Der Sträfling (Convict 13, USA 1920) #Filmfest 1340 #Keaton #BusterKeaton

Filmfest 1340 Cinema – Werkschau Buster Keaton (18) – Die große Rezension

Convict 13 ist eine Stummfilmkomödie aus dem Jahr 1920 mit Buster Keaton in der Hauptrolle. Das Drehbuch und die Regie übernahmen Keaton und Edward F. Cline.[1]

Obwohl er später veröffentlicht wurde, haben wir bereits „The High Sign“ rezensiert, da es in dieser Phase von Buster Keatons Karriere nach unserer Ansicht besonders wichtig ist, die tatsächliche Reihenfolge der Dreharbeiten als Maßstab für die Chronologie zu nehmen, nicht das Veröffentlichungsdatum eines Films. Keaton hatte „The High Sign“ zurückgestellt, weil er ihn für nicht gut genug hielt, um seine eigene Produktion für die Metro Studios zu starten. Heute gilt er als eine der besten Kurzfilmkomödien von Keaton (IMDb: 7,6/10), gefolgt von dem Meisterwerk „One Week“ („Flitterwochen im Fertighaus“), 8,1/10, und „Der Sträfling“, wie „Convict 13“ auf Deutsch heißt, mit einer Wertung von 7,1/10. Keiner der vorherigen 15 Filme, die Keaton mit Roscoe Arbuckle zusammen gedreht hatte, kommt auf mehr als 6,9/10. Zwischen „The High Sign“ und „One Week“ auf der einen und „Convict 13“ auf der anderen Seite liegt ein weiteres bedeutendes Werk: Keatons erste Mitwirkung in einem Langspielfilm namens „The Saphead“, bei dem er noch nicht selbst Regie führte, aber für den er das Drehbuchverfasst. „One Week“ hatte hatten wir bereits vor längerer Zeit im Rahmen einer kleinen Arte-Retrospektive für Buster Keaton rezensiert, „The Saphead“ werde wir als nächsten Keaton-Film sichten.

Handlung (1)

Buster spielt eines Morgens mit einer Gruppe von Freunden Golf und nach einem katastrophalen Start treibt er seinen Ball in einen Fluss, holt ihn aber wieder zurück, nachdem er von einem Fisch verschluckt wurde. Währenddessen flieht ein Sträfling aus einem nahegelegenen Gefängnis und macht sich auf den Weg zum Golfplatz, während die Gefängniswärter die Verfolgung aufnehmen. Busters Ball wird von einem Hund gestohlen und während er ihn apportiert, schlägt er sich versehentlich selbst k.o., nachdem der Ball von einem Schuppen abgeprallt ist. Während er bewusstlos ist, tauscht der Häftling mit ihm die Kleidung. Die Wärter nehmen die Verfolgung auf und Buster versucht zu fliehen, indem er in ein vorbeifahrendes Auto springt, aber es gehört dem Gefängniswärter und er wird ins Gefängnis gebracht.

Anhand der Häftlingsnummer auf Busters Kleidung erkennt er, dass es sich um den Sträfling 13 handelt, der an diesem Morgen gehängt werden soll. Glücklicherweise ersetzt Busters Freundin die Schlinge des Henkers durch ein langes elastisches Seil, so dass Buster nach dem Öffnen der Falltür mehrmals hüpft und überlebt. Buster wird geschickt, um Steine mit einem Vorschlaghammer zu zertrümmern, wo er versehentlich einen Gefängniswärter k.o. schlägt und seine Uniform stiehlt, um zu entkommen. Zur gleichen Zeit revoltiert ein randalierender Gefangener im Gefängnishof und schlägt jeden der Wärter einen nach dem anderen außer Gefecht. Buster stolpert auf der Flucht in den Weg des Gefangenen und der Gefangene glaubt, dass es sich um einen weiteren Wärter handelt. Buster entkommt dem Gefangenen, indem er ein Tor verriegelt, das in einen anderen Hof führt, aber der Gefangene biegt die Gitterstäbe des Tores und verfolgt Buster bis zum Galgen, wo Buster ihn festhält, indem er ihn mit der elastischen Schlinge fesselt, die er zuvor benutzt hatte.

Buster wird für seine Tapferkeit zum stellvertretenden Aufseher „befördert“, aber der nun wütende Gefangene zettelt einen Aufstand an, schlägt Buster k.o., entführt seine Freundin und bringt sie in den Hof, wo die anderen Gefangenen die Wärter überwältigt haben. Buster erholt sich und schlägt mit einem Boxsack, den er an dem elastischen Seil befestigt, alle randalierenden Gefangenen k.o., indem er ihn um seinen Kopf schwingt, während sie über den Hof rennen. Buster jubelt, aber er schlägt sich versehentlich selbst k.o., als er sich auf einen Vorschlaghammer stützt. Die Szene schneidet dann jedoch zurück zu Buster, der vor dem Schuppen auf dem Golfplatz liegt, wo er sich zuerst k.o. geschlagen hat, und von seiner Freundin geweckt wird – die Ereignisse im Gefängnis entpuppen sich als Traum.

