Wohnungsbau verfehlt Zielmarke deutlich (Statista + Kurzkommentar) #Housing #Mietenwahnsin

Briefing Housing, Wohnen, Wohnungsbau, Bautätigkeit, Zielmarke 400.000

Heute haben wir wieder einmal Zeit dafür oder es ist aus  Zeitgründen notwendig – eine schnelle Statistik zum Thema Wohnungsbau in Deutschland. Es hakt und klemmt und die Preise für die Mieten schießen weiter in die Höhe. Und wo bleibt die vorgesehene echte Mietpreisbegrenzung, die dem #Mietenwahnsinn entgegentritt? Entlastung durch den Neubau wird es jedenfalls nicht geben, denn es werden deutlich mehr Wohnungen gebraucht, als gebaut werden, und was gebaut wird, ordnet sich häufig dem falschen, viel zu teuren Segment zu.

Infografik: Wohnungsbau verfehlt Zielmarke | Statista

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz CC BY-ND 4.0 Deed | Namensnennung-Keine Bearbeitung 4.0 International | Creative Commons erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

Das Münchner Ifo-Institut erwartet in den nächsten Jahren eine fortgesetzte Talfahrt des Wohnungsbaus in Deutschland. Die Zahl der neu gebauten Wohnungen könnte demnach im Jahr 2026 auf nur noch 175.000 absinken, das wären dann über 40 Prozent weniger als die knapp 300.000 Wohnungen des Jahres 2022. „Die Prognose ist mit Unsicherheiten behaftet, aber es ist ziemlich klar, dass wir spätestens 2026 unter die 200.000er-Marke rutschen werden“, sagt Ifo-Baufachmann Ludwig Dorffmeister der Deutschen Presse-Agentur. Das von der Berliner Koalition beim Amtsantritt 2021 ausgegebene Ziel sind 400.000 neue Wohnungen pro Jahr. Dieses Ziel rückt offenkundig in immer weitere Ferne.

Wie die Statista-Grafik weiterhin auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts zeigt, stagnieren die Zahlen in den letzten Jahren um die Marke von 300.000 Wohnungen. Die Branche leidet derzeit unter deutlichen Materialpreissteigerungen. Zudem haben sich die Bauzinsen verdreifacht. Die Krise betrifft vor allem den Bau von Einfamilienhäusern und Mietwohnungen, aber auch Gewerbeimmobilien und Infrastrukturvorhaben wie Straßen und Kanalisationen in Städten und Gemeinden.

Es sieht ja sehr danach aus, dass wir 2025 im Bund einen Regierungswechsel bekommen werden und wir sind schon gespannt, wie eine CDU-geführte Regierung „marktwirtschaftlich“ gegen den Einbruch des Wohnungsbaus etwas tun will. Vielleicht kommt ihr die Zinsentwicklung etwas entgegen, das kann man im Moment nicht absehen, aber grundsätzlich werden sich die Parameter nicht verändern: Baugrund wird immer teurer, die Renditen beim Verkauf steigen aber nicht, weil die Zahl der Geldwäscher, die sich Luxuswohnungen leisten können, wie sie in Berlin überwiegend gebaut werden und die dann auffallend häufig auffallend selten genutzt werden, nicht unendlich groß ist.

Bei den Mietwohnungen geht der Preistrend weiter nach oben, aber das Bauen als solches verteuert sich eben auch, und da alle „Bauherren“ maximale Rendite abzocken wollen, halten sie sich eben zurück. Der Staat müsste das durch einen Bauanschub für die städtischen Wohnungsbaugesellschaften ausgleichen, in Berlin wäre das zumindest theoretisch möglich. 

Die Ampel hingegen spricht nicht einmal mehr von dem im Koalitionsvertrag von 2021-22 festgeschriebenen Mieterschutz, denn da müsste man sich ja mal wirklich mit dem Geld anlegen, anstatt immer nur kleine Leute mit politisch gewollten Fehlstellungen zu ärgern.

Ein Detail der Grafik müssen wir ansprechen: Die Zielmarke der Bundesregierung ist die der Ampelkoalition, sie gab es also vor 2022 nicht, daher kann man in der Zeit nicht von einer Verfehlung der Zielmarke sprechen, weil weniger Wohnungen gebaut wurden. Aber natürlich spielt bei der aktuellen Zustimmung zur Regierungspolitik auch eine Rolle, wie viel besser man doch alles machen wollte und wie krachend man dort, wo es tatsächlich um die Lebensqualität der Menschen geht, gescheitert ist. Unter anderem eben bei der Verbesserung der Wohnverhältnisse. Die 400.000er-Zielmarke bestand übrigens schon, bevor man sie eigentlich wegen des erheblichen Zugangs durch Geflüchtete ab 2022 noch einmal hätte anheben müssen. Bezieht man diese beim Start der Ampelregierung noch nicht absehbare Wendung ein, erschließt sich erst das Wohnungsbaudesaster in seiner gesamten Dimension. Die Verhältnisse haben sich in den letzten Jahren nicht verbessert, sondern weiter verschlechtert, was man in Ballungsräumen natürlich besonders spürt.

Wir müssten im Moment mit Quadratmeter-Kaltmietpreisen von mehr als 20 Euro/m² rechnen, wenn wir in Berlin umziehen wollten. Die Nebenkosten sind dank der Regierungspolitik ebenfalls im Steigflug begriffen. Das kann kein normaler Mensch mehr bezahlen, aber der Markt zieht ungehindert weiter an. Immer mehr Personen haben Anspruch auf Wohngeld, damit sie nicht auf der Straße landen. Der Staat schiebt damit aber nicht den Wohnungsbau an, sondern macht die Taschen der reichen Besitzer von Bestandsmietwohnungen noch voller, weil er sich nicht traut, überhaupt noch in diese Preistreiberei einzugreifen. Ein kompletter Irrsinn. 

Da wir uns ja hier besonders kurz halten wollten, belassen wir es auch bei der obigen Anmerkung und stellen fest, es ist kein Licht am Horizont, den #Mietenwahnsinn betreffend. Wer dieses Weblog kennt, der weiß, dass wir nicht mehr beweisen müssen, dass das Thema Wohnen uns vertraut ist und dass wir dazu schon sehr ausführlich und konkret geschrieben haben. Manchmal genügt die kurze Dokumentation der Malaise, um zu erklären, warum der politische Verdruss gigantische Ausmaße erreicht und dass die Politik hinter dem Geschrei über manche Themen die wahren sozialen Probleme immer noch zu verstecken versucht. 

TH


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