Filmfest 1178 Cinema
The Kiss (auch bekannt als The May Irwin Kiss, The Rice-Irwin Kiss und The Widow Jones) ist ein Film aus dem Jahr 1896 und war einer der ersten Filme, die jemals der Öffentlichkeit kommerziell gezeigt wurdenDer Film wurde im April 1896 in den Edison Studios von Edison, dem ersten Filmstudio in den Vereinigten Staaten, produziert. Zu dieser Zeit arbeitete Edison in den Black Maria Studios in West Orange, New Jersey.
Im Jahr 1896 hatte sich das Pionierkino gewandelt. Es sprach mehr oder weniger Französisch, zumindest laut IMDb-Liste der wichtigsten Filme des Jahres. Die ersten drei davon stammen vom ersten Star-Regisseur des Kinos, dem fantasiebegabten Tricktechnik-Pionier Georges Méliès, die Nummer vier und fünf kommen ebenfalls aus Frankreich.[1]
Französische Werke teilen sich die Top 20 aber dennoch mit amerikanischen Filmen. Die Edison Company ist auch hier nicht mehr ganz vorne, aber wir greifen einen Film von ihr heraus, weil sie von 1889 bis 1895 die amerikanische Filmentwicklung überwiegend definiert hat – und auf der Liste der „Firsts“, der erstmaligen Darstellung oder technischen Darbietung von irgendetwas Wichtigem, ist „The Kiss“ ziemlich bedeutend, weil er – sic! – den vermutlich ersten Leinwandkuss zeigt.
Handlung (1)
Der Film ist etwa 18 Sekunden lang und zeigt eine Nachstellung des Kusses zwischen May Irwin und John Rice aus der Schlussszene des Bühnenmusicals The Widow Jones. Regie führte William Heise für Thomas Edison.
Rezension und Rezeption
Was ich gesehen habe, war zwölf Sekunden lang, und, offen geschrieben, das war auch genug. Dieser Kuss zeigt sogar schon die berüchtigterweise von Alfred Hitchcock in „Berüchtigt“ (1946) vervollkommnete Methode, einen Kuss so zu splitten, dass er die maximal zulässige Dauer von 3 Sekunden nicht überschreitet. Allerdings war diese Vorgabe unter der Ägide des Hays Code entstanden, und der galt erst ab 1934 in seiner verbindlichen Form. Die ikonische Szene zwischen Ingrid Bergman und Cary Grant zeigt aber auch einen wesentlichen Unterschied: denjenigen zwischen einer sehr ästhetisch gefilmten Kussszene und einer, die, sagen wir mal, durchaus verständlich macht, warum Kritiker sich echauffierten. Dazu ist es wichtig, zu wissen, dass der Film nicht mehr mit dem Edison-Dicksonschen Kinetoscope, sondern mit dem Vitascope aufgeführt wurde, mit dem Edison die davongeeilten Europäer wieder einfing, denn es handelte sich um den ersten amerikanischen Filmprojektor. Das heißt, man sieht den Kuss in riesiger Vergrößerung, und schon das, was ich auf der Hälfte meines Computerbildschirms eben gesichtet habe, lässt nicht unbedingt den Wunsch nach einer Wiederholung aufkommen, auch wenn aufgrund der Kürze des Films der Zeitaufwand gering ist.
Der Film enthielt den allerersten Kuss auf Film, mit einer Nahaufnahme eines kuschelnden Duos, gefolgt von einem kurzen Kuss auf die Lippen („die Geheimnisse des Kusses enthüllt“). Die Kussszene wurde von den ersten Kinobesuchern als schockierend und obszön angeprangert und veranlasste die römisch-katholische Kirche, Zensur und moralische Reformen zu fordern, da das Küssen in der Öffentlichkeit zu dieser Zeit zu einer strafrechtlichen Verfolgung führen konnte. [7]
Der Film löste einen empörten Aufruhr aus und führte an vielen Orten, an denen er gezeigt wurde, zu missbilligenden Zeitungsartikeln und Aufrufen zum Polizeieinsatz. Ein zeitgenössischer Kritiker schrieb: „Das Schauspiel des langen Weidens auf den Lippen des anderen war auf der Bühne in Lebensgröße tierisch genug, aber auf gigantische Ausmaße vergrößert und dreimal wiederholt, ist absolut widerlich.“ [8]
Laut Dengler (1979) im Journal of Popular Film and Television ist die schockierte Reaktion der Öffentlichkeit jedoch ein Mythos. [9]
Der Edison-Katalog bewarb es so: „Sie machen sich bereit zu küssen, fangen an zu küssen und küssen und küssen und küssen und küssen auf eine Weise, die jedes Mal das Haus zum Einsturz bringt.“
Dauer: 49 Sekunden0:49Etwas Gutes – Negro Kiss (1898)
Vielleicht aus Trotz und „um einen Film aufzupeppen“ folgten viele Kuss-Nachahmer und -Take-Offs, darunter Something Good – Negro Kiss (1898),[10] Der Kuss im Tunnel (1899) und Der Kuss (1900). (1)
Den „Negro Kiss“ werden wir vielleicht noch besprechen, falls nicht in der 3. Chronologie der USA, dann später, denn er ist eine ganz andere Hausnummer als „The Kiss“. Aus größerer Entfernung gefilmt, richtiggehend choreografiert, sicher auch rassistisch, denn die Filmer dürften Weiße gewesen sein, aber, ob unfreiwillig oder nicht, sehr sexy, besonders der letzte Moment, in dem die Frau sich zurückbeugt und den Hals freigibt.
