Monate schließt, lässt sich Tony von dem Afroamerikaner Dr. Don Shirley, einem gebildeten, hochtalentierten und kultivierten Gentleman und Pianisten, der mit den Kennedys befreundet ist und in einem musealen Apartment über der Carnegie Hall wohnt, als Chauffeur anheuern. Doch Shirley sucht mehr als nur einen Fahrer. Tony soll auf einer Konzerttournee, die von New York über Pennsylvania, Ohio, Indiana, Iowa und Kentucky bis in die Südstaaten führt, als sein persönlicher Assistent fungieren und sicherstellen, dass er pünktlich zu allen Auftritten erscheint. Shirleys Mitmusiker, der Bassist George Dyer und der russische Cellist Oleg, nehmen für die Tournee ein separates Auto.
Während ihres zweimonatigen Roadtrips erleben die vier gemeinsam Höhen und Tiefen. Sie müssen ihre Reise durch die Südstaaten mit dem Negro Motorist Green Book planen, einem Reiseführer für afroamerikanische Autofahrer, der die wenigen Unterkünfte, Restaurants und Tankstellen aufführt, die auch schwarze Kunden akzeptieren. George und Oleg sind als Weiße hingegen auf ihrer Reise nicht gleichermaßen eingeschränkt wie ihr Kollege. Immer wieder wird die Kluft zwischen Tony mit seiner recht einfachen Denkweise und Don mit seiner kultivierten Art deutlich, und der Chauffeur kann kaum fassen, dass der Pianist mit Doktortitel noch nie etwas von schwarzen Musikern wie Little Richard und Aretha Franklin gehört hat. Auch Chubby Checker kennt dieser nur vom Namen her. Tony bringt ihm auf ihrer Reise nicht nur die Musik anderer schwarzer Musiker nahe, sondern überredet ihn auch dazu, Fried Chicken zu essen und genießen zu lernen. Sein „Boss“ hilft ihm im Gegenzug, beim Briefeschreiben an seine Frau die richtigen Worte zu finden, wenn er seine Gefühle ihr gegenüber artikulieren oder die Schönheit der Landschaften beschreiben will, die sie auf ihrer Reise durchqueren. Zudem gibt er ihm Lektionen in Sachen Ehrlichkeit und versucht, seine Ausdrucksweise zu verbessern.
Zunächst erträgt Don die Demütigung, nicht dort essen, schlafen oder sich erleichtern zu dürfen, wo er will. Eines Nachts jedoch wagt er sich in Louisville allein in eine Bar und wird, weil er schwarz ist, verprügelt. Tony taucht, von George alarmiert, gerade noch rechtzeitig auf, um den völlig betrunkenen Shirley aus den Händen der Rednecks zu retten. Kurze Zeit später kann Tony in Macon seinen Boss nur aus der Haft befreien, indem er die Polizisten besticht. Don war dort mit einem Mann erwischt worden, doch Tonys Erfahrungen in der New Yorker Clubszene lassen ihn in solchen Fragen entspannt reagieren. (…)
Rezension
Im Zentrum der Filmbiografie, die nach einer wahren Begebenheit gestaltet ist, stehen der schwarze Jazz-Pianist Don Shirley und sein weißer Fahrer Tony Lip, die in den 1960er-Jahren auf einer Konzert-Tournee von New York City bis in die Südstaaten unterwegs sind. Im Film werden sie von Mahershala Ali und Viggo Mortensen gespielt.
Im Rahmen der Verleihung der Golden Globe Awards 2019 wurde Green Book als bester Film in der Kategorie Komödie oder Musical ausgezeichnet, außerdem für das beste Drehbuch. Ali wurde zudem als bester Nebendarsteller geehrt. Im Rahmen der Oscarverleihung 2019 erhielt der Film fünf Nominierungen und wurde ebenfalls als bester Film und für das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet, zudem Mahershala Ali auch hier als bester Nebendarsteller.
