When Swing was King – und eine Punktlandung in Deutschland, 2025

Kultur MusicMania - Musik, Jazz, Swing, Swing-Größen, Stars, Jazz-Epochen, Jazz heute, wo lebt man Jazz und wo kann man vom Jazz leben?

Wir sind Fans der Swingmusik, die ab Mitte der 1930er bis Mitte der 1940er Jahre die Entwicklung des Jazz dominierte und später bei Profis oft ein wenig in Misskredit geriet, weil er künstlerisch als nicht so anspruchsvoll gilt wie das, was in nachfolgenden Epochen entstand. Für uns ist Swing aber King – weil er sich mit vielen Filmen verbindet, die wir besonders mögen und weil nie zuvor oder danach ein Jazzstil sich so gut wie dieser für Musicals eignete, wiewohl er dabei längst von einer eingänglichen Form von Sinfonik abgelöst wurde.

Außerdem war es das letzte Mal, vielleicht sogar das einzige Mal, dass Jazz auch die Musikrichtung Nummer eins in den USA insgesamt war: Pop und Swing-Jazz waren beinahe identisch. Wenn man es soziokulturell-historisch sehen mag: Was seitdem passiert ist, ist auch ein Symbol der Entfremdung zwischen Eliten und dem Mainstream-Publikum. Damit wird quasi wieder ein Zustand erreicht, indem oftmals, wenn man sie live erleben will, nicht gerade günstige Kunst, die schon bestehende Klassik eingeschlossen, einen separaten Weg geht, der mit dem Geschmack der meisten Menschen eher wenig zu tun hat.

Wir finden das natürlich schade, weil wir mit Klassik großgeworden sind – und der Jazz die Musik war, die von der Klassik her am leichtesten „upzuscalen“ war, heute hören wir sogar mehr Jazz als Klassik. Aber eben nicht in erster Linie die Stilrichtungen, die nach dem Bebop entstanden sind (zu den Epochen siehe eine der nachfolgenden Listen), auch wenn ein Klavierkonzert, das in Frankfurt am Main Ende der 1980er Jahre ein Jazzpianist gab, zu den ewigen Highlights unserer Konzetbesuche-Geschichte zählt.

Es ist auch eine Frage der tiefen technischen Einlassung, den spuren des modernen Jazz zu folgen, und die können wir, wie die meisten Menschen, nicht erübrigen, für uns ist Musik in erster Linie nach wie vor ein emotionales Ereignis, und da wir Rhythmus und Bewegung mögen, auch gerne ein wenig Volumen und Pathos – bleibt Swing vorerst King. Wer weiß, wie sich die Dinge noch entwickeln, wenn unser Leben einmal zur Ruhe kommen wird. Es gibt in Berlin noch Jazz-Clubs, und solange das so ist, sollte man doch mal hingehen und schauen, was Stand der Dinge ist (soweit Berlin ihn zeigt). Heute ist übrigens so ein Tag des bewussten Innehaltens gewesen, mit lange ausschlafen und so. Aus der Reflexion danach entstand dieser kleine Beitrag.

Im Sinne des Swing haben wir wissen wollen, wer war der King oder wer waren die Kings of Swing? Drei Namen fielen uns dabei sofort ein, die haben wir der KI zunächst für eine Grundrecherche vorgegeben – einen vierten Namen hätten wir eigentlich mitnennen müssen, er taucht dann auch in den Listen auf, manchmal sogar ganz oben. So haben wir angefangen:

Waren Tommy Dorsey, Benny Goodman und Glenn Miller die größten Swing-Bandleader? Wer war die Nummer eins, vom reinen Erfolg her einerseits und musikhistorisch andererseits? Wenn sollte man sonst noch nennen, wer war vielleicht noch größer? Bitte eine Liste der Top Five nach Ihrer Ansicht, die natürlich subjektiv ist, wie jedes Ranking, das nicht auf reinen Fakten basiert.

Kurzantwort vorweg: Tommy Dorsey, Benny Goodman und Glenn Miller gehören ganz ohne Frage zu den wichtigsten und erfolgreichsten Swingbandleadern der Geschichte.
Aber ob sie
die größten waren, hängt davon ab, welches Kriterium man anlegt:

  • kommerzieller Erfolg: Glenn Miller ist die Nummer 1

  • musikhistorischer Einfluss: Benny Goodman ist die Nummer 1

  • instrumentale/vokale Strahlkraft und Karrierebreite: Tommy Dorsey ist einer der wichtigsten, aber nicht der unangefochtene Spitzenreiter

  • weitere bedeutende Swing-Bandleader: Duke Ellington, Count Basie, Artie Shaw, Chick Webb

Unten folgt eine sorgfältig abgestufte, begründete Top-Five-Liste.


Wer war vom Erfolg her die Nummer 1?

Reiner kommerzieller Erfolg: Glenn Miller

Evidenz (historisch gut abgesichert):

  • Kein Bigband-Leader verkaufte innerhalb so kurzer Zeit so viele Platten wie Glenn Miller zwischen 1939 und 1942.

  • Er dominierte die US-Charts bis zu seinem Militärdienst fast ununterbrochen.

  • Seine Band erreichte ein Massenpublikum im Radio, in Filmen und durch Platten – stärker als alle Konkurrenten zur gleichen Zeit.

  • Songs wie „In the Mood“, „Moonlight Serenade“, „Chattanooga Choo Choo“ gehören zu den meistverkauften und meistgespielten Swing-Aufnahmen überhaupt.

Fazit: Kommerziell war Glenn Miller die Nummer 1.


Wer war musikhistorisch die Nummer 1?

Musikhistorischer Einfluss: Benny Goodman

Gründe:

  • Goodman wird als „King of Swing“ bezeichnet – und das nicht als PR-Label, sondern weil er Swing als Genre 1935–36 im Mainstream verankerte.

