Der EU-Digitalgipfel in Berlin: spürt man die heiße Luft, wenn man in der Nähe wohnt?

Briefing Wirtschaft Economy, Geopolitik, EU-Digitalgipfel Berlin 18. November 2025, KI und IT, Strategie und kopfloser Neoliberalismus, Abhängigkeit von den USA, China, Rechenzentrum, Cloud-Dienste, KI-Anwendungen
Sie haben sicher mitbekommen, dass in Berlin gerade mit viel Aufhebens ein euorpäischer Digital-Gipfel stattfindet. Was halten Sie davon? Wir haben eine Handreichung erarbeiten lassen, ironischerweise mit Hilfe einer amerikanischen KI. Das belegt aber nur, dass wir auf immer weiteren Ebenen von den USA abhängig werden und damit auch von einer Politik, bei der Berechenbarkeit und Fairness immer mehr zu Fremdwörtern werden. Aber es wäre auch nicht fair, immer andere für alles verantwortlich zu machen.

Die Regierungen aller wichtigen Industrieländer schieben trategische Investmentitionen anschieben an oder steuern sie im nationalen Interesse. Bis auf eine. Das ist die Bundesregierung, man kann auch sagen, es sind viele Bundesregierungen, nur wird dieser Zustand immer mehr zu einer Belastung auch für die EU und die Koordination sinnvoller Maßenahmen zur Gegenwehr.

Als letztes Land verschreibt sich Deutschland der neoliberalen Strategielosigkeit der „Marktmechanismen“, ohne vonseiten der Administration diese selbst mitzubestimmen, wie in diesem Beitrag geschildert wird: „Unkontrollierbarer Zustand“: Experte warnt vor Abhängigkeit von Big Tech | WEB.DE Deswegen ist der Autor bzw. der Interviewte sehr skeptisch, dass bei dem Gipfel etwas Sinnvolles herauskommen wird. Weil wie das Interview für zu kurz halten, um fundiertes Wissen zu zu liefern, haben wir die nachfolgende Analyse beauftragt, die eben auch Handlungsmöglichkeiten beinhaltet.

Analyse des Artikels zum EU‑Digitalgipfel und der Abhängigkeit von Big Tech

Du teilst die zentrale Haltung des Artikels: Europa befindet sich in einer kritischen digitalen Abhängigkeit von wenigen US‑Konzernen, und das erzeugt einen „unkontrollierbaren Zustand“. Der Text ist kurz, aber sein Kern ist belastbar: Strukturelle Lock‑in‑Effekte, geopolitische Risiken und regulatorische Asymmetrien verstärken die Abhängigkeit; die EU diskutiert beim Digitalgipfel in Berlin über Souveränität, KI, Cloud und die nötige Kurskorrektur, doch Worte müssen sich in robuste, koordinierte Maßnahmen übersetzen. Im Folgenden lege ich die Thesen offen, stütze sie mit aktuellen Belegen, und arbeite Konsequenzen sowie konkrete Handlungsoptionen heraus.


Kernaussagen des Artikels

  • Diagnose der Abhängigkeit: Der Autor warnt vor einer Abhängigkeit von Big Tech, die so tief in europäische Infrastrukturen und Verwaltungsprozesse eingreift, dass Europa im Ernstfall nicht handlungsfähig ist. Das umfasst Suchmaschinen, Kommunikationsplattformen, Office‑Suiten, Cloud‑Infrastruktur und KI‑Backbones.

  • Unkontrollierbarkeit als Risikokategorie: Gemeint ist nicht nur „Vendor lock‑in“, sondern die politische und operationelle Verwundbarkeit, wenn Monopolstellungen und extraterritoriale Rechtsansprüche zusammenkommen.

  • EU‑Digitalgipfel als Momentum: Der Gipfel in Berlin dient als Schauplatz, um digitale Souveränität neu zu justieren—mit Fokus auf KI, Cloud/Data, Startups und politisch tragfähige Antworten auf globale Asymmetrien.

Diese Punkte korrespondieren unmittelbar mit der Agenda des europäischen Gipfels (EUREF‑Campus, 18. November 2025), der ausdrücklich „European digital sovereignty“ adressiert und KI, Cloud/Data sowie Startups als Schwerpunkte nennt bmds.bund.de.

