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Mit der Nachricht, dass es ein neues Wehrdienstgesetz in Deutschland geben wird, haben wir eine kleine Serie gestartet. Werden junge Menschen wieder dienen müssen? Und wer ist in Deutschland dafür und wer eher nicht?, war das Thema.
Heute schauen wir auf die Stimmung in Europa, anhand einer weiteren Statista-Grafik, die sich mit der Kriegsangst als einer von 18 Sorgen-Kategorien auseinandersetzt, die das britische Ipsos-Institut in 30 Ländern ermitteln lässt. Eine sehr interessante Umfrage übrigens, über die man viele weitere Beiträge schreiben könnte. Vielleicht tun wir das in Bezug auf das eine oder andere Thema und den Ländervergleich noch. Gleichzeitig ist der vorliegende Artikel ein Update mit dem Vergleich zur gleichen Grafik vom Mai 2025und vom September 2023.
Haben die Menschen in Europa Angst vor Krieg?

Begleittext von Statista
Derzeit gibt es weltweit so viele Kriege und Konflikte wie lange nicht mehr. Das wirkt sich auch auf die Sorgen und Ängste der Menschen in Europa aus, wie die regelmäßigen What Worries the World-Umfragen von Ipsos zeigen. Demnach gaben im Juli 2025 rund 29 Prozent der Befragten in Deutschland an, dass ein ein militärischer Konflikt zwischen Staaten zu ihren größten Sorgen zählt. Das ist weniger als kurz nach dem russischen Überfall die Ukraine (35 Prozent), aber mehr als im Vergleichsmonat des Jahres 2023 2024 (20 Prozent).
Deutlich besorgter zeigen sich unsere polnischen Nachbarn – möglicherweise, weil das Land direkt an die Ukraine grenzt. Zuletzt gaben hier 36 Prozent an, dass ein ein militärischer Konflikt zwischen Staaten zu ihren größten Sorgen zählt. Das sieht bei den Ungar:innen, die ebenfalls eine gemeinsame Grenze mit der Ukraine haben anders aus, wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt. Besonders stark zugenommen hat die Kriegsangst im Vereinigten Königreich – waren hier im Juli 2024 12 Prozent der Befragten besorgt, ist dieser Wert zuletzt auf 25 Prozent gestiegen
Für What Worries the World werden monatlich mehr als 20.000 Menschen zwischen 16 und 74 Jahren in 29 Länder weltweit zu ihren größten Sorgen und den Herausforderungen ihres jeweiligen Heimatlandes befragt.
Kommentar
Über den Globus betrachtet steht die Kriegsangst unter den „Worries“ nur auf Platz elf von 18. Das bedeutet, sie dominiert in weiten Teilen nicht über andere Ängste. Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten sind für viele Menschen doch recht weit weg, nicht jeder macht sich darüber so einen Kopf, wie das in Deutschland und in einigen anderen europäischen Ländern der Fall ist. Bei uns ist die Sorge allerdings berechtigt, denn niemand hat den Bürgern erklärt, wie die Verteidigung sich aussichtsreich gestalten lässt, wenn die aktive EU-Politik in der Ukraine zu einem Krieg führen sollte. Die Menschen hoffen überwiegend, dass es nicht dazu kommen wird, das ist alles. Wie auf allen anderen Feldern ist die deutsche Politik auch hier nicht in der Lage, den Menschen Sicherheit zu geben. Dass trotzdem nur 25 Prozent (neueste Umfrage vom August, -4 gegenüber Juli) Angst vor einem Krieg haben, ist sogar eine insgesamt ziemlich entspannte Haltung.
