Die leicht durchschaubare Manipulation mit der Faulheit in Deutschland (Statista, viele Zusatzinfos, klarer Kommentar)

Briefing Wirtschaft Economy, Arbeitszeiten, EU-Vergleich der Wochenarbeitszeiten, Effizienz vs. Maloche, eine vom Kapital gesteuerte Politik und wie sie versucht, Menschen so zu manipulieren, dass sie sich selbst für faul halten

Kaum ist Friedrich Merz Kanzler, beschimpft er die Menschen im Land wegen ihrer angeblich mauen Arbeitseinstellung. Wir erklären, warum das Unsinn ist und warum er diesen Unsinn verbreitet. Zunächst aber Fakten, die auf den ersten Blick wirken, als ob etwas an seinen Aussagen dran wäre. Lesen Sie zunächst den Infotext von Statista, dann wissen Sie schon mehr und bemerken, dass diese Kanzler-Aussage zumindest fragwürdig ist. Sodann upgraden wir die Infos, die Sie durch die Grafik und den Begleittext erhalten und kommentieren. Die Grafik-Überschrift halten wir schon angesichts der Relativierung, die der Begleittext von Statista vornimmt, für sachlich zwar richtig, sie berücksichtigt aber nicht die Hintergründe, die bereits im Begleittext angedeutet und von uns weiter ausgearbeitet werden. Deswegen verwenden wir sie auch nicht als Titel unseres Beitrags.

Infografik: Deutschland bei Arbeitszeit im EU-Vergleich weit hinten | Statista

Begleittext

Deutschland liegt bei einem EU-Vergleich der Arbeitszeit auf dem drittletzten Platz. Unter Berücksichtigung von Urlaub und Krankheit kommen Bundesbürger im statistischen Durchschnitt auf 33,2 Wochenarbeitsstunden. Weiter hinten im Ranking liegen nur Dänemark und die Niederlande. Im Spitzenfeld sind viele Länder aus Ost- und Südeuropa zu finden. In Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Polen, Lettland und Litauen etwa liegt die Wochenarbeitszeit im Schnitt bei 38 Stunden und darüber. In die Daten des Europäischen Statistikamtes Eurostat sind hierbei die tatsächlichen Arbeitsstunden aller Beschäftigten ab 15 Jahren eingeflossen, die entweder in Teilzeit oder in Vollzeit gearbeitet haben. Bei einem Vergleich der Vollzeitbeschäftigten liegt Deutschland mit 38,8 Stunden im EU-Mittelfeld. Spitzenreiter ist Griechenland mit 41,1 Wochenstunden, Schlusslicht ist Finnland mit 37,2 Wochenstunden.

Sind die Deutschen im Vergleich zu Erwerbstätigen aus anderen europäischen Ländern also unterm Strich arbeitsunwilliger oder weniger motiviert? Diesen Schluss lassen die gezeigten Daten nicht zu. Sie basieren zwar auf dem EU Labour Force Survey (EU-LFS), einer harmonisierten Umfrage mit standardisierten Definitionen und Fragebögen für alle teilnehmenden Länder. Hierdurch soll Vergleichbarkeit gewährleistet werden. Gleichwohl kann ein hoher Anteil an Dienstleistungsjobs, Teilzeitarbeitenden oder Mini-Jobs in einem Land kann zu niedrigeren Durchschnittswerten führen – unabhängig von der individuellen Belastung einzelner Beschäftigter. Zudem sind speziell in Deutschland Pausen- und Ruhezeiten gesetzlich streng geregelt, was die Arbeitszeiten verringert.

