Briefing Geopolitik Medien, Pressefreiheitsranking, RSF-Report 2025, ROG-Report 2025, Deutschland, Nordeuorpa, Europa, USA und Kanada, Afrika und Lateinamerika, Asien, Demokratie, Autokratie, Journalisten, Angriffe, Lebensgefahr, Bedrohung
Heute ist der weltweite Tag der Pressefreiheit. An diesem Tag würdigen wir Journalisten, die unter oftmals schwierigen Bedingungen den Job machen, Informationen aus erster Hand zu liefern (was wir nicht können, seitdem wir unsere Direkt-Berichterstattung von Aktionen zum Berliner #Mietenwahnsinn eingestellt haben), versuchen, die Wahrheit zu verbreiten und die Fakten zu analysieren (was wir weiterhin ebenfalls versuchen).
Zu Ehren derer, die als lebendige Personen ihren Kopf hinhalten für die Pressefreiheit, wollten wir in diesem Bericht über den Pressefreiheitsreport von Reporter ohne Grenzen 2025 (Inhaltsverzeichnis | RSF) komplett auf den Einsatz von KI verzichten, auch des Tons und der Strukturierung wegen, aber es ist einfach ein Riesenfortschritt, Fakten und Einschätzungen schnell und sicher auf diese Weise zusammenzufassen, gelesen haben wir sie natürlich vollständig.
Es geht trotzdem immer um Menschen, die eine enorm wichtige Arbeit leisten und um diejenigen, die dadurch informiert werden – wenn sie es wollen. Eine Meta-Tendenz ist bereits auf dieser Ebene besorgniserregend: Wahr ist immer mehr, was ins eigene Weltbild passt und in der eigenen Blase der sozialen Medien viral geht, Fakten interessieren immer weniger. Dabei haben wir hierzulande ja noch die Freiheit, auswählen zu können. In ganz wichtigen Ländern gibt es besorgniserregende Entwicklungen in Bezug auf die Pressefreiheit und in Bezug auf die Demokratie im Ganzen, denn beides hängt unausweichlich miteinander zusammen. Wir gliedern unsere Betrachtung nach Ländern und Gruppen, in denen es unterschiedlich gut um die Pressefreheit bestellt ist.
Der Report ist nicht auf Deutsch erhältlich, wir lassen aus Zeitgründen und der Allgemeinverständlichkeit wegen automatisch übersetzen und greifen ein, wo dies zu holprigen Stellen oder Fehlern führt. Zunächst die Karte zur Pressefreiheit, die Statista gestern auf Basis des RSF-Reports veröffentlicht hat:

Natürlich beginnen wir mit
- Deutschland
„Obwohl das rechtliche Umfeld insgesamt für den Journalismus günstig ist, haben die Reformen des Sicherheitsrechts den Geheimdiensten erweiterte Befugnisse eingeräumt, die die Grundrechte von Journalisten untergraben. Darüber hinaus ist der Zugang zu Informationen fragmentiert, der Medienpluralismus ist bedroht und die Gewalt gegen Journalisten nimmt zu.“
Hat die obige Zusammenfassung dazu geführt, dass Deutschland aus der Gruppe der Top 10 gefallen ist (Platz 11 gegenüber Platz 10 im Jahr 2024)? Das kommt auf die Betrachtungsweise an. Der Punkteschnitt hat sich nicht verschlechtert, sondern liegt mit 83,85 gegenüber 83,84 Prozent sogar minimal besser als im letzten Jahr. Vielmehr ist die Tschechei schuld. Sie hat sich gegenüber dem Vorjahr um auf diesem Niveau enorme ca. 3,5 Prozent verbessert und mit 83,96 Prozent Deutschland überholt und hätte beinahe auch die Schweiz hinter sich gelassen (83,98 gegenüber 84,01 Prozent 2024). Das ist doch erst einmal gut, für die weltweite Pressefreiheit, dass Länder so nach vorne streben und demokratisch vorankommen.
Man muss sich verbessern, um seinen Platz unter den Besten zu halten. Grundsätzlich zeigt sich, dass gerade diese Besten es teilweise noch besser gemacht haben, darauf kommen wir noch zu sprechen. Leider sieht es am anderen Ende genau umgekehrt aus. Wo es ohnehin wenig Pressefreiheit gibt, geht sie noch mehr darnieder, sodass das weltweite Bild immer mehr Extreme zeigt. Deutschland:
„Obwohl das rechtliche Umfeld insgesamt für den Journalismus günstig ist, haben die Reformen des Sicherheitsrechts den Geheimdiensten erweiterte Befugnisse eingeräumt, die die Grundrechte von Journalisten untergraben. Darüber hinaus ist der Zugang zu Informationen fragmentiert, der Medienpluralismus ist bedroht und die Gewalt gegen Journalisten nimmt zu.“ (Kursiv mit Anführungszeichen, ohne Fußnote = Text direkt dem Haupt-Länderreport von RSF entnommen, andere Seiten des Reports verlinken wir im Anschluss an das Zitat).
Schauen wir uns den Gesamtindex und die Indikatoren an.
11 / 10 (2025 / 2024, von 180 Ländern) Punktzahl : 83.85 / 83.84
Politischer Indikator 10 / 14, Punktzahl: 84.87 / 85.22
Wirtschaftlicher Indikator 8 / 6, Punktzahl: 77,90 / 77,63
Gesetzlicher Indikator 11 / 8, Punktzahl 84,72 / 84,69
Sozialindikator 23 / 22, Punktzahl 80,93 / 82,38
Sicherheitsindikator 35 /40, Punktzahl 90,82 / 89,29
Nun müsste man vergleichen, wie gut der Durchschnitt anderer, vergleichbarer Länder bei den jeweiligen Kriterien ist, er dürfte zum Beispiel bei der Sicherheitslage höher liegen als bei der Wirtschaftslage der Presse, denn die Printmedien stehen überall im wörtlichen Sinne unter Druck, während in Ländern, in denen es ruhiger zugeht als in Deutschland, die Sicherheitslage über 90 Prozent liegen dürfte. Es ist erstaunlich, dass einige Bewertungen aber so gut ausfallen und sich teilweise sogar verbessert haben. Dies scheint zunächst Meldungen, die im RSF-Report zu finden sind, zu widersprehen, zum Beispiel bezüglich der Sicherheitslage von Journalist:innen:
„Deutschland: Übergriffe auf Journalisten verdoppeln sich, Nahost-Berichterstattung polarisiert und medienpolitische Initiativen geraten ins Stocken.“ (Deutschland: Übergriffe auf Journalisten verdoppeln sich, Nahost-Berichterstattung polarisiert & medienpolitische Initiativen ins Stocken geraten | RSF)
Und trotz der „Reformen des Sicherheitsrechts“, die als Eingriff in die Pressefreiheit verstanden werden, hat sich die Gesetzeslage sogar minimal verbessert – wodurch? Uns ist nicht bekannt, dass 2024 neue, journalismusfreundliche Normen erlassen wurden. Indirekt könnte aber das europäische DSA-Gesetz (Digital Service Act) eine Rolle spielen. Die Gesamteinschätzung erinnert uns ein wenig an den „Freedom-of-the-World-Index“, in dem Deutschland 2025 sogar von 94 auf 95 Punkte gestiegen ist, obwohl sich die Begleitkommentare dazu eher negativ lesen und wir der Ansicht sind, dass diese enorm hohe Bewertung nicht ganz die Realität spiegelt. Bei den Journalisten selbst beobachten wir vor allem zwei Tendenzen: Sie verfassen auf schwachem Niveau und mit wenig Seriosität Clickbait-Beiträge und Kommentare, in denen der rechte Zeitgeist transportiert wird, oder sie werden angegriffen für jede nur halbwegs progressive Äußerung. Soziale Medien beteiligen sich and der Verbreitung vor allem ersterer Kategorie von Beiträgen und liefern die Druko-Absonderungsmöglichkeiten für Hetze gegen letztere.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht im Kreuzfeuer, leistet sich Fehler, aber steht gerade in diesem Umfeld herausragend gut da, auch wenn er, wie RSF meint, in seinen Entscheidungen die eine oder andere politische Beeinflussung erkennen lässt. Journalismus ist nicht absolut neutral, das betonen wir immer wieder. Bestenfalls ist er unabhängig oder weitgehend unabhängig. Wer die Medien dafür basht, dass sie nicht seine Meinung teilen, setzt nicht auf Neutralität, sondern verhält sich so subjektiv, wie er das diesen Medien niemals zubilligen würde.