Rezension

Ich mochte den Film wegen seiner konzentrierten Ausleuchtung des Gefängnisses, die vor allem auf einem kohärenten Raumkonzept fußt, das auch als Metapher für die soziale Situation der Gefangenen dient. Bis auf die Golfplatzszenen, die eine weite, offene Welt spiegeln, spielt der gesamte Film auf einem engen Gefängnishof oder zweien, dort entwickelt sich das Drama des Justizirrtums mit Buster Keaton als vermeintlichem Sträfling, der unkompliziert, aber publikumswirksam in einer Ecke des Hofes am Galgen baumeln soll und des Gefangenenaufstandes, der sich daraufhin entwickelt, aber nicht wirkt, als sei er durch diesen Vorgang des letztlich erfolglosen Hängens verursacht. Die Situation ausgenutzt durch die anwesenden Gefangenen, vielleicht sind sie aufgeheizt durch einen Ablauf, welcher der Unentrinnbarkeit des Schicksals trotzt, so könnte man den Verlauf deuten. Die Qualität der Gags reicht von okay bis ausgezeichnet, und sie spiegeln unterschiedliche Traditionen und Entwicklungen, dazu mehr in der folgenden Analyse.

Buster Keatons „Convict 13“ (1920): Eine Analyse des Übergangs zur künstlerischen Eigenständigkeit

Buster Keatons 1920 entstandener Kurzfilm „Convict 13“ markiert einen wichtigen Moment in der Karriere des großen Stummfilmkomikers und bietet gleichzeitig ein faszinierendes Zeitdokument der amerikanischen Gesellschaft unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. Als dritter eigenständiger Two-Reeler nach Keatons Trennung von seinem Partner Roscoe Arbuckle (Zusammenarbeit 1917-1919) demonstriert der 22-minütige Film sowohl die kreativen Möglichkeiten als auch die noch ungefilterte Rohheit von Keatons sich entwickelndem filmischen Stil. Der Film vereint körperliche Komik mit sozialkritischen Untertönen und etabliert bereits jene charakteristische Mischung aus absurdem Humor und präziser Choreografie, die Keatons spätere Meisterwerke auszeichnen sollte.

Narrative Struktur und filmische Umsetzung,  Handlungsaufbau und dramaturgische Entwicklung

„Convict 13“ folgt einer klassischen Verwechslungskomödie, die mit scheinbar harmlosen Alltagssituationen beginnt und sich zu einer surrealen Gefängnisodyssee entwickelt1. Die Exposition zeigt Buster als Gentleman-Golfer, dessen mangelnde sportliche Fähigkeiten bereits den ersten Hinweis auf kommende Probleme liefern. Der narrative Wendepunkt – die Bewusstlosigkeit durch den eigenen Golfball und der darauffolgende Kleidertausch mit dem entflohenen Sträfling – verkörpert das typische Keaton’sche Motiv des unschuldigen Protagonisten, der durch eine Verkettung unglücklicher Umstände in eine ihm völlig fremde Welt gerät1. Diese dramaturgische Struktur ermöglicht es Keaton, die sozialen Unterschiede zwischen der privilegierten Golfclub-Gesellschaft und der brutalen Gefängniswelt zu kontrastieren.

Der Mann, der nichts dafür kann. Dieses Motiv oder diese Prämisse und Ausgangslage hat großartige Filme hervorgebracht, wenn dieser Mann sich unter den gegebenen Umständen von einem passiven Beobachter oder Mitläufer zu einem Helden mit ungewöhnlichen Fähigkeiten entwickelt, ohne dabei zum Übermenschen zu werden. Einige von Charles Chaplins Filmen folgen diesem Muster, aber auch Alfred Hitchcock hat es für seine Agentenkomödien verwendet, etwa in „Die 39 Stufen“ oder „Der unsichtbare Dritte“, wo das Stoische von Cary Grant als einem Werbefachmann, der in die Welt der Geheimdienste gerät und dort die Profis schlägt, durchaus Keatonsche Züge trägt. Freilich angereichert durch eine gute Prise Ironie, die Keatons Figuren fremd ist, aber mit ikonischen Szenen, die sowohl Gefahr als auch unwiderstehliche Komik beinhalten (die Auktionsszene, die Maisfeld-Szene).

Die filmische Umsetzung von „Convict 13“ zeigt bereits deutliche Anzeichen von Keatons sich entwickelnder visueller Sprache. Im Gegensatz zu seinen früheren Arbeiten mit Arbuckle, in denen er gelegentlich hysterisch lachend zu sehen war, präsentiert sich Keaton hier bereits mit seinem charakteristischen „Poker-Face“3. Die Kameraführung und der Schnitt unterstützen die physische Komik durch präzise Timing und die geschickte Nutzung des Bildraums. Besonders bemerkenswert ist die Sequenz an der Hinrichtungsstätte, in der die vertikale Bewegung des „gehängten“ Buster durch die elastische Schnur zu einem visuellen Gag von bemerkenswerter Originalität wird12.

Wenn man „The High Sign” schon gesehen hat, kennt man diese Transformation von Keatons Gesicht bereits, die sich in den letzten gemeinsamen Filmen mit Arbuckle angedeutet und nun vervollständigt hat, die Zuschauer, die auf „Convict 13“ trafen, kannten sie vielleicht auch schon, aus dem berühmten „One Week“, der einige Monate zuvor erschienen war.

