Filmfest Cinema Special, Ausblick, Workflow, Arbeitsweise, Werkschauen, Charles Chaplin, USA, Deutschland, DACH-Raum, Frankreich, Großbritannien, Italien, weitere Filmländer, Japan
Liebe Leser:innen,
nach längerer Zeit möchten wir ein Update zum Filmfest schreiben. Nicht weniger als 1207 Beiträge in dieser Rubrik haben wir mittlerweile im Wahlberliner gezeigt, in den sechseinhalb Jahren seines Bestehens.
- Angefangen haben wir mit einem Modus, der sich „Reigen“ nennt und so gestaltet war, dass eine Rezension auf eine Weise mit der vorherigen verbunden war, also es irgendeinen Zusammenhang zwischen den beiden Filmen geben sollte. Das hat sich leider als zu anspruchsvoll erwiesen, nicht nur wegen der Übergänge, die wir auch bei älteren Rezensionen neu hinzutexten mussten, sondern, weil es trotz vieler archivierter Texte nicht immer einfach war, eine Verbindung zu finden, die nicht an den Haaren herbeigezogen war.
- Der zweite Ansatz hat besser funktioniert und tut es immer noch. Wir haben uns ein uraltes, noch mit der Maschine geschriebenes Filmverzeichnis vorgenommen, die Rezensionen daraus kopiert und die Chronologie mit neueren ergänzt, für den deutschen Film sind wir mittlerweile in der zweiten Chronologie, in der wir mit neuen Rezensionen vertieft in die 1920er Jahre eingestiegen sind und von dort aus sind wir übergegangen in „Jahr für Jahr, ein Film pro Jahr“.
- Ähnlich sind wir mit amerikanischen Filmen verfahren, wo wir jetzt die dritte Chronologie gestartet haben: „Von Beginn an (1889-90), für jedes Jahr ein Film“. Dafür mussten wir viel neu sichten und schreiben, denn die absolute Frühzeit des Kinos hatten wir bisher nicht bearbeitet. Es ist eine überaus interessante Tätigkeit, den Pionierzeiten nachzuspüren.
- Nun sind wir im Jahr 1913 angelangt, und das ist der Auslöser des vorlliegenden Textes.
- Im folgenden Jahr 1914 werden wir die Chronologie spalten oder aufteilen. Weiterhin für jedes Jahr ein Film, aber alternierend mit der Chaplin-Chronologie. 1914 begann Charles Chaplins mit seiner Filmarbeit und wir werden versuchen, alle seine Filme in einer großen Werkschau zu rezensieren. Bisher sieht es sehr gut aus, weil es bei ihm keine oder nur wenige „verschollene“ Filme gibt, anders als bei fast allen anderen wichtigen Filmemachern jener Epoche. Die Werkschau werden wir wiederum chronologisch gestalten, in der Reihenfolge, wie Chaplins Filme in der IMDb (Internet Movie Database) gelistet sind. Das heißt, wir werden etwa 90 Rezensionen zu Chaplin-Filmen veröffentlichen.
- Dabei kommt uns zu Hilfe, dass Arte vor einigen Jahren vor allem für die Jahre 1916 und 1917 das sogenanten „Essanay-Projekt“ und das „Mutual-Projekt“ ins Fernsehen gebracht hatte, sodass wir schon Kritiken für viele Chaplin-Filme aus der Zeit vorrätig haben. Die Alternation zur regulären dritten US-Chronologie wird sich fortsetzen bis in die frühen 2000er, gemäß der oben genannten Anzahl von Filmen.
- Ab 1933 wird eine weitere Werkschau hinzukommen: Die Astaire-Rogers-Filme, die wir mittlerweile alle rezensiert haben, so dass wir abwechselnd „ein Jahr, ein Film“, die Chaplin-Werkschau und die Filme der berühmten Tänzer besprechen werden. Damit zollen wir einem Genre und Künstlern Tribut, die dazu beitrugen, unser Interesse am Medium Film zu wecken.
- Damit starten wir die zweite und die dritte Werkschau nach den Edgar-Wallace-Filmen, die in Deutschland 1959 bis 1972 gedreht wurden.
- Möglicherweise, noch nicht gesichert, steigen wir 1937 mit dem Reigen der Disney-Meisterwerke, der animierten Langfilme des Studios, in eine vierte Werkschau ein, das ist aber noch nicht sicher. Der Rhythmus wäre dann „Ein Jahr, ein Film – Chaplin – Rogers/Astaire – Disney“.
- Insgesamt besprechen wir derzeit vier US-Filme, dann zwei deutsche Filme, dann einen französischen Film. In Sachen französische Filmkunst sind wir damit befasst, die erste Chronologie aus dem selben Filmverzeichnis von 1989 im Wahlberliner zu veröffentlichen, dessen deutschen und amerikanischen Teil wir bereits gezeigt haben.