Zur Lage in Deutschland 2025
Zusammenfassung der wichtigsten Informationen aus dem RSF-Bericht zu Deutschland (2025)
- Deutlicher Anstieg von Angriffen auf Journalist*innen
- Die Zahl der Angriffe auf Journalistinnen in Deutschland hat sich im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Besonders betroffen sind Berichterstattende über den Nahost-Konflikt sowie Journalistinnen, die zu rechtsextremen Milieus und Parteien wie der AfD recherchieren. Sie berichten von Feindmarkierungen, Drohungen, Beleidigungen und Angst vor körperlicher Gewalt101213.
- Das Arbeitsumfeld für Medienschaffende wird zunehmend feindlich. Viele Journalist*innen bewegen sich in einem Klima der Einschüchterung und Gefahr1012.
- Auswirkungen auf die Pressefreiheit und Ranglistenplatz
- Deutschland ist in der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen (RSF) 2025 auf Platz 11 abgerutscht und damit erstmals seit Jahren nicht mehr in den Top 10. Gründe sind das feindliche Arbeitsumfeld und die Zunahme von Angriffen auf Journalist*innen101112.
- Im internationalen Vergleich steht Deutschland noch gut da, doch die Herausforderungen nehmen zu. Die weltweite Lage der Pressefreiheit ist 2025 auf einem historischen Tiefstand. Nur sieben Länder – alle in Europa – gelten noch als „gut“ für Pressefreiheit10111218.
Anmerkung: Sie liegen alle in Nordeuropa, wo auch der Stand der Demokratie insgesamt am besten ist, dazu weiter unten mehr.
- Wirtschaftlicher Druck auf Medienhäuser
- Die wirtschaftliche Situation vieler Medienunternehmen in Deutschland verschlechtert sich weiter. Der Rückgang klassischer Einnahmequellen (vor allem im Printbereich) trifft besonders Lokal- und Regionalzeitungen. Fast die Hälfte aller Landkreise ist inzwischen Einzeitungskreis10.
- Große US-Plattformen wie Google, Facebook und Instagram dominieren den digitalen Werbemarkt, was die finanzielle Lage traditioneller Medien weiter verschärft. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter politischem und finanziellem Druck, geplante Beitragserhöhungen wurden ausgesetzt10.
- Politische und rechtliche Herausforderungen
- Die Berichterstattung zum Nahost-Konflikt ist mit besonders hohen Hürden verbunden; viele Medienschaffende berichten von Einschränkungen und Druck1011.
Anmerkung: Einerseits wurden Journalisten während pro-palästinensischer Demonstrationen angegriffen, andererseits wird beklagt, dass sie aus dem Gazakrieg noch mit Mühe frei berichten können, weil die Medienunternehmen, für die sie arbeiten (aus Angst vor Antisemitismusverdacht, höchstwahrscheinlich) einen Bias über die Reportagen legen: israelische Quellen werden z. B. generell als zuverlässiger gehandhabt als palästinensische.
- Reformen sind dringend notwendig: RSF fordert steuerliche Förderung für gemeinnützigen Journalismus, plattformunabhängige Medienförderung, Reform des Medienkonzentrationsrechts und besseren Schutz vor Übergriffen und Einschüchterungsklagen (SLAPPs)1012.
Anmerkung: Deutschland hängt bei der Umsetzung von EU-Richtlinien zur Sicherung der Pressefreiheit zurück – und ausgerechnet die neue Regierung, deren besonders konservativer Teil sich die NGOen vorknöpft, die ebenfalls sehr viel für die Meinungsfreiheit in Deutschland tun, ist der Adressat für Hoffnungen der Medienschaffenden, dass Deutschland sich als größtes Land Europas auch als Vorreiter der Pressefreiheit re-etablieren wird. Nach unserer Ansicht eine sehr hochherzige Sichtweise, wir verstehen aber den Forderungscharakter, der implementiert ist.
- Fazit
Die Pressefreiheit in Deutschland steht unter zunehmendem Druck – sowohl durch Gewalt und Einschüchterung als auch durch wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen. Ohne entschlossene Reformen und besseren Schutz für Medienschaffende droht eine weitere Verschlechterung der Situation.
Hervorgehobene Fakten:
- Angriffe auf Journalist*innen in Deutschland 2024 verdoppelt
Anmerkung: Der Bericht, der diesen Part wiedergibt, spricht von einer Sondersituation in Berlin, insbesondere im Zusammenhang mit Aktionen gegen den Gazakrieg, während sich die allgemeine Lage in Deutschland nicht in diesem Maße verschlechtert hat. Nach dem Ende der Corona-Pandemie, wo während „Querdenker“-Demonstrationen ebenfalls Journalist:innen angegriffen wurden, gab es zunächst einmal eine Entspannung.
- Deutschland fällt auf Platz 11 der weltweiten Pressefreiheits-Rangliste
- Besonders gefährdet: Berichterstattung über Rechtsextremismus und Nahost-Konflikt
- Wirtschaftlicher Druck und Konzentration im Medienmarkt verschärfen die Lage
- RSF fordert umfassende Reformen und besseren Schutz für Journalist*innen10111213.
Quellen
- https://www.reporter-ohne-grenzen.de/nahaufnahme/2025
- https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/Redaktion/Downloads/RSF_Nahaufnahme_Deutschland_2025.pdf
- https://www.zdf.de/nachrichten/politik/pressefreiheit-rangliste-deutschland-100.html
- https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-05/reporter-ohne-grenzen-pressefreiheit-deutschland-ranking
- https://www.ndr.de/nachrichten/info/Tag-der-Pressefreiheit-2025-,pressefreiheit528.html
- https://dju.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++a51007f8-24de-11f0-9510-313009b4325d
- https://www.l-iz.de/bildung/medien/2025/05/internationaler-tag-der-pressefreiheit-2025-journalist-innen-ostdeutschland-zunehmend-unter-druck-623471
- https://www.reporter-ohne-grenzen.de/nahaufnahme/2024
- https://www.welt.de/politik/deutschland/article256049454/Reporter-ohne-Grenzen-Deutschland-faellt-in-der-Liste-der-Pressefreiheit-aus-den-Top-Ten.html
- https://www.tagesschau.de/ausland/pressefreiheit-international-100.html
- https://www.sportjournalist.de/news/meldungen-und-medien/reporter-ohne-grenzen-konstatiert-historischen-tiefstand-fb-3960/?news%5Bnr%5D=3960
- https://www.reporter-ohne-grenzen.de/deutschland
- https://www.instagram.com/zapp.medienmagazin/?api=Telegram%E7%BE%A4%E5%8F%91%E5%B7%A5%E5%85%B7%E3%8A%97-%5B%E8%AE%A4%E5%87%86%E5%A4%A7%E8%BD%A9TG%3A%40TC2397431747%5D-TG%E8%87%AA%E5%8A%A8%E6%8B%89%E7%BE%A4%2FTG%E5%BC%95%E6%B5%81%E7%A7%81%E4%BF%A1%2FTG%E7%AD%9B%E9%80%89%E5%B7%A5%E5%85%B7.sfjv
- https://www.deutschlandfunk.de/sorge-um-freie-berichterstattung-in-demokratien-wie-israel-oder-usa-102.html
- https://www.djv.de/news/pressemitteilungen/press-detail/journalisten-brauchen-besseren-schutz/
- https://www.spd-fraktion-nrw.de/pressemeldung/medienschaffende-brauchen-mehr-schutz-deutschland-nicht-mehr-unter-den-top-10-laendern-der-pressefreiheit/
- https://www.boersenblatt.net/home/deutschland-rutscht-aus-den-top-10-373521
- Der Norden Europas: Leuchttürme der Pressefreiheit
Die sieben „grünen Länder“ des RSF-Reports 2025 und ihre besonderen Stärken
Laut Reporter ohne Grenzen (RSF) gibt es 2025 weltweit nur noch sieben Länder, in denen die Pressefreiheit als „gut“ bewertet wird. Sie liegen alle in Europa und zeichnen sich durch besonders stabile, demokratische und rechtlich geschützte Medienlandschaften aus135.