Charakterentwicklung und Performance

Keatons Darstellung des unfreiwilligen Sträflings zeigt bereits die Meisterschaft in der Verkörperung des stoischen Helden, der trotz widrigster Umstände seine Würde und Höflichkeit bewahrt1. Seine Performance zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Bandbreite aus – von der Tolpatschigkeit des Amateur-Golfers über die resignierte Gelassenheit des zum Tode Verurteilten bis hin zur athletischen Brillanz während der Gefängnisaufstände. Diese Vielseitigkeit demonstriert Keatons Fähigkeit, physische Komik mit emotionaler Tiefe zu verbinden, ohne dabei in Sentimentalität zu verfallen.

Diese Abfolge symbolisiert auch den typischen Dreiakter des Zufallshelden: Der Unbedarfte, derjenige, der in die Situation gerät und die Nerven behält und derjenige, der sie letztlich wendet oder meistert.

Die Nebencharaktere, insbesondere Sybil Seely als Gefängnisdirektorstochter und Joe Keaton als Mitgefangener, fungieren nicht nur als komödiantische Unterstützung, sondern auch als narrative Anker, die Busters Charakter zusätzliche Dimensionen verleihen12. Die Präsenz von Keatons eigenem Vater im Film verleiht der Produktion eine persönliche Note und unterstreicht die familiäre Atmosphäre, die viele von Keatons frühen unabhängigen Produktionen charakterisierte.

Stilistische Merkmale und komödiantische Techniken, physische Komik und Stunt-Arbeit

„Convict 13“ demonstriert Keatons außergewöhnliche Fähigkeiten als physischer Komiker in mehreren Schlüsselsequenzen2. Die berühmte Hinrichtungsszene, in der Buster wiederholt durch die elastische Schnur nach oben gezogen wird, kombiniert morbiden Humor mit technischer Präzision und wurde von Kritikern als „alter Gag, aber verdammt lustig“ beschrieben1. Diese Sequenz zeigt Keatons Bereitschaft, physische Risiken einzugehen, um seine komischen Visionen zu realisieren – eine Eigenschaft, die seine gesamte Karriere prägen sollte.

Ich gehe davon aus, dass man hier doch „rückwärts“ gefilmt hat – elastische Schnur, von einem Expander entwendet hin oder her, normalerweise hätte man sich trotzdem stranguliert oder doch beinahe, jedenfalls hätte man Spuren des Seils an Keatons Hals sehen müssen. Andererseits wirkt das abwärts und aufwärts Schwingende schon sehr echt. Keaton, das werden wir noch häufiger sehen, löst mit seinen Gags Verblüffung aus, anstatt die Zuschauer zur Identifikation einzuladen oder gar zu zwingen, indem sie emotionalisiert werden. Keaton macht einfach Spaß, und dieses Gefühl hatte ich hier mehr als bei jedem anderen seiner Filme, die ich mir bisher im Rahmen der Werkschau angeschaut habe – etwa in gleichem Maße wie in „The High Sign“, der aber insgesamt noch etwas uriger und innovativer wirkt.

Die Gefängnisaufstand-Sequenz offenbart Keatons athletische Begabung und sein Verständnis für räumliche Choreografie2. Die Art, wie er sich gegen den „gigantischen Schläger“ zur Wehr setzt und dabei verschiedene improvisierte Waffen und Umgebungselemente nutzt, zeigt bereits die für seine späteren Filme charakteristische Kreativität im Umgang mit physischen Hindernissen. Diese Sequenzen werden von Kritikern als „reines, zusammenhangloses Chaos“ beschrieben, das dennoch „einen wilden und unterhaltsamen 20-Minuten-Film“ ergibt2.

Der Gefängnisaufstand folgt keiner durchgetakteten „weil-deshalb“-Handlungsanleitung, das ist richtig, aber er ist an sich ein Chaos, also darf das auch so dargestellt werden. Menschen drehen plötzlich frei, die jahrelang in einem System, in dem es vielleicht wirklich noch Eisenkugeln gab, an die man mit den Füßen gekettet wird, um nicht entweichen zu können – sic! – eingesperrt waren. Nichts war abgesprochen, es handelt sich nicht um eine Revolte, die sich aus Repression entwickelt, wie in einigen berühmten und großartig gemachten Gefängnisfilmen, sondern um eine Spontanaktion. Dass dabei ständig gefeuert wird, ohne dass die getroffenen Personen einen Schaden davontragen, ist eines der weniger gelungenen, aber den Möglichkeiten der damaligen Zeit geschuldeten Elemente des Films. In einer Komödie sollte es im Grunde gar keine Toten geben, es sei denn, es handelt sich um eine ausgesucht schwarze Komödie, wie „Arsen uns Spitzenhäubchen“ oder „The Ladykillers“. In Arbuckles und Keatons „Out West“ (1918), dem insgesamt bis dahin wohl besten Werk mit Keaton, das aber einige besonders rohe und rassistische Elemente zeigt, kam es zu zahlreichen Toten, die einfach durch eine Bodenluke entsorgt werden – das ist aber bis heute in Komödien eine Ausnahme.