Anmerkung nach der Rezension von „A Negro Kiss“: Der Film ist weitaus weniger mit Stereotypen über Afroamerikaner zugange als viele spätere Filme.
In „The Kiss“ hingegen wird klar, warum irgendwann doch der Schnurrbart aus der Mode kam, und warum die Hollywoodschauspielerinnen, die im Film Küsse empfangen oder verteilen durften, um einige Nummern attraktiver waren als die Dame auf dem Bild. Im Ernst, haben Sie in einem klassischen Hollywoodfilm eine Frau über 40 küssen sehen? Bei Männern kein Problem, und natürlich kann man darüber wieder eine kulturhistorische Abhandlung schreiben. In „The Kiss“ scheint der Mann sogar jünger zu sein als die Frau und man hat es noch nicht auf die Spitze getrieben mit den Idealbildern von Frauen, insofern ist der Film schon wieder progressiv.
Trotzdem hat der Film nach meiner Ansicht dem Küssen im Film keinen Gefallen getan, denn das Komödiantische überwiegt doch ein wenig sehr gegenüber dem Ästhetischen und es war den Filmern damals wohl gar nicht klar, wohin alles mal gehen sollte. Das Broadway-Stück war mit Sicherheit eine Komödie, kein Drama, das dem Film sozusagen zugrunde liegt.
Einige Jahre lang glaubte man, dass eine Vorführung von Der Kuss der erste Film war, der in Kanada öffentlich gezeigt wurde, und zwar am 21. Juli 1896 im West End Park in Ottawa. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass der konkurrierende Kinematograph der Gebrüder Lumière bereits 24 Tage zuvor, am 27. Juni 1896, verschiedene Filme in Montreal gezeigt hatte. [11]
Auch „The Kiss“ war also Teilnehmer am Hase-und-Igel-Spiel mit den frühen Filmvorführungen per Projektor. Das Kino war geboren, kein Zweifel. Deshalb schieben wir an dieser Stelle auch eine Darstellung zum Vitascope ein, mit dem „The Kiss“ offenbar sehr freudig und sehr häufig gezeigt wurde, wenn auch nicht als einziges Werk innerhalb einer Vorführung.
Vitascope war ein früher Filmprojektor, der erstmals 1895 von Charles Francis Jenkins und Thomas Armat vorgeführt wurde. Sie hatten Modifikationen an Jenkins‘ patentiertem Phantoskop vorgenommen, das Bilder über Film und elektrisches Licht auf eine Wand oder einen Bildschirm wirft. Das Vitascope ist ein großer, elektrisch betriebener Projektor, der Licht zur Bildaufnahme verwendet. Die Bilder, die gegossen werden, werden ursprünglich durch einen Kinetoskop-Mechanismus auf Gelatinefilm aufgenommen. Mit einem intermittierenden Mechanismus erzeugten die Filmnegative bis zu fünfzig Bilder pro Sekunde. Der Verschluss öffnet und schließt sich, um neue Bilder freizulegen. Dieses Gerät kann bis zu 3.000 Negative pro Minute produzieren. [1] Mit dem originalen Phantoscope und bevor er eine Partnerschaft mit Armat einging, zeigte Jenkins im Juni 1894 in Richmond, Indiana, die früheste dokumentierte Projektion eines gefilmten Films.