Weltweit sind die fünf Top-Sorgenthemen: Kriminalität und Gewalt (keine Kriegsverbrechen, sondern die Lage im Inneren), Inflation, Jobs, Ungleichheit und Korrpution. In der Tat wichtige Themen, die über die Zukunft der Menschheit mitentscheiden werden. In Deutschland steht aber zum Beispiel das Thema Immigrationskontrolle mit 39 Prozent Sorgenträgern innerhalb der Bevölkerung ziemlich weit vor der Kriegsangst und noch weiter vor dem Klimawandel (21 Prozent im August 2025). Immigrationskontrolle ist in Deutschland auch das Thema Nummer eins, ebenso wie in weiteren westeuropäischen Ländern wie den Niederlanden oder Großbritannien. Das weltweite Thema eins, die Verbrechen und ihre Bekämpfung, gehört aber auch in Deutschland zu den Top 5, mit 28 Prozent Sorgenanteil im August und trotz einer Gewaltkriminalitätsrate, die im internationalen Vergleich immer noch sehr niedrig ist. Hierzulande sorgen einzelne spektakuläre Gewalttaten, die in der Öffentlichkeit geschehen, für ein verzerrtes subjektives Bild über die tatsächliche Lage.
Auch wenn dies nicht nur durch die Kriegsangst oder die gefühlten Probleme mit der Immigration zusammenhängt: Deutschland gehört mit 71 Prozent Befragten, die das Land auf dem falschen Weg sehen (trotz oder, wie wir, auch wegen der neuen Regierung) zu den Ländern, in denen die Menschen ein besonders starkes Unbehagen über die Politik äußern.
Es steht damit auf Platz 21 und 30 Ländern, in denen die Umfrage durchgeführt wird. In den harten Diktaturen wird übrigens nicht gefragt. Vermutlich, weil es nicht möglich ist, es wäre aber auch sinnlos, denn ein realistisches Meinungsbild wird man von dort nicht bekommen. Die größten Pessimisten sind die Deutschen demnach aber nicht, sondern – man findet sie in Frankreich. Lebensart hin oder her, das ist nicht neu, die Franzosen und Französinnen sind die kritischsten Menschen überhaupt. Bei der Kriegsangst liegen sie mit den Deutschen etwa gleichauf (26 Prozent im August).
In Deutschland ist die Kriegsangst also nur ein Teil des großen Unbehagens über die Richtung, die das Land nimmt. Ökonomische Faktoren spielen dabei immer noch nicht die überragende Rolle, die sie innehaben sollten, das Gleiche gilt für den Klimawandel. Diese beiden Herausforderungen zu synchronisieren und daraus Nachhaltigkeit und neue Chancen zu generieren, wäre in normalen Zeiten die Hauptaufgabe, die der Staat jetzt hätte und an der wir alle teilnehmen müssten. Davon sind wir weit entfernt, und die Kriegsangst ist eine weitere Störung des Gleichgewichtis und der Konzentration aufs Wesentliche nach der Coronakrise.
Hätte man das Gefühl, dass die Verteidigung im Ernstfall funktionieren würde, wäre sicherlich die Kriegsangst geringer, egal, was in der Ukraine passiert. So aber trifft das dortige Geschehen auf eine zugige offene Flanke hierzulande, die die Menschen einem rauen Wind der Geopolitik fast ungeschützt aussetzt. Damit kochen einige Populisten dann ihr Süppchen, wie Sahra Wagenknecht es ausdrücken würde, die damit ihr fades Süppchen kocht.
TH
Haben Sie gedient? Ohne Anführungszeichen? Wenn Sie vor der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 männlich und 18 Jahre oder etwas älter waren, könnte das gut möglich sein, oder Sie haben einen Ersatzdienst absolviert. Das war einmal eine Selbstverständlichkeit, für die meisten jungen Menschen jedenfalls. Und es handelte sich um einen viel tieferen Einschnitt in die Lebensplanung, als die meisten heute Jungen es sich vorstellen können. Wie denkt die Bevölkerung insgesamt über die Wehrpflicht? Das zeigt eine aktuelle Statista-Grafik.
Wir erklären das neue Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, das am 1. Januar 2026 in Kraft treten wird.