Visuelle Gags und cinematographische Innovation

Der Film zeichnet sich durch eine Vielzahl visueller Gags aus, die sowohl aus der Vaudeville-Tradition stammen als auch innovative cinematographische Elemente aufweisen2. Die Verwendung von Requisiten und Kostümen als narrative Elemente – insbesondere der Kleidertausch, der die gesamte Handlung in Gang setzt – zeigt Keatons Verständnis für die spezifischen Möglichkeiten des Filmmediums gegenüber der Bühnenpräsentation. Sie stellt aber auch ein Grundelement der Filmkomödie dar, mit dem mehr oder weniger alle Stummfilmkomiker gearbeitet haben – Keaton geht damit in „Convict 13“ jedoch recht konsequent um, weil er die Verwechslung durch Verkleidung als Ansatz für eine Schicksalswendung bei dem jungen Golfer nimmt, der zum Sträfling wird (welcher natürlich die Nummer 13 trägt – wer diese Nummer hat, muss damit rechnen, demnächst am Galgen aufgeknüpft zu werden).

Besonders bemerkenswert ist die Art, wie Keaton die Gefängnisumgebung als komischen Spielplatz nutzt. Die Hinrichtungsszene wird zu einer grotesken Zirkusvorstellung inszeniert, komplett mit Zuschauertribünen und Verkäufern für Erdnüsse und Popcorn2. Diese surreale Übertreibung verwandelt eine makabere Situation in einen harmlosen Slapstick-Moment und demonstriert Keatons Fähigkeit, dunkle Themen durch Humor zu entschärfen, ohne sie zu trivialisieren. Es gibt dazu noch eine spätere Anmerkung, sonst hätte ich sie hier vorgenommen: So harmlos ist das Ganze nun wieder nicht, ich habe es eher so gelesen, wie es an späterer Stelle referiert werden wird.

Vorzüge und künstlerische Stärken, Technische Perfektion und Timing

„Convict 13“ beweist Keatons bereits in dieser frühen Phase seiner Eigenständigkeit ausgereifte Beherrschung des filmischen Handwerks2. Das präzise Timing der Gags, die sorgfältige Kamerapositionierung und die effektive Nutzung von Set-Design und Kostümen zeigen einen Filmemacher, der alle Aspekte der Produktion durchdacht hat. Die elastische Schnur der Hinrichtungsszene beispielsweise erfordert nicht nur körperliche Geschicklichkeit, sondern auch technisches Verständnis für die mechanischen Abläufe des Gags.

Die Integration verschiedener komischer Traditionen – von der derben Slapstick-Komik bis hin zu subtileren visuellen Wortspielen – demonstriert Keatons Fähigkeit, ein breites Spektrum komischer Techniken zu beherrschen und geschickt zu kombinieren. Kritiker haben bemerkt, dass der Film „eine gute Kombination aus Slapstick, Stunts und Verfolgungsjagden“ bietet, die sowohl Material aus den 1910er Jahren als auch „charakteristisches Keaton-Material“ enthält2. Horden von Polizisten – die wird man wohl nicht wieder los, wenn man sein Handwerk bei Keystone gelernt hat oder mit einem Komiker wie Roscoe Arbuckle gearbeitet hat, der sein Handwerk bei Keystone gelernt hat – außerdem sind diese Polizisten, auch wenn sie bei Keystone die Hauptfiguren sind, Sinnbilder für eine Staatsmacht, die eine Mischung aus gefährlich und dumm darstellt – oder Ersteres resultiert aus Letzterem, wie in „Convict 13“. Letztlich, siehe Handlungsbeschreibung, löst sich das Gefängnisszenario gut auf, inklusive seiner surrealistischen Elemente, weil es einen Traum darstellt, aber dass die Mechanik des Hinrichtungsvorgangs ohne Zögern einsetzt wie geplant, obwohl doch jeder sehen müsste, dass der entflohene Sträfling anders aussieht als Keatons Figur.

Charakteristische thematische Elemente

Bereits in diesem frühen Werk zeigen sich die für Keatons Filmographie charakteristischen Themen der sozialen Mobilität und der Identitätskonfusion. Der unfreiwillige Rollentausch zwischen dem privilegierten Golfspieler und dem Sträfling kommentiert die Fragilität sozialer Positionen und die Willkürlichkeit gesellschaftlicher Zuordnungen. Diese thematische Tiefe hebt „Convict 13“ über reine Slapstick-Unterhaltung hinaus und verleiht dem Film eine zeitlose Relevanz.

Die Darstellung der Autorität – verkörpert durch Gefängniswärter und das Justizsystem – zeigt bereits Keatons skeptische Haltung gegenüber institutioneller Macht. Die Art, wie diese Autoritätsfiguren durch körperliche Komik untergraben werden, ohne dabei völlig delegitimiert zu werden, deutet auf Keatons nuancierte Gesellschaftskritik hin, die sich in seinen späteren Werken weiter entwickeln sollte.