  • Sein Konzert in der Carnegie Hall (1938) war eines der ersten Ereignisse, das Jazz als seriöse, konzertfähige Kunstform etablierte.

  • Seine kleinen Besetzungen (Goodman Quartet mit Lionel Hampton, Teddy Wilson, später Charlie Christian) machten Jazzgeschichte:

    • Rassenintegrierte Besetzungen – ein musikhistorisch enorm wichtiger Schritt.

    • Pionierarbeit im frühen Bebop bzw. Modern Jazz (insbesondere durch Charlie Christians elektrische Gitarre).

  • Er war ein Instrumentalvirtuose von Weltrang und beeinflusste Generationen von Klarinettisten – von Artie Shaw bis Buddy DeFranco.

Fazit: Musikhistorisch ist Benny Goodman die Nummer 1.


Tommy Dorsey – wie groß war er?

Tommy Dorsey war:

  • einer der virtuosesten Posaunisten seiner Zeit

  • ein äußerst erfolgreicher Bandleader der mittleren 1930ern bis frühen 1940ern

  • der Entdecker und frühe Förderer Frank Sinatras (was ihn indirekt popmusikhistorisch enorm bedeutend macht)

  • bekannt für einen eleganteren, geschmeidigeren Orchestersound als viele Konkurrenten

Er war aber weniger prägend für die Evolution des Jazz als Goodman, und weniger massenzugkräftig als Miller.

Fazit: Ein überragender Bandführer – aber im Gesamtvergleich nicht die alleinige Nummer 1.


Wer war sonst noch größer oder gleichwertig?

1. Duke Ellington

Musikhistorisch größer als Goodman, Miller und Dorsey – aber Ellington zählt nicht strikt zur „klassischen Swing-Bigband-Ära“, sondern steht eher über ihr.
Er war ein Komponist, Arrangeur, Bandleader und Innovator, dessen Bedeutung über den Swing hinausgeht.

2. Count Basie

  • rhythmisch prägend

  • All-American Rhythm Section“ = fundamentale Blaupause des Swing-Grooves

  • enormer Einfluss auf Bigband-Jazz auch nach der Swing-Ära

  • ikonische Solisten (Lester Young etc.)

3. Artie Shaw

  • Goodmans großer Rivale

  • musiziert technisch teils über Goodman

  • große Hits wie „Begin the Beguine“

  • musikhistorisch weniger gewichtig – aber ein überragender Instrumentalist und Bandleader

4. Chick Webb

  • einer der frühesten und wichtigsten Swing-Drummer

  • entdeckte Ella Fitzgerald

  • prägte den Bigband-Sound der 1930er

  • starb früh (1939), sonst wäre sein Vermächtnis vermutlich noch größer


Top-Five-Ranking (subjektiv, aber historisch begründet)

1. Benny Goodman – musikhistorisch unschlagbar

Der Mann, der Swing popularisiert, legitimiert und jazzhistorisch geadelt hat.

2. Duke Ellington – der künstlerisch bedeutendste Bandleader aller Zeiten

Nicht nur Swing, sondern Musikgeschichte insgesamt.
(Er ist eher ein „Spezialfall“, weil er stilistisch über die Swing-Ära hinausgeht.)

3. Glenn Miller – der erfolgreichste, populärste Swing-Bandleader

Kommerziell und popkulturell ungeschlagen.

4. Count Basie – die groovende Grundarchitektur des Swing

Ohne Basies Rhythmusgruppe gäbe es den typischen Swing-Sound nicht.

5. Tommy Dorsey – die elegante, perfekt organisierte Bigband

Gleichzeitig Entdecker von Sinatra und Meister des balladesken Orchesterklangs.


Kurzes Fazit

Die „großen Drei“, die Sie nennen – Goodman, Miller, Dorsey – gehören zweifellos zur absoluten Spitze.
Doch wenn man musikhistorischen Einfluss, Innovation, Publikumsresonanz und künstlerische Bedeutung zusammen betrachtet, ergibt sich ein etwas erweitertes Bild:

  • Größter Einfluss: Benny Goodman

  • Größter Erfolg: Glenn Miller

  • Größter Komponist/Bandleader: Duke Ellington

  • Größter Groove-Erneuerer: Count Basie

  • Elegantester Bandleader/Entdecker von Stars: Tommy Dorsey

Es war Duke Ellington, den wir, obwohl wir ihn im Kopf hatten, nicht in der Anfrage erwähnt hatten, was natürlich nicht angeht und einer näheren psychologischen Betrachtung bedarf, aber die KI hat das geheilt und ihn richtigerweise integriert. Nach dieser Liste, die vielleicht gar nicht so subjektiv ist, wollten wir natürlich mehr wissen. Von dem, was die KI zur Vertiefung angeboten hatte, interessierte uns besonders das Ranking der Profis, der Musikkritiker und -historiker.

Hier ist ein Ranking aus Sicht der Jazzprofis, also ein Rang nach musikalischer Substanz, Innovationskraft, Arrangementkunst, instrumentaler Virtuosität, Bedeutung für die Jazzentwicklung und Einfluss auf andere Musiker.

Das heißt: Was würden Jazzmusiker, Arrangeure, Dirigenten und Jazzhistoriker als „die größten Swingbandleader“ bezeichnen?
Nicht kommerziell, nicht populär – sondern künstlerisch-fachlich.


Die Top Five aus Sicht der Profis (subjektiv, aber fachlich begründet)

1. Duke Ellington – unangefochten

Für Jazzmusiker und Profis ist Ellington fast immer die Nr. 1 – weit über der Swing-Ära. Gründe:

  • der bedeutendste Komponist/Arrangeur der Jazzgeschichte

  • über 50 Jahre kontinuierlich stilprägend

  • ein unvergleichliches Ensemble aus Solisten, für die er maßgeschneiderte Musik schrieb

  • Swing, aber auch Kunstmusik, moderne Harmonik, orchestrale Farben

  • Einfluss auf Gil Evans, Mingus, Wynton Marsalis, Stravinsky-Respekt (!)