In Teilen lassen sich die unterschiedlichen Wochenarbeitszeiten Studien zufolge auch auf unterschiedliche Einstellungen zur Arbeit zurückführen. Demnach sind in Skandinavien oder den Niederlanden kurze, effiziente Arbeitszeiten mit viel Freizeit normal und gesellschaftlich geschätzt. In Dänemark und den Niederlanden etwa wurde das Konzept der „Flexicurity“ entwickelt, das Flexibilität für Arbeitgeber mit sozialer Sicherheit für Arbeitnehmer kombiniert und flexible Arbeitszeiten ermöglicht. In Deutschland legen Berufseinsteiger ebenfalls viel Wert auf eine ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Freizeit, wie Umfragen ergeben haben. Zugleich ist hier die in Teilzeit geleistete Arbeitszeit in der letzten Zeit merklich gestiegen, während Vollzeit-Arbeitsstunden leicht zurückgegangen sind – unterm Strich ist die Summer aller Arbeitsstunden trotzdem fast gleich geblieben. Außerdem wird hierzulande das Arbeitsmodell einer 4-Tage-Woche breit diskutiert. In den Tarifrunden im vergangenen Herbst forderten gleich mehrere Gewerkschaften eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich.

Verbleiben wir noch ein wenig bei der Grafik, auch im Begleittext wird uns übrigens zu viel mit „hinteren“ Positionen im Vergleich zu „Spitzenpositionen“ gearbeitet. Eine Spitzenposition suggeriert nun einmal eine Bestmarake, aber außer längeren Arbeitszeiten haben die Länder, in denen sie existieren, keine Spitzenpositionen zu bieten, also sind längere Arbeitszeiten keine Spitzenleistung.

Was fällt Ihnen auf? Welche Länder haben eine besonders wohlhabende und gut abgesicherte Bevölkerung und laufen wirtschaftlich gut, gelten in Sachen Freiheit und Demokratie als federführend und es gibt dort keine Diskussion über den Abstieg wie hierzulande? Richtig, es sind diejenigen im Norden und Nordwesten, die auch die geringsten nominellen Arbeitszeiten haben. Die Skandinavier in der EU arbeiten entweder knapp mehr als die Deutschen oder noch weniger (Dänemark) oder, wie die Niederländer, dank ihrer weitverbreiteten Teilzeitarbeit, sogar erheblich weniger. Gleichzeitig haben die Menschen in allen diesen Ländern, speziell in den Niederlanden, höhere Renten als in Deutschland.

Schauen wir nun auf die Hoch-Arbeitszeitländer, die sich vor allem im Osten Europas befinden und, in abgeschwächter Ausprägung im Süden. Es sind alles diejenigen Volkswirtschaften, die ein klar unterdurchschnittliches BIP pro Kopf haben. Mehr Arbeit führt also zu mehr Wohlstand? Quatsch.

Auf die Art der Arbeit kommt es an, und da hat Deutschland absolut Nachholbedarf. Die soziale Absicherung lässt hierzulande immer mehr nach, das Betriebsklima ist oft mies und die Politik, besonders die Union, hetzt gerne gesellschaftliche Gruppen aufeinander. Die Stimmung im Land ist insgesamt demotivierend, und natürlich wirkt sich das auf die Effizienz der Arbeit aus, auch die erbärmlich niedrigen Renten spielen eine negative Rolle.

Und nun kommt der neue Kanzler daher und gießt weiter Öl ins Feuer der großen Unzufriedenheit. Kanzler für alle? Dieser ganz sicher nicht, denn er vertritt die Interessen der ganz harten Kapitalisten, die gerne wieder Ausbeutungszustände wie im 19. Jahrhundert hätten. Wer einen BlackRock-Mann wählt, bekommt genau das, was er bestellt hat, einen Lobbyisten des Turbokapitalismus. Niemand, der die Union gewählt hat, soll sich jetzt ungerecht behandelt fühlen und sich beschweren, nur, weil er mit seiner Arbeit das Land am Laufen hält und sich irgendwie durch den neuesten Merz-Spin nicht repräsentiert sieht.