Diese subversive Haltung teilen alle großen Komiker der Stummfilmzeit und der frühen Tonfilmära – mehr oder weniger, besonders ausgeprägt ist sie bei solchen mit englischer Abstammung, interessanterweise, die in einen repressiven Alltag hinein geboren worden waren und ihn ihm aufwuchsen und den Staat früh als Repressionsinstrument kennenlernten, wie Charles Chaplin und Alfred Hitchcock. Aber sie gehört eben auch dazu, wenn man, wie Keaton, in einem kleinen Fleckchen bewohnter Erde in Kansas geboren wurde, denn das Publikum war mit dem Underdog, der die Staatsmacht ad absurdum führte. Mit dem New Deal der 1930er und dem Konzept Wohlstand für alle, das darauf folgte, war dieser scharfe Gegensatz erst einmal beseitigt und kehrte erst mit New Hollywood zurück, das den kritischen, meist aber nicht als Komödie angelegten kritischen Polizeifilm hervorbrachte.

Schwächen und kritische Einschätzungen, Strukturelle und narrative Defizite

Trotz seiner Vorzüge zeigt „Convict 13“ auch die charakteristischen Schwächen eines Übergangswerks2. Mehrere zeitgenössische und moderne Kritiker haben die „naive und alberne“ Qualität des Films bemängelt und ihn als „unausgereift, aber unterhaltsam“ beschrieben2. Die episodische Struktur, insbesondere in der zweiten Hälfte des Films während des Gefängnisaufstands, leidet unter einem Mangel an narrativer Kohärenz. Die Handlung entwickelt sich mehr durch eine Aneinanderreihung von Gags als durch eine durchdachte dramaturgische Logik und ist insofern noch dem Muster der improvisierten, überschäumenden Komödien verhaftet, das Keaton und Arbuckle in ihren gemeinsamen Filmen zeigten.

Die Charakterzeichnung bleibt größtenteils oberflächlich, was teilweise dem Format des Two-Reelers geschuldet ist, aber auch Keatons noch nicht vollständig entwickelte Fähigkeit zur psychologischen Charakterisierung widerspiegelt. Die weibliche Hauptfigur (Sybil Seely) fungiert primär als Handlungsauslöser und romantisches Interesse, ohne eigenständige charakterliche Dimensionen zu entwickeln1. Dass der Two-Reeler der Kohärenz einer an sich dafür zu groß angelegten Handlung Grenzen setzt, ist zum Beispiel von Keaton geradezu selbstreferenziell kommentiert worden, in „Moonshine“, wo die witzigen Zwischentitel diesen Mangel beschreiben. In jenem Fall war keine Zeit zur Entwicklung einer Romanze, eine Frau, die gerade noch Gewalt erlebte und ausübte, fällt dem Gewalttäter umgehend um den Hals, ohne dass man eine logische Wandlung der Gefühle hätte inszenieren können.

Technische und stilistische Unausgereiftheit

Verglichen mit Keatons späteren Meisterwerken wirken einige Aspekte von „Convict 13“ handwerklich unausgewogen. Die Kameraarbeit, obwohl kompetent, erreicht noch nicht die kinematographische Meisterschaft seiner späteren Filme. Einige Gags wirken mechanisch und vorhersagbar, besonders jene, die zu stark auf etablierte Vaudeville-Routinen zurückgreifen2.

Die Mischung verschiedener komischer Stile – von derber körperlicher Komik bis hin zu subtileren visuellen Gags – ist noch nicht vollständig harmonisiert. Diese stilistische Uneinheitlichkeit spiegelt Keatons Experimentierphase wider, in der er seinen charakteristischen Stil erst entwickelte. Kritiker haben bemerkt, dass der Film hauptsächlich für bereits bestehende Keaton-Fans von Interesse sein könnte, was auf eine gewisse Zugänglichkeitsproblematik hindeutet2.

Ob ich mich als Keaton-Fan bezeichne, ist eine interessante Frage an mich selbst, aber mir wird die Zugänglichkeit natürlich durch das Interesse an historischen Filmen generell erleichtert – und dadurch, dass die Werkschau Buster Keaton so komplett wie möglich sein sollte. Inwieweit das bei seinen Tonfilmen durchführbar ist, werden wir sehen, denn sie sind möglicherweise noch nicht alle gemeinfrei, aber bei seinen Stummfilmen sollte die Werkschau so komplett wie möglich werden.

Soziale und politische Implikationen, Gefängnissystem und Gesellschaftskritik

„Convict 13“ entstand in einer Zeit bedeutsamer sozialer Veränderungen in den USA nach dem Ersten Weltkrieg und spiegelt verschiedene gesellschaftliche Spannungen wider. Die Darstellung des Gefängnissystems als chaotische, aber letztendlich harmlose Institution kann als Kommentar auf die amerikanische Strafjustiz der 1920er Jahre gelesen werden. Die absurde Hinrichtungsszene mit Zuschauertribünen und Snack-Verkäufern persifliert nicht nur die Sensationsgier der Öffentlichkeit, sondern auch die institutionalisierte Gewalt des Justizsystems12.

Hier würde ich tendenziell korrigieren wollen: Ursprünglich ist das System von beeindruckender Gleichgültigkeit dem Einzelnen gegenüber. Ob tatsächlich die richtige Person hingerichtet wird, ist egal, Hauptsache, auf dem Ärmel des Kandidaten steht „13“, also die Nummer, die das böse und tödliche Los gezogen hat. Es gibt auch keine Dramatik, keine Moral, man weiß nicht, warum der Sträfling gehängt werden soll, ein Pfarrer ist nicht anwesend, alles wirkt von unempathischer Mechanik gekennzeichnet, unterstützt durch Keatons nahezu unbewegtes Gesicht. Das Chaos erst bietet Chancen, und die Harmlosigkeit ist reiner Zufall und zeigt sich als Ausnahme.

Die Art, wie Buster trotz seiner Unschuld in das System hineingezogen wird, reflektiert zeitgenössische Ängste vor der Willkür staatlicher Macht. Der Film erschien zu einer Zeit, in der die Palmer Raids und andere Maßnahmen während der „Red Scare“ das Vertrauen in die Fairness amerikanischer Institutionen erschüttert hatten. Keatons Darstellung eines Justizsystems, das einen unschuldigen Mann beinahe hinrichtet, kann als subtile Kritik an dieser gesellschaftlichen Paranoia interpretiert werden.

Dieses bedrohliche politisch-gesellschaftliche Szenario, das schon die düstere Seite der „goldenen“ 1920er spiegelt, sollte sich durch die Kommunistenhetze nach dem Zweiten Weltkrieg wiederholen, die das Kino selbst angegriffen hat und in Filmen auf eindrucksvolle Weise direkt oder auf allegorische Weise, um der Zensur zu entgehen, eine Rolle gespielt hat. So ausgeprägt war der Eingriff in die bis dahin heilere Welt durch die „Red Scare“ nach dem Ersten Weltkrieg wohl nicht und wohl auch kürzer, während die HUAC-Hetzjagden etwa ein Jahrzehnt lang das politische Klima in den USA bestimmten, mit abnehmender Tendenz während der 1950er und angesichts der wachsenden Selbstgewissheit, das überlegene System zu haben, das soziale Kritik von der Komödie in Bürgerrechtsbewegungen und in den 1960ern auf Korrekturen auf der normativen Ebene verlegte. Dass dieser Wandel in weiten Teilen der US-Gesellschaft nie wirklich angekommen war, zeigt sich heute. Deswegen sind diese alten Komödien auch überzeitlich und wichtig für das Verständnis tieferer Strukturen – speziell in den USA, aber natürlich auch über sie hinaus. Man kann nicht sagen, das, was wir in diesen historischen Werken sehen, war einmal und kommt glücklicherweise nie wieder. In dem Zusammenhang steht auch die folgende Beobachtung.

Klassenkonflikte und soziale Mobilität

Der Kontrast zwischen Busters ursprünglicher Position als Gentleman-Golfer und seiner Situation als Sträfling thematisiert die Fragilität sozialer Positionen in der amerikanischen Gesellschaft der 1920er Jahre1. Die Leichtigkeit, mit der er zwischen den Welten wechselt – sowohl durch Zufall als auch durch bewusste Verkleidung – kommentiert die oft oberflächlichen Markierungen von Klassenzugehörigkeit.

Die Rolle von Sybil Seely als Gefängnisdirektorstochter, die zwischen der privilegierten Gesellschaft und der Gefängniswelt vermittelt, spiegelt die komplexen sozialen Hierarchien der Zeit wider. Ihre romantische Verbindung zu Buster überbrückt nicht nur Klassengrenzen, sondern auch die Kluft zwischen Recht und Unrecht, was als progressiver Kommentar zur sozialen Mobilität gelesen werden kann1.

Geschlechterrollen und familiäre Strukturen

Die Präsenz von Joe Keaton als Mitgefangener verleiht dem Film eine zusätzliche Ebene familiärer Dynamik, die über die reine Komik hinausgeht1. Diese Besetzungsentscheidung kann als Reflexion auf die Kontinuität familiärer Bindungen auch unter extremen Umständen interpretiert werden – ein Thema, das in der Nachkriegszeit, als viele Familien durch den Weltkrieg zerrissen worden waren, besondere Resonanz hatte.

Sybil Seelys Charakter, obwohl narrativ funktional, repräsentiert dennoch einen Typus der „neuen Frau“ der 1920er Jahre – selbstständig genug, um ihren Geliebten zu retten, aber noch innerhalb traditioneller romantischer Strukturen operierend. Ihre aktive Rolle bei der Rettung Busters durch das Austauschen der Schlinge zeigt weibliche Handlungsfähigkeit, bleibt aber im Rahmen akzeptierter Geschlechterrollen1. In „One Week“ hatte sie bereits brilliert, weil sie Keatons rasante Komik mitgehen konnte und stellt auch optisch mit ihrer sportlichen Wollmütze, die ein wenig an eine Baskenmütze erinnert und ihrer ausgeprägt lebendigen Mimik und Persönlichkeit einen moderneren Typ dar als viele Frauen im damaligen Film – und nicht nur in der Stummfilmära. Trotzdem verweise ich an der Stelle auf weibliche Stars, die das frühe Hollywood mitgeprägt haben und unabhängiger waren, als es Frauen später, im ausgeformten Studiosystem, für lange Zeit möglich sein sollte. Mary Pickford ist sicherlich das bekannteste Beispiel einer Unabhängigen, die mit Douglas Fairbanks Sr., Charles Chaplin und D. W. Griffith sogar die erste Schauspieler-Produktionsfirma gründete, was es bei Männern erst wieder in den 1950ern geben sollte, nachdem alle großen Komiker von den Studios geschluckt worden waren, wie eben auch Keaton, und mit Ausnahme von Charles Chaplin, bei den Frauen gab es mit Ida Lupino eine einzige unabhängige Produzentin-Schauspielerin schon an der Wende zu den 1950ern. Einer der ersten Komödienstars überhaupt war Mabel Normand, die im Rahmen der Keystone-Studios relativ eigenständig operierte und sogar selbst Regie führte, über sie haben wir im Zusammenhang mit der Chaplin-Werkschau bereits geschrieben.

