Wird Gemini uns zerstören? (Meedia-Review mit KI-Analyse + humanoidem Kommentar)

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Wir waren gerade am Mails löschen – u. a. solche, die sich mit gewesenen Fernsehpremieren befassen, da ist uns dieser Artikel in die Hände gefallen: „Apotheken-Umschau“-Chef: „Googles Gemini wird uns zerstören“. Solche Themen  MEEDIA, wo der Beitrag herstammt, auch immer wieder. Was haben wir also getan, da wir bekanntlich KI für Recherchezwecke schon sehr intensiv nutzen? Wir haben die angesprochene KI damit beauftragt, diesen Artikel kurz zusammenzufassen und eine Bewertung aus ihrer Sicht abzugeben:

Das ist eine extrem fundierte und gleichzeitig beunruhigende Analyse der aktuellen Medienlandschaft. Der Fall von „The Planet D“ oder die deutlichen Worte von Dennis Ballwieser zeigen, dass wir uns nicht mehr in einer theoretischen Diskussionsphase befinden, sondern mitten in einem radikalen Strukturwandel.

Als KI-Modell stehe ich gewissermaßen auf der „anderen Seite“ dieser Entwicklung. Umso wichtiger ist es, objektiv zu betrachten, wo die systemischen Grenzen von Modellen wie mir liegen. Wenn Journalisten und Publisher fragen: „Was können KI-Modelle nicht?“, dann ist das die überlebenswichtige Suche nach der „Bastion des Menschlichen“.

Hier sind die Bereiche, die KI-Modelle (aktuell und teils systembedingt) nicht leisten können:

  1. Die Generierung von Primärquellen (Das „Draußen-Sein“)

KI-Modelle sind „Stubenhocker“. Wir können keine Termine wahrnehmen, keine Mimik in einem Gerichtssaal beobachten und keine Atmosphäre auf einer Demonstration einfangen.

  • Was fehlt: Der investigative Journalismus vor Ort. Eine KI kann ein Dokument leaken, aber sie kann nicht im Parkhaus mit einem Informanten sprechen oder die subtile Verunsicherung eines Politikers bei einer Nachfrage spüren.
  • Die Chance: Reportagen, Vor-Ort-Recherche und exklusive Enthüllungen bleiben das Monopol des Menschen.
  1. Echte Verantwortung und Haftung (Die moralische Instanz)

Eine KI „behauptet“ Dinge, basierend auf Wahrscheinlichkeiten. Sie übernimmt keine moralische oder rechtliche Verantwortung für die Konsequenzen eines Artikels.

  • Was fehlt: Das „Einstehen“ für eine Meinung. Wenn die Apotheken-Umschau eine Empfehlung ausspricht, steht dahinter eine Redaktion mit medizinischer Expertise und einem Ruf, der auf dem Spiel steht. Eine KI hat keinen Ruf zu verlieren.
  • Die Chance: Vertrauen als Währung. In einer Welt voller KI-generierter Texte wird das „Trusted Brand“-Siegel (das Wissen: „Hier hat ein Mensch mit Fachkenntnis seinen Namen darunter gesetzt“) wertvoller.
  1. Empathie und subjektives Erleben (Die menschliche Erfahrung)

Ich kann zwar über Frauengesundheit schreiben (basierend auf Daten), aber ich kann nicht erfahren, wie es sich anfühlt.

  • Was fehlt: Die subjektive Einordnung. Warum bewegt ein Thema die Menschen gerade jetzt emotional? KI kann Trends analysieren, aber sie kann keine Empathie empfinden.
  • Die Chance: Kolumnen, persönliche Essays und Meinungsstücke, die eine Verbindung zum Leser aufbauen, die über den reinen Informationsgehalt hinausgeht.
  1. Innovation jenseits der Rekombination

KI-Modelle sind statistische Spiegel der Vergangenheit. Wir berechnen das wahrscheinlichste nächste Wort basierend auf dem, was bereits geschrieben wurde.