Fazit: Aus professioneller Sicht steht Ellington allein auf einem Level, das alle anderen überragt.


2. Count Basie – der Architekt des Swing-Grooves

Unter Musikern gilt Basie oft als „der eigentliche König des Swing“, denn:

  • seine Rhythmusgruppe definierte den zeitgenössischen Swing-Beat

  • die Leichtigkeit, das „Riffing“, die legendäre Relaxedness seiner Band sind bis heute das Ideal vieler Bigbands

  • Solisten wie Lester Young, Buck Clayton, Freddie Green – ikonisch

  • minimalistische Klavierkunst, perfekt für die Bigband

Fazit: Bei Profis häufig auf Platz 1B hinter Ellington.


3. Benny Goodman – musikalische Qualität UND Innovation

Musiker bewerten Goodman höher als das Publikum, weil:

  • außergewöhnlicher Klarinettist, auf Weltklasseniveau

  • seine Small Groups (mit Teddy Wilson, Lionel Hampton, Charlie Christian) sind jazzhistorisch revolutionär

  • förderte die Integration schwarzer und weißer Musiker – ein musikhistorischer Meilenstein

  • bedeutend für die Entwicklung des modernen Jazz

  • hohe instrumentale und ensemble-technische Präzision

Fazit: Aus Profi-Sicht klar in den Top 3.


4. Artie Shaw – bei Instrumentalisten oft höher als Goodman

Shaw wird von vielen Musikern manchmal sogar höher eingestuft als Goodman, weil:

  • technisch noch virtuosere Klarinette, fast klassisches Niveau

  • anspruchsvollere Arrangements

  • weniger kommerziell orientiert, mehr künstlerischer Eigensinn

  • frühe Versuche experimenteller orchestraler Farben

  • das Orchester mit „Frenesi“ oder „Nightmare“ klingt bis heute modern

Fazit: Unter Jazzern ein „Musiker-Musiker“, ein Genie, das außerhalb der Fachwelt unterschätzt wird.


5. Woody Herman – von Profis enorm geschätzt, beim Publikum unterschätzt

Wichtig für Musiker:

  • First“, „Second“ und „Third Herd“ – drei der modernsten und musikalisch anspruchsvollsten Bigbands ihrer Zeit

  • frühe Repertoire-Nähe zum Bebop und Modern Jazz

  • entdeckte und förderte spätere Giganten: Stan Getz, Zoot Sims, Bill Harris

  • experimentierfreudige Arrangements, teils auf höchstem Niveau

  • Great American Bigband in der Nachkriegszeit

Fazit: Bei Profis oft ein Platz in den Top Five.


🎷 Wer fällt für Profis aus den Top Five heraus – und warum?

Glenn Miller

  • Musikalisch weniger komplex, stark kommerziell orientiert

  • großartige Klangarchitektur, aber nicht improvisationsorientiert

  • unter Jazzmusikern oft respektiert, aber nicht als innovativer Jazzer gesehen

Bei Profis meist nicht in den Top Five, eher in den Top 10–12.

Tommy Dorsey

  • brillanter Posaunist

  • exzellente Band

  • wichtig als Entdecker von Sinatra

  • aber weniger stilprägend für den Jazz selbst

  • sein Einfluss als Musiker ist geringer als der der oben genannten

Bei Profis eher Top 10, nicht Top Five.


🎺 Kurzfazit: Ranking aus Sicht der Profis

1. Duke Ellington – kompositorisches und orchestrales Genie

2. Count Basie – der definitive Swing-Groove

3. Benny Goodman – Präzision, Innovation, Small-Group-Revolution

4. Artie Shaw – technisch brillant, anspruchsvoll, künstlerisch mutig

5. Woody Herman – die modernste Swing- / Bigband-Tradition

Nach zwei Rankings, die wir sehr instruktiv fanden, wollten wir uns und die Leser natürlich nicht im Regen stehen lassen, was die Einordnung des Swing in die Jazzgeschichte eingeht. Es folgt eine kurze Darstellung der Epochen des Jazz, vor dem Swing und nach ihm bis … wir wollten schreiben, bis heute, doch haben gerade gesehen, dass die Geschichte gemäß KI in den 1960ern endet. Seitdem ist wohl nicht mehr viel passiert im Jazz. Von den Grundlagen her mag das wohl auch stimmen, irgendwann ist alles gespielt, was denkbar ist, genau wie die Architektur sich mittlerweile nur noch wiederholt und nebenbei immer eklektischer wird, mit Dingen, die, um es vorsichtig auszudrücken, weg könnten, wie Wolkenkratzer in direkter, nicht mehr stilisierter Penisform und dergleichen Auswüchse, aber wir werden trotzdem weiterforschen. Und vielleicht stimmt das in Bezug auf den Jazz auch gar nicht. Hier zunächst die „großen“ Epochen:

In der Jazzgeschichte gibt es relativ klar definierte Epochen vor und nach der Swing-Ära. Die Bezeichnungen sind nicht immer völlig einheitlich, aber es gibt allgemein akzeptierte Begriffe.


Vor dem Swing

1. Early Jazz / Traditional Jazz (1900–1920er)

Dies ist der Oberbegriff für die vor-swingende Jazzwelt:

  • New Orleans Jazz (ca. 1900–1920)

  • Dixieland (weiße Adaptionen ab ca. 1915–1925)

  • Chicago Style (1920er)

  • Hot Jazz (Begriff besonders für Louis Armstrong, Hot Five/Hot Seven)

Charakteristika:

  • Kollektivimprovisation

  • kleineres Ensemble

  • rhythmisch noch zweibeatbetont

  • frühe Harmonien, frühe Foxtrot-/Ragtime-Einflüsse

Diese gesamte Epoche gilt zusammenfassend als Pre-Swing Era.