Stellung in Keatons Werk und historischer Kontext

Übergang zur künstlerischen Eigenständigkeit

„Convict 13“ beschreibt eine wichtige Stufe von Buster Keatons künstlerischer Entwicklung, da er zu den ersten Filmen gehört, die er nach der Trennung von Roscoe Arbuckle als eigenständiger Autorenfilmer realisierte3. Bis 1920 hatte Keaton 15 Two-Reeler als Partner von Arbuckle gedreht und war dabei „mit jeder Facette des Filmemachens vertraut gemacht“ worden3. Ende 1919, als Arbuckle das Angebot annahm, mit Famous Players-Lasky Spielfilme zu drehen, bot Produzent Joseph Schenck Keaton an, „Arbuckles Stelle einzunehmen und eigene Filme in kreativer Freiheit zu drehen“3.

Diese Übergangsphase erklärt sowohl die Stärken als auch die Schwächen von „Convict 13“. Der Film zeigt bereits Keatons charakteristische Herangehensweise an die physische Komik und sein intuitives Verständnis für visuelle Gags, während er gleichzeitig noch Spuren der kollaborativen Arbeitsweise mit Arbuckle trägt. Die Ko-Regie mit Eddie Cline deutet darauf hin, dass Keaton noch nicht vollständig bereit war, die gesamte kreative Kontrolle zu übernehmen, was sich in den kommenden Jahren ändern sollte.

Entwicklung des charakteristischen Stils

Der Film dokumentiert Keatons Transformation von einem Ensemble-Spieler zu einem Autorenfilmer. Während seiner Zeit mit Arbuckle hatte er „nicht nur den Großteil der Gags und der Handlung“ entworfen, sondern „bald neben Arbuckle Regie“ geführt3. „Convict 13“ zeigt diese Erfahrung in der strukturierten Herangehensweise an die Gag-Konstruktion und der bereits ausgereiften Beherrschung des filmischen Handwerks.

Besonders bedeutsam ist die Tatsache, dass Keaton in diesem Film bereits vollständig sein „Poker-Face“ entwickelt hatte, obwohl er in früheren Arbuckle-Filmen „teilweise hysterisch lachend zu sehen“ war3. Diese stilistische Konsistenz würde zu seinem Markenzeichen werden und unterscheidet ihn von anderen Komikern seiner Zeit. „Convict 13“ kann daher als eines der ersten Werke betrachtet werden, in dem Keatons vollständig entwickelte Bildschirmpersönlichkeit zum Ausdruck kommt. Und sie passt natürlich besonders gut als Kontrast zu einer Situation wie dem baldigen Ableben durch Staatsgewalt. Wo sollte ein unbewegtes Gesicht besser zur Wirkung kommen wie in einem Moment, in dem andere zusammenbrechen und um Gnade bitten, die ihnen nicht gewährt werden wird. Was wiederum erklärt, warum die Ruhe hier so beeindruckt. Das Gleiche gilt für horrende physische Herausforderungen wie Stürme, technische Großpannen mit lebensgefährlichem Einschlag und dergleichen, was Keaton in seinen Filmen mit zunehmender Genialität zeigt.

Produktionskontext und Studiopolitik

Die Produktion von „Convict 13“ fand in einem spezifischen historischen Moment statt, als Hollywood sich als Zentrum der amerikanischen Filmindustrie etablierte3. Seit Anfang 1918 war Arbuckles Comique Studio im „noch jungen Hollywood beheimatet, das besseres Klima und damit mehr Außendrehtage bot als New York“3,wo es zuvor angesiedelt war. Diese geografische Verlagerung ermöglichte eine andere Art der Filmproduktion, die sich in der erhöhten Bedeutung von Außenaufnahmen und Location-Shooting in „Convict 13“ widerspiegelt. Die ersten 1918er Produktionen von Arbuckle und Keaton zeigen das signifikant und die neuen Möglichkeiten werden in hohem Maße begrüßt und genossen. „Out West“ etwa bindet die Landschaft schon auf eine Weise ein, die noch nicht heorisierend, aber ungeheuer luftig und abenteuerlich wirkt.

Die Tatsache, dass „das neue Filmstudio Metro (später aufgegangen in Metro-Goldwyn-Mayer) den Vertrieb sämtlicher Keaton-Filme übernehmen“ sollte, positioniert „Convict 13“ als Teil einer größeren industriellen Transformation3. Diese Verbindung zu Metro würde sich später als problematisch erweisen, als Keaton 1928 den „größten Fehler seines Lebens“ begehen und einen Vertrag mit MGM unterzeichnen würde3. Rückblickend erscheint „Convict 13“ als ein Produkt einer kurzen goldenen Periode kreativer Freiheit zwischen Keatons Lehrjahren bei Arbuckle und seiner späteren Unterwerfung unter das Studiosystem. Freilich dauerte diese Periode länger als die Lehrjahre (1917-1919).

