Filmfest 1193 Cinema
The Suburbanite ist eine US-amerikanische Stummfilmkomödie aus dem Jahr 1904 unter der Regie von Wallace McCutcheion mit John Troiano in der Hauptrolle. Produziert und vertrieben wurde der Film von der amerikanischen Mutoscope & Biograph Company. Abzüge befinden sich im Filmarchiv der Library of Congress und im Filmarchiv des Museum of Modern Art.[1]
Von „Der große Eisenbahnraub“ aus dem Jahr 1903 her betrachtet, kann der Film nicht sofort noch größer werden. Warum eigentlich nicht? Zumindest die erhaltenen Werke aus dem Jahr nach dem Dreh des epochalen Westerns, für den die Edison-Studie staatliche 150 Dollar an Produktionskosten verauslagen musste hätte es ja 1904 mit einem Film von, sagen wir 15 bis 20 Minuten weitergehen können, der 300 Dollar an Kosten verursacht haben könnte. Schließlich hatte Edison jede einzelne Kopie dieses Westerns für über 100 Dollar verliehen. Aber so einfach ist es nicht. Einer der längsten Filme aus dem Jahr 1904, die problemlos zugänglich sind, ist „The Suburbanite“, der nicht bei den Edison-Studios entstand[2]
Handlung (1)
Der Film handelt von einer Familie, die in der Hoffnung auf ein ruhiges Leben in die Vorstadt zieht. Die Dinge beginnen schief zu laufen, und die Frau wird gewalttätig und beginnt, Geschirr zu werfen, was zu ihrer Verhaftung führt.
Rezension
Die Entwicklung des modernen Spielfilms ging nicht über Nacht vonstatten, wobei wir bisher aus den Urzeiten des Films nur die amerikanischen Produktionen sowie Werke von Alice Guy, sowohl aus ihrer französischen wie ihrer amerikanischen Phase, gesichtet haben und immer wieder lesen, dass es in Europa damals schneller voranging. Vermutlich aber nur bis zu „Der große Eisenbahnraub“, der kommerziell der erfolgreichste Film bis dahin war.
Gegenüber diesem ist „Der Vorstädter“ sicherlich im Ganzen kein Fortschritt, aber er zeigt etwas, das wieder nach vorne weist. Ein „First“ dürfte er nicht sein, also nicht die allererste Slapstick-Komödie, vermutlich nicht einmal die erste, bei der haufenweise Gegenstände zu Bruch gehen, besonders kohärent ist er auch nicht gefilmt, es gibt zum Beispiel eine Bahnhofsszene, in welcher der Hausherr, die Hauptfigur des Films, versucht, einen Zug zu erreichen und auf die Nase fällt, aber absolut unverständlich ist, wie die Szene an diese Stelle geraten ist. Vielleicht hat man sie unmotiviert eingebaut, weil der Mann so schön hinfällt. Die Schwiegermutter trifft jedenfalls schon vorher ein und fährt nachher erst wieder ab. Auch nicht gerade logisch: Dass, als alles schon einigermaßen gesettelt scheint, die Ehefrau auf die Schwiegermutter losgeht, nur, weil diese in der Küche erscheint und sich selbstständig einen Kaffee eingießt. Vielleicht war das aber auch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, dieser Affront der Gastgeberin gegenüber. Die Konventionen von 1904 und nicht nur die könnten so etwas hergegeben haben, heute braucht man etwas Fantasie, um diesen Uprush nachvollziehen zu können.
Pamela Robertson Wojcik hält den Film für einen Meilenstein für Schauspieler und merkt an, dass „die komischen Figuren eine zentralere Position in der Inszenierung eingenommen hatten“ und infolgedessen die Fähigkeiten der Schauspieler „zunehmend gefordert waren, um eine rudimentäre Figur zu schaffen“. [2]
Das ist es, was ich oben meinte. Die Möbelpacker, der Mann, die Ehefrau, alle fuchteln schrecklich viel herum und alle, außer dem geplagten Mann, werden ganz schnell cholerisch, aber gerade dadurch, dass er so sanft ist und sich immer weitgehend im Griff hat, auch nicht der Typ für handgreifliche Auseinandersetzungen ist, wird schon ein Prototyp der geplagten Figur geschaffen, die wir später noch in vielen Slapstick-Komödien als Sidekick der erratischen Hauptfigur sehen werden oder als eine von mehreren Nebenfiguren im Verlauf des Films. Das Personaltableau ist relativ reichhaltig, auch wenn ich die Familienverhältnisse zunächst nicht ganz durchblickt hatte, weil ich dachte, es handele sich um zwei verschiedene Familien und zwei Häuser in Nachbarschaft. Die Menschen in den frühen Kinos haben den Film aber viel größer auf der Leinwand gesehen und nicht in einer so schlechten Kopie, wie sie in der Wikipedia abrufbar ist.