Anmerkung: Der Gipfel findet also hier, direkt in unserer näheren Umgebung statt, in unserem Berliner Bezirk. Man kann die hitzige Energie förmlich spüren, die von ihm ausgeht. Es ist bei uns viel wärmer als im Rest des Landes. Anmerkung und Ironie off.


Europäische Abhängigkeit: aktuelle Evidenz

  • Marktdominanz bei Schlüsselservices: In Deutschland entfallen 88 Prozent der gesamten Nutzungszeit bei Suchmaschinen auf Google—eine extreme Konzentration an einem kritischen Gateway zur digitalen Öffentlichkeit. Ähnlich dominant sind Microsoft‑Tools wie Office in Behörden und Kliniken, was die praktische Alternativenvielfalt drastisch reduziert Euronews.

  • Systemrelevanz und „Blackout“-Szenarien: Politische Akteure artikulieren die Sorge, dass ein politischer oder wirtschaftlicher Bruch mit großen Plattformen zu einem „digitalen Blackout“ führen könnte—ein veritabler Systemrisiko‑Befund, der den Diskurs auf dem Gipfel prägt Euronews.

  • Geopolitische Dimension: ZDF ordnet die Lage klar ein: US‑Konzerne dominieren Kommunikation, KI und Cloud; Digitalpolitik ist dadurch unmittelbar geopolitisch und souveränitätsrelevant. Der Gipfel ist daher auch ein Versuch, diese Asymmetrie strategisch zu adressieren zdfheute.de.

Diese Daten stützen die zentrale Behauptung des Artikels, dass die Abhängigkeit nicht nur technisch, sondern strukturell und politisch ist; sie ist vernetzt mit Marktkonzentration, kritischer Infrastruktur und extraterritorialem Recht.

Anmerkung: Der Interviewte sieht die IT ohnehin politisch, weil er die bekannte journalistische Plattform „netzpolitik.org“ gegründet hat und sich nun mit einer Organisation zur Bewahrung und Stärkung der Demokratie befasst – ähnlich unserem Ansatz, auch wenn dieser einen anderen Akzent hat. Es gibt für die Demokratie eben viele Gefahren, und im Bereich der IT lauern einige der größten. Das ist nicht erst seit gestern oder seit dem KI-Boom bekannt, deswegen spricht der Interviewte zu Recht von 20 verlorenen Jahren auf EU-Ebene.


Was „unkontrollierbar“ wirklich bedeutet

Die Formulierung trifft einen Nerv: „unkontrollierbar“ meint nicht nur, dass IT‑Stacks komplex sind, sondern dass wesentliche Kontrollhebel außerhalb europäischer Entscheidungsräume liegen. Dazu gehören:

  • Extraterritoriales Recht und Compliance‑Zwang: US‑Gesetze können Zugriffe auf Daten in europäischen Rechenzentren verlangen (Stichwort Cloud Act), was indirekt Compliance‑Entscheidungen und Architekturen beeinflusst—selbst wenn die Hardware in der EU steht.

  • Ökonomische Lock‑ins und Pfadabhängigkeit: Migrationen weg von hyperscaler‑gebundenen Services sind teuer und riskant. Wenn öffentliche Verwaltungen Kerndienste auf proprietären Clouds betreiben, steigt die Wechselhürde und sinkt die Verhandlungsmacht.

  • Plattformmacht über digitale Öffentlichkeit: Gatekeeper kontrollieren Distribution, Sichtbarkeit und Monetarisierung. Das betrifft Medien, Forschung, Zivilgesellschaft—und demokratische Diskurse, die algorithmisch vermittelt werden.

  • KI‑Infrastruktur als neue Basisversorgung: Foundation‑Modelle, Trainingsdaten und Rechenkapazität sind hochkonzentriert. Wer Compute und Modelle kontrolliert, kontrolliert Geschwindigkeit, Kosten und Innovationspfade der KI‑Ökosysteme.

Mehrere Stimmen im Umfeld des Gipfels bringen genau diese Aspekte zusammen: digitale Souveränität ist eine demokratische und sicherheitspolitische Frage, nicht nur eine Marktfrage zdfheute.de bmds.bund.de.


