Briefing Gesellschaft, Wirtschaft, Halloween, Feiertage, Traditionen, religiöser Hintergrund, USA, Deutschland, Trandfolge, Konsumismus, Konsumwirtschaft, Kürbiskopf, Kinder als Trendsetter
Morgen bzw. in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November ist Halloween, eines der vielen Lieblingsfeste der US-Amerikaner. Es wird aber auch hierzulande von immer mehr Menschen begangen, und da junge Menschen es besonders mögen, wird sich dieser Trend fortsetzen. Das wäre für uns kein Thema für einen Artikel, wenn damit nicht auch wirtschaftliche Aspekte verbunden wären.
Selbstverständlich haben wir Zusatzinfos für Sie recherchieren lassen und kommentieren im Anschluss, sonst hätte dieser Artikel keinen Mehrwert gegenüber dem bloßen Anklicken der folgenden Statista-Grafik.
Infografik: Halloween-Kauflaune in Deutschland steigt | Statista

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz CC BY-ND 4.0 Deed | Namensnennung-Keine Bearbeitung 4.0 International | Creative Commons erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.
Halloween ist in Nordamerika ein sehr beliebter Feiertag, in Deutschland hat das Grusel-Fest jedoch keine Tradition. Dennoch schwappt der Trend langsam, aber sicher über den Atlantik zu uns herüber. Das spiegelt sich auch im Einkaufsverhalten der Deutschen wider, wie Daten des Handelsverbands Deutschland zeigen. Denen zufolge liegt der Anteil der Befragten Konsument:innen, die dieses Jahr Ausgaben zu Halloween planen bei 15,3 Prozent und ist damit 1,8 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Seit 2018 hat sich der Anteil etwa verdoppelt.
Gekauft werden dabei vor allem Party-Artikel. Dass Deutschland an Halloween (Reformationstag) beziehungsweise am Tag danach (Allerheiligen) zwei eigene Feiertage hat, lädt zum ausgiebigen Feiern ein. Schmuck, Accessoires und Kostüme stehen dabei ganz oben auf der Liste – 61,4 Prozent planen dafür Ausgaben. Auch für Schminke und Make-Up wollen 60,9 Prozent Geld ausgeben. In allen drei Kategorien ist die Kauflaune im Vergleich zum Vorjahr deutlich größer, wie die Statista-Grafik zeigt. Der Anteil der Personen, die Dekoartikel kaufen wollen ist hingegen leicht gesunken. Am ehesten werden Halloween-Fans aber Geld für Süßigkeiten, Spielwaren und andere Lebensmittel (67,9 Prozent), hier in Sonstige zusammengefasst, ausgeben.
Zusatzinfos
Halloween wird jedes Jahr in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November gefeiert[1][2][4]. Dieses Datum hat sowohl historische als auch religiöse Wurzeln, die bis in die keltische und christliche Tradition zurückreichen.
## Ursprung und Geschichte
Die Wurzeln von Halloween lassen sich bis ins frühzeitliche Irland zurückverfolgen. Ursprünglich feierten die Kelten an diesem Tag „Samhain“, ein Fest, das den Winteranfang markierte[1]. In der keltischen Tradition glaubte man, dass in dieser Nacht die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten durchlässig wurde[4].
Mit der Christianisierung vermischten sich keltische und christliche Traditionen. Der Name „Halloween“ leitet sich vom älteren Begriff „All Hallow’s Eve“ ab, was „Vorabend von Allerheiligen“ bedeutet[4]. Das christliche Fest Allerheiligen wird am 1. November gefeiert, gefolgt von Allerseelen am 2. November, an dem der Verstorbenen gedacht wird.
## Verbreitung und moderne Bräuche
Die heutige Form des Halloween-Festes, wie wir es kennen, hat ihren Ursprung in den USA. Irische Einwanderer brachten ihre Traditionen mit nach Nordamerika, wo sich das Fest weiterentwickelte und schließlich auch nach Europa zurückkehrte[4].
Zu den bekanntesten Halloween-Bräuchen gehören:
- Das „Trick or Treat“ (Süßes oder Saures), bei dem verkleidete Kinder von Tür zu Tür gehen und um Süßigkeiten bitten[2].
- Das Schnitzen von Kürbislaternen, die sogenannten „Jack O’Lanterns“[4].
- Das Tragen von gruseligen Kostümen, oft inspiriert von Geistern, Monstern und anderen unheimlichen Kreaturen[2].
## Wirtschaftliche Bedeutung und Konsumkritik
In den letzten Jahrzehnten hat sich Halloween in Deutschland zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Der geschätzte Umsatz rund um das Fest beläuft sich auf etwa 200 Millionen Euro pro Jahr[3]. Profiteure sind unter anderem:
– Spielwarenhändler, die Kostüme und Dekorationen verkaufen
– Süßwarenhersteller
– Freizeitparks, die spezielle Halloween-Aktionen anbieten
– Landwirte, die Kürbisse anbauen
Diese Kommerzialisierung wird jedoch nicht von allen positiv gesehen. Kritiker argumentieren, dass Halloween traditionelle einheimische Feste verdrängt und zu übermäßigem Konsum anregt[2]. Zudem wird bemängelt, dass der eigentliche Sinn des Festes – das Gedenken an die Verstorbenen – in den Hintergrund gerückt ist.