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Land |
Besondere Stärke(n) im Sinne der Pressefreiheit |
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Norwegen |
Seit Jahren Spitzenreiter. Herausragende rechtliche, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für unabhängigen Journalismus. Sehr hohe Sicherheit für Journalist*innen, kaum politische oder wirtschaftliche Einflussnahme. Alle fünf RSF-Indikatoren („wirtschaftlich“, „politisch“, „rechtlich“, „soziokulturell“, „Sicherheit“) werden mit „gut“ bewertet4. |
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Estland |
Sehr große redaktionelle Unabhängigkeit, innovative digitale Medienlandschaft, effektiver Schutz vor politischer Einflussnahme, transparente Medienregulierung. Fortschrittliche Gesetze zur Informationsfreiheit und digitale Offenheit fördern investigativen Journalismus34. |
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Niederlande |
Starke mediale Vielfalt, hohe journalistische Unabhängigkeit, effektive rechtliche Schutzmechanismen. Medien genießen großes gesellschaftliches Vertrauen und arbeiten in einem stabilen politischen Umfeld34. |
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Schweden |
Traditionell hohe Pressefreiheit, gesetzlich garantierte Informationsfreiheit, starker Schutz vor politischem Druck. Medienvielfalt und unabhängige Finanzierung sind weitere Pluspunkte4. |
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Finnland |
Sehr stabiles Mediensystem, hoher gesellschaftlicher Respekt für journalistische Arbeit, effektive Selbstregulierung der Medien, rechtlicher Schutz vor Beeinflussung und Gewalt4. |
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Dänemark |
Freie und vielfältige Medienlandschaft, starke rechtliche Absicherung, kaum wirtschaftliche oder politische Eingriffe. Hohe Transparenz und ethische Standards im Journalismus4. |
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Irland |
(Nicht explizit in den Suchergebnissen genannt, aber laut RSF-Index 2025 als siebtes „grünes Land“ gelistet.) Stabile Demokratie, unabhängige Medienaufsicht, gute rechtliche Rahmenbedingungen und effektiver Schutz für Journalist*innen2. |
Gemeinsame Stärken dieser Länder:
- Unabhängigkeit und Vielfalt: Medien sind weitgehend unabhängig von politischem und wirtschaftlichem Druck.
- Rechtlicher Schutz: Effektive Gesetze schützen Journalist*innen vor Einschüchterung, Gewalt und Zensur.
- Sicherheit: Sehr hohes Maß an physischer und digitaler Sicherheit für Medienschaffende.
- Transparenz und Vertrauen: Gesellschaftliches Vertrauen in Medien und transparente Regulierung fördern freie Berichterstattung.
Europa bleibt damit die Weltregion mit der größten Pressefreiheit – in allen anderen Weltregionen ist die Lage laut RSF 2025 deutlich schlechter135.
Anmerkung: Länder mit besonderer Struktur wie Norwegen (Reichtum durch Rohstoffe) oder Irland (Ausbeutung anderer Volkswirtschaften durch Niedrigsteuerparadies-Zustände) haben es relativ einfach, Pressefreiheit zu gewährleisten, weil die Zufriedenheit der Bevölkerung sehr hoch ist, ihre entspannte Sondersituation erlaubt es den Regierungen, sehr großzügig zu sein, die Gefahr von Unruhen ist äußerst gering. Aber auch Länder, die strukturell Deutschland mehr ähneln, wie Schweden, Finnland, Dänemark und (mit Einschränkungen) die Niederlande, können es besser. Besonders beeindruckend ist es, dass zum Beispiel Schweden seine Pressefreiheit bewahrt, obwohl die gesellschaftliche Situation, insbesondere die Migrationsdebatte, sich auch dort in den letzten Jahren zugespitzt hat und rechte politische Kräfte Auftrieb bekommen haben. Ähnliches gilt für die Niederlande, während Dänemark insgesamt einen konservativeren Kurs trotz sozialdemokratischer Regierung steuert, das drückt sich auch im Verlust von Plätzen im Pressefreiheitsranking aus – gleichwohl bleibt ein Abstand zu Deutschland bestehen.
- Kurz zurück nach Deutschland
3.) händisch von uns gestaltet. In Deutschland sind Journalist:innen teilweise selbst daran schuld, dass sie nicht mehr ernstgenommen werden – siehe oben, unseriöse, fragmentarische, tendenziöse und vor allem von rechts eindeutig polarisierende Berichterstattung.
Aber was sind die Hintergründe? Rechte Überzeugungen? Opportunismus? Mangelhafter Rückhalt für wirklich gute Berichterstattung sowohl in den eigenen Häusern wie allgemeingesellschaftlich? Der wirtschaftliche Druck und der rechte Zeitgeist erschweren es Medien, humanistische und zivilisatorische Standards zu bewahren, sie wirken hierzulande stärker negativ auf die Medien ein als in den „grünen“ Ländern mit ihren weniger polarisierten Gesellschaften und rechtlich-finanziell besser abgesicherten Medien. Wer sich dem Journalismus im wörtlichen Sinne verschrieben hat, muss in Deutschland mittlerweile sehr dickfellig sein, wenn er nicht einknicken will – und finanziell einigermaßen gepolstert. Letzteres trifft noch am meisten auf Journalist:innen des ÖRR zu, die sich daher noch differenzierte Darstellungen erlauben können, ohne um ihre Existenz fürchten zu müssen. Staatliche Medienförderung im Printbereich, um Vielfalt und Qualität auch in der Fläche zu erhalten, ist bei uns eher nicht zu beobachten.
Hinter unzähligen Medien, die verschiedene Namen haben, stehen außerdem nur wenige Redaktionen, die diese Medien beliefern, die Konzentration auf wenige, allenfalls mittige, oft aber eher rechte Häuser mit unzähligen angegliederten überregionalen und regionalen Zeitungen ist weit vorangeschritten. Beispiele dafür sind die konservative Holtzbrinck-Gruppe (u. a. Berliner Tagesspiegel), die ebenfalls eher rechte Funke-Gruppe (u. a. Berliner Morgenpost) und die knapp mittige Ippen Media (u. a. Frankfurter Rundschau), nebst den üblichen Verdächtigen wie der Springer-Presse mit ihrem immer noch großen Einfluss. Ihnen stehen auf der einen Seite wenige unabhängige leicht links-mittige Publikationen wie Taz und Zeit gegenüber und auf der anderen Seite eine zunehmende Zahl von mehr oder weniger „alternativ“ eingestellten Medien von ganz rechts bis ganz links, deren Beiträge nicht selten Anlass dazu geben, zu vermuten, dass an der Hufeisen-Theorie doch etwas dran ist. Dazu zählen auch mittlerweile Tradtionshäuser wie die Berliner Zeitung, womit wir alle drei großen Tageszeitungen in Berlin benannt hätten.