2. Die Harlem Renaissance / „Early Big Band Era“ (späte 1920er)

Direkt vor dem Swing entstehen:

  • Fletcher Henderson Orchestra

  • Duke Ellingtons frühe Cotton-Club-Phase

  • Don Redman Arrangements

  • Kansas City Bands der Prä-Basie-Ära

Das ist bereits der „Proto-Swing“, aber noch nicht voll ausgeformt.


Nach dem Swing

Nach etwa 1941/42 beginnt die Swing-Ära zu zerfallen (geprägt durch Musikerabgabe in den Krieg, AFM recording ban, wirtschaftlicher Niedergang der Bigbands). Danach setzt sich Jazz in Richtungen fort, die alle kleiner besetzt, virtuoser, harmonisch komplexer und rhythmisch fortgeschrittener sind.

1. Bebop (ab ca. 1943–1950)

Die direkte Nachfolgebewegung.
Zentrale Figuren:

  • Charlie Parker

  • Dizzy Gillespie

  • Bud Powell

  • Thelonious Monk

  • Max Roach

  • Kenny Clarke

Merkmale:

  • rasantes Tempo

  • komplexe Harmonik

  • virtuosere Improvisation

  • stärker individualisierte Solistenkunst

Bebop ist die offizielle Nachfolgeära des Swing.


2. Cool Jazz (ca. 1949–1955)

Parallel/anschließend an Bebop:

  • Miles Davis „Birth of the Cool“

  • Lennie Tristano

  • Stan Getz

  • Gerry Mulligan

Merkmale:

  • entspannterer Sound

  • kammermusikalische Anmutung

  • leichtere Arrangements


3. Hard Bop (ca. 1954–1965)

Reaktion auf Cool Jazz:

  • Horace Silver

  • Art Blakey

  • Clifford Brown

  • später Cannonball Adderley

Merkmale:

  • gospel- und bluesorientiert

  • erdig, kraftvoll

  • stärker rhythmisch traditionell


4. Modal Jazz (ca. 1958–1965)

  • Miles Davis („Kind of Blue“)

  • John Coltrane (späte 1950er/1960er)


5. Free Jazz / Avantgarde (ab ca. 1960)

  • Ornette Coleman

  • Cecil Taylor

  • Archie Shepp

  • Sun Ra


Kurz zusammengefasst

Vor Swing

  • Early Jazz / Traditional Jazz

  • New Orleans Jazz

  • Dixieland

  • Chicago Style

  • Harlem/Proto-Swing (späte 1920er)

Nach Swing

  • Bebop (direkter Nachfolger)

  • Cool Jazz

  • Hard Bop

  • Modal Jazz

  • Free Jazz

 

Wir schieben vor die Weiterverfolgung der Entwicklung bis heute die Verifizierung unserer eingangs getätigten Aussage, dass die Swing-Ära auch deswegen kulturhistorisch so bedeutend ist, weil hier zum ersten und einzigen Mal ein Jazz-Stil auch der Pop jener Zeit war:

Ja – genau das kann man sagen, und es ist historisch absolut korrekt.
Die Swing-Ära (ca. 1935–1942/44) ist das einzige Mal in der gesamten Geschichte des Jazz, dass:

  1. Jazz die dominierende populäre Musik in den USA war,

  2. Jazz gleichzeitig die führende Tanzmusik war,

  3. Jazzstars echte Popstars waren (Goodman, Miller, Shaw, Basie, Ellington, Dorsey),

  4. Jazzbands das Radioprogramm dominierten,

  5. Jazz ein Massenphänomen war, das alle gesellschaftlichen Gruppen erreichte.

Kein anderer Jazzstil davor oder danach hatte diese überragende Breitenwirkung.


Warum die Swing-Ära einzigartig populär war

1. Bigbands boten die perfekte Mischung aus Jazz und Pop

Swing-Bigbands waren:

  • rhythmisch energiegeladen

  • melodisch eingängig

  • tanzbar

  • professionell organisiert

  • instrumentiert wie „Klangmaschinen“ für ein großes Publikum

Das machte sie massentauglicher als Bebop, Cool Jazz oder Hard Bop, die zwar innovativer, aber weniger „popfähig“ waren.


2. Radio + „National Bands“

Das Radio brachte Bigbands landesweit ins Wohnzimmer:

  • The Benny Goodman Show

  • Glenn Miller’s Chesterfield Broadcasts

  • Camel Caravan

  • Hitparaden mit Bigband-Musik

Jeden Abend liefen Bigband-Livemitschnitte in ganz Amerika.
Jazz war also nicht nur beliebt:
Jazz war Alltagskultur.


3. Die Tanzkultur der 1930er/40er

Swing war Tanzmusik – und zwar die Tanzmusik.

  • Lindy Hop

  • Jitterbug

  • Shag

  • Big Apple

Kein späterer Jazzstil blieb Tanzform, daher verlor Jazz nach dem Swing seine Popfunktion.


4. Hohe Professionalität und Standardisierung

Bigbands hatten:

  • Arrangierte Stücke

  • Klar definierte Rollen

  • Star Solists“ als Wiedererkennungsmerkmal

  • Hohe Ensemblepräzision

Damit waren sie radiotauglich und massentauglich, ganz anders als die stärker improvisierten späteren Formen.


5. Stars von Pop-Star-Größe

Nur während der Swing-Ära gab es Jazzmusiker, die echte Massenidole waren:

  • Benny Goodman – „King of Swing“

  • Glenn Miller – größter Hitproduzent

  • Tommy Dorsey – weltbekannter Bandleader

  • Artie Shaw – Sexsymbol und musikalisches Genie

  • Count Basie / Duke Ellington – riesige Bands mit nationaler Bekanntheit

In den 1950ern waren Jazzgrößen (Miles Davis, Charlie Parker, Coltrane) zwar künstlerisch wichtig, aber nicht mehr die Popstars Nr. 1.