Infografik: Wie stehen die Deutschen zur Wiedereinführung der Wehrpflicht? | Statista

Begleittext von Statista
Im Jahr 2011 wurde der Wehrdienst in Deutschland abgeschafft. Ein Jahr zuvor hatte die Bundeswehr noch rund 25.000 Grundwehrdienstleistende in ihren Reihen, zur Jahrtausendwende waren es über 100.000. Dagegen liegt die Zahl der freiwillig Wehrdienstleistenden aktuell bei knapp über 11.000. Das ist nach Einschätzung der Regierung aus Union und SPD nicht genug, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands sicherzustellen. Deswegen wird es wohl zu einer Wiedereinführung der Wehrpflicht kommen. Dass dieses Vorhaben mehrheitsfähig ist, hat zuletzt eine Ipsos-Umfrage aus dem Juli 2025 gezeigt. Demnach sind über 60 Prozent für eine Rückkehr des verpflichtenden Wehrdienstes. dabei macht es einen Unterschied, aus welcher Altersgruppe die Befragten kommen. Grundsätzlich gilt: je geringer die Wahrscheinlichkeit selber nochmal zum Gewehr greifen zu müssen ist, desto höher die Unterstützung. Dagegen ist die Ablehnung bei den 18-39-Jährigen vergleichsweise hoch, wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt.
Information – keine Wehrpflicht, vorerst jedenfalls
Die neue deutsche Wehrpflicht ist keine klassische „Pflicht“, sondern ein freiwilliger, flexibler Wehrdienst mit zusätzlichen verpflichtenden Elementen im Hintergrund – insbesondere einer verpflichtenden Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008 ab 2027. Die breite Zustimmung in der Bevölkerung, besonders bei älteren Jahrgängen, spiegelt sich auch in aktuellen Umfragewerten wider – deutlich mehr als 60 % der Deutschen sprechen sich für eine Rückkehr des verpflichtenden Wehrdienstes aus, wobei die Ablehnung in der vom Dienst tatsächlich betroffenen Altersgruppe deutlich höher liegt.bmvg+3youtube
Details des neuen Wehrdienstes
- Freiwilligkeit im Vordergrund: Der Einstieg in die Bundeswehr erfolgt freiwillig. Die Mindestdienstzeit beginnt bei sechs Monaten, kann aber bis zu 23 Monate betragen. Längere Verpflichtungszeiten von bis zu 25 Jahren sind für geeignete Bewerber später möglich.tagesschau+1
- Status und Vergütung: Freiwillige werden als Soldat auf Zeit geführt, erhalten verbesserte Bezahlung (Einstiegsgehalt über 2.000 € pro Monat) und profitieren von weiteren Qualifikations- und Besoldungsvorteilen.youtubebmvg+1
- Verpflichtende Wehrerfassung: Ab Juli 2027 erfolgt für alle 18-jährigen Männer eine verpflichtende Musterung, bei der die gesundheitliche Eignung und die Bereitschaft zur Dienstleistung festgestellt wird. Frauen können sich freiwillig melden.ndr+2youtube
- Pflichtelement im Krisenfall: Bei einer dringenden Bedrohung der Sicherheit und zu geringer Freiwilligenzahl kann die Wehrpflicht durch Bundestagsbeschluss wiedereingeführt werden – ein Automatismus besteht jedoch nicht.ndr+1
- Verfahren: Zunächst erhalten alle jungen Männer (ab Jahrgang 2008, bis 25 Jahre) einen Fragebogen zur Bereitschaft; geeignete Kandidaten werden dann zur Musterung eingeladen.zeit+1youtube
Ergebnisse der erwähnten Statista-Umfrage (Juli 2025)
- Gesamtzustimmung: Über 60 % der Deutschen befürworten die Rückkehr zur Wehrpflicht.ipsos
- Altersgruppen:
- Während ältere Generationen (über 60-Jährige) eine sehr hohe Zustimmung zeigen (über 70 %), ist bei den 18- bis 39-Jährigen knapp die Hälfte dafür, eine ähnlich große Gruppe ist dagegen.swr+1
- Die Statista-Grafik bestätigt: Je unwahrscheinlicher die persönliche Betroffenheit, desto höher die Zustimmung zur Wehrpflicht.ipsos
- Geschlechterunterschiede & politische Präferenzen: Männer befürworten eine geschlechtsübergreifende Wehrpflicht klarer als Frauen. Union-Wähler sind besonders zustimmend, Linke-Wähler lehnen den Vorstoß mehrheitlich ab.ipsos