Quellen zu Nordeuropa
- https://www.reporter-ohne-grenzen.de/pressemitteilungen/meldung/wirtschaftlicher-druck-schwaecht-pressefreiheit
- https://en.wikipedia.org/wiki/World_Press_Freedom_Index
- https://www.zdf.de/nachrichten/politik/pressefreiheit-rangliste-deutschland-100.html
- https://pressgazette.co.uk/news/rsf-moves-downgrades-global-press-freedom-index-to-all-time-loe/
- https://www.ndr.de/nachrichten/info/Tag-der-Pressefreiheit-2025-,pressefreiheit528.html
- https://www.politico.eu/article/europe-leads-world-in-press-freedom-rankings-greece-worst-result/
- https://www.thestar.com.my/news/nation/2025/05/02/malaysia-rises-19-spots-to-88th-in-2025-world-press-freedom-index
- https://www.scoop.co.nz/stories/WO2505/S00037/rsf-releases-2025-world-press-freedom-index.htm
- https://hongkongfp.com/2025/05/02/hong-kong-falls-to-140th-in-press-freedom-index-with-historic-low-score-entering-red-zone-for-first-time/
- https://www.paturkey.com/news/2025/rsf-turkey-ranks-159th-in-2025-press-freedom-index-amid-ongoing-repression-20246/
- https://theshiftnews.com/2025/05/02/rsf-world-press-freedom-index-shows-independent-media-stifled-by-economic-pressures/
- https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/rangliste-2025
- https://www.romania-insider.com/romania-press-freedom-index-2025
- https://rsf.org/en/rsf-world-press-freedom-index-2025-economic-fragility-leading-threat-press-freedom
- https://www.dw.com/en/global-press-freedom-at-all-time-low-in-2025-rsf-says/a-72411797
- https://rsf.org/en/methodology-used-compiling-world-press-freedom-index-2025
- Warum Europa so schützenswert ist
Die Pressefreiheit ist ein Grundpfeiler des europäischen Lebens- und Demokratiemodells – und der aktuelle RSF-Report 2025 macht deutlich, warum dieses Modell besonders schützenswert und verteidigungswürdig ist.
Pressefreiheit als Herzstück der Demokratie
Freie, unabhängige Medien sind das Rückgrat jeder funktionierenden Demokratie. Sie ermöglichen es Bürgerinnen und Bürgern, sich umfassend zu informieren, Macht kritisch zu hinterfragen und an gesellschaftlichen Debatten teilzunehmen. Ohne Pressefreiheit fehlt einer Gesellschaft das Korrektiv, das Machtmissbrauch, Korruption und Desinformation aufdecken kann. Die Medien sind eine tragende Säule des Systems von Kontrolle und Gegenkontrolle, das der demokratischen Ordnung zugrunde liegt8.
Europa: Ein Schutzraum für Pressefreiheit in einer bedrohten Welt
Der RSF-Report 2025 zeigt: Weltweit hat die Pressefreiheit einen historischen Tiefstand erreicht. In der Hälfte der 180 untersuchten Länder ist die Lage für Journalistinnen und Journalisten „schwierig“ oder „sehr ernst“59. Nur sieben Staaten – alle in Europa – gelten noch als „gut“ für die Pressefreiheit. In vielen Weltregionen werden Medien systematisch unterdrückt, Journalist*innen verfolgt, bedroht oder gar getötet. In autoritären Staaten beginnt der Weg in die Unterdrückung fast immer mit Angriffen auf unabhängige Medien81.
Europa bleibt damit die letzte große Region, in der Journalistinnen und Journalisten weitgehend frei arbeiten können. Länder wie Norwegen, Estland, die Niederlande und Schweden führen die Rangliste an und stehen für stabile demokratische Strukturen, unabhängige Justiz und gesellschaftlichen Respekt vor freier Berichterstattung239.
Warum das europäische Modell schützenswert ist
- Rechtsstaatliche Garantien: In Europa existieren starke rechtliche Schutzmechanismen, die Journalist*innen vor staatlicher Willkür, Zensur und wirtschaftlicher Einflussnahme schützen. Der Europäische Rechtsakt zur Medienfreiheit (EMFA) verpflichtet die Mitgliedstaaten, die Unabhängigkeit der Medien zu wahren und schützt vor politischer Einflussnahme auf redaktionelle Entscheidungen68.
- Transparenz und Pluralismus: Die Medienlandschaft ist vielfältig und transparent. Es gibt klare Regeln zur Eigentumsstruktur und zur Vergabe staatlicher Werbung, um Konzentration und Abhängigkeit zu verhindern8.
- Gesellschaftlicher Wert: In den „grünen Ländern“ Europas genießen Medien und Journalist*innen hohe gesellschaftliche Wertschätzung. Der Zugang zu amtlichen Informationen ist unkompliziert, investigativer Journalismus wird gefördert und geschützt2.
- Institutionelle Verteidigung: Europäische Institutionen wie das Parlament und unabhängige Organisationen setzen sich aktiv für Pressefreiheit und Medienpluralismus ein und entwickeln immer neue Schutzmechanismen610.
Empathische Perspektive: Was auf dem Spiel steht
Die Berichte von Reporter ohne Grenzen sind mehr als Statistiken – sie stehen für die Geschichten von Menschen, die unter Druck, Bedrohung oder Gewalt ihre Aufgabe erfüllen: aufzuklären, Missstände aufzudecken und Debatten zu ermöglichen. In vielen Ländern riskieren Journalist*innen täglich ihr Leben oder ihre Freiheit. In Europa hingegen ist es – trotz aller Herausforderungen – noch möglich, ohne Angst vor Verfolgung zu berichten. Diese Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger demokratischer Entwicklung und muss gegen neue Bedrohungen verteidigt werden58.
Fazit
Allein die Pressefreiheit macht das europäische Lebens- und Demokratiemodell zu etwas Besonderem und Schützenswertem. Sie ist die Voraussetzung für eine offene, informierte und widerstandsfähige Gesellschaft. Angesichts globaler Rückschritte und gezielter Angriffe auf unabhängige Medien ist es unsere gemeinsame Verantwortung, dieses Modell zu verteidigen – für die Demokratie, für die Menschenrechte und für die Zukunft Europas589.
Anmerkung: Auch wenn hier vor allem die „grünen“ Länder noch einmal referiert werden und wir um eine empathische Note gebeten haben, welche die Schutzwürdigkeit des europäischen Lebensmodells insgesamt hervorhebt, gilt das oben Referierte natürlich auch für die „gelben“ Länder, in denen die Situation als zufriedenstellend bewertet wird: Von West nach Ost, von Großbritannien und Frankreich bis hin nach Polen, wo sich die Lage nach dem Regierungswechsel und der Abwahl der PiS wieder deutlich verbessert, liegen hier fast alle Länder der Welt, in denen weitgehende Pressefreiheit herrscht – und sie wird bei Weitem nicht genug geschätzt. Die deutsche Diskussion darüber ist geradezu grauenvoll, und wir würden einigen, die sich daran mit ständiger Ätzerei beteiligen, wünschen, dass sie ihre eigenen russischen oder chinesischen Erfahrungen sammeln können, wenn sie von dort unabhängig und ohne Scheuklappen berichten wollen.