Stimmen und Belege, die die Warnung stützen

  • Markus Beckedahl (Netzpolitik): Beckedahl kritisiert, dass Deutschland neue Rechenzentren von Google und Microsoft feiert, während die strukturelle Abhängigkeit wächst. Er fordert mutige Regulierung, Investitionen in europäische Infrastruktur und echte Souveränitätsstrategien—ein direkter Widerhall der im Artikel geäußerten Warnungen MSN.

  • Gipfeldiskurs und politische Rahmung: Die Gipfelkommunikation betont „independent, secure and innovation‑friendly“ Zukunftsziele für Europa, mit klarer Fokussierung auf KI, Cloud und Daten. Das ist nicht nur Rhetorik; es signalisiert, dass Verwaltungen und Politik die systemische Abhängigkeit als zentrales Risiko anerkennen bmds.bund.de.

 

Anmerkung: Und dann beschaffen die Verwaltungen gerade Palantir. So viel zum Unterschied zwischen erkennen und danach handeln.

  • Mediale Analyse der Konzentration: Berichte mit konkreten Nutzungszahlen und Szenario‑Analysen („Stecker ziehen“) zeigen, wie fragil digitale Grundversorgungen sind, wenn sie von wenigen Akteuren abhängen, und wie groß der Hebel dieser Akteure gegenüber Staaten sein kann Euronews.

  • Geopolitisches Setting: ZDF macht den Zusammenhang explizit: Dominanz im KI‑ und Cloud‑Bereich ist nicht nur wirtschaftlich relevant, sondern bestimmt strategische Handlungsfähigkeit Europas—ein Kernargument des Artikels zdfheute.de.

Diese Quellen bieten genau jene zusätzliche Evidenz, die der kurze Artikel selbst nur andeutet.


Politische Instrumente: Was existiert, was fehlt

  • Bestehende Frameworks: Die EU hat mit DMA/DSA wichtige Grundlagen gelegt (Gatekeeper‑Regeln, Plattformverantwortung), der AI Act kommt hinzu. Aber ohne souveräne Infrastruktur—Cloud, Datenräume, Compute—bleibt Regulierung einseitig und reaktiv.

  • Digital Summit als Koordinationspunkt: Der Berliner Gipfel adressiert praxisnahe Felder: KI, Startups, Cloud/Data. Ziel ist die Weiterentwicklung „key aspects“ einer unabhängigen, sicheren und innovationsfreundlichen digitalen Zukunft—also politische Koordinierung zwischen Mitgliedstaaten, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bmds.bund.de.

  • Öffentlicher Sektor als Hebel: Vergabepolitik, Interoperabilitätsvorgaben, Datenstrategie und Standardisierung entscheiden darüber, ob Verwaltungen an proprietäre Stack‑Monopole gebunden bleiben oder Alternativen überhaupt eine Chance bekommen.

  • Narrativ vs. Struktur: Das Feiern von hyperscaler‑Investitionen (Jobs, „Regionen“) kann kurzfristig attraktiv wirken, ändert aber die Machtasymmetrie nicht, wenn Governance, Datenlokalität und Kontrollrechte nicht substanziell europäisiert werden—genau der Punkt von Beckedahl MSN.

ZDF und die Summit‑Seite signalisieren den Willen zur Kurskorrektur; ob daraus ein belastbares Programm wird, hängt daran, ob Governance, Finanzierung und Standardisierung konsequent nachgezogen werden zdfheute.de bmds.bund.de.


Konkrete Maßnahmen für echte digitale Souveränität

  • Öffentliche Beschaffung neu ausrichten:

    • Interoperabilitätspflichten: Systeme müssen offene Standards unterstützen (Datenportabilität, API‑Offenheit, Identity‑Federation).

    • Exit‑Klauseln: Vertragswerk mit garantierten Migrationspfaden, Kostenobergrenzen und technischen Hilfen für Wechsel.

    • Open‑Source‑Bevorzugung: Wo möglich, bevorzugen—nicht ideologisch, sondern risikoorientiert: Auditierbarkeit, Fork‑Fähigkeit, Community‑Resilienz.