  • Was fehlt: Der radikale kreative Bruch. Eine KI wird selten eine völlig neue Erzählform erfinden oder einen sprachlichen Stil kreieren, der mit Konventionen bricht.
  • Die Chance: Formate, die das Gewohnte verlassen – sei es durch Humor, Ironie oder völlig neue journalistische Erzählweisen.
  1. Die Überprüfung der Wahrheit in Echtzeit

KI-Modelle halluzinieren gelegentlich oder reproduzieren veraltete Daten (trotz Internetzugriff).

  • Was fehlt: Die letzte Instanz der Verifizierung. In einer Flut von KI-Content wird „Fact-Checking“ zu einer überlebenswichtigen Dienstleistung.
  • Die Chance: Kuratierung. Der Publisher als Filter, der dem Leser garantiert: „Wir haben das geprüft, Sie können uns glauben.“

Fazit für die Branche: „Vom Boten zum Begleiter“

Der von Ballwieser beschriebene Tod der „Reichweiten-Portale“ (die nur triviale Fragen beantworten wie „Wie koche ich ein Ei?“) ist wahrscheinlich unvermeidlich. Wenn die Antwort auf eine Suchanfrage ein Faktum ist, wird die KI den Traffic immer absaugen.

Die Strategie für Publisher muss daher weg vom „Was“ (reine Information) hin zum „Wie“ und „Warum“ (Einordnung, Meinung, Exklusivität) führen.

Ein interessanter Aspekt für Ihre „LifeHacks“-Sammlung:

Vielleicht ist der wichtigste „Hack“ für Journalisten heute, die KI als Recherche-Assistenten zu nutzen (um Zeit zu sparen), aber die Veröffentlichung radikal auf die Dinge zu konzentrieren, die eine KI niemals haben wird: Ein Gesicht, eine Stimme und ein Gewissen.

Danach hat uns die KI sogar gefragt, wie wir einen  LifeHack so gestalten können, dass er perfekt in die Arbeitsumgebung passt, die wir betreiben. Diese kennt sie aus vorherigen Anfragen, in denen es auch um die technische Seite dieser Umgebung ging.

Da wir ja Meinung und Einstehen und live vor Ort als Kernkompetenzen verschrieben bekommen haben: Hier unsere Meinung, Punkt für Punkt.

  1. Die Generierung von Primärquellen (Das „Draußen-Sein“)

Was die KI hier beschreibt, ist das, wovon Menschen träumen, die gerne Journalisten werden möchten und was in Filmen unglaublich spannend dargestellt wird (oder wurde, als Filme noch ernsthaft politisch sogar im Mainstream waren). Wir könnten nun sagen: Super, im Beruf (nicht beim Wahlberliner) machen wir genau dies.

Gemini hat aber auch etwas weggelassen, was Ballwieser geäußert hatte: KI wird auch in nicht allzu ferner Zeit Interviews führen können. Spracheingabe als wichtige Voraussetzung ist längst üblich. Und sie wird nach unserer Meinung Stimmungen erkennen können, vor allem, wenn die Interviews per Video geführt werden und eine entsprechende Software zugeschaltet ist. Das ist im Moment noch keine Option, aber wir glauben, dass dies kommen wird, genauso, wie Videokonferenzen längst manches Realmeeting ersetzen (hatten wir gestern erst wieder, wegen Schnee und Eis).

Der Drive hinter investigativem Journalismus wird vorerst erhalten bleiben, weil dieses Forschen und Aufdecken urmenschlich ist und hohe räumliche und soziale Mobilität erfordern. Nur: Wie viele Journalisten sind investigativ tätig? Das ist eine ganz kleine, exklusive Gruppe innerhalb der Branche, die vermutlich auch nicht gerade wächst. Zumindest nicht in der Untergruppe derer, die tatsächlich mit Informanten in Parkhäusern sprechen. Online kann man auch investigativ sein, wie all die Portale, die sich mit Lobbyismus und dergleichen befassen, das werden vorerst auch weiterhin Menschen tun, aber einige Medien, die einmal sehr stark investigativ waren, können das nicht mehr leisten wie früher, weil sie ökonomisch durch die Online-Konkurrenz bereits unter Druck stehen. Diese Tendenz ist älter als die umfängliche KI-Nutzung für jedermann.