Platz 132 hält der Film aktuell in der erwähnten Top-250-Liste und hat demgemäß eine breite Rezeption erfahren. Zunächst muss man erklären, warum ein solcher Realfilm von Dreamworks produziert wurde: Der Einsatz von CGI ist sehr massiv, betrifft viele Szenenhintergründe und vermutlich auch das Outfit von Statist:innen. Immer dort, wo das Bild wirkt wie absichtlich ein wenig unscharf, ist es genau das, nämlich, um nicht noch mehr Rechnerleistung reinstecken zu müssen und den Film damit so spektakulär teuer werden zu lassen wie einige andere Animationsabenteuer es seit Disneys „Schneewittchen“ waren. Denn „Green Book“ ist durchaus nicht so mainstreamig, dass er automatisch ein Blockbuster werden musste. Aber auch wenn man das Wissen um die Compteranimation nicht ausblenden kann, die frühen 1960er wirken, wenn die Computer von kundigem Personal animiert werden, realistischer, als wenn man sie real nachzubilden versucht, denn dabei passieren auch heute, wo man mehr auf Akkuratesse achtet als bei früheren Period Pictures, die nur wenige Jahrzehnte in der Geschichte zurückgehen, immer wieder haarsträubende Fehler. Insofern ein Toast auf Dreamworks und die gelungene Imitation der Kennedy-Ära.
Dass „Green Book“ den Oscar als bester Film des Jahres 2018 gewinnen würde, wussten die Kinogänger:innen noch nicht, als er startete. Es sind insgesamt sehr hohe Ehren, die dieser Erzählung von einer Freundschaft zwischen einem Afroamerikaner und einem Weißen in den USA zuteil wurden und eines darf man vorab schreiben, ohne sich dabei zu verheben: Selbstverständlich sind diese Ehrungen auch dem Sujet und den hohen ethischen Ansprüchen des Films geschuldet. Er wirkt wie eine Art Abschlussbericht darüber, wie man Veröhnungsfilme macht, in denen die Rassen zueinander finden, so unterschiedlich einzelne Menschen auch aufgestellt sein mögen. Und wer wollte bestreiten, dass ein Versöhnungsfilm in der grausamen Trump-Ära besonders wichtig war. Auch das gesellschaftliche Umfeld der Ära Trump dürfte dabei eine Rolle gespielt haben, dass man diesen Film so besonders heraushob.
Mit dieser Einleitung setze ich allerdings einen gewissen Ton. Ich fand „Green Book“ großartig gespielt, vor allem von Viggo Mortensen, wenn man sich ein wenig absetzt davon, dass das, was er, aber auch Mahershala Ali zeigen, stellenweise ins Chargieren geht. Da der Film aber davon lebt, dass es keine Zweideutigkeiten gibt, kann man die Darsteller auch sehr eindeutig auftreten lassen. Umso schwieriger, beide eine Wandlung erfahren zu müssen. Der Italoamerikaner verliert seine rassistischen Vorurteile, die aus dem Spektrum „Die Diskriminierten diskriminieren die noch Schwächeren“ kommt, was sich auch als relevant zeigt, als ein Polizist in den Südstaaten den Chauffeur wegen seiner Abstammung beleidigt.
Der Künstler aus New York, der durch die Südstaaten tourt, obwohl er im Norden viel mehr für seine Auftritte einnehmen könnte, wird ohnehin so behandelt, wie es zu erwarten war. Dass er auf einer Goodwill-Tour ist, nimmt man ihm ab, aber wir sind im Jahr 1962 und die Kennedys sind an der Regierung, während die erhobene Faust als Symbol der Black-Power-Bewegung noch nicht erfunden ist. Das heißt, der Künstler versucht zunächst, durch seine Kultiviertheit und sein Können zu punkten und akzeptiert grundsätzlich die Gegebenheiten, obwohl er immer wieder an seine Grenzen geführt wird. Wäre er bis zum Ende dort geblieben, hätten ihn Macolm X und andere Bürgerrechtler als „Onkel Tom“ beschimpft, so, wie es heute die „Black Lives Matter“-Bewegung tun würde. Ob diese so glücklich mit dem Film ist, wage ich ohnehin zu bezweifeln. Denn er ist dermaßen exemplarisch gestaltet, dass er eher wie das Anti-Green-Boock der 2010er wirkt als wie eine reale Reise durch ein reales Land und er zeigt einige Manierismen und verdeckte Gags, die zwar bei näherem Hinsehen tatsächlich ihren Witz haben, aber auch fehlinterpretiert werden können, weil eben in dieser Eindeutigkeit nicht so viel Subtext erwartet wird. Ein solches Element ist zum Beispiel das Paar mächtiger Elefantenstoßzähne, das Don Shirley in seiner Wohnung zeigt, Symbol seiner Herkunft, einst Beutestücke weißer Jäger, die dem Kontinent die Seele zu entreißen versuchten.