- Die deutsche Chronologie meint alle Filme des DACH-Raums. Zwischen deutschen und österreichischen Filmen gibt es viele Gemeinsamkeiten, häufig sind sie von beiden Ländern koproduziert, sodass eine strikte Trennung nicht sinnvoll ist, und schweizerische Filme haben wir noch nicht in dem Umfang rezensiert, dass sich eine eigene Chronologie lohnen würde, die Texte dazu könne wir schneller veröffentlichen, wenn wir damit nicht bis zu einer Chronologie der „anderen“ warten müssen, sondern sie in die im Grunde „deutschsprachig“ zu nennende Abfolge integrieren.
- Nach der französischen ersten Chronologie und gleichzeitig mit dem Start der zweiten werden wir die ersten britische Chronologie eröffnen und dort sofort mit „ein Jahr ein Film, von Beginn an“ starten, also die kurzen Kritiken aus dem 1989er Verzeichnis in diesen Modus einbinden, und zwar vorrangig. Wir müssen aber viel früher beginnen, denn in den allerersten Jahren des Films, dass wissen wir mittlerweile, hatte das Medium in Großbritannien vielversprechend begonnen – dann aber den Sprung zur großen Kommerzialisierung nicht wie in den USA vollzogen und fiel für längere Zeit hinter Länder wie Deutschland und Frankreich zurück. Das änderte sich unter anderem mit dem Mann, dem wir die vierte / fünfte Werkschau widmen werden. Alfred Hitchcock. Seine heute bekanntesten Filme entstanden zwar in den USA, aber er hat mehr Filme in England gedreht als später dort, bevor er 1939/40 nach Amerika ging. Den Meister des Suspense zu verstehen, erfordert also, in England zu beginnen.
- Nach dem Veröffentlichen der britischen Filme aus dem FVZ 1989 im Rahmen der ersten britischen Chronologie werden wir mit Italien in diesem Modus weitermachen, eine Werkschau ist in diesem Rahmen bisher nicht geplant.
- Weitere Länder haben wir seinerzeit im FVZ 1989 unter „andere“ zusammengefasst, so werden wir auch im Rahmen der aktuellen Chronologien verfahren, obwohl wir insbesondere zum Filmland Japan mittlerweile einiges gesammelt haben. Vielleicht werden wir im Rahmen der Chronologie der anderen einen oder zwei wichtigen Regisseuren eine Werkschau widmen, aber vermutlich nicht in der vollständigen Form wie bei den oben erwähnten Künstlern.
Wenn dies alles sozusagen erledigt ist, wird das Filmfest mehr als 2000 Filme umfassen, sehr viele wichtige, einige echte Entdeckungen und auch eine Menge Banales. Einen genremäßigen Akzent setzen wir beim Film noir, der uns schon seit längerer Zeit besonders interessiert, aber eine Werkschau mit „essenziellen Streifen“ wird es wohl nicht geben, weil die Grenzen des Genres heutzutage sehr fluide gehandhabt werden und „Best of“ immer auch Geschmacksache ist.
Eine weitere Aufgabe ist, die „Top 250 der besten Filme aller Zeiten gemäß IMDb“ im Auge zu behalten und verstärkt zu rezensieren. Auch diese Liste ist Ansichtssache, aber aufgrund ihrer großen Breitenwirkung doch auch ein Maßstab, an dem man sich immer wieder orientieren kann, wenn man in Sachen Weltkino mit großer Publikumswirkung orientiert bleiben will und nicht so in die Tiefe arbeiten kann, dass man zum Beispiel sämtliche Festivals, auch für kleinere, für Indie-Filme, auszuwerten in der Lage ist.
Wir haben uns auch vorgenommen, wieder mehr Filmbücher zu lesen, auch zur Filmtheorie, gegenwärtig widmen wir uns Erich von Stroheim in diesem Sinne.
Weiterhin setzen wir die Rubrik „Crimetime“ fort, aber der Akzent liegt, anders als in den ersten Jahren des „neuen Wahlberliners“ mehr auf dem Filmfest, gegenwärtig ist das Veröffentlichungsverhältnis 3,5:1 zugunsten des Filmfests, gleichwohl haben wir immer noch mehr Kritiken zu Tatorten oder Polizeirufe (im Wesentlichen enthält „Crimetime“ diese beiden Reihen) publiziert als zu Kinofilmen (aktuell 1256). Mehr geschrieben haben wir mittlerweile schon für das Filmest, denn das Archiv dazu ist immer noch sehr groß, während die „Reserve“ bei den Krimis langsam zur Neige geht, was auch beabsichtigt war, damit wieder ein gewisser Zwang entsteht, aktuelle Publikationen oder solche, die aktuell wiederholt werden und noch nicht besprochen wurden, mit einer Kritik zu würdigen.
Uns ist klar, dass dieser Artikel für „Spezialisten“ mit Interesse am Einblick in unsere Arbeitsweise interessant ist, nicht für die meisten, die sporadisch von irgendwoher auf unsere Texte zugreifen. Gleichwohl musste einmal ein Udpate in dieser Richtung geschrieben werden. Der Zeitpunkt des Starts der zweiten Werkschau bietet sich an für eine Darstellung dessen, was wir geschafft haben und vor allem dessen, was wir uns für die nächste Zeit vorgenommen haben.
TH
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