Armat verkaufte das Phantoscope unabhängig an die Kinetoscope Company. Das Unternehmen erkannte, dass sein Kinetoscope mit der rasant voranschreitenden Verbreitung der frühen Filmtechnik bald der Vergangenheit angehören würde. Im Jahr 1897, nur zwei Jahre nach der ersten Demonstration des Vitascopes, wurde die Technologie landesweit übernommen. Hawaii und Texas gehörten zu den ersten, die das Vitascope in ihre Bildershows integrierten. [2]/[2]
William Heises „Der Kuss“ – der allererste Filmkuss der Geschichte, der Kulturzensoren wie der „katholischen Legion des Anstands“ die Nackenhaare aufrichtete – ist die am wenigsten erotische, einvernehmlichste Paarung, die ich je gesehen habe. Die moralisch verstopften Perlensammler, die diesen Kuss auf die Lippen als ersten Riss in der bröckelnden Mauer der höflichen Gesellschaft anprangerten, hatten offensichtlich nicht die Nickelodeons besucht, die in den 1890er Jahren überall in den USA auftauchten wie Krokusse im Frühling. Dort hätten sie verrückte Mädchen gesehen, nackte Menschen, die Treppen auf und ab gingen, Boxkämpfe mit nackten Hintern und Bodybuilder in Hülle und Fülle. Die Mauer war schon lange eingestürzt, als sie nicht hinsahen.[3]
Und damit begann, so der Titel der Rezension, der Kampf zwischen Kino und Zensur. Man kann sich gut vorstellen, wie schwierig es für die Zensur war, den Film einige Jahrzehnte später dann endgültig moralisch in Ordnung zu bringen. Um der Wahrheit willen: So richtig hat das nie geklappt, nicht nur Hitchcock hat die Zensoren mehr oder weniger subtil übers Ohr gehauen. Einige offensichtliche Eckpunkte konnten aber nicht so leicht ausgehebelt werden wie das Verbot von Sex in jeder Form, wie etwa, dass Verbrechen sich nicht lohnt oder dass in einer einzigen Einstellung nicht ein Schuss und der Treffer bzw. die getroffene Person gezeigt werden dürfen. Das Verhältnis Amerikas zur Gewalt ist noch bigotter als das zum Sex. Was die Küsse angeht: Auch in sogenannten Pre-Code-Filmen sind sie nach dem, was ich bisher gesehen habe, selten länger als drei Sekunden, und wenn, dann nicht sehr viel länger. Vielleicht spielt die Intensität, die Leidenschaft, auch eine Rolle, die durfte unter der Ägide des Production Code, der in den 1960ern endgültig aufgelöst wurde, wohl auch nicht zu sehr ins Kraut schießen.
Die oben zitierte Kritik enthält in der Folge einen sozio-kinematografischen Absatz, in dem dargelegt wird, wie die immigrierten einfachen Menschen ein einfaches, eben noch nicht immer sexfreies Vergnügen haben wollten und sich dafür die sauer verdienten Cents aus der Tasche ziehen ließen. Tja, war es gut oder nicht, dieses Sich-Zerstreuen, das in den USA den Klassenkampf gar nicht erst aufkommen ließ? Die vor dem Vitascope verwendeten Guckkasten-Kinetoskope waren ja mit ihrer Einzelpersonen-Bildbetrachtung geradezu ein Sinnbild des individualisierten Einwandererlandes. Es ist aber wirklich so, dass erst das Kino ein für alle erschwingliches Massen-Volksvergnügen wurde. Es gab Zeiten, da gingen fast alle Amerikaner:innen einmal pro Woche ins Kino. Nur das Fernsehen erreichte in seinen besten Zeiten noch einmal eine ähnliche Massenwirkung – mit dem Unterschied, dass bestimmte Sendungen gleichzeitig von zig Millionen Menschen verfolgt wurden und dadurch noch einmal eine andere kommunikative After-Watch-Situation gegeben war.
Ob sich auch das Küssen nach „The Kiss“ weiter verbreitete? Gar in der Öffentlichkeit?