## Akzeptanz in Deutschland
Trotz der wachsenden Popularität ist Halloween in Deutschland nicht unumstritten. Eine Umfrage ergab, dass nur etwa ein Fünftel der Deutschen das Fest als wichtig erachtet[2]. Gründe für die Ablehnung sind unter anderem:
– Die Wahrnehmung von Halloween als „importiertes“ Fest, das einheimische Traditionen verdrängt
– Kritik an der Kommerzialisierung
– Bedenken bezüglich übertriebener Gruselei und möglicher Belästigungen
Dennoch hat sich Halloween, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, als beliebtes Fest etabliert. Es bietet eine Gelegenheit für Kreativität, Spaß und soziale Interaktion, auch wenn es in seiner heutigen Form weit von seinen ursprünglichen Wurzeln entfernt ist.[1]
Kommentar
Wir haben nichts gegen Traditionen, gleich, ob sie weltlich, vorchristlich-spirituell, christlich oder ein Mix aus allem sind. Der weltliche Aspekt dominiert eben doch sehr deutlich, und natürlich ist das auch bei Halloween so. Wie viele Menschen, die in Deutschland für Halloween Geld ausgaben, werden Ihnen spontan sagen können, wo das Fest eigentlich herkommt und was es bedeutet? Aber diese Entkoppelung von Konsum und Sinn kennen wir ja längst von den uralten christlichen Festen.
Natürlich macht Ostereiernester suchen Spaß und Geschenke auspacken an Weihnachten auch. Aber Halloween gemäß seiner heutigen Verwendung nur ein Konsumsteigerungstag mehr im Jahr.
Mittlerweile hat man den Eindruck, dass es weniger „normale“ Tage als solche mit Ausgabenzwang gibt. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass zum Beispiel der traditionelle Winter- und Sommerschlussverkauf um weitere Tage „bereichert“ wurden, die ansonsten nichts Festliches bieten, wie der Black Friday. Wenn man alle Aktionstage, die sich mittlerweile etabliert haben, oft sind es schon ganze Wochen und die Feiertage zusammenrechnet, kommt man kaum noch zur Ruhe. Und natürlich liegen längst Weihnachtsartikel in den Regalen, es sind ja auch bloß noch knapp zwei Monate bis Heiligabend. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen sich ihre eigenen besonderen Tage machen, dass Sportereignisse und dergleichen ebenfalls konsumwirksam gefeiert werden müssen.
Im Grunde belegt dies, dass das System nur noch mit immer stärkeren Anreizen funktioniert, die zudem immer mehr den Blick vom Wesentlichen ablenken. In Deutschland ist Halloween noch nicht bei der Mehrheit angekommen, zumindest nicht ausgabenseitig, aber da wir mangels eigener Identität jedem Trend aus den USA folgen, werden Jahr für Jahr mehr Menschen den Halloween-Hype mitmachen. Kinder sind diesbezüglich Multiplikatoren. Wenn etwas in der Schule oder schon in der Kita Trend ist, müssen die Eltern das Mitmachen ermöglichen, sonst kommt große Unzufriedenheit auf.
Die pädagogische Mühsal, Kinder frühzeitig gegen unhinterfragten Konsum zu immunisieren, nehmen nur wenige Eltern auf sich, und manchmal kann man es denen, die es nicht schaffen, nicht verdenken, weil sie alle Hände und den Kopf damit voll haben, in diesen Zeiten eine Familie zu managen. Ethik braucht aber Zeit und Pflege, um wachsen zu können, sie kommt nicht von allein, so wenig wie das Gegenteil, das aber durch unzählige Außeneinflüsse angeschoben wird, so dass man bewusst dagegen arbeiten muss, um nicht jeden Exzess des Konsumismus mitzutragen.
Kürbisköpfe schnitzen hat ja noch etwas Kreatives, man kann jedem dieser immer zahlreicheren Event-Tage etwas abgewinnen, es wird ohnehin zu wenig gebastelt. Doch wenn Halloween zu einem zweiten Fastnachtsfest mit unzähligen Kostüm- und sonstigen Stylinganforderungen und allerlei Dekobedarf und noch mehr ungesunden Süßigkeiten mutiert, darf man das durchaus kritisch sehen.
TH
[1] [1] https://www.ardalpha.de/wissen/geschichte/kulturgeschichte/halloween-brauchtum-herkunft-geschichte-nachhaltig-100~_image-6_-e6eafdd02d017f47d2a63b6fede3a4cac227b7eb.html
[2] https://klexikon.zum.de/wiki/Halloween
[3] https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.wirtschaftsfaktor-halloween-wie-das-gruselfest-nach-deutschland-kam.a4981e8d-3620-4409-b072-8146fe168892.html
[4] https://www.sat1.de/themen/ratgeber/news/halloween-datum-50633
[5] https://www.smart-rechner.de/feiertage/infothek/halloween.php
[6] https://www.gruender.de/online-marketing/geld-verdienen-mit-halloween/
[7] https://ikalender.org/fest/halloween
[8] https://www.giga.de/tech/halloween-2024-datum-ursprung-und-bedeutung–01J5QMGHMXAZF0DDK3ZCSSY6V1
[9] https://www.display.de/halloween-kurbelt-umsatz-an-wie-nie
[10] https://www.ekd.de/halloween-ursprung-und-bedeutung-13330.htm
[11] https://www.n-tv.de/panorama/Horror-hat-eine-gesellschaftliche-Funktion-article24497351.html
[12] https://www.vivat.de/magazin/jahreskreis/weitere-gedenk-und-feiertage/halloween-ursprung/
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