Diese Länder verschlechtern sich immer weiter, was auch zeigt, dass Diktaturen keinen Stillstand kennen. Es wird immer versucht, die Schrauben noch fester anzuziehen. Auf dem Weg nach unten gibt es kaum einen Halt, wenn das Rückgrat der Freiheit erst einmal gebrochen ist. Auch in Deutschland leben viele Charaktere, die sich genau solch eine Entwicklung wünschen und offenbar glauben, sie würden dann als Linientreue zu den Gewinnern zählen, die andere unterdrücken dürfen. Wenn das kein Trugschluss ist, vor allem für Links-rechts-Misch-Extremisten, falls die AfD in Deutschland an die Macht kommen sollte. Diese könnte den linken Teil von deren Ideologie übel vermerken. Vielleicht hilft ja dann opportunistische Schnellanpassung und das gemeinsame Bashing von Minderheiten. Oder aber nicht. Wir hingegen werden versuchen, so lange wie möglich die Freiheit und die Demokratie in den Vordergrund zu rücken. Dass Deutschland nicht zu den Spitzenländern in Sachen Demokratie, Gleichheit, Pressefreiheit und allgemeiner Freiheit zählt, liegt selbstverständlich auch an der Bevölkerung selbst. Mangelnde Empathie, immer noch viel autoritäres Denken sind hierzulande Hemmschuhe auf dem Weg zu einer tiefgehend zivilisierten Gesellschaft, wie einige nordeuropäische europäische Länder sie aufweisen.
Quellen
- https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/rangliste-2025
- https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/rangliste-2025-ueberblick
- https://www.deutschlandfunk.de/lage-der-pressefreiheit-erneut-verschlechtert-100.html
- https://www.zdf.de/nachrichten/politik/pressefreiheit-rangliste-deutschland-100.html
- https://www.dw.com/de/weltweite-lage-der-pressefreiheit-auf-historischem-tiefstand/a-72413005
- https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20220513STO29508/pressefreiheit-das-europaische-parlament-setzt-sich-fur-journalisten-ein
- https://de.wikipedia.org/wiki/Rangliste_der_Pressefreiheit
- https://www.consilium.europa.eu/de/policies/media-freedom-eu/
- https://www.spiegel.de/politik/reporter-ohne-grenzen-deutschland-rutscht-aus-top-ten-der-pressefreiheits-rangliste-a-480957a3-0732-4c57-b8ed-48842347731e
- https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/231305/pressefreiheit-in-europa/
- Europa II: In der Mitte ist die meiste Bewegung möglich
Hier müssen wir wieder komplett händisch arbeiten, denn die KI hat es nicht hinbekommen, die richtigen Jahreszahlen miteinander zu vergleichen. Wir hoffen, der nächsten Generation von Journalisten und Analytikern werden solche Fehler überhaupt noch auffallen.
- Spanien stieg um sieben Plätze von Platz 30 auf Platz 23 auf.
- Portugal fiel um einen Platz von 7 auf 8 – und damit aus der grünen Gruppe, ohne sich aber in Punkten wesentlich verschlechtert zu haben.
- Frankreich fiel nach einem „Zwischenhoch“ zurück: 2023 = Platz 24, 2024 = Platz 21, 2025 = Platz 25. Wenn der oder das RN in Frankreich den nächsten Präsidenten oder die nächste Präsidentin stellt, ist das Land in Gefahr, in die Gruppe der „schwierigen Länder“ zurückzufallen, in der sich u. a. Italien befindet:
- Italien fiel von Platz 46 auf Platz 49 zurück und ist das mit das schlechteste Land des „alten Europa“ aus dem westlichen Bündnis des Kalten Krieges.
- Die Schweiz bleibt stabil auf Platz 9.
- Österreich hat sich auffällig verbessert, von Platz 32 auf Platz 22. Insofern kann man sehr froh sein, dass aus der FPÖ-geführten Regierung nichts wurde, mit ihr wäre eine Trendumkehr sehr wahrscheinlich gewesen.
- Tschechien macht einen großen Sprung von 17 auf 10, vorbei an Deutschland (siehe 1.)).
- Polen legt von allen europäischen Ländern am meisten zu, von Platz 46 auf Platz 31, dank der Re-Liberalisierung und Revitalisierung der Demokratie nach der PiS-Ära. Leider führt die PiS derzeit in Umfragen. Die Verbesserungen sind gefährdet, und es erweist sich als schwierig, im Sinne der gesamten Demokratie, die Schäden zu beseitigen, die von den Rechtsnationalen im Demokratie-Frontstaat Osteuropas der 1980er und frühen 1990er in den 2010ern angerichtet wurden.
- Wie divergent die EU ist, zeigt sich insbesondere in den Mittel-Südost-Ländern Europas mit Rängen zwischen 50 und über 60. Das schlechteste Land ist aber nicht Ungarn (Rang 68), sondern: Griechenland. Und damit doch ein Land des „alten Westens“. Ein für europäische Verhältnisse miserabler Platz 88 müsste gesondert untersucht werden, aber das können wir in dieser Zusammenfassung nicht leisten. Damit ist das Land das Schlusslicht des gesamten Kontinents, inklusive der Länder, die noch nicht zur EU zählen, wie die Ukraine (Rang 62). Ganz sicher setzt die konservative griechische Regierung keinen einzigen europäischen Standard ordnungsgemäß um, sonst könnte es nicht zu einer solchen Platzierung kommen.
- Ein trauriger Blick zurück
Punkt 6.) wurde komplett händisch erstellt. 2002 wurde das Ranking von Reporter ohne Grenzen erstmals erstellt. Damals gab es die Karten-Übersicht noch nicht und nicht die Einteilung der Länder in fünf Gruppen von gut bis scheußlich, die diese Weltkarte leicht lesbar und instruktiv macht. Erst seit 2013 existiert diese kartografische Darstellung. Das sind nur zwölf Jahre. In diesen zwölf Jahren ist die Zahl der „grünen“ Länder von 25 auf 7 gesunken. Das ist erschütternd. Deutschland hat sich, wie ganz Mitteleuropa, aus diesem Kreis verabschiedet. Seine Platzierung ist überschlägig aber nicht gesunken, sondern hat sich per Saldo sogar verbessert, wenn auch nicht 2025 gegenüber 2024. Das bedeutet nichts anderes, als dass es anderswo noch schneller abwärts gegangen ist mit der Pressefreiheit.
RSF macht darauf aufmerksam, dass vor allem die wirtschaftliche Lage der freien Presse noch nie so schlecht war wie aktuell. Das untergräbt natürlich ihre Möglichkeiten, qualitativ hochwertige Berichterstattung zu liefern. Das Internet generell, aber vor allem die sozialen Medien, die für viele Menschen auf leichtfertige Art und Weise als einzige Informationsquelle verwendet werden, haben diese Zerstörung der wirtschaftlichen Basis im Wesentlichen bewirkt. Das einstige Versprechen, dass das Internet im Sinne seiner uneingeschränkten Zugänglichkeit für alle die Demokratie stärken würde, hat sich ins Gegenteil verkehrt, weil gut bezahlte Inhalte von hoher Qualität kaum noch durchsetzbar sind. Hingegen konzentriert sich die Macht im Netz auf wenige große Tech-Unternehmen, die bislang nur einer rudimentären demokratischen Kontrolle unterliegen, am meisten noch in Europa mit dem neuen DSA, der DSGVO, dem NetzDG, die nicht unproblematisch sind, aber besser als nichts.
In Wirklichkeit ist das Netz ein Informationsdesaster, wie es nie zuvor seit der Aufklärung eines gegeben hat. Das schreiben wir, obwohl Der Wahlberliner eine reine Netzpublikation ist. Ganze Kontinente bedienen sich vor allem aus dem Netz und Menschen haben ein Gefühl von Teilhabe an der Welt per Handy, das aber nichts mit einer globalen Übersicht über die Probleme und Themen einer Zivilisation zu tun hat. Dafür ist diese Teilhabe viel zu fragmentarisch und kann nicht in einen bildungsseitig erarbeiteten Kontext gestellt werden. Wir haben zwei Facebook-Accounts mit fast 10.000 „Freund:innen“ aus aller Welt, die einschlägig Zeugnis davon ablegen, wie die sozialen Medien vorwiegend genutzt werden. Entweder zur Verbreitung von Simplizitäten, privaten Einsichten, von schrägen Meinungen und Absonderlichkeiten oder von Postings, die eine ungefilterte Gläubigkeit an Scheinversprechungen und eine Fixierung auf Ideen, Perspektiven und Sehnsüchten spiegeln, die bzw. deren Erfüllung weit von der Realität entfernt sind.
