Was denken die Amerikaner:innen über die ICE? (Statista + Zusatzinfos)

Briefing Geopolitik, USA, ICE, Nicole Good, ungesetzliches Handeln, Tötungsdelikt 

Vor dem 7. Januar 2026 hatten sich hierzulande viele Menschen sicherlich nicht mit der amerikanischen ICE befasst. Seit der Erschießung der Einwohnerin von Minneapolis, Nicole Good, ist das anders geworden. Statista hat seine US-Aktivitäten in Form einer Grafik mobilisiert und zeigt, was die Amerikaner über die ICE denken. 

Handelt die ICE ungesetzlich?

Begleittext von Statista

Renee Nicole Good wurde am 7. Januar vom ICE-Beamten Jonathan Ross in Minneapolis erschossen. Der Vorfall hat landesweit für Entsetzen gesorgt. In der Stadt demonstrierten in der Folge zehntausende Menschen. Auch in der öffentlichen Meinung steht die US-Einwanderungsbehörde schlecht da. Einer YouGov-Umfrage zufolge ist die Mehrheit der US-Bürger:innen der Ansicht, dass ICE-Agent:innen regelmäßig ungesetzlich handeln. So zeigen sich 60 Prozent der Befragten überzeugt, dass diese manchmal (18 Prozent) oder oft (42 Prozent) unnötige körperliche Gewalt gegen US-Amerikaner:innen einsetzt, die keine Einwanderungs– oder Zollverstöße begangen haben. Ähnlich viele Umfrageteilnehmer:innen glauben, dass die Behörde Unschuldige einsperrt.

Zusatzinfos / Kommentar

ICE steht für Immigration and Customs Enforcement. Da es sich um eine Behörde handelt, heißt es gemäß der Analogieregel im Deutschen „die ICE“. Wir gehen in einem nüchternen Ton mit dem Fall um und stellen strukturiert dar, wie der Stand der Dinge ist: 


Paraphrasierte Transkription der Infografik (B)

Die Infografik fasst eine YouGov‑Umfrage zusammen: 60 % der Befragten geben an, ICE wende manchmal (18 %) oder oft (42 %) unnötige körperliche Gewalt an; ein ähnlicher Anteil glaubt, ICE inhaftiere unschuldige Personen. Statista nennt den tödlichen Schuss auf Renee Nicole Good (7. Jan.) als aktuellen Auslöser für die Debatte und verweist auf landesweite Proteste; Methodik‑Details sind in der Grafik nicht vollständig aufgeführt (Statista USA TODAY).


Was die Videoanalysen zeigen (Ablauf)

Mehrere Medien haben Frame‑für‑Frame‑Analysen veröffentlicht: USA Today und ABC rekonstruieren den Ablauf anhand von Bodycam‑, Agenten‑ und Zuschauer‑Videos; die Sequenz zeigt eine kurze, hektische Konfrontation, dann mehrere Schüsse innerhalb weniger hundert Millisekunden, gefolgt vom Zusammenstoß des Fahrzeugs mit parkenden Autos USA TODAY ABC News. Ein vom schießenden Agenten veröffentlichtes Handyvideo liefert zusätzliche Perspektiven auf Blickwinkel und Distanz CBC CBS News.


Widersprüchliche Darstellungen und Faktenlage

  • Bundesbehörde (ICE/DHS): Behauptet, der Agent habe in Notwehr gehandelt, weil das Fahrzeug als Waffe eingesetzt worden sei CBS News.
  • Stadt/State‑Offizielle & Augenzeug:innen: Sehen Good als unbewaffneten Beobachter, der sich entfernte; sie bezweifeln die Notwehr‑Darstellung ABC News USA TODAY.
  • Unabhängige Video‑Analysen: Zeigen, dass die Entscheidung des Agenten in einem Zeitfenster von unter einer Sekunde fiel; Experten betonen, dass kleine Blickwinkel‑ und Zeitunterschiede die Bewertung stark beeinflussen USA TODAY CBC.

Rechtlicher und polizeilicher Rahmen

ICE‑Richtlinien zur Einsatz‑Gewalt erlauben tödliche Gewalt bei unmittelbarer Lebensgefahr, enthalten aber mehr Ermessensspielraum als einige andere Bundesbehörden; Experten weisen darauf hin, dass Fahrzeuge oft als potenzielle Waffen gelten, gleichzeitig aber die Praxis, auf fahrende Fahrzeuge zu schießen, zunehmend kritisch bewertet wird ABC News govfacts.org.


Bewertung & Risiken (Einschätzung)

Kurz: Auf Basis der Videos ist die Lage nicht eindeutig; die schnelle Schussfolge und die Nähe sprechen gegen eine ruhige, abgewogene Eskalationsvermeidung, Expert:innen sehen große Zweifel an der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes. Politische Vorverurteilungen (DHS vs. Stadt) erschweren unabhängige Ermittlungen; strafrechtliche Anklagen gegen den Agenten gelten laut Berichten als weniger wahrscheinlich, bleiben aber möglich, falls neue Beweise auftauchen Star Tribune Yahoo.


Vergleichstabelle (Sichtweisen)

Kriterium ICE/DHS Stadt/Zeugen Unabhängige Expert:innen Öffentliche Wahrnehmung
Tathergang Fahrzeug als Bedrohung Frau fuhr weg; keine Bedrohung Sequenz sehr kurz; Interpretation schwierig Misstrauen gegenüber ICE hoch
Rechtfertigung Notwehr Unverhältnismäßig Prüfung nötig; Zweifel an Verhältnismäßigkeit Mehrheit skeptisch gegenüber ICE

Sources: Statista USA TODAY ABC News CBC CBS News ygo-assets-websites-editorial-emea.yougov.net ABC News govfacts.org Star Tribune.

Kommentar mit einem Blick auf die Lage bei uns

Eine Freundin, die wir für eine sehr nüchterne Beobachterin halten, hat sich die erhältlichen Videos zum Fall Nicole Good angeschaut und meint, eine Notwehrlage sei daraus nicht herleitbar und die Art, wie die US-Regierung ein Untersuchungsergebnis vorwegnimmt, sei unglaublich. Wir haben die Good-Videos nicht analysiert; uns hat gereicht, was in hiesigen Medien zu lesen war, aber es war natürlich eine günstige Fügung, dass jemand, dessen Wahrnehmungsfähigkeit wir vertrauen, es getan hat. Manchmal will man bestimmte Dinge glauben, weil man eine bestimmte Meinung hat, und unsere Meinung über die Trump-Regierung ist ziemlich klar. Wir müssen uns aber vermutlich nicht verrenken, wenn nicht noch entscheidende neue Beweise gegen Nicole Good auftauchen. Außerdem ist es nicht so, dass es in Deutschland keine fragwürdige oder ungesetzliche Staatsgewalt gibt. Auch bei uns werden immer häufiger Menschen von der Polizei erschossen und nicht immer handelt sie dabei eindeutig rechtmäßig. 

Die Dimensionen aber, die das ganze Kesseltreiben in den USA angenommen hat, sind erschreckend, und es wird schlimmer. Wer nun glaubt, Recht oder Unrecht ist sowieso egal, solange Menschen deportiert werden können und die Migration gestoppt wird, der versteht nicht, wie solche Handhabungen auf alle Bereiche des Lebens übergreifen und auch diejenigen betreffen können, die glauben, sie seien nicht gemeint. Und wer meint, diese amerikanische Politik ließe sich in Deutschland nachbilden, liegt sowieso falsch. 

Zwischen den USa und Deutschland besteht ein wichtiger Unterschied. Die USA können so viel ökonomischen und politischen Druck ausüben, dass andere Länder Menschen lieber zurücknehmen, als eine Konfrontation mit der Trump-Administration zu riskieren. Deutschland hingegen  hat keine solchen Druckmittel, Rückführungen bzw. Abschiebungen müssen mit teuren Deals erkauft werden. Hinzu kommt, dass die technische Abwicklung bereits aufwendig ist.

Wir sind auch der Meinung, dass man die Begeher schwerer Straftaten aus dem Land ausweisen darf, aber man muss wissen, dass dies eine kostspielige Angelegenheit ist. Wer schlicht rassistisch ist und Millionen, die überhaupt nichts verbrochen haben, „remigrieren“ lassen will, redet sowieso vollkommen an der Realität vorbei. Glücklicherweise, sonst würden wir viele Menschen verlieren, die sich unter widrigen Bedingungen hier einbringen. Aber man kann mit solchen Fantasien offenbar immer noch Stimmung machen, wie der anhaltende AfD-Erfolg in aktuellen Umfragen zeigt.

TH

 

 


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