Über die beiden Hauptfiguren wurde viel Kontroverses geschrieben, zum Beispiel dies:
Andreas Borcholte von Spiegel Online bringt bei dem Verhältnis zwischen Shirley und Lip den Begriff des White savior, des ‚weißen Retters‘, ins Spiel und erklärt: „Diese Figur taucht in zahlreichen Filmen auf, wenn es gilt, einem afroamerikanischen Charakter aus einer institutionell rassistisch verursachten Misere zu helfen.“ Der Unterschied zu anderen Filmen, in denen dieser auftaucht, sei, dass der White Saviour in Green Book die Hauptrolle spielt, woran es von Beginn an keinen Zweifel gebe, wenn Lip schmierig wie ein GoodFellas-Klischee als gewiefter Nachtklub-Bouncer aus der Bronx eingeführt werde, so Borcholte.[24] Hannah Lühmann von Welt Online findet allerdings Lips ganzen Läuterungsprozess bizarr unplausibel.[25] Der stämmige Italoamerikaner, der sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt, hat unzählige Freunde, zwei Kinder und eine liebenswürdige Ehefrau.[26] Auch andere Kritiker bemerkten, die Geschichte, die Green Book erzählt, versuche zu sehr in eine Reihe wie White-Saviour-Filme wie Blood Diamond oder The Blind Side zu passen. Aber auch die Umkehrung dieses Prinzips wurde bemängelt. So bezeichnet Indie Wire Shirleys Charakter als einen „Magical Negro“, dessen einziger Zweck es war, einen Weißen zum Besseren zu verändern.[27]
Am Ende erscheint Don Shirley tatsächlich mit einer Flasche Champagner bei den Lips oder Vallelongas. Kurz zuvor hatte ich gedacht: Bitte nicht. Bitte nicht dieses Klischee-Ende. Man kann so etwas nicht gut filmen, es geht einfach nicht. Nun ja, es ist auch eine Weihnachtsgeschichte, wie unzweifelhaft zu erkennen ist, es ist auch eine doppelte Initiationsgeschichte, es ist ein Buddy-Film und das erwähnte Roadmovie und damit vereint „Green Book“, um alle emotionalen Register ziehen zu können, es aber in keiner Richtung zu sehr zu übertreiben, viele Genres. Ohnehin finde ich das, was man in dem Film zeigen wollte, enorm schwierig, denn wie schafft man es, den Ton so zu wählen, dass sich niemand auf die Füße getreten fühlt? Mit etwas Pech landet man zwischen allen Stühlen, das lässt sich an den obigen Kritikansätzen ablesen. Es ist ein Verdienst von „Green Book“, dass er als großer Gewinner aus dem Jahr 2018 hervorgegangen ist und nicht zum Politikum wurde. Freilich war es dafür unvermeidlich, die blasierte weiße Gesellschaft und die unglaubliche Doppelmoral im Süden des Landes nicht zu schonen. Jetzt abzuheben und zu betonen, wie dieser Rassismus auch heute noch wirkt, ist leicht, aber sich in die Lage dieses erstaunlichen Duos zu versetzen, welches das Wagnis auf sich nahm, ohne einen Schutz außer einer verdeckt getragenen Pistole durch diesen Süden zu reisen, der wirkt wie ein Alptraum für jeden, der nicht zur herrschenden Rasse und Klasse zählt, ist nicht so leicht, wenn man keine entsprechenden Erfahrungen vorweisen kann. Das gebe ich gerne zu und möchte trotzdem anmerken, dass ich mich deshalb, weil ich es wage, über diesen Film zu schreiben, nicht um einen Platz bei „Cancel Culture“ bewerbe.