Wir haben für diejenigen, die sich nicht alle Abos der letzten hochwertigen Printmedien leisten können, immer noch den demokratischen, weil für alle zugänglichen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber die meisten Menschen in den meisten Ländern der Welt können davon nur träumen. Auch die Menschen in den USA, die von reißerischen Medien ständig auf 180 gehalten werden, von Formaten, die nach europäischen Maßstäben keine Nachrichtenquellen, sondern reine Propaganda sind, und zwar weit überwiegend rechte Propaganda, haben es nicht gerade leicht, sich einigermaßen ruhig und differenziert zu informieren.
Und damit zu dem Land, dessen Schicksal auch unseres in Europa ist. Der Niedergang der USA in Sachen Demokratie und Freiheit, die Verfolgung von Andersdenkenden, die dort eingesetzt hat, wird nicht ohne Auswirkungen auf Europa bleiben. Die Rechtsextremen in der BRD drehen jetzt schon immer mehr frei, weil sie sich von Trump & Co. inspiriert und gestärkt fühlen. Es gilt umso mehr, sich diesem Trend entgegenzustellen.
- Die USA: Menetekel für die Pressefreiheit auf der gesamten Welt?
Entwicklung der Pressefreiheit in den USA (RSF-Report 2025)
Rangveränderung 2025 gegenüber 2024
Die USA sind im World Press Freedom Index 2025 von Reporter ohne Grenzen (RSF) um zwei Plätze gefallen und belegen nun Rang 57 – den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebung12679. Damit stehen sie hinter Ländern wie Sierra Leone und befinden sich erstmals dauerhaft im Bereich „problematisch“ und nicht mehr „zufriedenstellend“26.
Ursachen und Entwicklung
- Die Verschlechterung wird vor allem auf die zweite Amtszeit von Donald Trump zurückgeführt. RSF spricht von einem „alarmierenden Rückgang der Pressefreiheit“ und einer „autoritären Wende in der Regierungsführung“17.
- Die Trump-Regierung hat gezielt Institutionen instrumentalisiert, unabhängige Medien finanziell geschwächt (z.B. durch Kürzungen bei Voice of America und Radio Free Europe/Radio Liberty) und Reporter*innen systematisch an den Rand gedrängt247.
- Die wirtschaftliche Lage der Medien in den USA ist besonders kritisch: Die USA gelten laut RSF als „Anführer der wirtschaftlichen Depression“ im Mediensystem. Der ökonomische Indikator fiel innerhalb von zwei Jahren um 14 Punkte, der soziale Indikator um 28 Plätze46.
- Massive Konzentrationsprozesse, der Rückzug von US-Entwicklungshilfe für unabhängige Medien im Ausland und die Dominanz großer Internetplattformen verschärfen die Lage246.
Medienlandschaft und Struktur
- Die US-Medienlandschaft ist geprägt von großer Vielfalt, aber auch starker wirtschaftlicher und politischer Polarisierung.
- Lokale Medien sind besonders von Schließungen betroffen, große Teile des Landes werden zu „News Deserts“ ohne unabhängige Berichterstattung4.
- Die Konzentration von Medienbesitz nimmt zu, während unabhängige und investigative Medien unter wirtschaftlichem Druck stehen246.
- Öffentlich-rechtliche Angebote werden politisch und finanziell unter Druck gesetzt27.
Auswirkungen der Trump-Regierung
- Die Trump-Regierung hat die Pressefreiheit aktiv untergraben: durch Angriffe auf Journalist*innen, die Einschränkung des Zugangs zu Informationen, die Diskreditierung kritischer Medien und die Kürzung öffentlicher Mittel1247.
- Die gesellschaftliche Polarisierung und das Misstrauen gegenüber Medien haben ein Rekordniveau erreicht, das Klima für Journalist*innen ist feindselig wie nie4.
- Die wirtschaftliche Schwächung unabhängiger Medien ist Teil einer Strategie, Kontrolle über die öffentliche Meinung zu gewinnen und kritische Stimmen zu marginalisieren24.
Mögliche Folgen für die Pressefreiheit weltweit und in Europa
- Die Entwicklung in den USA hat Signalwirkung: Wenn selbst in einer etablierten Demokratie wie den USA die Pressefreiheit massiv unter Druck gerät, geraten internationale Standards ins Wanken124.
- Die US-Regierung hat ihre Unterstützung für unabhängige Medien im Ausland eingestellt, was besonders in Osteuropa und anderen fragilen Demokratien zu einer Schwächung der Pressevielfalt führt6.
- Europa bleibt zwar die sicherste Region für Journalist*innen, aber auch hier wächst der ökonomische Druck auf Medien, und die „Abruptheit des Endes amerikanischer Hilfen“ wird als zusätzlicher Risikofaktor genannt6.
- Die US-Entwicklung wirkt als negatives Beispiel: Autoritäre Regierungen weltweit fühlen sich durch die US-Politik ermutigt, gegen unabhängige Medien vorzugehen1246.
Fazit
Die Pressefreiheit in den USA befindet sich 2025 auf einem historischen Tiefstand. Die Verschlechterung ist eng mit politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen unter der Trump-Regierung verbunden und hat weitreichende Auswirkungen – nicht nur auf die amerikanische Gesellschaft, sondern auch auf die globale Pressefreiheit und die Stabilität demokratischer Standards, insbesondere in Europa.
Anmerkung: Betrüblich, das sei am Rande erwähnt: Auch Kanada, einst ein „grünes“ Land, liegt zwar noch auf Platz 21, aber das ist eine Verschlechterung von Platz 14 aus. Möglicherweise zwingt die Situation im Süden zu einer restriktiveren Haltung, damit die Zahl der Fake News von jenseits der Grenze nicht ungezügelt ins Kraut schießt. Das wäre ein Beispiel dafür, wie die Situation in den USA sich auch anderswo negativ auswirkt. Dies unter Vorbehalt, wir haben die Gründe für die Verschlechterung Kanadas nicht recherchiert.
Quellen
- https://www.dw.com/en/global-press-freedom-at-all-time-low-in-2025-rsf-says/a-72411797
- https://www.axios.com/2025/05/02/usa-press-freedom
- https://www.politico.eu/article/europe-leads-world-in-press-freedom-rankings-greece-worst-result/
- https://gijn.org/stories/global-press-freedom-at-unprecedented-critical-low-reporters-without-borders/
- https://rsf.org/en/rsf-world-press-freedom-index-2025-economic-fragility-leading-threat-press-freedom
- https://pressgazette.co.uk/news/rsf-moves-downgrades-global-press-freedom-index-to-all-time-loe/
- https://timesofindia.indiatimes.com/world/rest-of-world/global-press-freedom-at-all-time-low-in-2025-rsf-says/articleshow/120820579.cms
- https://en.wikipedia.org/wiki/World_Press_Freedom_Index
- https://rsf.org/en/country/united-states
- https://rsf.org/en/video-rsf-world-press-freedom-index-2025
- Afrika und Lateinamerika: Auf und nieder
Bezüglich Afrikas fällt vor allem auf: Mal geht es etwas aufwärts, mal etwas zurück. Mal in diesem Land ein paar Plätze voran, gleichzeitig verstärken sich autokratische Tendenzen anderswo. Gleichwohl haben wir Afrika nicht an den Schluss der Betrachtung gestellt. Denn die weitaus meisten Menschen insgesamt leben immer noch in Asien, und dort sieht es, besonders wenn Russland mitrechnet, extrem schlecht aus: Weite Teile der Landfläche dieser Erde sind wegen der miserablen Situation in Asien tiefrot eingefärbt, während Afrika einem Flickenteppich gleicht, in dem es zwar keine „grünen“ Länder gibt, aber doch immerhin „gelbe“, also aus der Gruppe, zu der auch Deutschland zählt. Vor allem Südafrika und das benachbarte Namibia haben eine für afrikanische Verhältnisse sehr freie Presse (Rang 27 und 28 und damit besser als viele europäische Länder). Aber es gibt nur ein weiteres „gelbes“ Land: Gabun (Rang 41, Verbesserung von Platz 56).
