Die Lebensmittelpreise laufen den Löhnen davon, Krisenprofite, und warum das alles die Politiker nicht kratzt (Statista + Zusatzthemen: Konzerngewinne, Politikereinkommen)

Briefing Wirtschaft Economy, PPP Politik Personen Parteien, Lebensmittelpreise, Reallohnentwicklung, Politikereinkünfte, Ungleichheit, Abzocke, Volksvertretung vs. Lobbykratie

„Der Gang zum Supermarkt ist für viele Menschen in Deutschland dieser Tage kein Vergnügen.“ So leitet Statista den Begleittext für die Grafik ein, die Sie gleich sehen werden. Wir kommentieren unterhalb des Begleittextes.

Infografik: Wie viel teurer ist gesundes Essen? | Statista

Begleittext

Der Gang zum Supermarkt ist für viele Deutsche dieser Tage kein Vergnügen. Viele klagen über hohe Lebensmittelpreise – und das zu Recht. Kaum irgendwo sind die Nachwirkungen der Inflationskrise so stark zu spüren wie an der Supermarktkasse. Die Inflationsrate hat sich zwar weitgehend normalisiert, das hohe Preisniveau ist aber geblieben.

Um mehr als 40 Prozent sind die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke seit Anfang 2019 gestiegen. Damit haben sich Lebensmittel nicht nur stärker verteuert als die Verbraucherpreise insgesamt (+26%) – die Preise für Nahrungsmittel sind auch stärker gestiegen als das Lohnniveau: Laut Statistischem Bundesamt sind die Nominallöhne in Deutschland seit dem ersten Quartal 2019 um 31 Prozent gestiegen. Damit sind die Reallöhne zwar ebenfalls leicht gestiegen, der Wocheneinkauf im Supermarkt schlägt aber auch objektiv stärker zu Buche als noch vor einigen Jahren.

Wie unsere Grafik zeigt, hat sich die Teuerung von Lebensmitteln Anfang 2022 vom Gesamtpreisniveau entkoppelt und die Preise für Nahrungsmittel sind zwischen April 2022 und März 2023 deutlich schneller gestiegen als die Verbraucherpreise insgesamt. Die Gründe sind vielfältig. Neben dem Krieg in der Ukraine und dem daraus resultierenden Anstieg der Preise für Energie und Getreideprodukte spielten dabei auch Ernteausfälle und gestiegene Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt eine wichtige Rolle.

Kommentar

Haben Sie auch seit einigen Jahren das Gefühl, irgendwas ist immer? Irgendeine Begründung gibt es immer, um die Lebensmittlepreise geradezu explosionsartig in die Höhe zu treiben? Und immer weitere Produkte werden von allen möglichen Kalamitäten erfasst. Glauben Sie alles, was die Lebensmittelindustrie und willfährige Medien uns erzählen? Wir haben einmal einen Blick auf die Gewinnentwicklung bei den wichtigsten Lebensmittelkonzernen geworfen.

Nehmen wir einmal das Produkt Schokolade. Greifen wir uns eine der bekanntesten, wenn nicht die bekannteste Marke heraus: Milka. Jeder weiß, dass die Preise für Milka-Schokolade sich seit 2022 verdoppelt haben. Hintergrund ist angeblich die Missernte beim Kakao (die jetzt schon offenbar seit drei Jahren anhält). Milka gehört zu Mondelez, einem der Konzerne, deren Gewinnentwicklung wir auf der Grafik abgebildet haben. Mondelez hatte in der Tat 2022 einen Rückgang des Nettogewinns um über 1 Milliarde USD zu verzeichnen. Aber seitdem haben sie um fast 3 Milliarden zugelegt und ihr früheres Rekordergebnis weit übertroffen. Unsere Interpretation: Es ist nicht so, dass an diesen benannten Gründen für Preissteigerungen überhaupt nichts dran ist, aber sie werden überzogen dargestellt, um die weitere Gewinntreiberei gut zu erklären, die diese Konzerne sich gönnen. Auffallend auch, wie gut z. B. Nestlé im Jahr der schrecklichen Lieferkettenschwierigkeiten, die es wegen Corona (tatsächlich) gegeben hat, performte. Auch diese Schwierigkeiten wurden vermutlich stark übertrieben dargestellt, um höhere Preise rechtfertigen zu können.

