Filmfest 1416 Dokumentation
Der bekannteste Film, in dem Hardy Krüger mitgewirkt hat, war sicher der Abenteuerspaß „Hatari“, der auch sein Leben für die Jahre nach diesem Dreh (1961) prägte, denn die Gegend in Afrika, in welcher der Film entstand, gefiel ihm so gut, dass er sich dort niederließ. Das Leben des 2022 verstorbenen Schauspielers ist Gegenstand der Dokumentation im Auftrag von Arte, die 2019 Premiere feierte und für die er noch selbst interviewt werden konnte.
Inhalt
Mit seinen blauen Augen, blonden Haaren und dem jungenhaften Lachen hat er in den 1950er und 60er Jahren das deutsche Kinopublikum erobert: Der Berliner Hardy Krüger schaffte es als Schauspieler bis nach Hollywood. Aber genauso leidenschaftlich war er Schriftsteller, Pilot und Weltenbummler. Das Trauma der letzten Kriegswochen prägten sein rastloses Leben und seine Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer.
In den 1950er und 60er Jahren eroberte der Berliner Hardy Krüger das deutsche Kinopublikum. Mit seinen blauen Augen, blonden Haaren und dem jungenhaften Lachen schaffte er es bis nach Hollywood, wo er vor allem Rollen als deutscher Offizier übernahm. Aber genauso leidenschaftlich war er Schriftsteller, Pilot und Weltenbummler. Krügers rastloses Leben ist geprägt von traumatischen Erlebnissen aus seiner Jugend und der Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer.
Seine beiden Lebensträume – das Fliegen und das Schreiben – hat sich Krüger bereits in jungen Jahren erfüllt. Mit seinem Flugzeug, einer Cessna, flog er in ferne Länder. In seinem Buschhotel, der Hatari Lodge in Afrika, schrieb er seine Bücher.
Für seine Lebensgefährtinnen, Freunde und die drei Kinder war das Leben mit dem unruhigen Hardy nicht einfach. Er habe Narben auf der Seele davongetragen, berichtet Krüger. Denn weltpolitische Ereignisse und Umbrüche haben Hardy Krüger begleitet und geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Krüger im Ausland durch seine Filme und Bücher zum „Botschafter“ Deutschlands. Der „gute Deutsche“ spricht offen über die Nazi-Zeit, seine Kriegserlebnisse und seine Überzeugungen.
Nach Jahren der Abenteuer rund um den Erdball – und über 60 Kinofilmen und 20 Büchern – lebte er bis zu seinem Tod im Alter von 93 Jahren zurückgezogen mit seiner dritten Ehefrau Anita in Palm Springs, Kalifornien.
Die Dokumentation von Patrick Zeilhofer zeichnet das faszinierende Leben des „Überlebenskünstlers“ nach, mit seinen Erfolgen und Niederlagen. Neben Krüger selbst kommen Freunde, Kollegen und Kolleginnen zu Wort. Zudem erinnern Ausschnitte aus Kinofilmen und aus Fernsehsendungen an Hardy Krügers große Erfolge.
Kurzkritik
In diesen ganz großen Hollywood-Produktionen konnte Krüger nicht die Hauptrollen übernehmen und prägnanter als sein Auftritt in „Hatari“ war vier Jahre später seine Darstellung in „Der Flug des Phoenix“, in dem er einen echten Widersacher für Superstar James Stewart abgibt. Im Rahmen der Erinnerungstour, die ARTE ein Jahr nach seinem Tod eingerichtet hat, habe ich mir neben dieser Dokumentation „Einer kam durch“ angeschaut, der in einem besonderen Moment der Filmgeschichte entstand: als das britische Kino ein Auge auf den deutschen Markt zu werfen begann und einen recht sympathischen jungen Offizier der Wehrmacht zeigt, der aus einem britischen PoW-Camp fliehen kann.
Mit diesem Film wurde Hardy Krüger über die Grenzen des deutschsprachigen Raums hinaus bekannt. Die Zahl junger deutscher Schauspieler und Charakterdarsteller, die es schafften, international auf sich aufmerksam zu machen war nicht riesig, aber größer als heute. Die Nummer eins unter ihnen war wohl Horst Buchholz, auch, weil er wichtige Rollen in gleich zwei Hollywood-Klassikern spielte: „Die glorreichen Sieben“ (1960) und „Eins, zwei, drei“ ein Jahr später. Die Rollen unterschieden sich deutlich von denen Krügers, weil Buchholz aufgrund seiner Optik nicht als typisch deutsch identifizierbar war und daher weniger in Gefahr, in die typischen Rollen eingefügt zu werden. Krüger hat sicher das Beste aus seinen Voraussetzungen gemacht und ein mehr als abwechslungsreiches Leben geführt.
Krügers Biografie ist auch ein Stück deutsche Geschichte der „Flakhelfer-Generation“, obwohl er als ehemaliger Auswahlschüler einer NS-Kaderschule noch wirklich im Krieg eingesetzt werden sollte. Später engagierte er sich gegen Rechtsextremismus und war als Botschafter für ein besseres Deutschland unterwegs – gleich, wie seine Rollenprofile angelegt waren. Ich kann mich noch daran erinnern, wie seine „Weltenbummler“-Filme ausgestrahlt wurden, obwohl ich sie nicht gesehen habe. Vielleicht wiederholt die ARD sie einmal. Eine besondere Rolle in seinem Schaffen nehmen wichtige Freundschaften ein, wie etwa mit Hans Söhnker zu Beginn seiner Karriere oder später mit dem französischen Regisseur Serge Bourguignon, für den er die Hauptrolle in dem oscarpärmierten Film „Sonntage mit Sybill“ übernahm, sicher ein Ausnahmefilm auch in Krügers vielfältigem Schaffen, aber weniger bekannt als die Big-Budget-US-Produktionen.
Ich hätte natürlich gerne noch etwas mehr gewusst, aber auch heute muss ich das 50-Minuten-Standard-Doku-Format von ARTE wieder dafür kritisieren, dass es tiefere Einblicke nicht erlaubt. Andererseits hat Hardy Krüger an der Dokumentation noch selbst mitwirken können und wurde für sie interviewt – das unterscheidet sie von vielen der ähnlich aufgebauten Features, die sich vorzugsweise um bereits verstorbene Filmgrößen drehen oder auch bei noch lebenden Stars aus Archivmaterial und einigen Ansichten Dritter bestehen.
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