Deutschland fällt hinter andere moderne Länder aus diesen Gründen zurück: Managementfehler kosten die Volkswirtschaft ungezählte Milliarden, zuweilen müssen die Steuerzahler noch ihren eigenen Abstieg, ihre schrumpfenden Vermögen finanzieren, indem sie fallierende Unternehmen retten, großflächig zu betrachten während der Bankenkrise 2009, dafür verdienen Kapitalisten nirgends in Europa so klotzig wie in Deutschland. Außerdem hinterziehen und vermeiden sie fast nirgends so viele Steuern wie hierzulande.

Es gibt keine strategische Wirtschaftspolitik. Hat es in der BRD nie gegeben, während andere Länder jetzt die Früchte des Gegenteils einfahren, nämlich einer klugen Begleitung der Wirtschaftsentwicklung mit sozialem Ausgleich und notfalls auch korrigierenden Eingriffen in den Egoshooter-Kapitalismus. Es sind übrigens auch die Länder mit den wenigsten Staatsschulden diejenigen mit den geringsten Arbeitszeiten in der EU. Das müsste im Grunde jedem auffallen, der Statistiken lesen kann, aber die unchristliche Union kann sich darauf verlassen, dass dank Bildungsmisere genau diese Fähigkeit kein Bildungs-Allgemeingut ist.

Nun aber klären wir, was Friedrich Merz wirklich gesagt hat:

Friedrich Merz hat in den vergangenen Wochen mehrfach gefordert, dass in Deutschland „wieder mehr und vor allem effizienter gearbeitet“ werden müsse. Er kritisierte ausdrücklich Arbeitszeitmodelle wie die Vier-Tage-Woche und warnte davor, dass mit zu viel Fokus auf Work-Life-Balance der Wohlstand des Landes nicht erhalten werden könne568. Wörtlich sagte Merz etwa:

„Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand unseres Landes nicht erhalten können.“56

Merz hat damit das Bild gezeichnet, dass die Deutschen im internationalen Vergleich zu wenig arbeiten. Er verwies darauf, dass in Deutschland im Durchschnitt weniger Wochenstunden gearbeitet werden als in vielen anderen EU-Ländern und dass man im internationalen Vergleich bei der Jahresarbeitszeit auf einem der hinteren Plätze liege345. Die implizite Botschaft: Die Deutschen seien „zu bequem“ oder „zu faul“, was in Medien und Öffentlichkeit vielfach als pauschale Kritik an der Arbeitsmoral aufgenommen wurde34.

Eine direkte Aussage von Merz, dass „die Deutschen zu faul“ seien, ist öffentlich nicht dokumentiert. Seine Wortwahl und Rhetorik („wieder mehr arbeiten“, „Effizienz steigern“, „Work-Life-Balance nicht übertreiben“) haben jedoch eine Debatte darüber ausgelöst, ob er den Deutschen pauschal Faulheit unterstellt356.

Fachleute und Medien widersprechen der These von Merz und betonen, dass weniger Arbeitszeit nicht mit Faulheit gleichzusetzen sei, sondern häufig mit höherer Produktivität pro Stunde, gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben14.

 Wir haben in dieser Form recherchiert:

In welchen EU-Ländern ist die Arbeitsproduktivität am höchsten? Vergleichen Sie bitte mit Deutschland und stellen Sie auch die Relation zur Wochenarbeitszeit dieser Länder her.

In der EU weisen Luxemburg, Irland und Dänemark die höchste Arbeitsproduktivität auf, während Deutschland im oberen Mittelfeld liegt. Hier der detaillierte Vergleich:

Arbeitsproduktivität in der EU (2024)

Land

Produktivität (EU-Durchschnitt = 100)

Globale Rangliste (BIP/Erwerbstätigen in tausend USD) 6

Luxemburg

148,1

1. Platz (146,1)

Irland

142,5

2. Platz (142,5)

Dänemark

115,0

5. Platz (78,2)

Deutschland

111,4

14. Platz (68,1)

Quellen: EU-Kommission 2, Eurostat 36.