Die Lebensmittelkonzerne sind typische Krisengewinnler, deswegen wäre aktuell eine Preiskontrolle richtig, um dieser Gewinntreiberei auf Kosten der Konsumenten wenigstens eine Obergrenze zu verpassen. Was passiert hingegen?

Nichts. Deswegen sind die Lebensmittelpreis der Lohnentwicklung in den letzten fünf Jahren um 15 Prozent davongelaufen. Schon zuvor war die Tendenz zu bemerken, dass Lebensmittel sich stärker verteuern als viele andere Produkte und daher der Anteil der Lebensmitteleinkäufe am Budget von Normalverbrauchern wieder steigt – was allgemein ein Zeichen für sinkenden Wohlstand ist, weil dadurch weniger Geld für Schönes und Gebrauchsgüter mit längerer Lebenszeit übrig bleibt, immer mehr Geld fließt in Verbrauchsgüter des täglichen Bedarfs. Dadurch gerät der Einzelhandel im Nicht-Lebensmittelbereich in eine Dauerkrise. Die Menschen versuchen, den Kaufkraftverlust mit günstigen Online-Käufen aufzufangen und das Ergebnis zeigt sich in den Innenstädten: Es gibt immer mehr Probleme bei der Vermietung von Verkaufsflächen, auch in guten Lagen, auch in Städten, die man als wohlhabend bezeichnen kann. Umso mehr dort, wo ohnehin eine Strukturkrise zu verzeichnen ist, in kleineren Städten auf dem Land, in ärmeren Vierteln von Großstädten, in Kommunen und Regionen, die insgesamt mit der wirtschaftlichen Transformation nicht gut klarkommen bzw. Verlierer des Strukturwandels sind.

Es gibt natürlich auch Menschen, denen diese Preissteigerungen egal sind. Sie genehmigen sich einfach mal 600 Euro monatlich mehr, wie es die Bundestagsabgeordneten kürzlich getan haben, sie entscheiden selbst, was sie „vedienen“. Es sind derzeit 11.800 Euro brutto. Da Bundestagsabgeordnete keine Abzüge für Sozialversicherungsbeiträge haben, kommen sie bei etwa 7.000 bis 8.000 Euro netto heraus. Da merkt man natürlich den Anstieg der Preise für Grundbedürfnisse nicht. Aber man ist häufig Teil des Problems, zum Beispiel mit Nebenverdiensten, die durch die Verortung in Lobbyclustern erzeugt werden. Oben haben wir uns mit einem Teil des Problems befasst, der Gewinngier der Lebensmittelkonzerne. Nun gehen wir zum möglicherweise noch wichtigeren über, der absichtsvollen Ignoranz der Politik gegenüber den Nöten „kleiner Leute“.

Es ist deshalb noch wichtiger, weil die Politik immer etwas tun, immer eingreifen kann, dazu hat sie das Primat, die Geschehnisse in einem Land zu bestimmen. Sie will das aber nicht, weil Politiker bei uns weitgehend von Wirtshaftslobbys gesteuert werden. Wir haben uns mal angeschaut, was Bundestagsabgeordnete wirklich an Einkünften haben und dabei festgestellt: Die oben erwähnten 11.800 Euro sind für viele nur die sprichwörtlich-berüchtigten Peanuts. Und damit zu dem, was wir zum eigentlichen Kern des Artikels gemacht haben, mit dem Aufhänger der Lebensmittelpreise, die zum Beispiel unser Budget ganz anders belasten als das von Karrieristen, die vor allem für die eigene Tasche und für die Interessen mächtiger Verbände und Konzerne „arbeiten“:

Warum der Politik egal ist, dass Normalverbraucher sich vieles nicht mehr leisten können: Bundestagsabgeordnete finanziell aufgeschlüsselt