  • Europäische Cloud‑Infrastruktur skalieren:

    • Sovereign Cloud‑Profile: Klare Anforderungen an Rechtsräume, Zugriffsrechte, Audits und Betriebs‑Transparenz; Verbindlichkeit jenseits von Marketing‑Labels.

    • Compute‑Kapazitäten für Forschung und Mittelstand: Förderlinien für Zugang zu GPU/TPU‑Ressourcen, um das KI‑Innovationsgefälle zu reduzieren.

    • Datenräume mit Governance: Branchenbezogene europäische Datenräume (Gesundheit, Mobilität, Energie) mit klaren Zugriffs‑, Qualität‑ und Nutzungsregeln.

  • Regulatorische Flankierung:

    • Durchsetzung von DMA/DSA stärken: Gatekeeper‑Auflagen konsequent kontrollieren, inkl. Interoperabilität von Messaging und fairen Zugangsregeln zu Plattformen.

    • KI‑Act operationalisieren: Zertifizierung, Transparenzanforderungen und Sicherheitsstandards mit realen Audits; Verknüpfung mit Infrastruktur‑Programmen.

    • Extraterritorialität adressieren: Standardverträge und technische Maßnahmen (Kryptographie, Datensouveränität) gegen Zugriffe außerhalb europäischer Rechtsrahmen.

  • Ökosysteme und Talente fördern:

    • Aufbauschulen und Public‑Interest‑Tech: Programme zur Ausbildung in sicherer Software, Open‑Source‑Maintenance und öffentlichen digitalen Diensten.

    • Wagniskapital gezielt steuern: Europäische Fonds, die in Infrastruktur‑nahe Tech investieren (DevTools, Sicherheit, Middleware), nicht nur Consumer‑Apps.

    • Gemeinschaft und Commons: Finanzierung von Open‑Source‑Grundlagenprojekten als „digitale Daseinsvorsorge“.

  • Kommunikative Klarheit und Realismus:

    • Keine Schein‑Souveränität: Ein „EU‑Rechenzentrum“ unter unveränderten Rechts‑ und Betriebsbedingungen eines US‑Anbieters ist kein Souveränitätsgewinn.

    • Risiko‑Transparenz: Öffentliche Stellen müssen Risiken (Wechselhürden, rechtliche Zugriffe, Ausfallfolgen) dokumentieren und regelmäßig veröffentlichen.

Diese Maßnahmen setzen den Ton des Gipfels in konkrete, überprüfbare Schritte um und beantworten die Warnungen des Artikels konstruktiv zdfheute.de bmds.bund.de.


Risiken bei Nichthandeln und warum JETZT

  • Systemische Verwundbarkeit steigt: Je tiefer kritische Infrastrukturen in proprietäre Ökosysteme eingebettet sind, desto teurer und politisch heikler wird ein Wechsel.

  • Innovationslücke verfestigt sich: Ohne eigenständige Compute‑Kapazitäten, Datenräume und offene Standards wandern Talente und Firmen dort hin, wo die Infrastruktur ist.

  • Demokratische Risiken: Algorithmische Gatekeeper behalten die Kontrolle über Sichtbarkeit und Diskursregeln; das ist nicht neutral, sondern eine Machtfrage.

  • Verhandlungsmacht schwindet: Staaten verhandeln schlechter, wenn Exit faktisch unmöglich ist—Preise, Konditionen und Governance bleiben einseitig.

Mediale und politische Stimmen, die beim Gipfel zu Wort kommen, machen klar, dass die Lage nicht nur „ungünstig“ ist, sondern strategisch gefährlich. Genau hier setzt die Dringlichkeit an Euronews zdfheute.de.


