Filmfest 1412 Cinema – Werkschau Buster Keaton (27)
Buster und die Polizei (Originaltitel: Cops; Alternativtitel: Buster zieht um) ist ein stummer Kurzfilm von Edward F. Cline und Buster Keaton aus dem Jahr 1922. Die Slapstick-Komödie wurde 1997 in die US-amerikanische National Film Registry aufgenommen.
„Wir hatten im vergangenen Jahr bereits die Buster-Keaton-Reihe in ARTE aufgezeichnet, mehrere seiner Kurzfilme und „Der General“. Und nun liefert ARTE wieder Filme von Keaton aus und wir speicherten die Shorts einzeln. Und wir beugen uns dem Druck des zur Festzeit mal wieder überquellenden Media-Speichergeräts, denn wir können mit den Rezensionen für Keatons Filme gleich die alten Aufzeichnungen gleich mitlöschen.“
So war das im Jahr 2018 – mittlerweile haben wir etwas mehr Möglichkeiten, (uns) zu sammeln, und daraus entsteht unter anderem die Werkschau mit Filmen von Buster Keaton. Anders als bei der zeitgleichen Chaplin-Werkschau sichten wir aber nicht alle Filme Keatons noch einmal, sondern nur diejenigen, die wir noch nicht kennen, dazu gehört aber auch, ähnlich wie bei Chaplin, die „Urfilme“, in diesem Fall Keatons Kooperation mit Fatty Arbuckle von 1917 bis 1919.
Handlung
Ein junger Mann (gespielt von Buster Keaton) möchte das Herz einer jungen Dame gewinnen. Diese verlangt jedoch von ihm, dass er ein erfolgreicher Geschäftsmann wird. So beschließt er, in die Stadt zu gehen und zu Geld zu kommen. Als er einem vermögenden Mann die heruntergefallene Geldbörse zurückgibt, rechnet er mit Finderlohn, allerdings vergeblich. Durch etwas seltsame Umstände kommt er trotzdem an den Geldbeutel des Mannes und fährt mit dessen Taxi davon. Beim Aussteigen wird er von einem Trickbetrüger beobachtet, der nun so tut, als sei er pleitegegangen. Der junge Mann kauft ihm aus Mitgefühl seinen Hausrat ab, der eigentlich einer Familie gehört, die gerade umziehen will. Der junge Mann kauft sich irrtümlich bei einem Landstreicher eine Kutsche für 5 Dollar und beginnt die Möbel aufzuladen. Die Familie meint nichtsahnend, es handele sich um den Möbelpacker und helfen ihm beim Aufladen.
Nun beginnt eine skurrile Fahrt, die den jungen Mann schließlich mitten in eine Polizeiparade führt. Als ein Attentäter eine Bombe wirft, denken alle, der junge Mann sei der Täter. Chaos bricht aus, und der Mann rennt um sein Leben. Schließlich gelingt es ihm, das Heer von Polizisten im Polizeihauptquartier einzusperren. Als seine Angebetete auftaucht, würdigt sie ihn jedoch keines Blickes. Enttäuscht öffnet er die Tür zum Polizeihauptquartier und begibt sich damit in die Höhle des Löwen. Der Film endet mit einem Grabstein, neben dem der Hut des Protagonisten liegt.
Rezension Teil 1
Wir haben uns ausführlich mit Charles Chaplin befasst, obwohl bisher einige seiner großen Filme von Kritiken unsererseits verschont blieben, aber vor zwei Jahren hatte ARTE seine frühen Werke bei der Essanay und der Mutal Film Corporation unter die Lupe genommen und dann das, was er kurz bei First National, dann bei United Artists produziert hatte, in Teilhaberschaft.
Daher können wir Keatons Filme mit denen seines größten Rivalen gut vergleichen. Und wir steigen gleich ein mit „Buster und die Polizei“, der als eines seiner Stummfilm-Meisterwerke gilt. Die Frage bei 18 Minuten Spieldauer ist zunächst: War das ein One-Reeler oder ein Two-Reeler? Vermutlich Letzteres, denn eine Filmrolle hielt nun einmal nur 15 Minuten Spielzeit vor. Chaplins Essanay-Filme waren noch überwiegend One-Reeler und vor allem – sie waren viel billiger hergestellt als zum Beispiel Keatons Cop-Movie. Während man bei Chaplin schon von einer Massenszene schreiben konnte, wenn ein Ballsaal oder ein Rollschuhstadion mit Besuchern vorkam, lässt Keaton hier gleich die halbe Stadtpolizei antreten. Wir dachten zunächst, er habe Archivaufnahmen von einer Polizeiparade verwendet und vielleicht war das auch so, aber wie viele Polizisten als Komparsen oder Statisten dabei waren, ist höchst erstaunlich und spricht für Keatons Popularität. Denn hier bekam er eindeutig Hilfe von den offiziellen Stellen, die nichts dagegen hatten, dass ihre Mitglieder auf die Weise, sagen wir, nicht sehr intelligent herüberkommen, die man dies in allen Slapstick-Komödien beobachten kann.