1.) Was alle Bundestagsabgeordneten verdienen

Bundestagsabgeordnete erhalten seit der letzten Erhöhung ab Juli 2025 exakt 11.833,47 Euro monatlich brutto als Abgeordnetenentschädigung („Diät“) – dieser Betrag ist voll steuerpflichtig.surplusmagazin+2

Immer hinzu kommt

  • Eine steuerfreie Kostenpauschale steht jedem Mitglied des Bundestages zusätzlich zu, in den letzten Jahren lag diese bei rund 5.051,54 Euro monatlich und dient der Deckung mandatsbezogener Ausgaben wie Miete fürs Wahlkreisbüro, Fahrten, Büromaterial usw.vlh+1

  • Anspruch auf eine umfassende Amtsausstattung: Laptop, Smartphone, Reisekosten werden ebenfalls übernommen.bundestag

  • Für Personal im Abgeordnetenbüro werden monatlich etwa 25.874 Euro als Mitarbeiterpauschale bereitgestellt, damit können Referent:innen oder Sachbearbeiter:innen angestellt werden. Dieser Betrag fließt jedoch nicht ins Gehalt des Abgeordneten selbst.faz+1

Was noch hinzukommen kann

  • Zusätzliche Aufwandsentschädigungen, z.B. für besondere Funktionen (Ausschussvorsitz, Fraktionsvorsitz, Präsidium).vlh

  • Nebeneinkünfte, z.B. aus anderen beruflichen Tätigkeiten, Aufsichtsratsposten, Vorträgen usw., müssen angezeigt und oft veröffentlich werden, können das Einkommen aber erheblich steigern.corinna-rueffer

  • Sitzungsgelder für bestimmte Gremien (eher im Landtag als im Bundestag üblich).vlh

Steuern und Sozialabgaben

  • Sozialabgaben: Bundestagsabgeordnete zahlen keine gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträge wie Kranken-, Pflege-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung. Sie müssen sich gegen Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Alter privat absichern, wozu es im Bundestag die Möglichkeit zur Teilnahme an einer exklusiven Bundestags-Zusatzversorgung („Parlamentsrente“) gibt – diese Beiträge zahlt der Abgeordnete privat, außerhalb des normalen Sozialabgabensystems.vlh

  • Steuern: Die Diäten sind voll steuerpflichtig (Einkommensteuer inkl. Solidaritätszuschlag), die Kostenpauschale bleibt jedoch steuerfrei. Weitere steuerfreie Leistungen sind Sachausstattung und Reisekosten.bundestag+1

  • Brutto-Netto-Differenz: Da keine Sozialabgaben anfallen und die steuerfreie Kostenpauschale nicht zum Brutto zählt, liegt das Netto-Gehalt deutlich dichter am Brutto als bei „normalen“ Arbeitnehmern, die Abzüge von ca. 20–25% Sozialabgaben und vergleichbarem Steueranteil haben. Je nach Steuerklasse liegt das Netto z.B. bei rund zwei Dritteln des Bruttobetrags – also etwa 7.000–8.000 Euro netto (exklusive der steuerfreier Pauschale).bundestag+1

Übersicht

Bezeichnung

Betrag monatlich (brutto)

Besteuerung / Sozialabgabe

Bemerkung

Diät/Entschädigung

11.833,47 €

voll steuerpflichtig, keine Sozialabgaben surplusmagazin+2

Kerngehalt

Kostenpauschale

ca. 5.051,54 €

steuerfrei vlh

für Mandatskosten

Zusatzvergütungen

variabel

teilweise steuerpflichtig, je nach Artvlh

z.B. Funktion, Vorträge

Mitarbeiterpauschale

ca. 25.874 €

kein persönliches Einkommen faz

für Büropersonal

Damit liegen Brutto und Netto wesentlich näher beieinander als bei regulären Arbeitnehmern, da die Abgabenlast niedriger ist und pauschale Zahlungen steuerfrei bleiben.parlamentjobs+2