Der Film wurde von einem Regisseur namens Wallace McCutcheon, die Produktionsfirma war die American Mutoscope & Biograph Company, und da treffen wir auch William K. L. Dickson wieder, den wir zwischenzeitlich ein wenig aus den Augen verloren hatten. Warum? Weil er ab 1895 nicht mehr für die Edison Studios tätig war, in denen er als Ur-Pionier des Films arbeitete, sondern ebenjene weitere Filmfirma gründete:
Biograph (Biograph Company) war eine US-amerikanische Filmproduktionsgesellschaft. Sie wurde 1895 von William K. L. Dickson, einem ehemaligen Mitarbeiter von Thomas Edison, Herman Casler, Henry Marvin und Elias Koopman als American Mutoscope Company, ab 1902 American Mutoscope & Biograph Company, gegründet und 1909 in Biograph Company umbenannt. 1916 fand das Unternehmen ein Ende.
Einige der bekanntesten Künstler der Stummfilmzeit begannen ihre Karriere bei der Biograph, so z. B. David W. Griffith, Mary Pickford, Lionel Barrymore, Lillian Gish und Mack Sennett. Zu den bekannten Namen des Studios gehörten zudem Mabel Normand (zuvor bei Vitagraph) und Robert G. Vignola (zuvor bei Kalem).
Wir sehen also nicht nur, die Filmwelt war damals ein Dorf, sondern eines ergab sich aus dem anderen. Die Namen, die wir oben gelesen haben, kennen auch Menschen, die sich nicht ganz so tief in die Historie des frühen Films eingraben, wie wir das jetzt auf dem Niveau von Einzelrezensionen tun, nicht anhand einer geschlossenen Darstellung. D. W. Griffith verdankt seinen Aufstieg wiederum einer Erkrankung von McCutcheon, da dieser als Regisseur für die Biograph einsprang. Da kaum jemand hierzulande Wallace McCutcheon kennen dürfte, der unser Filmfest besucht, haben wir uns erlaubt, wieder einen historischen Abstecher zu machen, wie schon bei William K. L. Dickson, packen aber die Biografie dieses weiteren Filmpioniers in eine Fußnote.[3]
Finale
Ich habe mich kürzlich auch mit den frühen Chaplin-Filmen befasst, die immerhin zehn Jahre nach „Der Vorstädter“ entstanden sind und in denen von Beginn an Autos eine nicht unwichtige Rolle spielen, während wir in „Der Vorstädter“ nur zwei Pferdefuhrwerke (eigentlich drei, im Hintergrund fährt auch eines vorbei, als die Großfamilie vor der Häuserzeile wandelt) sehen.
Schon bei vielen dieser frühen Chaplins war es nicht so leicht für mich, mehr als das Interesse eines Menschen zu verspüren, der gerne mehr über die Filmgeschichte lernen will, ein ganz und gar kopfkinofreies Lachen wollte mir selten gelingen. Es wurde im Verlauf des ersten Chaplin-Jahres schon besser, gegenwärtig ist die Arbeit unterbrochen und wir werden sie für die Chaplin-Werkschau wieder aufnehmen, wenn das Jahr 1914 erreicht ist. Umso schwieriger ist es aber, vor Lachen vom Stuhl zu fallen, nur, weil ein paar Stücke Porzellan und einige Möbelstücke zerstört werden, wofür einige Menschen sich wirklich extrem dumm anstellen oder sehr schnell die Fassung verlieren müssen. Am Besten fand ich die Schlussszene, in der die Hausfrau von nicht weniger als fünf Polizisten in Gewahrsam genommen und abgeführt wird. Ein ganz früher Auftritt von Vorläufern der Keystone-Cops, möglicherweise. Wer weiß schon, was Mack Sennett, der ja auch für Biograph arbeitete, bevor er sein eigenes Filmstudio gründete, sich alles an Kurzkomödien angeschaut hatte, bevor er seine für heutige Verhältnisse auch nicht gerade hochintellektuellen Cop-Kaskaden drehte.
