Achtung, fertig, Charlie 2 / Achtung, fertig, WK! (CH 2013) #Filmfest 1399

Filmfest 1399 Cinema

(Wiederholungskurs, Reserveübung) ist eine Schweizer Filmkomödie des Regisseurs Oliver Rihs aus dem Jahr 2013. Der Film über die Rekrutenschule ist der Nachfolgefilm des ersten Teils Achtung, fertig, Charlie! Der französische Titel lautet À vos marques, prêts, cours de répétition.

Im Jahr 2017 oder Ende 2016 lief auf 3Sat eine Reihe mit Filmen aus der Schweiz, die uns zu einigen Alpenklassikern, aber auch beinahe an die damalige Gegenwart des Schweizerkinos geführt haben, mehrere Rezensionen zu dieser Reihe haben wirim Rahmender zweiten Chologie deutsprachiger Filme bereits auf dem Filmfest gezeigt. Ansonstn hätten wir uns vermutlich nicht gerade eine Militärklamotte rausgesucht. Schade, dass sie nicht den ersten Film „Achtung, fertig, Charlie!“ gezeigt haben, der im Jahr 2003 ein großer Renner war und auch bei uns in die Kinos kam. Daher lässt sich nicht gut beurteilen, wie der zweit Teil qualitativ zum ersten steht. Einen Anhalt gibt vorallem die IMDb-Bewertung, und die fällt für beide Filme recht mager aus (5,1/10 fürs „Original“ und 5,2/10 für die „Fortsetzung“). Die Handlungsbeschreibung des Films klingt nach etwas sehr Speziellem, was aber vor allem an den vom deutschen Gebrauch abweichenden Begriffen liegt.

Handlung (1)

Als Alex Stüssi bei der Aushebung dem Arzt vorgestellt wird, erzählt er ihm etwas von diffusen Schmerzen und dass er nicht nur an einer Geschlechtskrankheit leide. Der Mediziner bleibt zunächst skeptisch, als ihm Alex jedoch seine angeblich homosexuelle Ausrichtung offenbart, erklärt der Aushebungsarzt ihn für dienstuntauglich. Vor dem Gebäude wird Alex, der heterosexuell ist, bereits von seiner Freundin Anna Reiker erwartet. Der junge Mann hat den Arzt getäuscht, da er keine Lust hat, zum Militärdienst eingezogen zu werden, viel lieber beschäftigt er sich mit seiner Ausbildung zum Yogalehrer.

Fünf Jahre sind seit der Dienstbefreiung vergangen, als Alex und Anna ihr erstes gemeinsames Kind erwarten. Da sie sehr beengt wohnen, sehen sie sich nach neuem Wohnraum um. Da ihr Budget gering ist, ist das Unterfangen schwierig. Annas Vater, Kommandant in der Schweizer Armee, besitzt ein schönes kleines Haus, das für das junge Paar passend wäre. Er ist auch bereit, seiner Tochter und ihrem Freund das Haus günstig zur Miete zu überlassen, stellt aber eine für Alex folgenschwere Bedingung. Alex muss sich bereit erklären, am nächsten militärischen Wiederholungskurs (kurz WK) teilzunehmen, und zwar unter Reiker. Da Einsparungen und Budgetkürzungen im Militärbereich anstehen und Brigadier Breitinger es besonders auf Reikers Einheit abgesehen hat, muss Alex mitziehen und versuchen, die Kompanie auf Vordermann zu bringen, um so eine Auflösung abzuwenden. Bei einer vorzeitigen Entlassung bräuchte Reiker sein Häuschen selbst als Altersruhesitz.