Angesichts der schwammigen Angaben zu den Reisekosten ist es kein Wunder, dass diese bei Politikern immer mal wieder in der Diskussion stehen – weil es da offenbar kaum Grenzen nach oben gibt und weil gerne mal Verwandte und Freunde auf Kosten der Steuerzahler mit auf die Reise gehen dürfen. Die Mitarbeiterpauschale muss hingegen abgerufen werden, hier kann man keine Verschiebung in die eigene Tasche vornehmen: Gibt ein Politiker für diesen Bereich weniger aus, verbleibt der Betrag bei der Bundestagskasse. Freilich ist auch dieser Bereich einem gewissen Missbrauch zugänglich, indem Menschen auf die Gehaltsliste gesetzt werden, die nicht viel dafür tun müssen, aber ihrerseits dem sie Beschäftigenden Vorteile gewähren können.

2.) Ein Riesenbatzen: Die Nebeneinkünfte

Die durchschnittlichen Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten liegen bei etwa 3.000 bis 4.000 Euro pro Monat. Rund 46 Prozent der Abgeordneten haben Nebeneinkünfte neben ihren Diäten, und die Summe der meldepflichtigen Nebeneinkünfte im Bundestag beträgt mehrere zehn Millionen Euro pro Jahr.deutschlandfunk+3

Hier einige wichtige Details:

  • Etwa die Hälfte der Abgeordneten mit Nebeneinkünften verdient deutlich mehr, es gibt Spitzenverdiener mit monatlichen Zusatzverdiensten von mehreren zehntausend Euro. Das sind aber Ausnahmen.abgeordnetenwatch+1

  • Die häufigsten Einnahmequellen sind Tätigkeiten als Rechtsanwalt, Steuerberater, Honorarprofessuren, Vorträge, Buchveröffentlichungen oder Beteiligungen an Unternehmen.deutschlandfunk+1

  • Insgesamt betrugen die Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU allein ca. 30 Millionen Euro bis September 2024.statista

  • Der Großteil der Abgeordneten mit Nebeneinkünften liegt im Bereich von mehreren hundert bis einigen tausend Euro monatlich, was den Durchschnitt in den genannten Bereich bringt.morgenpost+1

Zusammengefasst: Während die monatliche Diät für alle gleich bei etwa 11.833 Euro liegt, gibt es eine breite Streuung bei den Nebeneinkünften. Im Schnitt sind monatlich etwa 3.000–4.000 Euro an Nebeneinkünften realistisch, wobei viele Abgeordnete keine oder nur geringe Nebeneinkünfte haben, und einige wenige Spitzenverdiener deutlich darüber liegen.abgeordnetenwatch+2

Dies berücksichtigt alle offengelegten Nebeneinkünfte, inklusive Honorare und Firmenbeteiligungen, die zum Einkommen hinzukommen.morgenpost+2

Damit wären wir schon bei einem Nettoeinkommen von etwa 11.000 bis 12.000 Euro für einen durchschnittlichen Bundestagsabgeordneten. Auffällig war aber folgende Zahl: 30 Millionen an Nebeneinkünften erzielen allen Abgeordnete der Unionsfraktion. Diese hatte im alten Bundestag 200 Abgeordnete (von 733). Das heißt, ein durchschnittlicher Abgeordneter von CDU/CSU verdient 150.000 Euro im Jahr zusätzlich, das sind 12.500 Euro pro Monat. Das ist eine glatte Verdoppelung der Diäten. Die Aufwandspauschale haben wir hier bewusst nicht eingerechnet, obwohl man das eigentlich tun müsste, denn der Aufwand betrifft ja Dinge, die normale Bürger und Bürgerinnen sich sowieso nicht leisten können, Politiker würden sagen, es besteht kein Bedarf, weil die normale Bevölkerung nicht so unendlich viele unendlich wichtige Termine und dergleichen hat. Wäre ja nicht so schlimm, wenn diese Termine zugunsten der Bevölkerung wahrgenommen würden, das ist aber nicht der Fall. Der meiste Aufwand steht durch die Anbindung an Wirtschaftslobbys, das können Sie bei Lobbycontrol oder Abgeordnetenwatch sehr genau nachlesen.