Einfluss auf die Komödienentwicklung,  Innovation in der physischen Komik

„Convict 13“ trug zur Evolution der physischen Komik im Film bei, insbesondere durch die Integration von Elementen, die später in den Cartoons des Studios Warner Brothers wiederzufinden sind2. Kritiker haben bemerkt, dass „die Schöpfer der Warner Brothers Cartoons große Buster Keaton Fans gewesen sein müssen“, was auf den nachhaltigen Einfluss von Keatons visueller Komik hindeutet2. Die übertriebenen körperlichen Reaktionen Busters, insbesondere seine „cartoonhafte übertriebene Herzschlag“-Reaktion, etablierten visuelle Konventionen, die das Medium über Jahrzehnte hinweg prägten2. Die Warner Cartoons sind hierzulande vor allem durch die Figuren Bugs Bunny und seinen Freunden und Wiedersachern und Tweety und Sylvester geprägt, ich würde aber, wenn man das für das Warner Looney-Tunes-Imperium gelten lässt, auch MGMs Serie Tom und Jerry als von Keatons Komik beeinfluss ansehen, was naheliegt, weil dies sein Studio ab 1928 war.

Die Präzision und das Timing von Keatons Stunts in „Convict 13“ setzten neue Standards für die physische Komik im Film. Die Art, wie er akrobatische Fertigkeiten mit narrativen Elementen verband, beeinflusste eine ganze Generation von Komikern und Stuntperformern. Jackie Chan wurde explizit als jemand erwähnt, der von Keatons Bewegungen in diesem Film inspiriert gewesen wäre2.

Einfluss auf zeitgenössische Werke

Es gibt Hinweise darauf, dass „Convict 13“ möglicherweise Charlie Chaplins „Pay Day“ (1922) beeinflusst haben könnte2. Diese potentielle Beeinflussung demonstriert Keatons Rolle als Innovator innerhalb der Gemeinschaft der Stummfilmkomiker und seine Fähigkeit, neue komische Konzepte zu entwickeln, die von seinen Zeitgenossen aufgegriffen und weiterentwickelt wurden.

Die strukturellen Innovationen des Films – insbesondere die Art, wie er verschiedene komische Traditionen integrierte und „Material aus den 1910er Jahren“ mit „charakteristischem Keaton-Material“ verband – etablierten ein Modell für die Hybridisierung komischer Stile, das in der Folgezeit weit verbreitet wurde2.

Finale

„Convict 13“ steht als faszinierendes Dokument eines künstlerischen Übergangs, das sowohl die Ursprünge von Buster Keatons charakteristischem Stil als auch die gesellschaftlichen Spannungen der frühen 1920er Jahre widerspiegelt. Als einer der ersten eigenständigen Filme nach seiner Trennung von Roscoe Arbuckle demonstriert das Werk Keatons bereits ausgeprägtes handwerkliches Können und sein intuitives Verständnis für die spezifischen Möglichkeiten des Filmmediums, während es gleichzeitig die experimentelle Qualität einer noch nicht vollständig entwickelten künstlerischen Vision zeigt.

Die bleibende Bedeutung des Films liegt nicht nur in seiner Funktion als Übergangswerk in Keatons Filmographie, sondern auch in seiner Fähigkeit, ernste gesellschaftliche Themen durch Humor zu artikulieren, ohne dabei ihre Substanz zu verlieren. Die Kritik am Justizsystem, die Auseinandersetzung mit Klassenkonflikten und die Reflexion sozialer Mobilität verleihen dem scheinbar harmlosen Slapstick-Film eine zeitlose Relevanz, die über seine historische Entstehungszeit hinausweist. „Convict 13“ etablierte viele der visuellen und thematischen Elemente, die Keatons spätere Meisterwerke prägen sollten, und markiert damit einen entscheidenden Moment in der Entwicklung einer der bedeutendsten künstlerischen Stimmen der Stummfilmära.

Mir hat die Dichte und letztlich große Konsequenz der Auslotung des gegebenen Szenarios gut gefallen, über die Schwächen des Films sehe ich bei einem Werk aus dem Jahr 1920 einigermaßen großzügig hinweg, auch wenn man argumentieren kann, dass Chaplins Filme damals schon ein Stück weiter waren und 1921 mit „The Kid“ eine Stufe an komischer Dramatik erreichten, die Keaton während seiner gesamten Karriere nicht erklimmen würde – und es vielleicht auch nicht wollte, weil er wusste, dass er der Typ war, der die Menschen zum Staunen, aber nicht zum Lachen und Weinen innerhalb weniger Minuten bringen konnte.

70/100

2025 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie: Edward F. Cline
Buster Keaton
Drehbuch Edward F. Cline
Buster Keaton
Produzent Joseph M. Schenck
Besetzung Buster Keaton
Sybil Seely,
Joe Roberts,
Edward F. Cline
Joe Keaton
, Louise Keaton

Quellen

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  78. https://www.moviepilot.de/movies/buster-keaton-als-strafling
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  86. https://www.zeitschriftfuermenschenrechte.de/media/12/6a/f4/1732277418/9783756600939.pdf

[1] Sträfling 13 – Wikipedia


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