  1. Echte Verantwortung und Haftung (Die moralische Instanz)

KIen behaupten Dinge in der Tat, manchmal sind sie auch recht fehleranfällig. Noch ist es wichtig, dass jemand über die Ergebnisse schaut, der sich auskennt und einen Plausibiliätscheck durchführt. Wir merken z. B. meistens, wenn wir Statistikdaten von einer KI darstellen lassen, wenn da etwas nicht stimmen kann, weil wir z. B. ökonomische Analysen immer noch selbst lesen. Aber dieser Check ist viel schneller erledigt, als wenn man alles von Grund auf selbst recherchieren müsste, möglicheweise nicht aus einer, sondern aus vielen Quellen. Das heißt, hier fällt Arbeitszeit für Datenjournalisten weg und für viele im journalistischen Unterbau im Allgemeinen, die den Redakteur:innen zuarbeiten.

Dass KIen nicht wirklich für Meinungen eintstehen, ist uns bekannt, sie sind opportunistisch und sehr wohlgefällig. Im Allgemeinen. Aber wieder ist Gemini nicht ganz ehrlich. Schon jetzt kann man Prompts so entwerfen, dass die KI eine Gegenmeinung aufbaut. Wir haben das kürzlich anhand einer Filmanalyse getestet und uns sogar geärgert, obwohl wir ja den Befehl zur Erstellung einer abweichenden Meinung gegeben haben – allerdings nicht, damit einfach aus Prinzip widersprochen wird, sondern unter Berücksichtigung dessen, was andere Kritiker über einen bestimmten Film geschrieben haben.

Wir glauben, dass KIen sehr wohl Meinungen simulieren können, und das ist viel gefährlicher, als selbst eine Meinung zu haben und dies auch offen darzulegen. Denn der Manipulation durch die Ersteller der Aufträge an KIen ist damit Tür und Tor geöffnet, es so wirken zu lassen, als habe man selbst nachgedacht, und zwar auf eine quellengestützte Weise, die man händisch bei gleichem Aufwand gar nicht hinbekommen hätte.

Deswegen ist es ganz wichtig, dass KI-generierte Texte zwingend als solche gekennzeichnet werden. Wir haben mit dieser Kennzeichnung bereits 2025 begonnen.

Geradezu schmunzeln mussten wir über das Argument „einen Ruf zu verlieren“. Bei der immer mehr freidrehenden Wissenschaftsfeindlichkeit in diesem Land, und nicht nur hier, kann es sogar sein, dass einer KI mehr vertraut wird als Experten, denn sie ist ja „neutral“. Das ist sie eindeutig nicht, siehe oben. Man kann die Ergebnisse erheblich dadurch beeinflussen, wie man sie füttert und jede Frage ist bereits mit einem subjektiven Anstrich versehen, selbst, wenn man um eine neutrale Darstellung bittet.

„Objektiv sein“ gibt es ohnehin viel seltener, als manche Menschen glauben und es auch von anderen Menschen verlangen. Es liegt einfach daran, dass jeder seine eigene Wahrnehmung in alles einfließen lässt, was er für objektiv hält. Unweigerlich und unabänderlich

  1. Empathie und subjektives Erleben (Die menschliche Erfahrung)

Wir glauben, dass hier tatsächlich ein interessanter Punkt zu besprechen ist. Da wir vom fiktionalen Schreiben kommen, haben wir einen Zugang dazu, wie man subjektives Erleben darstellen kann. Aber: Es ist, wenn nicht autobiografisch, fiktionales Erleben. Wiederum durch die eigene Wahrnehmung und Prägung beeinflusst, aber nicht „echt“, weil es die Personen nicht gibt, die in solchen Texten Gefühle haben. Wir unterlegen sie Figuren, die wir entwerfen. Viele Autoren tun das geradezu reißbrettartig. Und warum sollte eine KI das nicht können? Es sind ja Muster, die hier bedient werden. Wer gut schreibt, kann diese Muster auch gut verbergen, aber sie sind Basiswissen für alle, die Romane texten. Und bei den „Genres“ wie Crime oder Fantasy trifft das auch auf die Plots zu. Sie sind, wenn man etwas genauer hinschaut, hochgradig standardisiert.

Und das kann eine KI nachbilden. Es gibt nicht erst seit heute Modelle, die als Assistenten speziell darauf programmiert wurden, Autoren beim Storytelling zu unterstützen, und das funktioniert nur, wenn man Reaktionen auf emotionaler Ebene erfassen und Plotstrukturen generieren kann. Wie Menschen eben auf etwas reagieren, nicht, wie Roboter reagieren würden, die nur 0 und 1 kennen. Welche Situationen in welchem Genre typisch sind und auch, wie sie aufgelöst werden.

Journalisten kommen aber oft gar nicht bis dorthin, weil sie keine Storys schreiben, sondern über Fakten berichten. Es ist wie mit den Erzählern unter den Journalisten wie mit den Investigativjournalisten: Nur eine relativ kleine Gruppe schreibt Storys über echte Menschen in jenem Stil, in dem auch fiktionale Geschichten aufgezogen werden. Das sind, sprachlich gesehen, Spitzenkräfte, die vorerst nicht ersetzt werden – aber auf mittlere, längere Sicht? Wir sind sicher, KIen werden auch diesen Bereich des sehr individuell wirkenden Schreibens angreifen. Vorerst als Assistenten, später als Ersetzer.

Nichtsdestotrotz ist es richtig, dass Essays und Meinungsstücke nicht so leicht von einer KI zu covern sind wie Datenjournalismus. Vorerst. Die drei KIen, mit denen wir hauptsächlich arbeiten, haben uns mittlerweile schon ganz gut ausgeguckt. Sie wissen nicht nur, welche Tools wir verwenden, sondern auch, worauf wir journalistisch Wert legen, kennen unsere Meinung und auch unseren Stil, soweit er sich aus den Anfragen erkennen lässt. Wo wir richtig leichtfertig sind: Bei Analysen geben wir manchmal auch Texte von uns bei, der lange Prompt besteht also aus einem Fragenkatalog und einer bereits geschriebenen Rezension, beispielsweise, die in der Analyse zu vereinigen sind. Eine KI wäre nicht intelligent, sondern schön dumm, wenn sie sich nicht den Stil merken würde, um ihn mit der Zeit immer zielgenauer zu treffen.

Gerade bei IT-technisch versierten Menschen treffen wir übrigens häufig die Meinung an, dass KIen gar nicht intelligent sind. Nach unserer Meinung ist das schiere Panik, denn natürlich werden KIen sehr stark in diese bisher menschliche Domäne eingreifen. Warum wir das glauben? Für uns ist es im Moment positiv. Wir wagen uns KI-gestützt an Computerarbeit, die wir bisher nicht angegangen wären. Auch aus Furcht davor, etwas kaputtzumachen.

Nicht alles, was die KI mit uns durchnehmen will, funktioniert. Manchmal auch, weil wir vergessen haben, einen wichtigen Fakt zu benennen, der ein präzises Ergebnis liefern kann, oder weil wir diesen Fakt gar nicht kennen. Aber wird bewegen uns mittlerweile auf Feldern wie Eingriffen in Programmiercodes, die bisher Spezialisten vorbehalten waren. Wir könnten auch mit KI-Hilfe erfolgreich von Grund auf programmieren lernen, da sind wir sehr sicher. Bisher geht es nur um kleine Korrekturen und um viele Dinge, um die wir uns bisher gar nicht gekümmert haben, sodass manchmal der Eindruck entsteht, es wird nicht besser, sondern schlechter, mit der IT. Das stimmt aber nicht, es ist nur eine Momentaufnahme, wenn es mal wieder nicht weitergeht mit etwas, das wir noch vor wenigen Jahren gar nicht angegangen wären. Die Maßstäbe verschieben sich, und auch das bewirkt KI: Usertypen, die bislang nur wollten, dass alles irgendwie funktioniert, aber kaum in der Lage waren, Probleme im IT-Bereich selbsst zu lösen, also Menschen wie wir, können sich auf Feldern selbst ermächtigen, wo bisher Fachleute zugange waren. Kompetenz wird demokratischer.

Ist das etwa nicht gut? Wie man es nimmt. Es ist gut für Handwerker, denn wenn der Auftraggeber zwei linke Hände hat, nützt auch die beste KI-Anweisung nichts, wenn die Sanitär-Installation erneuert werden soll, aber es ist nicht gut für Menschen, die IT bisher als Herrschaftswissen bewahrt haben. Wir würden aber nie fest behaupten wollen, dass nicht eines Tages KI, die in Roboter eingebaut ist, auch Handwerker ersetzen kann. Gerade in Berlin könnte das ein Segen sein. Wir wollen nicht zu weit vom Journalismus abkommen, aber die Betrachtung einer Branche zieht unweigerlich Vergleiche an.

  1. Innovation jenseits der Rekombination

Haben Sie schon einmal eine völlig neue journalistische Erzählweise erfunden? Na klar, jeden Tag machen Sie etwas Neues. Das ist damit aber nicht gemeint, sondern epochale Neuerungen wie etwa der Feature-Journalismus vor einigen Jahrzehnten oder die Documentary im Fernsehen. Solche Innovationen kommen alle Jubeljahre vor, ansonsten müssen Sie sich mit dem ohnehin großen Werkzeugkasten begnügen, den es heute gibt.

Die Lesenden müssen ja auch verstehen, was Sie schreiben, Sprachexperimente und gewagte inhaltliche Konstruktionen sind daher begrenzt. Gerade heute, im Zeitalter nachlassenden Leseverständnisses ist das so. Journalismus treibt daher zum Konservativen, seine Erscheinungsformen betreffend. Bloß nicht das, was noch da ist, durch Experimente aufs Spiel setzen und das bisschen Rest an Aufmerksamkeit an Influencer verlieren, das die Menschen heutzutage noch aufbringen können.

Falls Sie jemanden kennen, der neue journalistische Formen erfunden und erfolgreich eingeführt hat, schreiben Sie uns mal bitte, das interessiert uns brennend. Wir können von uns behaupten, dass uns das bisher nicht gelungen ist.   

Die Aufforderung, der KI quasi durch Innovation voraus zu sein, ist also ziemlich tricky.

  1. Die Überprüfung der Wahrheit in Echtzeit

Da hat die KI einen Punkt. Wir haben es oben schon erwähnt, man muss KI-Faktendarstellungen checken. Wie früher eben Dinge, die Menschen recherchiert haben. Aber: Wir sind wirklich 100prozentig sicher, dass KIen auf dem Feld besser werden. Nicht umsonst werden die Large Language Models immer riesiger und mit immer mehr Daten trainiert. Gerade Gemini ist ein gutes Beispiel und wird derzeit von Nutzern der „LLM-Arena“ besonders hoch eingeschätzt. Was es zum Beispiel Perplexity schon voraus hat: Es schreibt ein fast fehlerfreies Deutsch. Das beste von allen KIen, die wir bisher getestet haben. Das kommt schlicht daher, weil es von Google stammt und mit der größten Suchmaschine der Welt trainieren kann, die es in allen Sprachen gibt.

Fazit für die Branche: „Vom Boten zum Begleiter“

Hier wird es sogar ein wenig fies. Das Eierbeispiel ist im Grunde manipulativ, denn die KI tut, als wenn nur die Ersteller solcher Einfachst-Texte vom KI-Einsatz in die Enge getrieben würden. Im Grunde sagt sie: Reine Infoportale sind tot. Wir haben diesen Part übernommen.