Ein durchschnittlicher Unionsabgeordneter verdient also netto über 20.000 Euro im Monat, ohne die Berücksichtigung von Aufwandsentschädigungen und dergleichen. Eine weitere Frage ergibt sich daraus zwangsläufig: Hätten die Abgeordneten, die so viele Nebentätigkeiten haben, falls sie es denn wollten, überhaupt Zeit, um sich ihrer Volksvertretung zu widmen? Schauen Sie sich mal den bis auf wenige Ausnahmen wie der Generaldebatte und wenn es um wichtige Abstimmungen geht fast immer leeren Plenarsaal im Reichstag an. Wirkt langweilig und desinteressiert, was Sie da sehen? Nun hören Sie aber auf. Die Abgeordneten müssen schließlich irgendwie über die Runden kommen, und das tun sie hauptsächlich durch Tätigkeiten, die ihre Abwesenheit im Parlament nach ihrer eigenen Ansicht gewiss rechtfertigen, aber für Normalbürger einen schalen Beigeschmack haben.

Dabei sind es „nur“ 46 Prozent der Abgeordneten, die überhaupt Nebeinkünfte erzielen. Insgesamt wurden 2024 Nebeneinkünfte von 51 Millionen Euro gemeldet = 69.500 Euro pro Abgeordnetem. Und damit sind wir wieder bei der lobbylastigen Union: auf 200 Abgeordnete (27,3 Prozent von 733) entfallen 58,8 Prozent der Nebeneinkünfte, während es z. B. bei der Linken kaum solche Abhängigkeiten gibt. Anders ausgedrückt: Nicht der Union angehörende Abgeordnete bringen es durchschnittlich „nur“ auf 39.400 Euro Nebeneinkünfte im Jahr, das heißt, sie „erwirtschaften“ gerade mal 26,6 Prozent dessen, was Unionsabgeordnete scheffeln.

Viel zentraler aber ist, warum die Union kein Politik „für das Volk“ macht, bei diesen Verhältnissen. Wir wundern uns nicht. Das Meiste, was Zorn auslöst oder unverständlich wirkt, lässt sich leicht erklären, wenn man sich die Zahlen etwas genauer anschaut. Es hat fast alles einen Grund, und deswegen würden wir niemals Politiker wie Friedrich Merz wählen, die geradezu synonym dafür stehen, dass sie über Jahrzehnte hinweg Partikularinteressen gedient haben, nicht dem Ganzen. Um es noch einmal allgemein klarzumachen:

Bei den Spitzenverdienern unter den Unionsabgeordneten gibt es potenzielle Interessenkonflikte, die aus ihren zusätzlichen beruflichen Tätigkeiten und Mandatsbindungen resultieren. Viele erzielen ihre Nebeneinkünfte durch Unternehmensbeteiligungen, Vorträge, Beratertätigkeiten oder landwirtschaftliche Betriebe, was theoretisch zu Interessenkonflikten führen kann, insbesondere wenn Entscheidungen im Bundestag mit ihren wirtschaftlichen Interessen kollidieren könnten.

Die geltenden Transparenz- und Offenlegungspflichten sollen solche Konflikte zumindest sichtbar machen, indem Abgeordnete ihre Nebeneinkünfte und Tätigkeiten offenlegen müssen. Allerdings besteht in der Praxis Kritik, dass Interessenkonflikte trotz dieser Regeln nicht immer ausreichend vermieden oder geregelt werden. Ein Interessenkonflikt tritt beispielsweise dann auf, wenn private finanzielle Interessen eines Abgeordneten seine unabhängige parlamentarische Entscheidung beeinträchtigen könnten.

Insgesamt sind die Spitzenverdiener hinsichtlich Mandatsbindungen oft in mehreren Funktionen und wirtschaftlichen Aktivitäten engagiert, was Interessenkonflikte begünstigen kann.