Schlüsselbeobachtungen:

  1. Produktivität vs. Arbeitszeit:
    Länder mit hoher Produktivität wie Luxemburg und Dänemark arbeiten tendenziell kürzer (z. B. Dänemark: 33,8 Wochenstunden) bei gleichzeitig höherer Effizienz. Deutschland liegt mit 34,9 Stunden unter dem EU-Vollzeitdurchschnitt von 40,5 Stunden 4, erreicht aber dennoch eine überdurchschnittliche Produktivität.
  2. Deutschlands Position:
    Mit einer Produktivität von 111,4 (EU=100) 2 liegt Deutschland deutlich über dem EU-Schnitt, aber hinter Luxemburg (148,1), Irland (142,5) und Dänemark (115,0). Global betrachtet steht Deutschland auf Platz 14 6.
  3. Trend:
    Kürzere Arbeitszeiten korrelieren oft mit höherer Produktivität, da sie Erholung und effizientere Arbeitsprozesse begünstigen 3. Dies zeigt sich in Ländern wie Dänemark und Deutschland, die trotz vergleichsweise geringer Stundenzahlen wirtschaftlich stark sind.

Fazit: Luxemburg, Irland und Dänemark führen in der EU bei der Arbeitsproduktivität, wobei kürzere Arbeitszeiten und moderne Arbeitsmodelle eine Rolle spielen. Deutschland folgt knapp dahinter, kombiniert aber ebenfalls moderate Arbeitszeiten mit hoher Effizienz.

Kommentar Teil 2

Uns hat es gewundert, dass Deutschland weltweit tatsächlich noch auf Platz 14 liegt, angesichts des von interessierten kapitalistischen Kreisen heraufbeschworenen Faulenzer-Chaos hierzulande. Tut es aber. Trotz der objektiv und angesichts der permanenten Angriffe auf den Sozialstaat berechtigterweise miesen Stimmung, die von der neuen Regierung gezielt gefördert und von hörigen Presseorganen gerne weiterverbreitet wird. Vor allem in Mode gekommen: Angriffe auf die Generation Z mit ihrem Wunsch, Leben und Arbeit in ein angemessenes Verhältnis zu stellen und sogar Arbeit haben zu wollen, welche die Findung eines Lebenssinns unterstützt. Schon vor Friedrich Merz‘ holpriger Wahl zum Kanzler, schon vor der Bundestagswahl 2025, haben sich manche Medien darin überboten, Clickbait-Artikel gegen die Gen Z zu schreiben, um neben der Förderung von anderen kratertiefen Gräben in der Gesellschaft noch die Generationen aufeinanderzuhetzen.

Gerade, weil die Resilienz in einem Land, in dem Spaltung von der Politik gezielt gefördert wird, weil resiliente Gesellschaften sich nicht alles gefallen lassen, so gering ist, wird folgendes eintreten: Mehr Druck wird bei heutigen hocheffizienten und personell oftmals ausgereizten Arbeitsprozessen zu mehr Frust, mehr Krankheit, mehr Ausstieg, mehr gesellschaftlichen Folgekosten führen. Im Ernstfall zu früherem Ableben, zu höheren Suizidraten. Zu enormen sozialen Folgekosten.

Oh, richtig! Die werden vom Kapital ja nicht getragen, diese Folgekosten, sondern auf den Schultern der Arbeitenden verteilt. Außerdem sind Menschen, die nicht mehr maximal kapitalistisch verwertbar sind, ohnehin nur im Weg. Langfristig ist es ein Desaster für Deutschland, wenn diesem Spin nachgegeben wird, aber das Kapital ist ja flexibel. Es findet immer billige Werkbankländer mit miserablen Arbeitsbedingungen, von denen aktuell natürlich auch deutsche Verbraucher profitieren. Dadurch merken sie nicht so, wie sie ärmer werden, weil viele Produkte nicht teurer werden. Bei anderen, wie den Lebensmitteln, lässt sich hingegen nicht kaschieren, wo die Reise hingeht: Die Preise schießen den Löhnen und Gehältern der Arbeitenden davon, nur die Einkommenszuwächse des Kapitals können da noch Schritt halten. Aber natürlich arbeiten die Menschen nach Ansicht des „Kanzlers für alle“ zu wenig, vor allem diejenigen, die sich kaum noch eine Arbeitskraft erhaltende Versorgung mit dem Nötigsten leisten können.