Allerdings darf man nicht so ungerecht sein, Chaplin-Filme aus den Jahren 1914 bis 1916 mit Busters Kurzfilmen aus den frühen 1920ern zu vergleichen, denn damals hatte Chaplin bereits „Ein Hundeleben“ (1918) und „The Kid“ (1921) gedreht, die Meilensteine auf dem Weg der Verbindung von Komik und Pathos waren.
Wir erinnern uns, dass wir auch bei Chaplins frühen Filmen nicht pausenlos vor Lachen außer Atem waren, das liegt einfach daran, dass die Komik doch sehr einfach war und die Qualität von Chaplins frühen Filmen stark schwankte. Hingegen sind fast alle diese Frühwerke erhalten und das kann man von vielen Keaton-Filmen leider nicht sagen, sodass es schwierig ist, sich ein gleichermaßen umfassendes Bild zu machen.
Hier müssen wir anlässlich der Veröffentlichung des Textes im Jahr 2025 eine Korrektur vornehmen: Eine weitere Parallele zwischen Keaton und Chaplin ist, dass von beiden jeweils nur ein einziger Film als verloren gilt – alle anderen haben wir jetzt gesichtet oder es ist geplant.
Sicher liegt es ein wenig in dieser Zeit, dass wir gestern während „Buster und die Cops“ eher angestrengt auf die Details achteten als uns einfach der Komik der Situationen überließen. Und es lässt sich nicht ändern – auch wenn Keaton durch viele Filmkritiker im Lauf der Zeit immer mehr gewürdigt und teilweise sogar an Chaplin vorbei zum größten Stummfilmkomiker ernannt wurde, so halten wir dies für das Ergebnis einer eher intellektuellen Herangehensweise, die sich vor allem auf die Beziehung Subjekt-Objekt-Umwelt konzentriert und die in der Tat recht neuzeitlich ist. Das Rührende, das Chaplin im Lauf der Jahre mehr und mehr in seine Werke einbaute, war Keaton fremd, und Pathos, wenn vorhanden, war immer ironisch gemeint. Das Publikum zum Lachen zu bringen, war auch sein Anliegen, was sonst – aber nicht, es einem Wechselbad der Gefühle auszusetzen, worauf Chaplin so sehr abonniert war wie bis heute wohl kein zweiter Komiker. Daher auch das sehr unterschiedliche Mienenspiel, das bei Chaplin exzessiv und bei Keaton maximal sparsam ausfiel.
Hintergrund
Der Film erschien am 21. Januar 1922. Wie bei vielen Filmen führte Keaton auch Regie und legte die Choreografie für die berühmte Verfolgungsjagdszene fest. Der Film wurde auf den Straßen von Los Angeles gedreht. Es dauert etwa 12 Minuten, bis die Jagd in Gang kommt. Das Ende kumuliert in einer Massenszene, inszeniert wie in David Wark Griffiths Die Geburt einer Nation.[1] Keaton inszenierte diese Szene durch Mehrfachaufnahmen, die in die Szene hinein geschnitten wurden. Dabei wird eine Weitwinkel-Einstellung genutzt, um möglichst viele, identisch aussehende Polizisten in eine Szene zu integrieren. Hinzu kamen dann kleinere Szenen, bei denen sich verschiedene Polizisten gegenseitig im Weg stehen und sich gegenseitig ausschalten.
Das Besondere ist, dass der Protagonist des Films überhaupt nicht merkt, wie er den Unmut seiner Umgebung auf sich zieht und nichtsahnend in die Katastrophe schlittert. Es wurde vielfach spekuliert, ob Buster und die Polizei eine Reaktion auf die falschen Anschuldigen und den Skandal um Keatons Freund und Mentor Fatty Arbuckle war.
Das Filmen einer Szene mit einer Bombe, noch dazu auf einer Kutsche, war eine heikle Angelegenheit. Nur zwei Jahre vorher geschah der Bombenanschlag auf die Wall Street, bei dem in New York eine Bombe auf einem Pferdewagen gezündet wurde. Die Verleihfirma schreckte zunächst zurück, gab den Film dann aber doch frei. Tatsächlich wurde der Film nicht dahingehend interpretiert und auch die Bezüge zum Arbuckle-Prozess, der zu dieser Zeit in die zweite Revision ging, wurden nicht beachtet.
Rezeption
Buster und die Polizei gilt als einer der klassischen Slapstick-Filme mit und von Buster Keaton. Der Verein Filmkommunikation Thüringen bezeichnet ihn als „einer von Buster Keatons besten Kurzfilmen überhaupt. In Cops zeigt er seine Talente [als] Artist und Komödiant.“ Der Film enthält eine Reihe klassischer Szenen, die in vielen Formen wiederkehrten. So ist das Wegwerfen einer Bombe ein beliebtes Stilmittel in Zeichentrickfilmen. Jackie Chan nutzte eine Leitersequenz des Films als Inspiration für seine Martial-Arts-Szenen. Bemerkenswert ist außerdem eine Szene, bei der Keaton auf ein fahrendes Auto aufspringt. Insbesondere die Verfolgungsjagd wurde von den damaligen Kritikern gelobt. Tatsächlich war der Erfolg so groß, dass verschiedene Kinos den Film auf den Anschlagtafeln hervorhoben und den darauf folgenden Langfilm klein darunter.