Außerdem hat die schlechte Bildqualität dafür gesorgt, dass ich mich zu sehr anstrengen musste, um etwas wie Gesichtsausdrücke genauer erkennen zu können. Ich sah aber nach „Der große Eisenbahnraub“ weitere Tropen und Stereotypen des amerikanischen Films, nur eben einem anderem Genre, der aktionsreichen Slapstick-Komödie zuzuordnen. Ziemlich gewaltsam geht es darin auch zu, offenbar war das der Style der US-Komödie jener Zeit. Auch in Chaplins frühen Filmen wimmelt es von körperlichen Übergriffen, ohne dass der Tramp schon diese einmalige Mischung aus Verzagtheit, Verschmitztheit, Gemeinheit und Romantik zeigte wie schon kurze Zeit später, was seinen eigentlichen Durchbruch bedeutet. Seinen ursprünglichen, recht rohen Stil hätten die Menschen irgendwann trotz großer Anfangserfolge übergehabt, das Gleiche gilt für Komödien wie „Der Vorstädter“. Aber der Film entwickelte sich weiter und weiter und wir zeigen uns gerne als seine Begleiter.
Die IMDb-Nutzer vergeben hier 5,8/10, das sind 1,5 Punkte weniger als für „Der große Eisenbahnraub“ (von uns 78/100). Den Unterschied können wir nachvollziehen und tendieren ähnlich. Dennoch berücksichtigen wir, dass dies für die Verhältnisse der Zeit schon eine recht lange und vollständige Komödie war: Möbliert zu vermieten, steht am Ende auf dem Schild, das der Hausbesitzer neben der Haustür anbringt. Das ist immerhin deutlich zu lesen und beweist, dass in dem kleinen Möbelwagen, dessen Inhalt fast gänzlich zu Bruch geht, entweder bei weitem nicht alle Einrichtungsgegenstände der Familie untergebracht waren, oder dass man das Zerstörte schnell ersetzen konnte. Glück um Unglück, wenn man doch recht mittelständisch ist.
61/100
© 2024 Der Wahlberliner
Kursiv und tabellarisch ohne Fußnote: Wikipedia
| Regie: | Wallace McCutcheon |
|---|---|
| Geschrieben von | Frank Marion |
| Die Hauptrolle spielend | John Troiano |
| Kinematographie | A.E. Gras |
|
Produktionsfirma
|
|
| Vertrieben von | American Mutoscope & Biograph Company |
|
Erscheinungsdatum
|
November 1904 |
|
Laufzeit
|
9 Minuten |
| Land | USA |
| Sprache | stumm |
[1] Der Vorstädter – Wikipedia
[2] Erst der zweite Film unser Chronologie „From the Beginning“, also von 1889-90 bis derzeit 1904, der nicht in der Edison Manufacturing Company entstanden ist, der andere ist die epochale Sportdokumentation „Corbett vs. Fitzsimmons“, ein Bokampf, der nicht weniger als 100 Minuten lang abgefilmt worden. War so lange, wie er eben dauerte, und das waren 14 Runden. Alle anderen Filme stammten zunächst von William K. L. Dickson und seinem Team und dann von Edwin S. Porter, die beide für die Edison-Studios tätig waren.
[3] Wallace McCutcheon Sr. (New York City, 1858 oder 1862 – Brooklyn, New York, 3. Oktober 1918[1]) war ein ehemaliger Kameramann und Regisseur in der frühen amerikanischen Filmindustrie, der mit den amerikanischen Unternehmen Mutoscope & Biograph, Edison und American Star Film zusammenarbeitete. McCutcheons Fülle an Credits wird oft mit der kleinen Handvoll Filme seines Sohnes Wallace McCutcheon Jr. (1884–1928) verwechselt.