Wenn man dies alles im Zusammenhang denkt, merkt man, wie unfassbar rücksichtslos und rückwärtsgewandt die Politik ist, die wir jetzt haben. Wir halten jetzt schon fest, dass uns das Ampel-Chaos immer noch lieber war als das, was in den nächsten Jahren kommen wird. Außerdem wurde das Ampel-Chaos vor allem von der Kapitalistenpartei FDP verursacht, das wollen wir mal nicht vergessen. Sie hat diese Regierung absichtlich gegen die Wand gefahren. Und die SPD hat jetzt nichts Besseres zu tun, als vor der Union einen Kotau nach dem anderen zu machen und die wenigen sozialen Fortschritte während der Ampelzeit falsch zu finden, die sie damals mit den Grünen zusammen hinbekommen hat. Wie unglaublich peinlich. Man weiß gar nicht mehr, wohin man schauen soll, alle Blickrichtungen führen zur Fremdscham.

Aber es kommt auch davon, dass viele Menschen in diesem Land ein rechtsvernebeltes, unsolidarisches Gepräge haben, das es ihnen unmöglich macht, zu erkennen, wie sie manipuliert und abgekocht werden von einer Klasse, die in einem Tempo reicher wird, das es ihr allezeit ermöglicht, die Politik zu kaufen. Lesen Sie mal Lobbycontrol, Abgeordnetenwatch, Finanzwende und Co., dann werden Ihnen die Augen aufgehen und Sie werden merken, wer dieses Land wirklich regiert und warum Kanzler Merz das Lied dieser wirklich Regierenden singt. Es ist für ihn und die anderen Politikdienstleister dieser Klasse persönlich von Vorteil, dieses Lied zu singen. Wir haben es nicht mehr mit Volksvertretern zu tun, sondern mit Großkapitalistenvertretern, die sich als Volksvertreter ausgeben. Das ist in hohem Maße unehrlich und verabscheuungswürdig.

Wahrscheinlich hätten Merz & Co. lieber eine Volkswirtschaft wie, sagen wir mal, in Griechenland, wo sich die Politik in den heißen Zeiten der Finanzkrise so herrlich selbst in den Hintern getreten hat, nur, um das Land als so arm wie möglich darzustellen. Ineffizient ist es tatsächlich, aber – halt: Das Medianvermögen liegt selbst dort höher als in Deutschland. Vermutlich dank fast 40 realen Arbeitsstunden pro Woche, im Durchschnitt.

Wir haben wirklich die große Bitte an alle, die von den Erzkonservativen-Kapitalistendienstleistern jeden Tag beschallt werden: Behalten Sie die Nerven, lassen Sie sich nicht manipulieren, bleiben Sie mit uns bei den Fakten. Deshalb hier noch einmal etwas anders zusammengefasste (die Wochenarbeitsstunden weichen aufgrund anderer Berechnungsgrundlagen von der Grafik leicht ab, aber ergeben grundsätzlich das gleiche Bild):

Zusammenhang zwischen Wochenarbeitszeit und Produktivität in den Top-EU-Ländern

Wesentliche Erkenntnisse:

  • In den EU-Ländern mit der höchsten Arbeitsproduktivität (z.B. Luxemburg, Irland, Belgien, Niederlande, Deutschland, Dänemark) zeigt sich ein klarer Trend: Kürzere oder durchschnittliche Wochenarbeitszeiten gehen oft mit einer höheren Produktivität pro Arbeitsstunde einher15.
  • Länder mit langen Wochenarbeitszeiten wie Griechenland oder Bulgarien erreichen dagegen meist eine deutlich geringere Produktivität pro Stunde15.