Rezension (Teil 2)
Es macht einen großen, um nicht zu schreiben entscheidenden Unterschied, womit man filmisch und allgemein sozialisiert wurde. Während Laurel & Hardy, Harold Lloyd, Charles Chaplin im deutschen Fernsehen immer wieder gezeigt wurden und werden, muss man bei Buster Keaton schon eine Retrospektive wie die erwähnte von ARTE abwarten, um ihn zu sehen oder in ein Kunstkino gehen. Mittlerweile ist auch Youtube dienlich. Keaton ist vielleicht tatsächlich in seiner Komik etwas intellektueller und erwachsener, aber auch weniger identifikationsstiftend, das geht ja meist miteinander einher. Die Gags in „Buster und die Polizei“ sind hochkarätig, daran besteht kein Zweifel, die Leiterszene etwa und der große Polizisten-Auftrieb. Aber wir haben diesen kurzen Film tatsächlich die ganze Zeit über aus einer komplett neutralen Position heraus anschauen können, es gab zumindest bei unserem Buster Nr. 1, der ja so verspätet kommt, um Jahrzehnte verspätet, keinen Schulterschluss.
Anmerkung anlässlich der Veröffentlichung 2025: „Cops“ war also nicht nur der erste Buster-Keaton-Film, den wir je rezensiert hatten, sondern auch der erste, den wir angeschaut hatten. Das ist ein fundamentaler Unterschied, wie oben erwähnt, gegenüber anderen Komikern, die uns aus unserer Kindheit und Jugend vertraut sind. Wenn man so will, kam der Komiker für Erwachsene erst zu uns, als wir erwachsen waren.
Der gewisse Zynimus gleich zu Beginn, als Busters Angebetete ihn fortschickt, auf dass er dann erst wieder vorspreche, wenn er ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden sei, was dann alles Folgende auslöst, ist eben ganz schön dicht an unserer Zeit. Auch bei Chaplin waren Frauen nicht nur immer Anbetungsobjekte und wurden durchaus unterschiedlich dargestellt und wo hätte ein größerer sozialer Gegensatz zwischen seiner Trampfigur und der Umwelt im reichen westlichen Amerika bestehen können oder dem Mittelstand, dem die weiblichen Figuren in seinen Filmen überwiegend entstammen? Aber es gibt meist ein Happy-End, und das ist nun mal ein Unterschied. In „Buster und die Polizei“ weicht das Ziel seines Handelns ganz zurück und verschwindet ohne Wiederkehr. Keaton geht also in seinen Gags und den mechanischen Gerätschaften auf, während Chaplin in vielen seiner Filme zum Ausgangsmotiv zurückkehrt. Das wirkt auch heute noch kompletter und man hat eher den Eindruck, daraus lassen sich Langspielfilme machen.
Es heißt, Keaton sei in seinen Langfilmen ebenfalls anders unterwegs, die Gags kämen weniger dicht und comichaft, zwangsläufig muss ja die Handlung mehr in den Vordergrund treten. Anders als Chaplin, der mit der Zeit immer größere Filme in immer längeren Abständen drehte, war Keaton, der Ende der 1920er die Unabhängigkeit verlor, später Vertragsschauspieler in Nebenrollen – dadurch gibt es von ihm auch keine Klassiker wie „Moderne Zeiten“ oder „Der große Diktator“ zu bewundern, die von steter Verfeinerung und bis zum Ende uneingeschränkter künstlerischer Souveränität sprechen. 1922, als „Cops“ entstand, hatte Keaton die allerdings und er drehte in Chaplins ehemaligem Studio, das er gekauft hatte.
„Cops“ ist auch ein tolles Stück, eine Show, geworden, heute in der IMDb hoch geschätzt und mit 7,7/10 bewertet, wir sind noch nicht ganz dabei und verbleiben bei
72/100 in Anerkennung der Gagqualität und auch der ziemlich guten Logik des Films
Nachtrag 2025: Wir kennen mittlerweile Keatons „Opus major“, „Der General“. Die Handlung ist die eines echten Spielfilms und alles ist gut ausgespielt. Leider geriet der Film zu einem sehr teuren Flop und war damit auch der Anfang vom Ende. Erschreckend gut symbolisiert durch die mächtige Lokomotive, die in den Abgrund stürzt, die war so echt wie Keatons Stunts und seine Niederlage mit seinem wohl besten Film.
2025 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2018)
| Regie | Edward F. Cline Buster Keaton |
|---|---|
| Drehbuch | Edward F. Cline Buster Keaton |
| Produktion | Joseph M. Schenck |
| Kamera | Elgin Lessley |
| Schnitt | Buster Keaton |
| Besetzung | |
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