Finale
Laut Musser („Before the Nickelodeon“) stiegen die Filmverkäufe der Edison Company zwischen 1896 und 1897 von 18.616 Dollar in den Jahren 1895 bis 1896 auf 84.771 Dollar. In den Jahren 1898 und 1899 waren die Verkäufe auf 41.207 Dollar gesunken. Diese Zahlen sind sicherlich weitgehend mit der Neuheit des Vitascope und dem anschließenden Verblassen seiner Neuheit verbunden, aber es ist interessant festzustellen, wie sie auch mit der Auflage von „The Kiss“ übereinstimmen, von dem in der Tat behauptet wurde, dass es in dieser Zeit der Bestseller des Unternehmens war.[4]
Viele schöne Nutzerrezensionen gibt es in der IMDb (insgesamt 22, Stand Anfang Oktober 2024), da werden auch andere frühe Filmküsse referiert, aber etwas an dem Film finde ich besonders wichtig:
Er zeigt fundamentale Unterschiede zum Theater gerade dadurch, dass eine Theaterszene abgefilmt wird. Aber eben nicht aus der Entfernung, die man als Zuschauer im Theater normalerweise hat, nicht aus dem Blickwinkel, den man normalerweise einnimmt, sondern ganz aus der Nähe. Ein Beinahe-Closeup. Das ist sehr demokratisch, denn im Theater ist nicht nur das Vergnügen auf den besseren Plätzen dank besserer Sicht größer, keine zwei Betrachter haben exakt dieselbe Position inne, sondern sie alle können einen Kuss nicht so aus der Nähe genießen, wie eine Nahaufnahme im Film es erlaubt. Außerdem ist dieser Kuss ewig. Keine zwei Theateraufführungen sind exakt gleich, aber eine Szene, die erst einmal auf einen Film gebannt ist, bleibt theoretisch für die Ewigkeit. In der Realität ist das bei vielen Filmen nicht so, besonders aus der stummen Zeit ist wohl mehr verloren als erhalten geblieben, deswegen sind die Filme, die heute noch angeschaut werden können, umso wertvoller.
Im Jahr 1999 wurde der Kurzfilm von der United States Library of Congress als „kulturell bedeutend“ eingestuft und für die Konservierung im National Film Registry ausgewählt. [1][2] (1)
So wertvoll also, und deswegen haben wir ihn ausgewählt, um das Kinogeschehen in den USA im Jahr 1896 zu beschreiben, obwohl dieses Werk in der IMDb nur Platz 18 der besten Filme des Jahres erreicht. Eine Nutzerrezension in der IMDb merkt sogar an, es war gar nicht der erste Filmkuss. Aber vermutlich dann doch der erste auf einem perforierten 35-mm-Normalfilm und öffentlich gezeigt, vielleicht auch mit dem Kinetoscope, jedenfalls aber mit dem Vitascope. Für ganz so epochal wie die zuletzt besprochenen Dickson-Heise-Edison-Produktionen „Blacksmith Scene“, „The Dickson Experimental Sound Film“ und „Annabelle Serpentine Dance“ halte ich „The Kiss“ nicht, auch wenn er sensationell gewesen sein mag. Über kurz oder lang wäre es ohnehin zu einem Filmkuss gekommen, weil er einfach zu fast jedem Genre dazugehört. Es brauchte also nicht dieses spezielle Werk als Initialzündung für etwas, das es ohne dieses Werk vielleicht nicht gegeben hätte. Das trifft freilich auch auf andere der gezeigten Filme zu, aber sie komponieren doch eher essentielle Elemente der einsetzenden Kino-Mania.
64/100
© 2024 Der Wahlberliner, Thomas Hocke
[1] The 20 Best Films of 1896 (imdb.com)
[2] Vitascope – Wikipedia, detaillierte Darstellung der Entwicklung: Thomas Edison entwickelte zu dieser Zeit nur langsam ein Projektionssystem, da die Einzelplatz-Kinetoskope seines Unternehmens sehr rentabel waren. Filme, die für ein großes Publikum projiziert wurden, konnten jedoch höhere Gewinne erzielen, da im Verhältnis zur Anzahl der Zuschauer weniger Maschinen benötigt wurden. So versuchten andere, ihre eigenen Projektionssysteme zu entwickeln. [Zitat erforderlich]
Einer der Erfinder, der den Weg ebnete, war Charles Francis Jenkins, der das Phantoskop entwickelte. Jenkins stand hinter der frühesten dokumentierten Projektion eines Films vor einem Publikum. Mit Hilfe von Film und elektrischem Licht wurde am 6. Juni 1894 in Richmond, Indiana, der Film einer Varieté-Tänzerin projiziert. Woodville Latham entwickelte mit seinen Söhnen den Eidoloskop-Projektor, der im April 1895 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. William Kennedy Dickson beriet die Lathams offenbar über ihre Maschine und bot technisches Wissen an, eine Situation, die dazu führte, dass Dickson am 2. April 1895 Edisons Anstellung verließ. [Zitat erforderlich]
