Was machen wir an Weihnachten? (Statista + Zusatzinfos + Kurzkommentar)

Gesellschaft Weihnachten, Tätigkeiten, Beschäftigungen, Familie, Konsum, Religion

Sind Sie auch genervt, wenn schon ab Anfang Oktober im Einzelhandel der Weihnachtszustand ausgerufen wird? Aber am 29. November, knapp vier Wochen vor Weihnachten, darf man doch mal über Weihnachten texten. Außerdem steht uns der Sinn nach einem kurzen, einfachen Artikel:

Infografik: Was machen die Deutschen am 24. Dezember (nicht)? | Statista

Hier sind die wesentlichen Balkendaten aus der Statista-Grafik „Aktivitäten an Heiligabend in Deutschland“ — also: die häufigsten und seltensten Tätigkeiten — plus etwas Kontext, Gedanken und weiterführende Überlegungen:

📊 Haupt­ergebnisse der Umfrage

Laut der Grafik sind die folgenden Aktivitäten die beiden mit dem größten Anteil an Befragten an Heiligabend: (Statista)

Rang / Aktivität

Anteil der Befragten

1. Geschenke austauschen / Bescherung / Geschenke geben oder bekommen

44 % (Statista)

2. Einen Film ansehen / gemeinsam Film schauen

42 % (Statista)

Darüber hinaus nennt der Statista-Text als weitere häufig genannte Aktivität:

  • Musik hören: 35 % der Befragten sagen, dass sie an Heiligabend Musik hören wollen. (Statista)

Als weniger populär / selten benannt sind demnach: (Statista)

  • Gemeinsam Musik machen oder singen — also aktiv musizieren bzw. singen: eher selten. (Statista)

  • Besuch von Weihnachtsmann (bzw. eine inszenierte Weihnachtsmann-Bescherung) – „eher selten“. (Statista)

  • Den Weihnachtsabend in der Kneipe verbringen — „praktisch gar nicht üblich“. (Statista)

Damit ergibt sich eine klare Rangfolge: Geschenktausch und Filmschauen liegen vorn; aktive musikalische Unterhaltung, klassische „weihnachtliche Show“ mit Weihnachtsmann und Ausgehen in Kneipen spielen nur eine marginale Rolle.


🧠 Gedanken, Interpretationen und Kontext

Familien­feier, Bescherung und Gemütlichkeit dominieren

Dass der Austausch von Geschenken mit 44 % an erster Stelle steht, deckt sich mit dem typischen Bild von Heiligabend in Deutschland: Für viele ist der Abend vor allem die Gelegenheit für Bescherung und gemeinsame Zeit mit Familie oder Bekannten. Das Fest wird offenbar sehr häufig privat und im familiären Rahmen begangen — nicht als öffentliches Event, Ausgehen oder Party.

Dass direkt danach das gemeinsame Filmeschauen (42 %) steht, unterstreicht diese Tendenz: Wie eine Art „festliches Wohnzimmerprogramm“ — Bescherung, dann Film — scheint vielen Deutschen der klassische Heiligabend zu sein.

Mit 35 % Musik hören als drittbeliebteste Aktivität zeigt sich ein Mix aus Tradition und entspannter Unterhaltung: Musik, Lieder oder Weihnachtsmusik spielen für viele eine Rolle, ohne dass gleich gemeinsames Singen oder Musizieren üblich ist.

Das relativ seltene Singen bzw. Musizieren gemeinsam (aktives Musizieren) und der nahezu verschwiegene Besuch eines Weihnachtsmanns deuten darauf hin, dass solche inszenierten oder klassischen Traditionsrituale eher aus der Mode kommen — vielleicht auch, weil viele Familien ihre Weihnachtsfeiern modern, gemütlich und unaufwändig gestalten möchten.

Und der sehr geringe Anteil, der den Abend in einer Kneipe verbringt, zeigt: Heiligabend ist für die meisten ein ruhiges, häusliches Ereignis — nicht vergleichbar mit Feiertagsausgehen, Party oder Konzert, wie man es womöglich aus anderen Ländern kennt.

Wandel der Weihnachtstraditionen – Säkularisierung & Individualisierung

Die Ergebnisse könnten auch ein Hinweis auf eine breitere gesellschaftliche Entwicklung sein: Viele traditionelle kirchliche oder gemeinschaftliche Weihnachtselemente verlieren Bedeutung, während private, individuelle und konsumbezogene Rituale wie Geschenke und gemeinsames Filmeschauen dominieren. In diesem Sinne symbolisiert der moderne Heiligabend eher Familie + Bescherung + Freizeit als religiöse bzw. gemeinschaftliche Tradition.

Das passt zu dem allgemeinen Wandel des Weihnachtsbrauchtums: Laut dem historischen Überblick zu Weihnachten in Deutschland ist aus dem ursprünglich religiös und gemeinschaftlich geprägten Fest ein zunehmend privat-bürgerliches Familienfest geworden. (Wikipedia)

Gesellschaftlicher Aspekt: Einsamkeit & soziale Isolation nicht vergessen

Aus anderen Umfragen weiß man, dass — trotz der starken Ausrichtung auf Familie und Bescherung — nicht alle Heiligabend im Kreis von Familie oder Freunden verbringen. Laut einer gegenwärtigen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov wollen zwar rund 73 % der Deutschen den Heiligabend mit der Familie feiern, doch etwa 11 % gaben an, allein feiern zu wollen. Besonders betroffen sind ältere Menschen: Bei den über 55-Jährigen liegt der Anteil derer, die allein sind, bei 15 %. (Heinrichs-Verlag Bamberg)

Das führt vor Augen: Für viele ist Heiligabend zwar ein Symbol für Gemeinschaft und Besinnlichkeit — für eine beachtliche Minderheit ist der Abend aber mit möglicher Isolation verbunden. Gerade bei zunehmender Mobilität, kleiner werdenden Familienstrukturen und gesellschaftlichem Wandel könnte sich dieser Anteil perspektivisch verändern.