Fazit

Der Artikel trifft, trotz seiner Kürze, den zentralen Punkt: Europas digitale Abhängigkeit von Big Tech ist ein Souveränitätsproblem mit realen operativen und demokratischen Risiken. Die Evidenz zu Marktkonzentration, die Besorgnis über „Blackout“-Szenarien und die Gipfelagenda untermauern diese Einschätzung. Entscheidend ist, dass der EU‑Digitalgipfel nicht bei Absichtserklärungen stehenbleibt, sondern die Hebel nutzt, die Europa tatsächlich hat: öffentliche Beschaffung, offene Standards, souveräne Cloud‑Profile, harte Durchsetzung bestehender Regeln und Investitionen in Public‑Interest‑Tech. Wer heute den Mut zur strukturellen Kurskorrektur aufbringt, reduziert morgen die Abhängigkeit—und gewinnt wieder Kontrolle über die eigene digitale Zukunft Euronews zdfheute.de bmds.bund.de MSN. Quellen: Euronews zdfheute.de MSN bmds.bund.de

Kommentar 1

Wir lernen also, falls wir es noch nicht wussten, dass Europa nicht nur militärisch von den USA abhängig ist, sondern auch digitalwirtschaftlich. Es ist eben nicht neu, aber die Kluft vertieft sich immer weiter, wenn man sieht, welche aberwitzigen Summen in den USA gerade in den Aufbau von KI-Rechenkapazität investiert wird. Dass diese Blase platzen kann, ist evident, aber die Abhängigkeit Europas würde dadurch nicht gemindert. Im Gegenteil, sie könnte richtig virulent werden, falls bei einem Crash einige Anbieter überlebenswichtiger Dienste fallieren. Europa hätte keinerlei Möglichkeit, etwas wie eine digitale Grundsicherung aufrechtzuerhalten.

Im Industriezeitalter gab es auch Abhängigkeiten, zum Beispiel von Rohstoffen. Aber alle am Handel beteiligten Länder hatten etwas, was andere nicht hatten, und darauf basierte ein geregelter Austausch. Die USA, seit der zweiten Regierung Trump wird das besonders deutlich, wollen aber alles. Und wenn die Europäer darauf keine vernünftige und schlagkräftige Antwort finden, verstärkt sich etwas, was gerne von Feinden des Westens adressiert wird:

Europa ist ein Bündel von Vasallenstaaten der USA, Deutschland hängt sogar besonders eng an den Vereinigten Staaten. Das kann man historisch begründen, man kann aber auch strategisch nach vorne arbeiten und diese Abhängigkeit mindern. Abhängig und ein Vasall sein ist nicht exakt das Gleiche, aber Letzteres resultiert ganz leicht aus Ersterem und die Vasallenmentalität hat anderseits zu dieser Abhängigkeit geführt. Nun wird Deutschland zu allem Unglück auch noch von neoliberalen, rechtskonservativen Transatlantikern regiert, die mit der Idee aufgewachsen sind, dass es gar nichts anderes gibt als diese Abhängigkeit von den USA.

Und dann ist da noch China. Unsere Forderung nach mehr europäischer Souveränität resultierte ursprünglich, als wir vor 14 Jahren mit dem ersten Wahlberliner starteten, aus der wachsenden wirtschaftlichen Dominanz Chinas. Auch hier: komplette Planlosigkeit der europäischen, besonders der deutschen Politik. Die Hintergründe kennen wir: Nirgends ist die Politik so lobbygesteuert wie bei uns, und immer haben Unternehmen, die in China ein dickes Geschäft witterten, verhindert, dass die Politik mehr Autonomie für Deutschland organisiert. Die Politik hierzulande sieht sich als ausführende Stelle von Kapitalinteressen, und das macht eine strategische Unabhängigkeit von den USA, wo das große Kapital sitzt, auch mental unmöglich. Vorgeschoben wird der Markt, der aber auf so vielen Gebieten die Dinge nicht mehr zum Wohl der Menschen regelt.

Noch profitieren wir, auch wir im engeren Sinne, von dem Deal Daten gegen kostenlose Zugänge, aber was, wenn die US-Firmen ihre Strategie wechseln, weil damit nicht mehr genug (also immer mehr) zu vedienen ist? Und was, wenn die Trump-Administration diese Firmen wiederum unter Druck setzt, um sich die aufwendige Spionage der Dienste zur Hälfte ersparen zu können, indem einfach Daten aus anderen Ländern, auch solche, die sicherheitsrelevant sind, angefordert werden? Deutschland ist ohnehin eine digitale Kolonie zweiter Ordnung geworden. Viele Dienste, die US-Konzerne zu Hause und in einigen bevorzugten Ländern anbieten, gibt es hier gar nicht oder nur eingeschränkt. Gerade im KI-Bereich existieren auffällige Unterschiede, zum Beispiel bei den Diensten von Google.