Gesellschaftliche und politische Debatte
- CDU und Teile der FDP fordern grundsätzlich eine allgemeine Dienstpflicht – wahlweise Wehr- oder Sozialdienst – für alle Geschlechter.youtube
- SPD und Grüne setzen auf das freiwillige, attraktive Modell und betonen die Vorteile von Freiwilligkeit und Vielfalt im Bewerberkreis.tagesschauyoutube
- Die Notwendigkeit der Reform ergibt sich vor allem aus der angespannten sicherheitspolitischen Lage und anhaltenden Personalproblemen der Bundeswehr.bmvgyoutube
Fazit
Die neue Wehrpflicht ist formell ein flexibles, freiwilliges Wehrdienstmodell mit verpflichtenden Elementen (wie Musterung und Bereitschaftserklärung). Eine gesetzlich verpflichtende Einberufung bleibt vorbehalten für Krisenlagen, wenn die Freiwilligenzahl nicht ausreicht. Der gesellschaftliche Rückhalt ist stark altersabhängig, mit besonders hoher Zustimmung bei den älteren, persönlich nicht betroffenen Bevölkerungsgruppen.swr+1
Kommentar
Es ist immer alles einfacher zu vertreten, wenn man nicht selbst (Annahme: negativ) betroffen ist. Wir haben uns anlässlich verschiedener Umfragen in den letzten Jahren bereits für die Wiedereinführung einer Dienstpflicht ausgesprochen, und zwar für Männer und Frauen, wobei es sich dabei nicht zwangsläufig um den Wehrdienst handeln muss. Es gibt auch gewichtige Argumente dagegen. Was uns leider sofort auffällt: Ist das Land, dem heute gedient und das im Ernstfall verteidigt werden soll, noch das Land, das wir kannten, als wir selbst unseren Dienst abgeleistet haben? Wir schreiben das nur für die alte BRD. Wir meinen, das ist es nicht mehr. Wir würden uns vermutlich noch einmal aufraffen, wenn wir im entsprechenden Alter wären, aber hätten erheblich größere Motivationsprobleme. Vielleicht auch nicht, denn uns würde ja die Lebenserfahrung fehlen und das Miterleben des Niedergangs, vor allem der Demokratie, wobei wir wissen, was sich gerade tut, ist erst der Anfang. Es gäbe unendlich viel für und gegen die Wehrpflicht zu schreiben, aber wenn wir uns selbst noch einmal einfinden würden, dann hätten wir, wären wir befragt worden, auch demgemäß abgestimmt. Zusammen mit vielen anderen Alten für eine Wehrpflicht für Männer und Frauen, wenn es denn um eine reine Wehrpflicht gehen würde. Die Befragung, auf deren Basis die Grafik erstellt wurde, ist nicht auf das neue Wehrdienstgesetz abgestimmt, weil eben keine Wehrpflicht beinhaltet.
TH / Informationsteil mit Anwendung von KI erstellt
- https://www.bmvg.de/de/neuer-wehrdienst
- https://www.ndr.de/nachrichten/info/guenther-wehrdienst-rueckkehr-ist-schritt-in-die-richtige-richtung,wehrpflicht-134.html
- https://www.youtube.com/watch?v=wEa3Yq6zs9U
- https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/wehrdienst-gesetz-entwurf-100.html
- https://www.ipsos.com/de-de/wehrpflicht-umfrage
- https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-08/bundeswehr-wehrdienst-gesetzentwurf-boris-pistorius-faq
- https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/wehrpflicht-deutschland-politik-bundeswehr-360-grad-100.html
- https://www.dw.com/de/deutschland-bundeswehr-neuer-wehrdienst-alter-zehntausende-freiwillige-anlocken-musterung-v3/a-73778016
- https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wehrdienst-gesetz-kommt-jetzt-die-wehrpflicht-zurueck-das-plant-die-regierung/100151056.html
- https://www.bmvg.de/resource/blob/5988804/d1c61437234ee4b30eae48f2994cceea/dl-regierungsentwurf-gesetz-modernisierung-des-wehrdienstes-data.pdf
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