🔗 Vergleich mit anderen Erkenntnissen und weiterführende Quellen

  • Laut dem allgemeinen Überblick über Weihnachten in Deutschland stehen private Feiern und das Beisammensein mit Familie oder Freunden im Mittelpunkt: Der Brauch der Bescherung, des Weihnachtsbaums und des familiären Zusammenseins hat sich seit dem 19. Jahrhundert etabliert. (Wikipedia)

  • Gleichzeitig zeigen aktuelle Umfragen wie die des YouGov-Instituts, dass Heiligabend für viele Menschen der Familie vorbehalten bleibt — aber eine spürbare Minderheit allein ist. (Heinrichs-Verlag Bamberg)

  • Der Rückgang klassischer kirchlicher oder gemeinschaftlicher Elemente stimmt mit dem Trend der Säkularisierung überein, den viele Gesellschaften im deutschsprachigen Raum beobachten. (Wikipedia)


💡 Meine Einschätzung

Die Zahlen der Statista-Umfrage legen nahe: Der „moderne“ Heiligabend in Deutschland ist überwiegend ein ruhiges, familiäres Ereignis — geprägt von Bescherung, gemütlicher Unterhaltung und zurückhaltender Feierlichkeit. Kommerzielle und private Rituale (Geschenke, Filme, Musik hören) gewinnen offenbar an Bedeutung, während klassische kollektive, gemeinschaftliche oder kirchliche Elemente (gemeinsames Singen, Weihnachtsmann-Besuch, Ausgehen) zurücktreten.

Das heißt aber nicht, dass Tradition komplett verschwunden ist — vielmehr wandelt sie sich: vom öffentlichen Brauch hin zu privaten, eher konsum- oder familienorientierten Ritualen. Für viele ist Heiligabend weniger religiös-kulturell, sondern mehr emotional-sozial geprägt: gemeinsames Zusammensein, Erinnern, Entspannen und vielleicht auch Entschleunigen.

Gleichzeitig zeigt der Hinweis auf Alleinstehende, dass Weihnachten — trotz aller Gemeinschaft — auch ein Anlass sein kann, der Einsamkeit bewusst macht. Das unterstreicht die Bedeutung sozialer Unterstützung, Nachbarschaftsinitiativen oder freiwilligen Engagements gerade in der Weihnachtszeit.

Kurzkommentar

Die Zahlen sind nicht verwunderlich. Konsumismus, Abkopplung des Weihnachtsfestes von seiner religiösen Begründung, Privatisierung auf der einen, zunehmende Einsamkeit auf der anderen Seite. Die heute jüngeren Generationen wird Letzteres noch viel stärker treffen, wenn sie älter werden und sich nicht neue Wege des Zusammenseins außerhalb der Familie ausdenken. Der Verdacht liegt aber nah, dass der Konsum dann den eigentlichen festlichen Inhalt und auch die soziale Einbindung noch mehr wird ersetzen müssen. Sofern er noch leistbar ist, was bedeutet, auch in Sachen Weihnachten kann diese Gesellschaft auf ein Bermudadreieck der Dysfunktionalität zulaufen, wenn verschiedene negative Faktoren zusammenkommen.

Dass in Deutschland hingegen der Weihnachtsmann ins Haus kommt, dürfte immer schon die Ausnahme gewesen sein, und auch der Kneipengang wurde trotz des Hangs älterer Generationen, in der Kneipe – sic! – abzuhängen, sicher nicht an Weihnachten noch einmal verstärkt zelebriert. Dass aktive Gemeinsamkeit wie Musizieren und dergleichen schlecht abschneiden, spiegelt nicht unsere persönliche Erfahrung, weil wir immer mit unserem Instrument vortragen durften oder mussten und außerdem in die Weihnachtsmette gingen, wenn unsere katholische Großmutter an Heiligabend bei uns war (sie hatte reihum mehrere Familien zu besuchen), aber damit waren wir sicher schon damals, als Weihnachten noch ein leicht mehr religiös und musisch orientiertes Gepräge hatte, in einer Minderheit verortet. Davon abgesehen war unser Weihnachten, inklusive der beiden Feiertage mit Familien- und Restaurantbesuchen, eher „normal“. Mit der kleinen weiteren Ausnahme, dass bei uns die Bescherung vor dem Abendessen stattfand. Wenn wir uns richtig erinnern, gibt es eine Statistik, die besagt, dass die Mehrheit in Deutschland zwar am 24.12. Bescherung macht, aber mit leicht überwiegender Tendenz erst nach dem Essen.

Kommentar: TH / Zusammenfassung des Statista-Begleittextes, weitere Anmerkungen und Einschätzung: KI-generiert


Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar