Wie viel geben die Deutschen für Feuerwerk aus? (Statista + Kurzkommentar) #AlleJahreWieder #Silvester #Silvesternacht #Böllerverbot #BöllerCiao #Politikversagen #Irrsinn #Todesfälle #Kriegszustand #Bombenterror #rechts und #links

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Um es gleich in den ersten Satz zu schreiben: Es geht nicht ums Geld. Ausnahmsweise. Es werden ganz andere Summen für unsinnige Dinge verplempert oder am Staat vorbeigeschoben oder was immer man mit Geld Unanständiges machen kann.

Was uns am Herzen liegt, erwähnt Statista im Begleittext – im letzten Absatz. Für ums ist der heutige Artikel demnach auch der Opener zu einem Thema, das ganz in unserer Nähe in der Silvesternacht 2024 zu einer Bombenexplosion mit erheblichem Sachschaden an einem Wohnhaus geführt hat. Die Gesamtzahlen an Verletzungen und sogar Todesfällen sind bekannt – wir werden sie auch dieses Jahr trotzdem wieder ins Gedächtnis rufen, wenn der Zeitpunkt dazu gekommen ist.

Infografik: Wie viel geben die Deutschen für Feuerwerk aus? | Statista

Der Jahreswechsel 2024/2025 hat der Feuerwerksbranche einen Rekordumsatz von 197 Millionen Euro beschert. „Wir freuen uns über diese große Nachfrage, beweist sie doch, dass für viele Menschen Silvester und Feuerwerk untrennbar miteinander verbunden sind und die Tradition hochgehalten wird“, kommentierte Thomas Schreiber, Präsident des Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI), die Zahlen im März 2025.

Die Branche ist gewissermaßen wie Phönix aus der Corona-Asche gestiegen. Während der Pandemie war Silvester-Feuerwerk für zwei Jahre verboten gewesen. Das damalige Verbot hatte Schreiber als wahrscheinlichen „Todesstoß für die gesamte Feuerwerksbranche in Deutschland“ bezeichnet. Es ist bekanntlich anders gekommen.

Allerdings mobilisieren die Gegner:innen des unbeschränkten Böllerns derzeit wieder. So haben rund 2,3 Millionen Menschen die Petition „Bundesweites Böllerverbot, jetzt!“ der Gewerkschaft der Polizei Berlin unterzeichnet. Außerdem hat sich kürzlich das aus 56 Organisationen bestehende Bündnis #böllerciao für ein Verbot privater Silvester-Knallerei ausgesprochen. Eine Forderung, die laut einer Stern-Umfrage von 59 Prozent der Bevölkerung geteilt wird.

Kurzkommentar

Wie oben geschrieben, es handelt sich nur um einen Auftaktartikel, eine Erinnerung, einen Merker. Was sind schon drei Euro pro erwachsene Person in Deutschland pro Jahr für Silvesterfeuerwerk, angesichts der unfassbaren Summen, die in diesem Land schlicht versickern, gar nicht erst eingezogen werden, schwarz erwirtschaftet, durch Verbrechen generiert, mit denen Politiker geschmiert werden usw.

Wie jedes Jahr setzen wir uns aus Gründen der Gesundheit von Mensch und Tier für ein absolutes Böllerverbot ein. Und zwar nicht nur in Großstädten. Wie man mit nicht böllernden Raketen verfährt, ist vielleicht nicht ganz das Gleiche, zumindest nicht auf dem Land, wo es keine offiziellen Feuerwerke gibt, aber zumindest diese kriegsähnlichen Zustände in den Innenstädten, natürlich ganz besonders bei uns in Berlin, müssen endlich aufhören. Die Politik triezt uns nur noch, gibt uns nichts, drischt ständig auf uns ein, nimmt sich auf bösartig-populistische Weise eine Bevölkerungsgruppe nach der anderen vor, seit die neue Regierung am Werk ist, kann sie uns da nicht wenigstens mal ein Böllerverbot schenken, so zum Ausgleich?