Gleichwohl stellt sich die Frage, was man sieht und was man gerne sehen würde. Mir wäre es auch lieber gewesen, John Shirley hätte sich selbst ermächtigt, als dass er sich um die Bildung des weißen Unterschichtlers kümmert und sich von diesem doch mehr oder weniger dirigieren lässt. Aber bei allem, was sich dazu sagen lässt, darf man eine wichtige Szene in dem Film nicht vergessen: Diejenige, als Tony erklärt, er sei ein genuiner Part seiner Klasse und seiner Ethnie, der sich immer mittendrin fühlt, während John durch seine exzellente Kultivierung zwischen alle Stühle geraten ist. Von den Weißen wird er trotzdem nicht akzeptiert und den Afroamerikanern im Süden gilt er als Exot, der sich auch von ihnen stark unterscheidet. Geradezu ikonisch ist die Szene, als die beiden anhalten müssen, weil der Wagen einen Defekt hat und während Tony diesen behabt, schaut John auf die Feldarbeiter:innen, die ausschauen, als seien sie direkt aus „Vom Winde verweht“ in einen Film gewechselt, der fast 80 Jahre später gedreht wurde und der 100 Jahre später spielt. Nach meiner Ansicht hat man diese Reminiszenz absichtlich eingebaut, denn ansonsten sind die Afroamerikaner:innen im Film zwar einfacher gekleidet als Shirley, aber zeitgemäß.
Und was haben beide doch alles gelernt. Tony den Klassismus-Rassismus aufzugeben, der ihn anfangs prägte, John, sich bei „seinen“ Leuten wieder wohlzufühlen, denn am Ende, als er im Jazzclub spielt und die finger über die Tastatur fliegen lässt, braucht er keinen Whisky, sondern lacht erstmals in diesem Film übers ganze Gesicht und freut sich darüber, dass die Tänzer:innen und das übrige Publikum sein Spiel mögen. Zuvor hatte er sein Erweckungserlebnis, als er sich weigerte, ein Plumpsklo im Garten einer reichen Blase zu vewenden, vor welcher auftreten sollte. Es gibt unterschiedliche Formen und Grade von Rassismus, aber diese offenen Demütigungen, die sich sogar im Zwang, getrennte Räumlichkeiten zu benutzen, manifestierten, zählen sicher zu den übelsten, weil sie durch Klassismus gedoppelt werden. Und sie eigenen sich sehr gut zur plakativen Darstellung, was man sich in „Green Book“ nicht hat entgehen lassen. Hingegen erzieht John seinem Chauffeuer eine poetische Ader geradezu an. Einerseitsf finde ich derlei immer besonders sympathisch, denn die Sprache kennzeichnet unser Wesen wie nichts sonst, andererseits betont es den leicht märchenhaften Charakter es Films, denn innerhalb so kurzer Zeit ist es nicht möglich, jemanden zum Dichter oder doch zu einem versierten Briefeschreiber zu machen. Falls es überhaupt machbar ist. Eine bildhafte, gewählte Sprache ist zu sehr von der Sozialisierung abhängig, um sie kurzfirstig erzeugen zu können und natürlich auch von etwas Talent. Damit auch ja alles in der Reihe bleibt und der Realismus immer wenigstens gestreift wird, erkennt Tonys Frau natürlich, dass ihm geholfen wurde von diesem freundlichen Cyrano de Bergerac.