Beispiele und Daten

Land

Ø Wochenarbeitszeit (2023, alle Erwerbstätigen)

Produktivität pro Arbeitsstunde (Index)

Bemerkung

Luxemburg

ca. 36–37

sehr hoch

hohe Produktivität, mittlere Arbeitszeit15

Irland

ca. 36–37

sehr hoch

hohe Produktivität, mittlere Arbeitszeit15

Niederlande

31,3

hoch

höchste Teilzeitquote, sehr effizient56

Dänemark

ca. 34–35

hoch

kurze Arbeitszeiten, hohe Produktivität15

Deutschland

34,7

hoch

unterdurchschnittliche Arbeitszeit, hohe Produktivität56

Griechenland

41,0

niedrig

lange Arbeitszeit, geringe Produktivität15

Interpretation

  • Kürzere Arbeitszeiten = höhere Produktivität:
    Länder mit kürzeren Wochenarbeitszeiten erzielen oft eine höhere Produktivität pro Stunde. Das liegt unter anderem daran, dass kürzere Arbeitszeiten zu mehr Erholung, höherer Motivation und effizienteren Arbeitsprozessen führen können58.
  • Längere Arbeitszeiten = niedrigere Produktivität:
    In Ländern mit sehr langen Wochenarbeitszeiten ist die Produktivität pro Stunde meist geringer. Mehr Arbeitszeit bedeutet nicht automatisch mehr Output pro Stunde, sondern kann sogar zu Effizienzverlusten führen15.
  • Deutschland im Vergleich:
    Deutschland liegt bei der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit unter dem EU-Schnitt, gehört aber zu den produktivsten Ländern. Das zeigt, dass eine Reduzierung der Arbeitszeit nicht zwangsläufig die Produktivität senkt – im Gegenteil, sie kann sie sogar steigern5.

Fazit

Die Wochenarbeitszeit beeinflusst die Produktivität in den Top-EU-Ländern deutlich: Kürzere Arbeitszeiten gehen oft mit einer höheren Produktivität pro Stunde einher. Länder wie Luxemburg, Irland, die Niederlande, Dänemark und Deutschland zeigen, dass weniger Arbeitszeit zu effizienterer Arbeit und damit zu mehr wirtschaftlichem Output pro Stunde führen kann158.

Schlusskommentar

Im Grunde würde es sich anbieten, hierzu eine ganze Reihe von Artikeln zu schreiben, mit weiterer Vertiefung, die vor allem belegt, wie vorgestrig die neue Regierung aufgestellt ist, sie ist ja auch so wirtschaftslobbylastig wie keine zuvor. Warum will das Kapital keine motivierten, produktiven, ausgeruhten Arbeitenden? Weil diese viel besser als ausgemergelte Hungergestalten in der Lage sind, selbstständig  zu denken und zu handeln und den Kopf dafür frei haben, sich in größere Zusammenhänge wirtschaftlicher Natur einzuarbeiten. Das kann das Kapital in Deutschland, das so zugreifend wie in kaum einem anderen europäischen Land ist, nicht wollen. Die Armut der Menschen, die für das Kapital arbeiten, ist dessen übermäßiger Reichtum. Länder in Europa, die in fast allen Kriterien der Zivilisation besser abschneiden als Deutschland, haben hingegen Regierungen, die dies nicht zulassen, gleich, ob wie mehr rechts oder mehr links tendieren. Dort gibt es mehr Ausgleich, auch wenn das Kapital natürlich auch dort versucht, die Macht der Bevölkerung so gut wie möglich zurückzudrängen. In Deutschland hat es dabei besonders leichtes Spiel, und das wird dramatische Auswirkungen für die Bevölkerung in ganz Europa haben: Wenn, wie schon seit Längerem, besonders unter der Regierung Schröder, die größte Volkswirtschaft des Kontinents gesellschaftlich und sozial rückwärtsgeht, geraten andere Länder unter Druck.