Von den Mitgliedern der Aktiengesellschaft Biograph liebevoll „Old Man“ McCutcheon genannt, war er 1907 tatsächlich eine der führenden Persönlichkeiten in der amerikanischen Filmproduktion. Über seinen Hintergrund ist wenig bekannt, aber er war offenbar von der Regie in die frühe Filmindustrie gewechselt. Unter der Ermutigung seines Freundes Frank Marion begann McCutcheon 1897 als Supervisor und Direktor für American Mutoscope zu arbeiten und setzte diese nach ihrer Reorganisation als American Mutoscope & Biograph im Jahr 1899 fort. [2] Als er im Mai 1905 Biograph verließ und zu Edison wechselte, hatte McCutcheon bei den meisten der bedeutenden, handlungsorientierten Filme, die Biograph bis zu dieser Zeit gedreht hatte, Regie geführt oder daran mitgewirkt: The Escaped Lunatic (1903), The Story the Biograph Told (1904), Personal (1904), Tom, Tom the Piper’s Son (1905) und The Nihilist (1905). Bei Edison arbeitete McCutcheon mit Edwin S. Porter zusammen und arbeitete an Filmen wie „Die Nacht vor Weihnachten„, „Der Traum eines Rarebit-Unholds“ (1906) und „Die Teddybären“ (1907). Laut Charles Musser wurde McCutcheon bei einer Gehaltserhöhung übergangen und kehrte Ende 1907 zu Biograph zurück, wo er in einer kurzen zweiten Phase mit der Firma unter anderem The Sculptor’s Nightmare (1908) und Bobby’s Kodak (1908) drehte. [3] Anfang 1908 erkrankte McCutcheon schwer und wurde in seiner Position bei Biograph durch seinen Sohn Wallace McCutcheon Jr. ersetzt, der den Spitznamen „Wally“ trug. Der jüngere McCutcheon machte einen so schlechten Job, dass er durch den Neuling D.W. Griffith ersetzt wurde, dessen Erfolg so unmittelbar war, dass Biograph keine Notwendigkeit sah, McCutcheon zurück in die Herde zu holen. [4]
Der ältere McCutcheon nahm eine Stelle als Regisseur bei der Star Films Unit in Fort Lee, N.J., an; es handelte sich um eine Abteilung der französischen Firma Méliès, die von Gaston Méliès, dem älteren Bruder von Georges Méliès, geleitet wurde. Als die Kompanie 1910 nach San Antonio, Texas, zog, ging McCutcheon mit ihnen, aber seine Spur verlor sich kurz darauf. McCutcheon verschwindet einfach aus dem Abspann und anderen historischen Markierungen; Es wird gesagt, dass er sich 1908 einfach nie wirklich von der Krankheit erholte und wahrscheinlich nicht lange nach der Ankunft der Star Film Company in Texas starb, aber es gibt keine Aufzeichnungen darüber. [5]
Obwohl McCutcheon in verschiedenen Quellen – einschließlich der Biograph-Bücher – zahlreiche Kamera-Credits erhielt, lag McCutcheons anerkannte Stärke in der Einrichtung von Szenen und im Umgang mit Schauspielern, was Porter suchte, als McCutcheon von der Edison Company engagiert wurde. In seiner ersten Biograph-Phase arbeitete McCutcheon am engsten mit dem Kameramann A.E. Weed zusammen und arbeitete mit Frank Marion am Drehbuchautor zusammen. [6]
Obwohl McCutcheon nach wie vor wenig bekannt ist, vor allem im Vergleich zu Titanen wie Porter und Griffith, ist sein Werk in der Paper Print Collection der Library of Congress sehr gut vertreten. McCutcheon war für eine Reihe von Filmen verantwortlich, die sich durch innovative Kameraarbeit, frühe Erzählmittel, die ersten Komödien-„Verfolgungsjagden“ und ein kleines Maß an Arbeit im Bereich der Animation auszeichneten. The Pioneers und Kit Carson (beide 1903) waren frühe Story-Filme mit mehreren Aufnahmen und vielleicht die ersten echten Western im amerikanischen Film, die nur ein oder zwei Monate vor Porters The Great Train Robbery veröffentlicht wurden. [7] Die Entscheidung von Biograph, die einzelnen Szenen dieser Filme als Mutoscope-Themen zu vermarkten, könnte ihre Wirkung abgeschwächt haben, und es ist möglich, dass die beiden Titel einige Szenen geteilt haben, da beide das Leben von Kit Carson behandelten. Personal (1904) war sowohl künstlerisch als auch kommerziell ein großer Durchbruch; Es handelt sich um den frühesten amerikanischen „Chase“-Film[8] und wurde unter anderem von der Edison Company kopiert. [3] Einige, wie Tom, Tom the Piper’s Son, sind sehr überladen und statisch, und McCutcheon scheint selten die Notwendigkeit gesehen zu haben, Einstellung für Einstellung vom Proszeniumsbogen abzuweichen, eine Technik, die von sehr frühen Filmemachern beobachtet wurde. Andere Filme, wie The Nihilist (1905), sind kreativer und mischen Innenkulissen mit Außenansichten mit einer komplexeren Konstruktion des Bildes. The Nihilist befasst sich auch mit einem ungewöhnlichen Thema des frühen amerikanischen Kinos mit der wohlwollenden Haltung, die es in Bezug auf die nihilistische Bewegung im Russischen Reich einnimmt. Der Experimentalfilmemacher Ken Jacobs huldigte McCutcheon 1969 in seinem Film Tom, Tom the Piper’s Son, der McCutcheons Film als Grundlage für eine fantasievolle, originelle Kreation verwendete. [9]
Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