Mit Homosexualität und Xenophobie hat man ein weiteres Thema angerissen, aber nicht ausgespielt. Für meine Begriffe wäre das nicht notwendig gewesen, zumindest nicht in der Form, wie es hier geschieht, mit einer entwürdigenden Szene, in der John von der Polizei traktiert wird, weil er mit einem anderen Mann „erwischt“ wird. Hat man damit die generell diskriminierende Haltung im Süden illustrieren wollen, die Tatsache, dass John wirklich zwischen allen Stühlen steht, denn auch viele Afroamerikaner sind schwulenfeindlich und erkennen nicht die Homosexuellen als Brüder und Schwestern im Stand der Benachteiligung und Diskriminierung an. Umgekehrt natürlich ebenso, um dies klarzustellen, wenngleich beiden Gruppen in der Regel das Element, die anderen von oben herab zu behandeln, fehlt, das diese sich anmaßen, nur, weil sie zum selbst verorteten Mainstream zählen. Trotzdem hätte ich anstatt dieser Implementierung lieber mehr Differenzierung bei den Erfahrungen der beiden Gefährten, die sie im Verlauf tatsächlich werden, als es gefährlich wird, bei ihrem Trip durch die Südstaaten gesehen. Aber, wie bereits erwähnt, es ist auch schwierig: Eine einzige nette weiße Person dort unten hätte bereits dazu führen können, dass man den Film nicht nur dem Muster „White Saviour“ hätte unterordnen, sondern auch hätte kritisieren können, dass der Rassismus relativiert wird.
Finale
Ob „Green Book“ wirklich ein großer Film ist, wird die Zeit erweisen. Es gibt durchaus Stimmen, die sich mit dem Hinweis zu Wort gemeldet haben, dass die Versöhnungsmasche des Films zu simpel ist. Die Prämisse nämlich, dass durch das immer bessere persönliche Kennenlernen das Verständnis wächst und Schranken sozialer und ethnsicher Art überwunden werden können, die gehört zu diesem Film wie das Fried Chicken zu Kentucky. Damit ist nicht die Problematik gelöst, dass Menschen einander hassen, die einander eben nicht persönlich kennenlernen können und wie man es hinkriegt, dass nicht jene, die schon als Kinder die Möglichkeit hatten, in der Welt herumzureisen und nicht auf die „Scholle“ angewiesen sind, die sich mit Diversität leichter tun, weil sie die Sicherheit ihrer eigenen Basis verwenden können, um sich so zu verhalten. Vom Job bis zum Wording passt alles, während andere sich genau dadurch wieder diskriminiert fühlen.
Abgrenzungdenken ist ene ganz heikle Sache und ich kennen niemanden, der nicht auch dieses Denken in irgendeine Richtung pflegt. Akzeptieren wir also diese schöne Weihnachtsgeschichte und vielleicht könne wir sie mit eigenen Erfahrungen abgleichen und sagen, so is es! Aber wir müssen uns auch darüber klar sein, dass bestimmte Verhaltensweisen, und mögen sie heutzutage noch so widersinnig erschienen, tief in uns verwurzelt sind und bei denen am häufigsten durchbrechen, die nicht gelernt haben, sprachlich-kulturelle Schichten zwischen diese Urmuster und ihr tägliches Verhalten zu legen. Lieber nicht wissen möchte ich, was hinter vorgehaltener Hand über Milieus so geredet wird, denen man nicht selbst angehört. Der knallharte offene Rassismus in den südlichen USA ist eine Sache, verdeckte Formen aber gibt es überall. Eine Erfahrung, wie sie die eigentliche Hauptfigur Tony gemacht hat, hilft, dies zu überwinden, aber es ist auch die Aufgabe eines Films wie „Green Book“, so gestaltet zu sein, dass er die große Aufmerksamkeit, die er erhalten hat, auch zu fordern; unter anderem mit den beiden Hauptdarstellern. Mahershala Ali hatte bereits zwei Jahre zuvor einen Oscar für „Moonlight“ erhalten. Der Film beglänzt seine Ambitionen ein wenig sehr, aber das bedeutet nicht, dass er sein Ziel nicht erreichen wird, mehr Verständnis bei denen zu bewirken, die zumindest die Grenze zur Toleranz in Sachen Diversität bereits in den Blick genommen haben.
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