In Lateinamerika ist besonders eine Entwicklung sehr auffällig: Die großen Rivalen Argentinien und Brasilien zeigen auf eher mäßigem Niveau genau entgegengesetzte Tendenzen. Während Brasilien unter Präsident Lula da Silva erheblich Boden gutmacht und fast den, siehe oben, allerdings stark gesunkenen Level der USA erreicht, ist es in Javier Mileis Argentinien genau umgekehrt. Brasilien gewinnt etwa 20 Plätze, Argentinien verliert in ähnlichem Maße (Brasilien: 63 gegenüber 82; Argentinien 87 gegenüber 66). Wieder einmal zeigt sich, dass linke Regierungen, sofern sie demokratisch gewählt sind, der Presse gegenüber viel aufgeschlossener sind als rechte. In Deutschland verkaufen viele rechte Medien Argentinien seit der Machtübernahme des extrem-marktradikalen Javier Milei quasi als Vorbild, aus wirtschaftlichen Gründen. Angeblich. Dahinter steckt aber mehr: Rechte, autoritäre, vor allem hochgradig klassistische Vorstellungen, die man hierzulande auch gerne umgesetzt sehen würde. Die Freiheit nur für das Kapital, nicht für die Presse, nicht für die Menschen, das ist die Losung, und das ist schon lange der Kampf in Lateinamerika: Wo geht die Reise hin? Zur Revolution, zur Freiheit, oder doch angesichts unveränderter, verkrusteter Grundstrukturen, zurück in die Großgrundbesitzerwirtschaft, deren Oberschicht auch die Medien beherrscht?
Die anderen Länder in Südamerika liegen noch schlechter, von zwei kleineren im Norden des Kontinents abgesehen – und bezüglich Mittelamerikas hat uns doch überrascht, wie bescheiden Mexiko abschneidet und dass es sogar weiter abwärts geht (Platz 124 im Jahr 2025, nach Platz 121). Möglicherweise ist das Land vor allem tödlich für Journalisten, die über die Probleme mit der Herrschaft der Drogenkartelle berichten wollen – entsprechend der allgemein hohen Mordrate. Dies aber unter Vorbehalt, wie oben bei der Vermutung bezüglich Kanada.
- Asien: ein riesiges Desaster
Milliarden von Menschen auf der Welt haben nicht die geringste Wahl. Ob sie in Russland (europäischer und asiatischer Teil), in China, in Kasachstan, der Mongolei, in China oder in Indien leben: Ihr Regierungen halten es für angezeigt, ihre Bürger:innen in Unmündigkeit zu belassen oder sie hineinzutreiben, in Russland war es ja mal besser. Wer diese Staaten bzw. ihre Gesellschaften und die demokratische Teilhabe der Menschen dort als Modelle für ein besseres Leben propagiert, steht nicht auf dem Boden der deutschen Verfassung, so viel ist sicher. Denn der Mangel an Pressefreiheit geht zentral mit einem Mangel an allen anderen Freiheiten und dem individuellen Gestaltungsreichtum zugewandten Errungenschaften einher. Die verschiedenen Mängel bedingen und verstärken einander.
Damit wir richtig verstanden werden: Wir halten es für falsch, anderen Gesellschaften unsere Vorstellungen überzustülpen, wir haben auch in Europa keinen Einfluss auf diese riesigen Halb- und Volldiktaturen und sollten uns bemühen, mit ihnen Handel zu treiben und gut auszukommen.
Aber nur, solange sie nicht, wie China, massiv nach Europa ausgreifen und versuchen, ihr Modell bei uns zu etablieren. Dem müssen wir uns entgegenstellen, wenn wir Demokrat:innen sind.
Im Folgenden greifen wir direkt auf den RSF-Report zurück:
„Die Region beherbergt einige der fortschrittlichsten Staaten in Bezug auf die Medienkontrolle. In Nordkorea (179) sind die Medien nichts weiter als Propagandainstrumente, die sich vollständig dem totalitären Regime des Landes unterordnen. In China (178) und Vietnam (173) sind die Medien entweder in Staatsbesitz oder werden von Gruppen kontrolliert, die eng mit den jeweiligen kommunistischen Parteien der Länder verbunden sind, und die einzige unabhängige Berichterstattung kommt von freiberuflichen Journalisten, die hauptsächlich im Untergrund arbeiten, unter ständiger Bedrohung und ohne finanzielle Stabilität. In der Zwischenzeit können ausländische Medien jederzeit auf die schwarze Liste gesetzt werden.
Wachsende Repression und zunehmende Unsicherheit
Das harte Vorgehen gegen die Pressefreiheit breitet sich in der gesamten Region aus und orientiert sich zunehmend an der chinesischen Methode der Informationskontrolle. Seit dem Militärputsch in Myanmar (169) wurden viele der unabhängigen Medien des Landes aufgelöst. Die wenigen, die übrig geblieben sind, sind gezwungen, im Untergrund oder aus dem Exil zu arbeiten und können den Betrieb aufgrund des Mangels an nachhaltigen Einnahmen kaum weiterführen. In ähnlicher Weise haben die Razzien gegen die Pressefreiheit in Kambodscha (161) und Hongkong (140), wo die Lage der Pressefreiheit „sehr ernst“ geworden ist, zur Schließung von Redaktionen, zur Flucht von Journalisten ins Exil – oft mit fragilen Finanzen – und zur Übernahme des größten Teils der Mediengelder durch regierungsfreundliche Medien geführt. In Afghanistan (175) mussten mindestens 12 neue Medien im Jahr 2024 aufgrund neuer Richtlinien der Taliban schließen. In den Vereinigten Staaten führte die Entscheidung von Präsident Donald Trump im März zur Aussetzung der Kurzwellen-Radioprogramme von Radio Free Asia (RFA ) in Mandarin, Tibetisch und Laos sowie zur Beurlaubung der meisten in den USA ansässigen Mitarbeiter, einschließlich gefährdeter Visainhaber, was möglicherweise ganze Regionen in Informationssperren verwandeln könnte.“ (| RSF)
Anmerkung: Es gibt in ganz Asien, inklusive der arabischen Halbsinsel und der teilweise europäischen Türkei genau zwei Länder, in denen die Situation wenigstens als zufriedenstellend gekennzeichnet wird: Armenien (Rang 34, im Hinblick auf die Pressefreiheit also EU-tauglich) und: Taiwan (Rang 24). Alles andere, auch die als demokratisch geltenden Staaten Südkorea (Rang 61) und Japan (Rang 66) werden als „schwierig“ eingestuft. In China und Indien leben fast 3 Milliarden Menschen, etwa 35 Prozent der Weltbevölkerung, ohne Informationsfreiheit, weil es keine hinreichende Versorgung mit unabhängigen journalistischen Produkten gibt. Wir halten deshalb auch wenig davon, anstatt China nun Indien als die Lösung aller deutschen ökonomischen und sonstigen Probleme anzusehen, denn auch von dort aus wird zunehmend mehr Autoritarismus in die Welt getragen, wenn auch aktuell noch wesentlich dezenter. Nicht durch Propaganda, sondern durch die geopolitische Unterstützung anderer Autokratien wie der russischen. Die gewaltige BRICS-Gruppe mit 3,5 Milliarden Einwohnern (ohne die neuen Mitglieder, die ebenfalls Autokratien sind) beinhaltet außer Brasilien derzeit keinen einzigen Staat, den man auch nur halbwegs als demokratisch und frei bezeichnen kann. Immer noch liest man ja häufig: „Indien ist die größte Demokratie der Welt“. Das ist ein glatter Euphemismus, der darauf hindeutet, dass betr. Autor:innen demokratische Standards gerne sehr niedrig justieren, auch, um die Verhältnisse bei uns zu schönen. Jedoch, siehe oben: Wir werden dies alles als Europäer nicht ändern.