Dann heißt es für deren Politik, die Nerven zu bewahren und darauf zu verweisen, dass das Effizienzmodell dem Ausbeutungsmodell allemal überlegen ist. Der deutsche Weg der Disruption wird scheitern und Europa als Modell fortschrittlicher und wohlhabender Gesellschaften beschädigen. Der Beginn dieser Abwärtsentwicklung liegt weit zurück, spätestens seit den 1980er Jahren wird er sichtbar und fairerweise muss man sagen, er ging damals nicht in erster Linie von Deutschland aus, aber er hatte eben Einfluss auch auf die hiesige Politikgestaltung. Alle, die damals jung waren und neoliberal erzogen wurden, wie Friedrich Merz, versuchen jetzt, die nächste Runde des Sozialabbaus zu organisieren, und das wird eine ohnehin fragmentierte Gesellschaft weiter in die Enge treiben, die auch nicht über ein tragfähiges Zukunftsnarrativ verfügt. „Wohlstand für alle“ will Merz sich auf die Fahnen schreiben. In den 1950ern war das ein kluges Mittel zum Zweck: Kapitalismusaffinität der Bevölkerung, dem Ostblock vormachen, wie Demokratie besser funktioniert als Diktatur, alles dies.

Heute gibt es solche Ideen und der Barbarei des Finanzkapitalismus bremsend entgegenwirkende nicht mehr, und deswegen poppen Politiker wie Friedrich Merz hoch und treffen auf eine Bevölkerung, die ihre eigenen Interessen miserabel verwaltet. Deswegen haben wir eine Regierung, wie wir sie haben. Und rechts davon noch eine AfD, die es noch schlimmer treiben würde, wenn sie die Macht dazu hätte. Insofern sind die Anwürfe eines Kanzlers für wenige der Spiegel des Verhaltens von vielen, was immer die Gründe für ihr selbstschädigendes Verhalten sein mögen und was man dafür als Rechtfertigung vorbringen könnte. Es darf im Grunde keine Rechtfertigung und keine Entschuldigung dafür geben, dass man sich von diesen Leuten, die wir jetzt Regierung nennen, so leicht in die Tasche stecken lässt.

TH

 

 

 

Quellen Infoblock 2 Relation Produktivität und Arbeitszeit

  1. https://www.tagesschau.de/ausland/europa/arbeitszeit-eu-vergleich-100.html
  2. https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales/Arbeitsmarkt/Wochenarbeitszeiten.html
  3. https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/faktenfuchs-arbeitszeit-im-eu-vergleich,UEp3AKe
  4. https://www.eurofound.europa.eu/system/files/2021-05/EF12501DE.pdf
  5. https://de.statista.com/infografik/15167/arbeitszeit-und-arbeitsproduktivitaet/
  6. https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales/Arbeitsmarkt/Qualitaet-der-Arbeit/_dimension-3/01_woechentliche-arbeitszeitl.html
  7. https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2025/heft/2/beitrag/arbeitszeit-und-arbeitsumfeld-indikatoren-entwicklungen-und-bewertung.html
  8. https://www.momentum-institut.at/news/wer-profitiert-vom-fortschritt-arbeitszeit-und-produktivitaet/