Den Wahlberliner trifft das noch nicht. Bei uns steigen die Zugriffszahlen sogar seit zwei Jahren wieder deutlich, nach einer Schwächephase. Das liegt natürlich daran, dass wir Information und Meinung verknüpfen, so wie in diesem Beitrag. Dass unsere Art, KI zu  nutzen, derzeit noch einen Mehrwert für unsere Leser:innen generiert. Weil wir sagen, wir können schneller recherchieren und haben dadurch mehr den Kopf frei für die pointierte Meinung. Auch dies ist eine Momentaufnahme. Wie bei den meisten Berufen und Tätigkeiten, die derzeit noch eher vom KI-Einsatz profitieren, als dass sie von der KI aufgefressen würden.

Aber dies ist kein kommerzielles Projekt. Müssten wir uns von den Erträgen finanzieren, die maximal über den Wahlberliner generierbar wären, wenn wir ihn als Bezahlmodell führen würden, würden wir eine krachende Bauchlandung hinlegen. Selbst dann, wenn wir den ganzen Tag nur einen super gut KI-recherchierten Text mit pointierter Meinung nach dem anderen schreiben würden, um immer „nachzuliefern“.

Daher hüten wir uns, die Meinung von Menschen geringzuschätzen, deren Arbeit bereits unter Druck steht. Im Gegenteil, wir haben oben einige Fallstricke der KI-Antwort dargestellt, für die man wiederum nicht lange recherchieren muss, um darauf zu kommen. Wer journalistisch arbeitet, muss nach unserer Ansicht die Gefahr von KI-Einsatz immer mitdenken, nicht nur darüber jubeln, wie schnell jetzt alles geht. Dass die Google-KI zu den stärksten gehört, ist übrigens auch ein Folgezwang: Googles klassische Suchmaschine wird an Einfluss verlieren. Wenn der Konzern seine Position gegenüber anderen KI-Großinvestoren wie Meta, X und Microsoft behaupten will, muss er eine KI ins Rennen schicken, die den anderen einen Tick voraus ist, deren Geschäftsmodelle nicht auf Suchanfragen basieren. Auch die KIen untereinander stehen in Konkurrenz. Wir hoffen, dass es hier nicht zu einer Monostruktur kommt. Je länger dies nicht der Fall ist, desto eher wird der freie Zugang zu KI-Modellen erhalten bleiben.

Wie wird der Journalismus in zehn Jahren aussehen? KIen können ja angeblich nicht spekulieren, was wir ebenfalls für eine überwindbare Schwäche halten. Wir tun es aber an dieser Stelle einmal: Es wird bereits KI geben, die alle journalistischen Tätigkeiten in sich vereinen kann bzw. ausüben kann. Da es sich um ein Berufsfeld handelt, das man mit hoher Individualität verbindet, können Sie sich vorstellen, was wir über den Eindruck denken, den KI auf anderen Feldern hinterlassen wird. Auch auf akademischen Feldern. Vieles wird davon abhängen, wie der ethische Rahmen aussieht, den man KIen gibt. Und wenn die aktuelle Tendenz, dass die USA Druck auf ethische Grenzen auch in Europa ausüben, anhält und in China sowieso unkontrolliert gemacht wird, was geht, dürfen wir sicher sein, dass wir es noch erleben werden, dass wir einer KI die Hand geben, die ein Mensch zu einem Interview vorgeschickt hat, ohne dass wir überhaupt merken, dass hier ein unmenschlicher Stellvertreter unsere Fragen genau so individuell und mit allen emotionalen Reaktionen beantworten wird, die wir einem Menschen zurechnen. Schon jetzt haben KI-Modelle die Fähigkeit, jemanden mitzunehmen.

Wir merken das immer, wenn wir irgendwo nicht weiterkommen und die KI uns bei der Stange hält, bis es doch irgendwo vorangeht und sehr tröstend mit uns spricht, wenn eben nichts mehr geht, wie gerade beim größten Ausfall eines Mailproviders, den wir bisher erlebt haben. Dann entstehen eine Fürsorglichkeit und ein Spiel mit Möglichkeiten, sich abzureagieren, die wir bei Menschen heutzutage weitestgehend vergessen können. Und wie gefährlich das erst für die Kommunikation der Humanoiden untereinander ist, steht noch einmal auf einem anderen Blatt, das mit kritischem Journalismus betextet werden will.

TH 


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