Kurze Zusammenfassung:

  • Spitzenverdiener haben vielfältige Nebentätigkeiten, beispielsweise Unternehmensbeteiligungen oder Beratungen.

  • Diese können Interessenkonflikte hervorrufen, insbesondere wenn sie mit parlamentarischen Entscheidungen kollidieren.

  • Transparenzregeln schreiben Offenlegung vor, doch es gibt Kritik an der effektiven Vermeidung von Interessenkonflikten.

An dieser Stelle enden wir, aber wenn Sie über unser politisches System mehr erfahren wollen: Lesen Sie nicht die rechte Hetzpresse für Dumpfbacken, glauben Sie nicht der Spaltungsrhetorik der Union, die nach dem Motto „teile und herrsche“ verfährt, sondern schauen Sie sich an, wie dank der vielgescholtenen NGOen wie Lobbycontrol und Abgeordnetenwatch, Finanzwende und Frag den Staat geradezu haufenweise Verstrickungen von Politikern vorkommen, die ihre Soll-Interessen (Volksvertreter) und ihre Ist-Interessen (Verbandelungen aller Art mit der Wirtschaft) weit auseinanderdriften lassen. Einige Politiker machen auch kein Hehl daraus, dass sie nicht für uns arbeiten, zum Beispiel ein CDU-Bundestagsabgordneter aus unserem Berliner Bezirk, der ziemlich offen damit hantiert, dass er die Immobilienlobby bedient. Zum Leid von uns Mietern in der Berliner Innenstadt. Viele solcher Fälle sind inzwischen gut dokumentiert und geben einen tiefen Blick frei auf die Struktur des heutigen Politikers, der vor allem in die Politik geht, um sich ein Netzwerk zum eigenen Nutzen und zum Nutzen derjenigen, die ihn pampern, aufbaut.

Für diese Menschen, und da tut sich die Union bekanntlich besonders hervor, sind andere Menschen Manipulationsmasse, und sie sind ja auch dumm genug, sich gegeneinander aufhetzen zu lassen, anstatt ihre gemeinsamen Interessen zu erkennen, zu bündeln und dieser Art von Politik endlich durch ein vernünftigeres Wahlverhalten Einhalt zu gebieten – aktiver Protest wäre auch möglich, aber wir sind ja hier nicht in Frankreich, wo die Leute auf die Straße gehen, weil sie sich von den abgehobenen Eliten nicht alles gefallen lassen. „Elite“ – diesen Begriff nehmen wir bei deutschen Politikern nur ungern. In Frankreich beispielsweise haben Spitzenpolitiker meist eine besondere Schulung, in Deutschland hingegen sind sie in Sachen Politikgestaltung Amateure, Profis hingegen nur im Bereich der wirtschaftlichen Gestaltung ihrer eigenen Existenz. Das ist für uns keine Elite, sondern der gewöhnliche Abzocker, den man überall antrifft, der sich in der Politik aber seit vielen Jahren in besonderer Verdichtung ansammelt.

Dass die Union dabei so weit vorne liegt, hat nicht nur mit deren dem Kapital in den A. kriechen als Basismentalität zu tun, sondern auch damit, dass spätestens seit Helmut Kohl die Bimbes-Mentalität gefördert und von Angela Merkel nicht wirklich beseitigt oder bekämpft wurde, weil sie ihre Macht in einer lobbylastigen Partei nicht aufs Spiel setzen wollte. Wäre die FDP noch im Bundestag, würde es bei ihr übrigens ähnlich aussehen. Die AfD ist in dieser Hinsicht übrigens das nächste großes Ding. Wenn sie hoffähig genug ist, um vom Kapital so promotet zu werden wie die Union, werden wir sehen, dass auch deren Abgeordnete zu den Spitzenverdienern im Bundestag zählen. Die Etablierung eines solche Systems dauert ein Weilchen, wir reden also nicht von Monaten, sondern von Jahren und Jahrzehnten. Aber bis dahin gibt es vielleicht eh keine Demokratie mehr, weil die AfD sie zerschlagen hat, nachdem die Union sie gerade endgültig morbide macht, und dann können wir uns so lange aufregen, wie wir wollen, weil wir an den Verhältnissen nichts mehr ändern können. Jetzt besteht die Möglichkeit noch und wir fordern alle unsere Leser:innen explizit auf, nicht Parteien zu wählen, deren Politiker dermaßen von den Interessen weniger Mächtiger gesteuert werden wie jene der Union.