Solange man sich noch auf hohem Niveau informieren kann und versteht, wie soziale Netzwerke funktionieren, mag man das noch nicht als gefährlich empfinden. Aber wenn die Sicherheitsarchitektur hierzulande von Trumps Wohlwollen abhängt, dann … dann begreift man zum Beispiel, warum die EU so zahm ist, wenn es um Gegenmaßnahmen gegen ungerechtfertigte, willkürliche US-Zölle geht. Mit China kann Trump das nicht machen, und das merkt man an den immer wieder entstehenden Patt-Situationen bei den Handelskonflikten zwischen den beiden Ländern. Diesen Kampf werden die USA übrigens nach Ansicht vieler Experten verlieren, aus mehreren Gründen, die teilweise technischer, teilweise geopolitischer Natur sind.

Wäre dies eine Befreiung für Europa? Absolut nicht. Erstens ist China nicht der bessere Dominator, zweitens werden die USA die erpressbaren Europäer noch mehr in die Zwickmühle nehmen, wenn die dortige Regierung bei den härteren Gegnern nicht weiterkommt.

Die EU hätte allemal die Größe und das industrielle Potenzial, um dagegenzuhalten. Aber der große EU-Garten ist von lauter politischen Zwergen bevölkert. Ein neuer Kraftakt à la Airbus scheint auf dem IT-Sektor nicht möglich zu sein. Warum nicht? Das haben wir noch als Sonderanalyse beigefügt:

Das Airbus‑Beispiel ist tatsächlich ein starkes Argument: Es zeigt, dass Europa in der Lage war, sich aus einer technologischen Abhängigkeit zu befreien und eine eigene, konkurrenzfähige Industrie aufzubauen. Die Frage, warum das in anderen Feldern – etwa Cloud, KI oder Software – nicht gelingt, lässt sich aus mehreren Perspektiven beantworten:


1. Historischer Kontext: Airbus als Sonderfall

  • Strategische Bedrohung: In den 1960er/70er Jahren war die Dominanz von Boeing und McDonnell Douglas so groß, dass Europa Gefahr lief, seine Luftfahrtindustrie komplett zu verlieren. Das war ein klar erkennbares „Systemrisiko“.

  • Politische Einigkeit: Frankreich und Deutschland (später auch Spanien und UK) erkannten die strategische Bedeutung und bündelten Ressourcen. Airbus war von Anfang an ein politisches Projekt, getragen von staatlichen Investitionen und Subventionen.

  • Langfristige Finanzierung: Die Entwicklung von Airbus wurde über Jahrzehnte mit massiven öffentlichen Mitteln gestützt – ein Modell, das in der IT‑Industrie so nicht existiert.

  • Klare Nachfrage: Es gab einen klaren Markt (europäische Airlines), der bereit war, Airbus‑Flugzeuge zu kaufen, auch aus industriepolitischen Gründen.


2. Unterschiede zur digitalen Infrastruktur

  • Fragmentierte Nachfrage: In der IT gibt es keinen einheitlichen europäischen „Kundenblock“. Öffentliche Verwaltungen kaufen zwar massiv Software und Cloud‑Dienste, aber oft dezentral und ohne gemeinsame Strategie.

  • Skaleneffekte: Digitale Plattformen profitieren extrem von globalen Netzwerkeffekten. Ein europäisches „Facebook“ oder „Google“ hätte es schwer, weil Nutzerzahlen und Datenvolumen entscheidend sind. Flugzeuge hingegen sind ein klassisches Industrieprodukt, bei dem Qualität und Preis zählen.

  • Investitionskultur: Europa hat keine vergleichbare Risikokapital‑Kultur wie die USA. Airbus war staatlich finanziert; IT‑Startups brauchen aber flexible, schnelle Investitionen, die in Europa oft fehlen.