Dickson gründete im Dezember 1895 mit seinen Partnern Herman Casler, Henry Norton Marvin und Elias Koopman die American Mutoscope Company. Das Unternehmen, aus dem schließlich die American Mutoscope and Biograph Company hervorging, wurde bald zu einem großen Konkurrenten der Edison Company. [Zitat erforderlich]
Zur gleichen Zeit modifizierten C. Francis Jenkins und Thomas Armat Jenkins‘ patentiertes Phantoskop. Sie wurde im Herbst 1895 in Atlanta auf der Cotton States Exposition öffentlich vorgeführt. Die Wege der beiden trennten sich bald und jeder beanspruchte die Anerkennung für die Erfindung. [Zitat erforderlich]
Armat zeigte das Phantoskop Raff & Gammon, den Eigentümern der Firma Kinetoscope, die das Gewinnpotenzial angesichts des rückläufigen Kinetoskop-Geschäfts erkannten. Sie verhandelten mit Armat über den Kauf der Rechte am Phantoskop und baten Edison um seine Zustimmung. Die Edison Manufacturing Company erklärte sich bereit, die Maschine herzustellen und Filme für sie herzustellen, jedoch unter der Bedingung, dass sie als neue Erfindung von Edison mit dem Namen Vitascope beworben würde. Edison-Skeptiker argumentieren, dass das Vitascope eine abgestumpfte Vergangenheit hat. Darüber hinaus behaupten Kritiker, dass das Vitascope nichts anderes als eine Neuverpackung des Phantoskops mit leichten Modifikationen war. [2]
Die erste Theatervorführung des Vitascope fand am 23. April 1896 in der Koster and Bial’s Music Hall in New York City statt. Andere Konkurrenten zeigten bald ihre eigenen Projektionssysteme in amerikanischen Theatern, darunter das überarbeitete Eidoloskop, das die Innovationen von Vitascope kopierte; der Lumière Cinématographe, der bereits 1895 in Europa debütiert hatte; Birt Acres‘ Kineopticon; und der Biograph, der von der amerikanischen Mutoscope Company vermarktet wurde. Die Premiere des Vitascope war eine schnelle Reaktion auf die Drohung, eine sehr große Menge Geld an das Lumière-Cinematographe zu verlieren, in das die Varieté-Manager gerade investieren wollten. Obwohl es den Lumière-Kinematographen bereits seit 1895 gab, hatte er in den USA noch nicht an Popularität gewonnen, wie es bereits in Großbritannien der Fall war. Die Leute waren verrückt nach dem Lumiere Cinematographe, besonders in London. [2] Raff und Gammon erkannten, dass sie mehr Geld und positive Aufmerksamkeit erhalten würden, wenn sie ihre Technologie vor dem Lumiere Cinematographe in den Vereinigten Staaten veröffentlichten. [4] Nachdem das Vitascope sein berüchtigtes Debüt in Manhattan gefeiert hatte, wurde das Gerät im ganzen Land vertrieben, unter anderem auf Ausstellungen in Boston, Philadelphia, Atlantic City, Portland, Scranton, New Haven, New Orleans, New London, Cleveland, Buffalo, San Francisco, Asbury Park, Baltimore, Detroit, Chicago, Los Angeles und mehr. Die Vitascope-Ausstellung war in einem Sommer in 25 Städten zu sehen. [2][4]
Der Vitascope wurde zusammen mit vielen der konkurrierenden Projektoren zu einer beliebten Attraktion in Varieté- und Varieté-Theatern in Städten in den USA. Filme wurden bald zu den Hauptattraktionen auf dem Varieté-Programm. Kinobetreiber konnten Filme aus dem Edison-Bestand ausstellen. [Zitat erforderlich]
Die Edison Company entwickelte im November 1896 einen eigenen Projektor, der als Projectoscope oder Projecting Kinetoscope bekannt war, und gab die Vermarktung des Vitascope auf. [Zitat erforderlich]
Marketing
Thomas Edison und Thomas Armat profitierten stark, während viele Anleger in Zahlungsverzug gerieten und in einigen Fällen sogar in den roten Zahlen landeten. Investoren verloren Geld mit dem Vitascope, weil es für das Publikum vermarktet wurde. [2] Raff und Gammon waren für das Franchising in den USA und Kanada verantwortlich. Sie würden Investoren die Möglichkeit bieten, die Rechte zur Nutzung des Vitascope exklusiv in ihrem Bundesland aufzukaufen. Dies führte für kurze Zeit zu einer Art Monopoleffekt und zwang das Publikum im Wesentlichen dazu, das zu nehmen, was der Kinobetreiber ihm gab. Raff & Gammon zäumte das Pferd von hinten auf, als sie ihre Marketingkampagne starteten. Zu dieser Zeit hatten sie nur etwa 20 Filme, die die Vaudeville-Manager verwenden konnten. Sie verfügten nicht über die Ressourcen, um das Kinoerlebnis des Publikums kontinuierlich mit neuen Filmen zu aktualisieren. [4]
[3] KRITIK – ‚Der Kuss‘ (1896) | Der Filmfan (themoviebuff.net)
[4] Der Kuss (Kurzfilm 1896) – Benutzerrezensionen – IMDb
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