- Für die Freiheit, für die freie Presse
Der Punkt 10.) beginnt wieder mit selbst verfasstem Text: Aber wir müssen unser Lebensmodell resilienter machen. Das heißt auch, die Demokratie muss wieder mehr für die Bürger:innen tun, sie muss mehr liefern. Sie darf nicht daran scheitern, dass sie von Regierungen bewusst beschädigt wird, was wir der neuen Bundesregierung durchaus zutrauen. Wir müssen aber auch in unserem Land den Lügen über angeblich nicht vorhandene Meinungsfreiheit entgegentreten. Diese Meinung darf ungestraft verbreitet werden, und das ist der beste Beweis dafür, dass diese Freiheit noch existiert. Es gibt Einbrüche, es gibt Mängel, wie in jedem System, in dem Menschen die Gestalter sind, es gibt auch Verschlechterungen. Diesen kann man aber nur entgegenwirken, wenn man grundsätzlich die Freiheit wertschätzt und nicht aus diesen Mängeln Honig für die Verbreitung autokratienfreundlicher Propaganda saugt. In Europa gibt es eben viele Probleme und, siehe Vergleich mit 2013, die Pressefreiheit steht unter Druck.
Noch ist auf diesem alten, aber vergleichsweise freiheitlichen Kontinent nichts unumkehrbar. Das zeigen Länder, die sich von früheren Abstürzen in Sachen Freiheit erholen – was aber nur möglich ist, weil die freiheitlichen Strukturen noch nicht vollkommen vernichtet werden konnten. Oder jene, die sich kontinuierlich und zäh immer ein wenig nach vorne arbeiten, auch im Sinne der EU und deren Standing als Insel der Freien. Oder aber jene, die sich auf hohem, sogar auf höchstem Niveau weiter verbessern: die ausschließlich in Europa beheimateten „grünen“ Länder. Damit sind sie auf der Welt nur eine sehr kleine Gruppe, Europa als Ganzes mit seinen „grünen“, „gelben“ und „hellroten“ Ländern repräsentiert insgesamt nicht einmal mehr 8 Prozent der Weltbevölkerung, und 35 Prozent davon allein in Asien kennen keine Pressefreiheit.
Wie wird diese eigentlich definiert?
„Pressefreiheit ist definiert als die Fähigkeit von Journalisten als Individuen und Kollektive, Nachrichten im öffentlichen Interesse auszuwählen, zu produzieren und zu verbreiten, unabhängig von politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Eingriffen und ohne Bedrohung ihrer physischen und geistigen Sicherheit.
Das ist der Leitsatz von RSF, aus dem sich die verschiedenen Kategorien und die Einstufungen der Länder ergeben.
Am Tag der Pressefreiheit wollen wir abschließend all jener Journalist:innen gedenken, die in Ausübung ihres Berufes verstorben sind, in Kriegen und bei Angriffen auf ihr Leben, die oft gezielt ermordet wurden, und all jener, die verletzt oder bedroht wurden und werden und, anders als wir, draußen in den Hexenkesseln dieser Welt unterwegs sind und dort eine Arbeit machen, die für die Demokratie unendlich wichtig ist.
Sie sind, wenn man so will, das Gesundheitssystem oder auch die Gesundheitsversicherung der FDGO, der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gemäß der deutschen Verfassung. Wenn man die Medien ihrer Wirksamkeit und ihrer Arbeitsmöglichkeiten beraubt, sei es durch plumpe Vernichtung, Bedrohung oder, kaum weniger subtil, durch ihre ökonomische Austrocknung, erkrankt die Demokratie und ist nicht überlebensfähig. Die Zivilgesellschaft kann viel für die Demokratie tun, aber sie kann nicht die Arbeit professioneller Reporter, Analytiker und Kommentatoren übernehmen. Dazu hat sie nicht die Ressourcen und die professionellen Werkzeuge.
Genau deswegen brauchen die freien Medien mehr Ressourcen.
RSF hat dazu einen Text erstell, der nicht weniger als ein New Deal zugunsten der Pressefreiheit sein soll. Von den 11 Punkten darin geben wir nur die Überschriften wieder. Damit schließen wir diesen Leitartikel ab. Den gesamten New Deal für die Presse können Sie hier nachlesen: Ein neuer Deal für den Journalismus: RSF fordert den Umbau der Nachrichtenmedienbranche | RSF
„Die Rangliste der Pressefreiheit 2025 von Reporter ohne Grenzen (RSF) hat den katastrophalen Zustand der Nachrichtenwirtschaft aufgezeigt und gezeigt, wie sie die redaktionelle Unabhängigkeit und den Medienpluralismus der Redaktionen ernsthaft bedroht. Angesichts dieser alarmierenden Situation fordert RSF die Behörden, privaten Akteure und regionalen Institutionen auf, sich zu einem New Deal für den Journalismus zu verpflichten, indem sie 11 wichtige Empfehlungen befolgen.
Die wirtschaftliche Fragilität der Medien hat sich zu einer der größten Bedrohungen für die Pressefreiheit entwickelt. Den Ergebnissen der Rangliste der Pressefreiheit 2025 zufolge sind die Rahmenbedingungen für die Ausübung des Journalismus in der Hälfte der Länder der Welt schlecht (als „schwierig“ oder „sehr ernst“ eingestuft); wenn man sich nur die wirtschaftlichen Bedingungen ansieht, sind es drei Viertel.
Konkrete Zusagen sind dringend erforderlich, um die Pressefreiheit zu wahren, das Recht auf verlässliche Informationen zu wahren und die Medien aus der zerstörerischen Wirtschaftsspirale zu führen, die ihre Unabhängigkeit und ihr Überleben gefährdet. Hier kommt ein New Deal für den Journalismus ins Spiel.
Die 11 RSF-Empfehlungen für einen New Deal für den Journalismus:
- Schutz des Medienpluralismus durch wirtschaftliche Regulierung
- Übernahme der JTI als gemeinsamer Standard
- Etablierung demokratischer Verantwortung der Werbetreibenden
- Regulierung der Gatekeeper von Online-Informationen
- Einführung einer Steuer auf Tech-Giganten, um qualitativ hochwertige Informationen zu finanzieren
- Öffentliche Entwicklungshilfe nutzen, um Nachrichtenwüsten zu bekämpfen und verlässliche Informationen aus unabhängigen Quellen zu verbreiten
- Förderung der Entwicklung hybrider und anderer innovativer Finanzierungsmodelle
- Gewährleistung von Transparenz und Unabhängigkeit bei der Vergabe von Medienbeihilfen
- Bekämpfung der Erosion der öffentlich-rechtlichen Medien
- Stärkung der Medienkompetenz und der journalistischen Ausbildung
- Ermutigung der Nationen, sich internationalen Initiativen wie der Partnerschaft für Information und Demokratie anzuschließen und diese umzusetzen.“
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