Was wir aus der Betrachtung ganz herausgelassen haben: Die vielfältigen Absetzungsmöglichkeiten, die sich aus den Nebentätigkeiten ergeben, sodass die Steuerlast gerade bei den Spitzenverdienern sehr gering sein dürfte.

Eines ist jedenfalls sicher: Bis die Politiker in ihrem Budget überhaupt merken, dass die Lebensmittelpreise kein Halten mehr kennen, ist die Bevölkerungsmehrheit längst verhungert.  Das wird auch die Einnahmemöglichkeiten der Politiker schmälern, aber wer mit der Gier-ist-geil-Mentalität aufgewachsen ist, wird schon eine Lösung finden, zum Beispiel, dieses heruntergerittene Land zu verlassen und woanders Menschen auszubeuten.  

TH / Recherchen und zusätzliche Grafiken durch KI erstellt

Recherche Interessenkonflikte

  1. https://blog.lapid.de/interessenkonflikte-im-unternehmen

  2. https://unternehmen-heute.de/news.php?newsid=6668203

Grundrecherche Nebeneinkünfte

  1. https://www.deutschlandfunk.de/abgeordnete-von-union-und-fdp-haben-die-meisten-nebeneinnahmen-100.html

  2. https://www.abgeordnetenwatch.de/recherchen/nebentaetigkeiten/diese-nebeneinkuenfte-haben-die-abgeordneten-im-bundestag

  3. https://www.morgenpost.de/politik/article407506964/nebeneinkuenfte-im-bundestag-das-sind-die-top-verdiener.html

  4. https://polisphere.eu/politticker/nebeneinnahmen-im-bundestag

  5. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1219831/umfrage/bruttoeinkuenfte-von-bundestagsabgeordneten-aus-nebentaetigkeiten-nach-parteien/

  6. https://de.statista.com/infografik/22022/anteil-von-abgeordneten-mit-meldepflichtigen-nebeneinkuenften/

  7. https://www.christoph-schmid-spd.de/glaeserner-abgeordneter/

  8. https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw09-wahlergebnis-statistik-1055550

  9. https://svenja-stadler.de/glaeserne-abgeordnete

  10. https://www.finanzwende.de/themen/finanzlobbyismus/interessenkonflikte-und-nebentaetigkeiten-im-neuen-finanzausschuss

Grundrecherche Diäten

  1. https://www.surplusmagazin.de/diaten-erhohung-abgeordnete-burgergeld-mindestlohn/

  2. https://www.bundestag.de/services/glossar/glossar/D/diaeten-245378

  3. https://www.corinna-rueffer.de/ueber-mich/einkuenfte_nebentaetigkeiten/

  4. https://www.vlh.de/arbeiten-pendeln/beruf/abgeordnetenbezuege-teilweise-steuerfrei.html

  5. https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/diaetenerhoehung-2025-im-bundestag-warum-linkspartei-und-afd-dagegen-sind-110517400.html

  6. https://www.iwkoeln.de/presse/iw-nachrichten/tobias-hentze-bjoern-kauder-103-abgeordnete-weniger-125-millionen-euro-gespart.html

  7. https://parlamentjobs.de/zahlen-politiker-steuern/

  8. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/diaeten-abgeordnete-bundestag-100.html

  9. https://www.das-parlament.de/inland/bundestag/abgeordnete-bekommen-ab-juli-mehr-geld

  10. https://www.iwkoeln.de/studien/martin-beznoska-tobias-hentze-mehrbelastung-fuer-viele-im-neuen-jahr.html


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