  • Technologische Pfadabhängigkeit: In Software und Cloud sind Wechselkosten enorm hoch. Ein Airbus kaufen statt Boeing ist vergleichsweise einfach; eine Verwaltung von Microsoft Office auf LibreOffice umzustellen, ist organisatorisch und kulturell viel schwieriger.


3. Politische und regulatorische Faktoren

  • Fehlende gemeinsame Strategie: Airbus war ein klar definiertes Projekt mit einem Ziel. In der IT gibt es viele kleine Initiativen (Gaia‑X, europäische Clouds, Open‑Source‑Förderung), aber keine einheitliche „Airbus‑Logik“.

  • Handelskonflikte: Airbus wurde trotz massiver Subventionen akzeptiert, weil die USA zwar protestierten, aber Europa geschlossen blieb. In der IT fürchtet man Handelskonflikte mit den USA stärker, etwa durch Zölle oder Sanktionen.

  • Regulierung statt Industriepolitik: Die EU setzt stark auf Regulierung (DSA, DMA, AI Act), weniger auf Aufbau eigener Champions. Airbus war das Gegenteil: ein industriepolitisches Projekt mit klarer Förderung.


4. Strukturelle Hindernisse

  • Zeitfaktor: Airbus brauchte Jahrzehnte, um Boeing ernsthaft Konkurrenz zu machen. In der IT entwickeln sich Märkte viel schneller – wer zu spät kommt, hat kaum Chancen.

  • Kulturelle Unterschiede: Europa hat eine starke Ingenieurstradition (Maschinenbau, Automobil, Luftfahrt), aber weniger Software‑ und Plattformkultur.

  • Abhängigkeit von US‑Infrastruktur: Selbst europäische KI‑Startups trainieren oft auf US‑Clouds (AWS, Azure, Google Cloud). Das ist ein struktureller Lock‑in, den Airbus so nicht hatte.


5. Fazit: Warum Airbus, aber nicht IT?

Airbus war möglich, weil:

  • ein klarer strategischer Bedarf bestand,

  • Staaten bereit waren, massiv und langfristig zu investieren,

  • die Nachfrage politisch abgesichert war,

  • und die Industrie kulturell und technologisch stark war.

In der IT fehlt diese Kombination: Die Nachfrage ist fragmentiert, die Investitionen zu gering, die politische Einigkeit schwach, und die Netzwerkeffekte begünstigen die US‑Dominanz. Deshalb bleibt Europa hier in der Rolle des Regulators, nicht des Produzenten.

Kommentar 2 und Ende

Natürlich ist es wichtig, die Unterschiede zu verstehen, auch historisch, denn in den 1960ern und 1970ern war grundsätzlich in Westeuropa ein starker Wille vorhanden, die alten Gräben zu überwinden und gemeinsam etwas Neues zu schaffen. Allerdings wäre Airbus nicht zustandegekommen, hätten man Frankreich nicht den symbolträchtigen Hauptsitz in Toulouse überlassen, und so läuft es leider bei fast jeder Kooperation. Es gibt immer einen, der mehr will als die anderen, egal, ob das von industriellen Fakten unterlegt ist.

In dieser zweiten Recherche zeigt sich auch gut, dass wir es mit einer US-KI zu tun haben, die es als fast unmöglich darstellt, dass Europa zu den USA aufschließen kann, weil die Herausforderungen im IT-Bereich andere sind. Wir glauben das nicht. Sowohl die Kunden sind vorhanden, falls sich einerseits alle Administrationen dazu vereinbaren, europäische Software flächendeckend einzusetzen, andererseits sich Europa als fairer Handelspartner bei Drittländern etabliert, der mit seinen Diensten nicht auf Kolonisierung aus ist. Bei der Gelegenheit könnten die Europäer viel von ihrer kolonialistischen Vergangenheit aufarbeiten. Deswegen halten wir Investitionen in Open-Source-Lösungen, die Handelspartner für sich selbst nach Bedarf weiterentwickeln können, auch für ein strategisch hochgradig sinnvolles Investment, auch wenn dadurch nicht astronomische Gewinne wie bei BigTech und BigData in den USA generiert werden können. Wenn sich ethisch bessere Strukturen einfach nur tragen würden, wäre das schon ein Gewinn an sich.

TH / Recherche- und Analyseteile mit KI erstellt


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