Quellen Relation Produktivität und Arbeitszeit

  1. https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Basistabelle/Uebersicht.html
  2. https://wko.at/statistik/eu/europa-arbeitsproduktivitaet.pdf
  3. https://www.welt.de/wirtschaft/article181236688/EU-Vergleich-Deutsche-arbeiten-weniger-und-sind-besonders-produktiv.html
  4. https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales/Arbeitsmarkt/Qualitaet-der-Arbeit/_dimension-3/01_woechentliche-arbeitszeitl.html
  5. https://www.connexion-emploi.com/de/a/deutschland-oder-frankreich-wo-wird-am-meisten-gearbeitet
  6. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Arbeitsproduktivit%C3%A4t
  7. https://www.tagesschau.de/ausland/europa/arbeitszeit-eu-vergleich-100.html
  8. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/75864/umfrage/durchschnittliche-wochenarbeitszeit-in-den-laendern-der-eu/
  9. https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales/Arbeitsmarkt/Wochenarbeitszeiten.html
  10. https://de.statista.com/infografik/34507/wochenarbeitsstunden-von-beschaeftigten-in-der-eu/
  11. https://de.euronews.com/my-europe/2024/12/30/wer-arbeitet-in-europa-am-langsten
  12. https://www.produktion.de/wirtschaft/laendervergleich-so-produktiv-sind-einzelne-arbeitsstunden-244.html
  13. https://www.destatis.de/DE/Methoden/WISTA-Wirtschaft-und-Statistik/2020/02/arbeitsproduktivitaet-022020.pdf?__blob=publicationFile
  14. https://arbeitgeberverbandlueneburg.de/wp-content/uploads/2024/04/%C3%9Cbersicht-Arbeitszeitentwicklung-Europa-2022.pdf
  15. https://www.zeitstrom.com/zeiterfassung-2025-was-aendert-sich-durch-die-eu-richtlinie/
  16. https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Publikationen/Wirtschaft/jahreswirtschaftsbericht-2025.pdf?__blob=publicationFile&v=57
  17. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1418265/umfrage/entwicklung-der-arbeitsproduktivitaet-in-luxemburg/
  18. https://www.ecb.europa.eu/press/projections/html/ecb.projections202503_ecbstaff~106050a4fa.de.html
  19. https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales/Arbeitsmarkt/EU_HoeheArbeitskosten.html
  20. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/249550/umfrage/historisches-wachstum-von-bip-bevoelkerung-und-produktivitaet-in-europaeischen-laendern/
  21. https://www.idw.de/IDW/Medien/Positionspapier/Downloads-Trendwatch/IDW-Positionspapier-Produktivitaet-2025-web.pdf
  22. https://de.tradingeconomics.com/germany/productivity
  23. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/974210/umfrage/produktivitaet-je-erwerbstaetigen-in-deutschland/
  24. https://www.bundesbank.de/resource/blob/856550/f234ade56aa09647f48131e16f90590a/mL/2021-01-produktivitaetswachstum-data.pdf
  25. https://www.cmshs-bloggt.de/rechtsthemen/koalitionsvertrag-2025/arbeitszeit-im-fokus-eine-einordung-der-plaene-im-koalitionsvertrag/

 Quellen zu Aussagen von Friedrich Merz

  1. https://www.zeit.de/arbeit/2025-05/arbeitszeit-deutschland-narrativ-faulheit-friedrich-merz-fakten
  2. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/debatte-arbeitszeit-deutschland-100.html
  3. https://taz.de/Arbeitszeit-in-Deutschland/!6085829/
  4. https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/schwaechelnde-wirtschaft-sollten-wir-mehr-arbeiten
  5. https://www.bild.de/news/inland/bundeskanzler-friedrich-merz-fordert-mehr-arbeit-was-deutsche-ihm-darauf-antworten-6824642620c02f24497ddf2c
  6. https://de.linkedin.com/posts/weber-sara_mehr-leistung-mehr-arbeit-das-ist-eine-activity-7328343769047531520-RhDk
  7. https://www.spiegel.de/kultur/friedrich-merz-wer-mehr-arbeit-sagt-meint-immer-die-anderen-meinung-a-891b3eda-ebbe-46b3-a5c4-5d409343404e
  8. https://www.blog-der-republik.de/freizeitpark-2-0-die-wiederentdeckung-der-faulheit/


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