Wenige Tage bevor der Geburtstermin seines Kindes ansteht, zieht Alex nach Thusis in den WK. Da er mit den Regeln des Militärs nicht vertraut ist, gerät er anfangs oft in Situationen, die ihn dumm aussehen lassen. Anders als seine Kameraden, die sich vom WK sogenannte „Männerferien“ mit allem was dazugehört versprechen, legt Alex jedoch eine Diensthaltung an den Tag, die überrascht. Allerdings führt er auch einige Neuerungen ein, die mehr als gewöhnungsbedürftig sind, indem er die Truppe mit Yogaübungen und Gymnastikbällen konfrontiert und in Form zu bringen versucht. Nicht eingeplant ist allerdings, dass Alex sich in die nicht abgeneigte toughe Truppenköchin Jessica verguckt. Kochen ist zwar nicht das, was sie beherrscht, mit dem Gewehr jedoch kann die junge Frau ausgezeichnet umgehen. Die Neigung zu Jessica erweist sich als gefährlicher Stolperstein und reisst einen tiefen Graben in Alex’ Beziehung zu Anna. Letztendlich aber fügt sich alles zum Guten.

Rezension

In Duetschland haben wir aus Gründen keine Tradition im Genre der Militärkomödie, auch wenn die bekannten 08/15-Filme aus den 1950ern durchaus komödiantische Aspekte hatten. Dies war noch eine besondere Situation, etwa zu der Zeit, als die Wiederbewaffnung kam, die auch ein Auslöser für das Revival von Kriegsfilmenbis in die frühen 1960er hinein war, von denen die meisten aber einen ernsten Ton hatten. Ich glaube nicht, dass die Schweizer Armee jemals im Ausland in einem Kriegseinsatz tätig war, dafür ist sie aber vermutlich so wie die Eidgenossenschaft selbst. Und sie kann sich Mercedes G-Modelle leisten bzw. die österreichische Steyr-Variante. Davon kann die Bundeswehr nur träumen. Auch sonst ist die Schweizer Armee verblüffend präsent im Land.

Anmerkung anlässlich der Veröffentlichung: Die Information mit der Mercdes G-Klasse ist falsch, sie wird von der Bundeswehr eingesetzt und ist als „Wolf“ bekannt, der Nachfolger BR 464, ein weiterentwickeltes G-Modell für Behörden und Militär,soll diese Modelle auf Sicht ersetzen.

Angeblich hat sie fast 140.000 aktive Soldaten, auf die Bevölkerung gerechnet ist das eine fünfmal höhere Stärke als bei der Bundeswehr und – die Armee verschlingt sagenhafte 7,4 Prozent des BIP, während in Deutschland darum gerungen wird, ob das NATO-Ziel von 2 Prozent doch irgendwann erreicht werden soll oder nicht

Anmerkung anlässlich der Veröffentlichung des Textes: Basis Stand 2017, als der Entwurf der Rezension entstand, wir sind inzwischen etwas weiter. Interessanterweise wird die Schweiz nie genannt, wenn es um Länder mit besonders hohem Rüstungsanteil am BIP geht, präsent sind deshalb vor allem Saudi-Arabien, Israel, die USA und Russland.

Nur ein sehr reiches Land wie die Schweiz kann es sich leisten, dermaßen viel ins Militär zu stecken. Die uralte Tradition, die besagt, dass das wohl ausreichen würde, um einen äußeren Feind abzuwehren, haben wir schon in „Landamann Stauffacher“ von 1944 begründet gesehen: Es geht in den Schweizer Bergen bzw. deren Tälern so eng zu, dass eine gut trainierte Truppe ausreicht, um Abwehr zu leisten, auch wenn sie zahlenmäßig deutlich unterlegen ist. Nur, wer sollte in der Schweiz einmarschieren wollen, angesichts lauter befreundeter Staaten ringsum? Und gegen die Bedrohung eines Atomschlages oder gegen Terrorismus ist auch diese Armee machtlos.

Ein weiterer Grund für eine große Armee wäre, dass die Schweiz sich überproportional an Auslandseinsätzen beteiligt, was aufgrund ihrer dauerhaften Neutralität sicher auf der Hand läge, weil sie sich deshalb gut für Uno-Einsätze eignen würde. Dem ist aber nicht so, nur bei KFOR und in Bosnien stellte die Schweizer Armee sehr kleine Kontingente. Anmerkung 2025: Das haben wir etwas mehr ausdifferenziert (2).

Die Reform hingegen, die im Film eine Rolle spielt, gab es wirklich oder sie ist noch im Gang und soll 2018 abgeschlossen sein, sie nennt sich Armee XXI. Sogar die Fahrräder, die wir im Film sehen, gibt es dort tatsächlich.

Soweit also zur Einarbeitung in ein hierzulande wohl nicht so geläufiges Sujet. Der Film selbst ist durch die obige Handlungsbeschreibung recht schnell erzählt. Er hat ein paar nette Szenen und einen Moment, in dem wir dachten, das wirkt stimmig, dass in dieser Situation der Sex ins Spiel kommt – kam er dann aber nicht. Von wegen, der Teil 2 wird Grenzen sprengen, wie es die Drehbuchautorin vorher angekündigt hätte. Es kommt nicht einmal zu einem Ehebruch oder Vorehe-Beziehungsbruch. Und trotz ihrer für die Landesgröße riesigen Armee sind die Schweizer eben doch brav und bissl behäbig. In ihren Tatorten, die wir regelmäßig schauen, merkt man das auch, dort tut es aber wohl, angesichts der Übersteigerungen, die in den deutschen und österreichischen Filmen für die Reihe manchmal zu bestaunen sind. Da kommt die Seriosität des Ermittlers auch zum Tragen, die den Schweizern anhaftet.

Was aber, wenn sie partout nicht seriös sein wollen, wie in „Achtung, fertig, Charlie 2“? Dann kommt genau ein solcher Flachsinn heraus wie sonst überall auch. Ein bisschen wärmer und gemütlicher vielleicht, aber bei einer Situationskomödie kommt es doch sehr aufs Timing an, und das gestanzte Timing für Komödien haben die Schweizer gewiss nicht erfunden, daher wirken selbst an sich nette Gags oft etwas aus der Fasson. Möglich, dass das wieder an der Synchronisation liegt, falls es eine gab. Vielleicht wurde aber aus Gründen der Auslandsvermarktung auch gleich ein Beinahe-Hochdeutsch gesprochen.

Allerdings muss man dem Film zusprechen, dass er sich im Verlauf deutlich steigert. Anfänglich, beim Militärarzt und überhaupt, geht es gar zu hölzern und klischeehaft zu, die Dialoge sind altbacken, das Schauspiel mäßig und die Handlung alles andere als originell. Ein wenig ändern sich Ton und Rhythmus aber, als die Truppe von einem Haufen Individualisten zu Kameraden wird, unter Leitung von Alex. Da merkt man, die Schweizer sind eher in ihrem Element, als wenn jemand tatsächlich das Militär oder die Wiederholungsübung schwänzen will. Offenbar durchmischt sich hier beides, denn Alex hat ja noch keine Grundausbildung gehabt. Wer selbst in der Army war, wird das eine oder andere wiedererkennen, manches war nach unserer Erinnerung genauso sinnfrei wie hier gezeigt, aber es war nicht so komfortabel. Dafür gab es aber auch noch keinen Häuserkampf, zumindest nicht in der Einheit, die wir kennen. Und es ist wirklich so, dass das zwar Quatsch ist, mit dem Frontalangriff aufs Haus, das wird ja auch gesagt, aber die Übung an sich ist ganz nett inszeniert.

Von den Figuren war es eher die Köchin, die etwas wie Pepp in die Sache gebracht hat, während man sich an Alex‘ Heldwerdung erst gewöhnen musste. Für sie spricht am Anfang einfach zu wenig, und die geringe Plausibilität einer solchen Wendung muss filmisch trotzdem funktionieren.

Finale

Politisch ist der Film harmlos, auch wenn die aktuelle Armee ein wenig kritisch beleuchtet wird. Die Institution und auch die Überproportionalität des Militärischen in der Schweiz stehen nicht zur Debatte, im Gegenteil: Am Ende wird die Auflösung des Bataillons aufgrund der Reform abgewehrt, in dem sich alles abspielt – dank Alex‘ beinahe heldenhaftem Einsatz bei der Wehrübung, die von den Angreifern erstmalig seit zehn Jahren gegen die Terroristen gewonnen wird. Asymmetrischer Kampf, vermutlich als Übung eingeführt in den frühen 2000ern, auch das könnte durchaus realistisch sein. Dass es so schwer ist, den Terroristen beizukommen, die Bundesräte als Geiseln genommen haben, ist auf den zweiten Blick aber gar nicht so witzig. Da die Schweiz relativ wenig an internationalen Verwicklungen beteiligt ist, siehe oben, dafür aber Blutgeld aus der ganzen Welt bei sich sammelt, wird wohl kaum ein gescheiter Terrorist auf die Idee kommen, ausgerechnet dieses Land politisch destabilisieren zu wollen, indem es seine Politiker kaserniert. Es sei denn aus einem Grund, der allerdings auch wieder nahe liegt: Um banz banal Geld zu erpressen.

55/100

2025 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2017)

(1), kursiv, tabellarisch: Wikipedia

(2) Zur Differenzierung siehe unterhalb der Datentabelle

Regie Oliver Rihs
Drehbuch Güzin Kar
Produktion Lukas Hobi
Reto Schärli
Anke Beining
Urs Fitze
Patrick Schaumlechner
Peter Schaumlechner
Philippe van Doornick
Musik Beat Solèr
Kamera Sten Mende

Ferner: Manuela BiedermannTamara CantieniAnastasija FominaMarc HosemannRahel HubacherEsther KreisCindy LandoltLina LatteLinda LatteSabrina MeierJessy MoravecJustin MoserJoseph SunklerHeidi Widmer 

(2) Schweizer Militäreinsätze im Ausland

Die Schweizer Armee beteiligt sich – trotz (oder wegen) Neutralität – seit vielen Jahren an militärischen Friedensförderungsmissionen im Ausland. Diese Einsätze sind freiwillig, defensiv ausgerichtet und laufen unter dem Dach der UNO, OSZE oder NATO‑Partnerschaft. Die offiziellen Informationen aus deinen Suchergebnissen geben ein klares Bild.

🌍 Wo die Schweiz im Ausland im Einsatz ist

Laut den Angaben der Schweizer Armee engagiert sich die Schweiz in über einem Dutzend Missionen in Europa, Afrika und Asien Schweizer Armee.
Rund 280–300 Schweizerinnen und Schweizer stehen täglich im freiwilligen Auslandeinsatz armee.ch Schweizer Armee.

Die wichtigsten bekannten Einsatzorte

Aus den offiziellen Quellen lassen sich folgende Regionen und Missionstypen ableiten:

  • Balkan (Kosovo / SWISSCOY)
    Die grösste und bekannteste Mission. Die Schweiz unterstützt seit 1999 die KFOR im Kosovo.
  • Naher Osten (UNO‑Beobachtermissionen)
    Beteiligung an UNTSO (United Nations Truce Supervision Organization).
  • Afrika (verschiedene UNO‑Missionen)
    Einzelne militärische Beobachter und Stabsoffiziere in UN‑Missionen.
  • Europa (OSZE‑Missionen)
    Teilnahme an Beobachter- und Unterstützungsmissionen.
  • Asien (UNO‑Missionen)
    Entsendung von Experten und Beobachtern.

Die Armee betont, dass diese Einsätze rein friedensfördernd sind und keine Kampfoperationen darstellen.

🛠 Zuständig: SWISSINT

Alle Auslandseinsätze werden durch das Kompetenzzentrum SWISSINT organisiert und durchgeführt armee.ch Schweizer Armee.

🧭 Sonderfall: Auslandstraining

Neben Friedensmissionen führt die Schweiz gelegentlich Ausbildungs- und Übungsaktivitäten im Ausland durch – z. B. die grosse Übung TRIAS 25 in Österreich imticker.ch. Das sind aber keine Auslandseinsätze, sondern Trainings.



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