Machen wir uns keine falschen Hoffnungen. Gerade Politiker mit dieser Mentalität leben ja von Zoff und Krawall und zeigen nachher noch auf jene, die sich physisch daran beteiligen und damit zum Ausdruck bringen, wie sehr auch die Politik die Stimmung in dieser Gesellschaft vergtiftet. Für manche Menschen, die tief gefrustet sind, ist das Erschrecken und sogar Angreifen anderer mit Böllern möglicherweise die einzige Möglichkeit, mal richtig Dampf abzulassen, unterhalb der Messer- und Schusswaffenschwelle. Falls es unterhalb ist, wenn ein Böller jemanden richtig trifft.

Trotzdem geht es so nicht weiter. Deutschland beweist wieder einmal, dass es nicht zu den zivilisierten Ländern zählt, genau wie bei der irren Vorstellung von Freiheit, dass diese von nichts mehr abhängig ist als davon, auf der Autobahn unbegrenzt rasen zu dürfen. An zweiter Stelle: in der Silvesternacht ungebremst böllern zu dürfen. Dass die Menschen sich mit dieser Art von Politik auch verarschen lassen, kommt ihnen leider nicht in den Sinn. Denn dort, wo Freiheit wirklich Teilhabe bedeutet, wird sie still und heimlich oder auch gar nicht so heimlich abgebaut. Aber Hauptsache, es darf noch knallen. Eigentlich müsste man bei den Auswirkungen, welche die Böllerei in Deutschland hat, auch den Schusswaffengebrauch freigeben. Das wäre nur konsequent im Sinne einer verwahrlosten Politik für eine ebensolche Gesellschaft.

Und dann erst die Lobbyisten, wie der oben zitierte. Tradition. Ja, in den USA gibt es auch die Tradition des ungehemmten Schusswaffengebrauchs, und was dabei herauskommt, sieht man ja. Vielleicht gäbe es ja eine Lösung: Sämtliche Kosten, die durch das Silvester-Abfeiern mit Böllern und Raketen entstehen, muss nach dem Verursacherprinzip die pyrotechnische Industrie tragen. Dann wären diese Unternehmungen in kürzester Zeit pleite und auf diese Weise wäre das Problem auch gelöst – von eh meist illegalen Importen abgesehen.

Oder sagen wir doch: An einem Punkt muss endlich die Vernunft wieder einkehren und sich von diesem Punkt aus fortpflanzen in die Köpfe, in die Herzen und sogar in eine Politik, die gar nicht mehr anders kann, als sich zum Guten zu entwickeln, weil die Menschen es tun?

Träumen darf man ja mal, aber wir meinen es unterhalb einer darüber hinaus weisenden Ethik sehr ernst. Wir werden ganz sicher keine Partei wählen, die diesem Wahnsinn in der Silvesternacht das Wort redet. Die Partei, der wir gegenwärtig bei Wahlen unsere Stimme geben, spricht sich für ein weitgehendes, wenn auch vorerst abgestuftes und kommunal organisiertes Verbot privater Feuerwerke in der Silvesternacht aus. Das ist schlicht eine humanistische Position und hat nichts mit rechts oder links zu tun. Oder vielleicht doch: die Rechten sind nun einmal roh, so ist auch ihre Einstellung zu den gewaltigen Schäden, die durch die kriegsähnlichen Zustände in der Silvesternacht angerichtet werden. Man freut sich drüber oder beteiligt sich gleich selbst und gibt dann bestimmten „Milieus“ die Schuld an allem.

Wir lassen uns auch in der Sache nicht für dumm verkaufen: Wir waren in Berlin schon an Silvester unterwegs, auch wenn es nicht ungefährlich war. Wir haben keine gesellschaftliche Gruppe beobachtet bzw. durch Abwesenheit positiv vermerken können, die sich „korrekt“ verhalten hätte. In den ach so braven, bürgerlichen äußeren Bezirken ist zum Beispiel das Anzünden von Feuerwerk auf oder direkt neben Fahrradwegen mit entsprechendem Gefährdungspotenzial ein beliebter Spaß. Aufgrund der Verdichtung und der Tendenz, sich an bestimmten Orten zu versammeln, trifft es die Innenstädte eben massiver. Und wenn das so ist, dann hilft eben nur ein Verbot.

TH


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