Was geschah danach?

Nach 1945 verlor Jazz seine Rolle als populäre Mainstreammusik, weil:

  • der Krieg Bigbands ruinierte (Kosten, Musiker eingezogen)

  • Bebop für das Massenpublikum zu komplex war

  • Genres wie Rhythm & Blues, Crooner-Pop, Country, später Rock ’n’ Roll das Publikum übernahmen

Seitdem ist Jazz vor allem Kunstmusik, nicht Popmusik.


Fazit

Die Swing-Ära ist das einzige Kapitel der Musikgeschichte, in dem Jazz gleichzeitig die populärste Musikgattung der USA und der wichtigste Kunststil des Landes war.

Das ist in dieser Form nie wieder passiert.

 



Nun aber die Frage zum Jazz bis heute: Sie haben oben die Entwicklung des Jazz quasi in den 1960ern enden lassen. Was ist seitdem passiert? Kann man die Zeit ab den 1970ern nicht mehr kategorisieren und eine Entwicklung herausarbeiten? Auch ein Revival früherer Stile oder eine Renaissance wäre ja eine solche Entwickung.

Sehr gute Frage — und tatsächlich ein häufiges Missverständnis:
Die Jazzentwicklung endet keineswegs in den 1960ern, aber ab den 1970ern wird sie viel pluraler, fragmentierter und weniger linear als zuvor.

Vor 1970 kann man Jazz relativ klar in „Epochen“ einteilen (New Orleans → Swing → Bebop → Cool → Hard Bop → Modal → Free).
Ab den 1970ern ist Jazz
keine Stil-Linie mehr, sondern ein Netzwerk aus parallelen Stilrichtungen, Revivals, Experimenten und Rückbezügen.

Man kann die Zeit danach kategorisieren – aber es gibt keine dominierende Stilrichtung mehr, die alle anderen ablöst.
Trotzdem lässt sich eine
klare Entwicklungsgeschichte nach 1970 schreiben.


Die wichtigsten Jazzentwicklungen seit den 1970ern

(Exklusive, aber historisch anerkannte Kategorisierung)


1. Jazz Fusion (ab ca. 1970)

Nach Miles Davis’ „Bitches Brew“ (1969) beginnt Fusion:

  • stärker elektrische Instrumente

  • Rock-Elemente, Funkrhythmen, Repetitionen

  • Virtuosität und Technik im Mittelpunkt

  • Synthesizer, E-Bass, E-Gitarre

Zentrale Figuren:

  • Miles Davis (elektrische Phase)

  • Herbie Hancock (Headhunters)

  • Weather Report

  • Mahavishnu Orchestra

  • Return to Forever / Chick Corea

Diese Musik war innovativ UND kommerziell erfolgreich — teilweise millionenfach verkauft.

Fusion war in den 1970ern die dominierende neue Jazzrichtung.


2. Jazz Rock / Crossover / Smooth Jazz (1975–1990)

Fusion spaltet sich:

a) Jazz Rock:

  • härter, rockiger

  • Jeff Beck

  • Blood, Sweat & Tears

  • Chicago (frühe Phase)

b) Smooth Jazz (kommerzieller):

  • George Benson

  • Grover Washington Jr.

  • Kenny G

  • David Sanborn

Diese Stile waren massiv erfolgreich, aber jazzhistorisch weniger hoch angesehen.


3. Free Jazz → Avantgarde → Post-Free (1970er bis heute)

Nach Ornette Coleman, Cecil Taylor, Coltrane entwickelt sich die Avantgarde weiter.

Schlüsselstränge:

  • Loft Jazz in New York (Sam Rivers, Dave Holland)

  • AACM/Art Ensemble of Chicago

  • europäische Improvisationsbewegung (Derek Bailey, Evan Parker)

  • John Zorn und Radical Jewish Culture

  • Anthony Braxton

Diese Szene hat riesigen Einfluss auf den zeitgenössischen Jazz.
Sie ist quasi der „moderne Klassik-Jazz“ – experimentell, intellektuell.


4. Neo-Traditionalismus / „Young Lions“ (1980er bis heute)

Eine starke Gegenbewegung zu Fusion und Avantgarde:

  • Rückkehr zu akustischem Jazz

  • Rückgriff auf Hard Bop, Bebop, frühe Moderne

  • Betonung von Form, Swing, Blues, Tradition

Wichtigste Figur:

Wynton Marsalis

sowie Branford Marsalis, Roy Hargrove, Terence Blanchard, Mulgrew Miller, Joshua Redman.

Diese Bewegung prägt:

  • die Lincoln Center Jazz Orchestra

  • Jazz als „klassische Kunstform“

  • Wiederentdeckung von Ellington, Basie, Armstrong

Dies ist eine Renaissance traditioneller Jazzformen.


5. Postmodern Jazz / “Postbop” (1990er–heute)

Viele Musiker entwickeln den Jazz weiter, ohne an eine bestimmte Schule gebunden zu sein:

  • Brad Mehldau

  • Kurt Rosenwinkel

  • Chris Potter

  • Brian Blade

Merkmale:

  • Mischung aus Modern Jazz, Klassik, Rock, Minimalismus

  • rhythmische Komplexität

  • lyrische Solokunst

  • zeitgenössische Harmonik

Hier findet man den aktuell einflussreichsten „Hauptstrom“-Jazz.


6. World Jazz / Ethno Jazz (seit den 1980ern)

Fusion nicht mit Rock, sondern mit:

  • indischer Musik

  • Balkanmusik

  • afrikanischer Musik

  • arabischer Musik

  • südamerikanischen Strukturen

Wichtige Figuren:

  • Jan Garbarek (Nordic Jazz → ECM-Sound)

  • Oregon

  • Rabih Abou-Khalil

  • Abdullah Ibrahim

  • Avishai Cohen

Das Label ECM definierte hier eine eigene Klangästhetik:
weiträumig, melancholisch, europäisch, meditativ.


7. Jazz und Hip-Hop (ab 1990, aber besonders 2000–heute)

Modernste Entwicklung, derzeit extrem einflussreich:

frühe Phase:

  • A Tribe Called Quest

  • Guru’s „Jazzmatazz“

  • The Roots

aktuelle Phase (sehr relevant):

  • Robert Glasper

  • Kamasi Washington

  • Terrace Martin

  • BADBADNOTGOOD

  • Kendrick Lamar („To Pimp a Butterfly“ → Jazzstrukturen)

Diese Musik ist jazzharmonisch, aber rhythmisch Hip-Hop.

Manche sprechen von der dritten großen Jazzrevolution nach Bebop und Fusion.


8. New Acoustic / Creative Music (2000–heute)

Viele moderne Ensembles arbeiten:

  • minimalistisch

  • kammermusikalisch

  • mit Polyrhythmen

  • mit experimentellen Formen

Beispiele:

  • Vijay Iyer

  • Tigran Hamasyan

  • The Claudia Quintet

  • Ambrose Akinmusire

Dies ist heute künstlerisch die avancierteste Jazzlinie.


Warum wirkt die Zeit nach 1970 so schwer kategorisierbar?

  1. Der Jazz verliert seine Monokultur.
    Zuvor: ein Hauptstil löst den vorherigen ab.
    Danach: mehrere große Strömungen existieren nebeneinander.

  2. Jazz wird global.
    Nicht mehr nur USA → Europa, Afrika, Asien, Südamerika.

  3. Jazz wird akademisch.
    Hochschulen → Explosion an Stilen und Techniken.

  4. Jazz wird technologieoffen.
    Elektronik, Sampling, Synthesizer, DJ-Kultur.

  5. Jazz hört auf, Popmusik zu sein.
    Dadurch fehlt der kommerzielle Druck auf Vereinheitlichung.


Fazit

Ja:
Ab den 1970ern
kann man die Entwicklung des Jazz kategorisieren — aber es gibt kein „lineares Fortschrittsmodell“ mehr.

Die wichtigsten Stränge seitdem sind:

  1. Fusion

  2. Smooth/Crossover

  3. Avantgarde/Post-Free

  4. Neo-Traditionalismus

  5. Postbop / Contemporary Mainstream

  6. World Jazz / Nordic Jazz (ECM)

  7. Jazz + Hip-Hop

  8. Creative/Experimental Modern Jazz

Diese Strömungen existieren parallel, beeinflussen sich, widersprechen sich – und genau das macht den modernen Jazz so vielfältig wie nie zuvor.

Wenn man es ironisch betrachten will, was angesichts der Weltlage nie fern liegt, kann man sagen, es gibt keine Ordnung mehr, jeder macht, was er will. Deshalb finden wir die Bemerkung auch ganz wichtig, dass Jazz nicht mehr in ein kommerzielles Korsett eingezwängt ist. Wie Jazzmusiker ihr Auskommen finden, war daher eine logische Folgefrage (sofern sie nicht gerade an staatlichen Musikschulen u. dgl. einen Hauptjob haben, der ein regelmäßiges Einkommen garantiert). Damit sind wir natürlich raus der Jazzgeschichte und weit weg vom Swing, als die großen Bands sich nicht nur getragen, sondern zumindest ihre Chefs auch wohlhabend gemacht haben. Auch damals gab es allerdings schon ein großes Gefälle zwischen Film und Musik, die Einkommen der Künstler betreffend. Mittlerweile ist dies freilich ins Extreme gedriftet, wie die folgende nächste Recherche zeigt:

Kurz gesagt: von sehr vielen unterschiedlichen Einkommensquellen gleichzeitig.
Es gibt heute nur noch wenige Jazzmusiker, die allein durch Plattenverkäufe oder Tourneen leben können. Stattdessen entsteht ein „Patchwork-Einkommen“, das sich aus mehreren Bausteinen zusammensetzt.

Ich gebe Ihnen die realistische, heutige Perspektive — so sehen es Musiker selbst, Musikhochschulen und Veranstalter.


Die 10 wichtigsten Einkommensquellen heutiger Jazzmusiker

1. Live-Auftritte (Konzerte, Festivals, Clubs)

Das war früher der Hauptpfeiler, ist heute aber weniger stabil:

  • geringe Gagen in Clubs

  • höhere Gagen auf Festivals

  • Tourneen oft subventioniert oder durch Crowdfunding unterstützt

  • viele Bands sind „Projektbands“ (kurze Tour, dann Pause)

Trotzdem bleibt Live-Spiel zentrales Einkommen.


2. Lehre / Hochschultätigkeiten

Heute vielleicht der stabilste Einkommensblock:

  • Musikhochschulen (Jazzdepartments boomen seit den 1990ern)

  • Privatunterricht

  • Workshops

  • Masterclasses

Viele große Namen unterrichten parallel (Mark Turner, Kurt Rosenwinkel, Mark Guiliana, Vijay Iyer etc.).

Fakt: Ohne Pädagogik könnten viele moderne Jazzmusiker nicht überleben.


3. Kompositionsaufträge / Auftragswerke

Für:

  • Theater

  • Film (auch Independent-Filme)

  • TV-Dokumentationen

  • Hörspiele

  • Festivals, die Kompositionsstipendien vergeben

  • Bigband-Arrangements für Hochschulen und Jugendorchester

Das wird immer wichtiger.


4. Fördergelder und Stipendien

Besonders in Europa:

  • staatliche Kulturförderung

  • Stipendien (z. B. Villa Massimo, DAAD, Fulbright, Guggenheim)

  • Projektförderungen auf Stadt-, Landes- oder Bundesebene

  • Kulturfonds für Tourneen

  • Zuschüsse für Aufnahmen

Für viele ist dies existenziell – ohne Förderung könnten moderne Jazzprojekte kaum realisiert werden.


5. Streaming und Verkäufe – aber minimal

Streaming bringt fast gar nichts:

  • Spotify: wenige Hunderttausend Streams → oft nur 800–1500 Euro

  • Downloads (iTunes) bringen etwas mehr, aber Markt schrumpft

  • CD-Verkäufe: bei Konzerten noch wichtig, aber im Handel kaum relevant

  • Vinyl erlebt ein Revival, aber traditionell teuer in der Produktion

Über Plattenverkäufe lebt heute praktisch keiner.


6. Musikschulen, Volkshochschulen, privat finanzierte Institutionen

Viele Jazzmusiker:

  • unterrichten Kinder

  • leiten Workshops

  • geben Improvisationskurse

  • betreuen Bandcoaching-Programme

Das bildet oft die finanzielle Basis zwischen Tourneen.


7. Nebenprojekte in Pop, Rock, Theater, Klassik

Jazzmusiker sind flexibel und oft extrem gut ausgebildet.
Viele spielen:

  • im Studio für Popkünstler

  • in Theaterproduktionen

  • in Musicals

  • in Film- und TV-Orchestern

  • als Arrangeure für Singer-Songwriter

Beispiele:

  • Brad Mehldau spielte für Pat Metheny und in Popprojekten

  • Robert Glasper bewegt sich zwischen Hip-Hop, R&B und Jazz

  • Chris Potter spielt auf unzähligen Studioalben

Diese Jobs bringen mehr als reine Jazzauftritte.


8. Kuratieren, Künstlische Leitung, Kulturmanagement

Erfolgreiche Musiker übernehmen Funktionen wie:

  • Leitung eines Festivals

  • Artist-in-Residence an Konzerthäusern

  • Programmierung von Konzertreihen

  • Jurytätigkeiten

Die Gagen sind oft sehr gut und sichern das Einkommen ab.


9. Crowdfunding / Patreon / Direktunterstützung

Neue, zunehmend wichtige Modelle:

  • Patreon: Fans unterstützen monatlich

  • Kickstarter/Startnext: Finanzierung von Alben

  • exklusive Inhalte (Behind-the-Scenes, Unterrichtsvideos, Livestreams)

Gerade Independent-Jazzer nutzen dies intensiv.


10. Merchandising

Klingt trivial, ist aber ein Baustein:

  • CDs / Vinyl

  • Noten und Transkriptionen

  • Posterserien

  • signierte Editionen

  • digitale Pakete (Loops, Samples, Solotranskriptionen)

Manche verdienen damit mehr als mit der Musik selbst.


Was bedeutet das für die Jazzszene?

1. Jazz ist heute ein „professionelles Kunsthandwerk“

Er ist nicht mehr Popmusik, nicht massenattraktiv – eher wie:

  • zeitgenössische Klassik

  • moderne Literatur

  • Gegenwartskunst

Man überlebt durch ein Bündel an Tätigkeiten.


2. Es gibt heute mehr gute Jazzmusiker als je zuvor

Dank Musikhochschulen ist das Ausbildungsniveau extrem hoch.
Doch: Der Markt ist kleiner geworden.


3. Europa (insbesondere Deutschland, Skandinavien) ist ein besserer Ort zum Überleben als die USA

Wegen:

  • Förderprogrammen

  • Kulturtradition

  • subventionierten Clubs

  • Rundfunkproduktionen (NDR Bigband, WDR Bigband usw.)

Viele US-Musiker leben heute lieber in Europa.


4. Die Karriere eines Jazzmusikers ähnelt strukturell der eines klassischen Komponisten oder eines freien Künstlers

Das heißt:

  • Projektarbeit

  • institutionelle Verankerung

  • internationale Vernetzung

  • künstlerische Autonomie statt Marktdruck


Fazit

Der Jazz ist in der Gegenwart eine Kunstform, keine Popmusik.
Und wie andere Kunstformen trägt er sich durch:

  • Live-Auftritte

  • Lehre

  • Kompositionsaufträge

  • Förderung

  • Crossover-Projekte

  • Streaming und Verkäufe (als kleiner Zusatz)

Jazzmusiker leben heute – und das ist positiv – freier, aber wirtschaftlich weniger abgesichert als früher.

Ob es wirklich positiv ist, „freier, aber wirtschaftlich weniger abgesichert“ zu leben als früher, sollte man die Jazzmusiker einmal fragen, aber wenn jemand sein Bündel an Tätigkeiten geschnürt hat, auf der Basis einer fundierten Ausbildung, während derer man schon den Einstieg organisieren kann, läuft es vermutlich auskömmlich. Wir kennen das Problem aber von der Schriftstellerei, es gibt heute, speziell in Deutschland, nur wenige Autoren und Autorinnen, die sich kommerziell ausschließlich aus Buchverkäufen über große Verlage tragen (oder auch aus dem Self-Publishing).

Das Fazit, dass nicht nur die Stile, sondern auch das Leben der Jazzmusiker ziemlich fragmentiert wirkt, liegt nah, aber in Deutschland gibt es eine recht rege Jazzkultur, wie man im Folgenden feststellen kann:

Hier ist ein präzises, realitätsnahes Ranking der Länder, die heute für Jazzmusiker die besten Förder-, Arbeits- und Überlebensbedingungen bieten.
Das basiert auf:
– staatlicher Kulturförderung
– Infrastruktur (Clubs, Rundfunk, Festivals)
– Honoraren
– Projektförderung
– Lebenshaltungskosten im Verhältnis zu Einkommen
– internationalen Erfahrungsberichten von Jazzmusikern


Top-Länder für Jazzförderung und Jazzkarrieren

1. Deutschland – das heutige Zentrum der europäischen Jazzförderung

Deutschland ist faktisch das förderstärkste Jazzland der Welt.

Gründe:

  • zahlreiche städtische und Landesförderprogramme (Künstlerstipendien, Projektförderung, Reiseförderung, Kompositionsaufträge)

  • Bundesförderung (z. B. Initiative Musik, Musikfonds)

  • subventionierte Konzertsäle und Kulturzentren

  • starke öffentlich-rechtliche Rundfunkkultur → Auftragswerke, Studioproduktionen, Bigbands (NDR, WDR, HR, SWR)

  • viele gut bezahlte Hochschullehrstellen

  • hoher Gagenstandard im EU-Vergleich

  • dichtes Netz von Jazzclubs

Deutschland ist heute das Land, in dem sich die meisten US-Jazzmusiker niederlassen, wenn sie nach Europa wechseln.


2. Norwegen – kleiner Markt, überragende Förderung

Norwegen hat pro Kopf das weltweit großzügigste Kulturbudget.

Vorteile:

  • extrem hohe staatliche Unterstützung

  • Jazzkompositionsstipendien, Tourförderungen, Reisekostenzuschüsse

  • Labels wie ECM wirken als Magnet

  • hohe Honorare

  • starker innovativer Szenegeist (Nils Petter Molvær, Mathias Eick, Punkt-Festival)

Nachteil:
Lebenshaltungskosten sind sehr hoch – aber durch Subventionen abgefedert.


3. Dänemark – „Nordic Jazz Paradise“

Dänemark hat eine sehr systematische Jazz-Infrastruktur.

Merkmale:

  • Danish Arts Foundation unterstützt Tourneen, Aufnahmen, Komposition

  • JazzDanmark als nationale Organisation

  • viele Residenzprogramme

  • gutes Hochschulsystem (Rytmisk Musikkonservatorium, Aarhus etc.)

  • hohe Wertschätzung für kreative Musik

  • traditionell enge Verbindung zu US-Musikern (Dexter Gordon lebte in Kopenhagen)


4. Niederlande – kreativ, organisiert, sehr zugänglich für internationale Künstler

Die Niederlande sind kleiner als DE, größer (Bevölkerungszahl) als NO/DK, und unglaublich dynamisch.

Vorteile:

  • starke Szene in Amsterdam und Rotterdam

  • Konservatorium Amsterdam = internationale Elite

  • gute Tourförderung

  • Festivaldichte (North Sea Jazz etc.)

  • viele Residenzen und Zuschüsse

  • relativ hohe Gagen

  • tolerante, offene Szene für Experimente


5. Kanada – das beste außereuropäische Fördermodell

Vor allem Québec (Montreal) ist ein Jazz-Hotspot.

Gründe:

  • starke nationale und provinziale Förderung

  • Canada Council for the Arts

  • starke Festivalstruktur (Montreal Jazz Festival)

  • gute Unterstützung junger Künstler

  • Residenzprogramme in Clubs

  • niedrigere Lebenshaltungskosten als USA


Länder, die ebenfalls sehr gut sind (aber nicht Top 5)

Schweden

  • sehr gutes Fördersystem, ähnlich Dänemark

  • viel Studio-/Rundfunkarbeit

  • exzellente Musikschulen

  • aber weniger viele Jobs als die Nachbarn

Finnland

  • wie Schweden, kleiner aber experimentierfreudig

  • das Sibelius-Konservatorium produziert Weltklassemusiker

Frankreich

  • gute staatliche Förderung

  • starke Kulturpolitik

  • aber schwierigere strukturelle Bedingungen für Jazzclubs

Österreich / Schweiz

  • ausgeprägte Förderlandschaften

  • guter Lohn pro Gig

  • Schweiz hat hohe Honorare, aber teures Leben


Warum die USA NICHT auf der Liste stehen

Das klingt überraschend, aber es ist Realität:

Die USA sind musikalisch das Mutterland des Jazz, aber finanziell eines der schwierigsten Länder für Jazzmusiker.

Gründe:

  • keine staatliche Kulturförderung

  • kaum Gagen

  • Clubs zahlen oft „door deals“ (Anteil an Eintritt)

  • teure Gesundheitsversorgung

  • extrem hohe Konkurrenz

  • kaum Sozialabsicherung

  • Touren über große Distanzen teuer

  • nur wenige Hochschulstellen

Deshalb ziehen viele US-Jazzmusiker nach Europa, weil dort Jazz künstlerisch geschätzt und finanziell unterstützt wird.


Fazit

Die besten Länder für eine professionelle Jazzkarriere (finanziell + künstlerisch) sind heute:

1. Deutschland
2. Norwegen
3. Dänemark
4. Niederlande
5. Kanada

Europa — insbesondere Deutschland und Skandinavien — ist heute der globale Kern des institutionalisierten, geförderten und professionell gesicherten Jazzlebens.

Es ist geradezu berührend – für ein einziges Mal ist Deutschland irgendwo vorne. Jemand hat uns kürzlich gesagt, wir befassen uns in unseren Artikeln zu viel mit Negativem, das sei ja auch belastend. Ist es natürlich, aber so ist die Welt. Vielleicht sollten wir zum Ausgleich eine Reihe von Artikeln beginnen, in denen wir eine neue Vision für Made in Germany entwerfen. Leider wäre die Reihe kurz, denn auf allen wichtigen politischen und wirtschaftlichen Messgrößen zählt Deutschland nicht mehr zu den Besten. Aber die Kulturförderung, auch durch die viel geschmähten „Öffentlich-Rechtlichen“, bedingt wiederum durch die föderale Struktur, die stärker ausgeprägt ist als in anderen europäischen Ländern, die mehr auf ihre Hauptstädte hin ausgerichtet sind, die hat noch einen Rang, zumindest im Bereich der Jazzkultur Wir könnten die Recherche nun immer weitertreiben oder auch wieder an einem früheren Zeitpunkt einsteigen, denn wir sind schon ganz schön weit weg vom Swing-King.

Wir schließen aber an dieser Stelle und widmen uns noch ein paar sozialen Aufgaben.

TH


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