So unbeliebt ist Donald Trump – und die Politik in Deutschland? (Statista + Analyse + Kommentar)

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Nachdem wir in den vergangenen Tagen einen dreiteiligen Beitrag  zur amerikanischen ICE geschrieben haben, verlassen wir dieses Thema – und bleiben doch drin. Donald Trumps Umfragewerte sind im Sinkflug, wie eine aktuelle Statista-Grafik zeigt.

Infografik: Wie zufrieden sind die Amerikaner:innen mit Trump? | Statista

Zusammenfassung des Begleittextes der Statista-Grafik

Die Statista-Infografik (Nummer 34088) zeichnet ein ernüchterndes Bild für die zweite Amtszeit von Donald Trump, genau ein Jahr nach seinem Wahlsieg im November 2024. Die Daten zeigen, dass eine deutliche Mehrheit der US-Amerikaner (54,4 Prozent) mit seiner Regierungsarbeit unzufrieden ist, während nur 43,3 Prozent seine Leistung befürworten. Dies ergibt einen negativen Saldo von -11,1 Prozentpunkten – ein historisch schwacher Wert für einen Präsidenten am Ende seines ersten „Flitterwochen“-Jahres. Der Begleittext hebt hervor, dass Trump trotz seiner aggressiven Agenda („America First“) Schwierigkeiten hat, die breite Mitte der Bevölkerung zu halten. Insbesondere lokale politische Niederlagen der Republikaner, wie der Sieg des linken Demokraten Zohran Mamdani bei der New Yorker Bürgermeisterwahl, sowie internationale Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheiten belasten sein Image.

Bei der Grafik ist zu berücksichtigen, dass sie nur den Prozentbereich zwischen 40 und 60 darstellt. Würde man das gesamte Schema theoretischer Zustimmungswerte von 0 bis 100 zeigen, wären die Ausschläge nicht so erratisch.

Analyse: Der Erosionsprozess – Warum Trumps Zustimmungswerte sinken

Ein Jahr nach der Amtseinführung steht die Trump-Administration vor massiven Herausforderungen. Der anfängliche Elan der „MAGA“-Bewegung stößt zunehmend an die Grenzen der Realpolitik und des verfassungsmäßigen Rahmens.

  1. Die Grönland-Frage und die diplomatische Isolation

Was oft als „Mutmaßung“ abgetan wurde, hat sich zu einem handfesten geopolitischen Konflikt entwickelt. Trump hat sein Interesse an der Annexion Grönlands in den letzten Monaten reaktiviert. In seiner Logik ist die Insel eine strategische Notwendigkeit für die nationale Sicherheit und den Zugang zu arktischen Ressourcen. Der Versuch, Druck auf Dänemark auszuüben – inklusive der Drohung mit 10-prozentigen Zöllen gegen europäische Verbündete, die sich dem Vorhaben widersetzen – hat zu einer beispiellosen Belastung der NATO geführt. Selbst innerhalb der eigenen Partei wächst der Widerstand. Senatoren wie Thom Tillis bezeichnen das Vorhaben als „absurd“, und das diplomatische Tischtuch mit Kopenhagen gilt als zerrissen. Für viele moderate Wähler wirkt dieses Vorgehen weniger wie strategische Weitsicht als wie ein gefährlicher diplomatischer Alleingang.

  1. Militarisierte Einwanderungspolitik und der Fall „Renee Good“

Ein zentraler Grund für den Einbruch der Beliebtheit, insbesondere in den Vorstädten, ist die Aggressivität der Einwanderungsbehörde ICE. Die „Operation Aurora“, eine Kampagne zur Massendeportation, hat zu Bildern geführt, die viele Amerikaner verschrecken. Besonders belastend wirkte der Vorfall in Minnesota, bei dem ein ICE-Beamter die Zivilistin Renee Good erschoss. Dieser Vorfall löste landesweite Proteste aus und senkte die Zustimmungswerte für ICE auf einen Netto-Wert von -20 Prozent. Die Wahrnehmung, dass die Behörden zu gewalttätig und unkontrolliert agieren, wird zunehmend Trump angelastet.

  1. Der „Venezuela-Effekt“ und militärische Überdehnung

Der erfolgreiche Zugriff auf den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte wurde zwar kurzzeitig als Erfolg gefeiert, doch die daraus resultierende expansive Rhetorik Trumps – die auch Ansprüche auf Gebiete wie den Panamakanal oder Teile Kanadas andeutete – hat die Sorge vor einer „imperialen Präsidentschaft“ befeuert. 72 Prozent der Amerikaner wünschen sich laut aktuellen Umfragen eine Konzentration auf innenpolitische Probleme statt kostspieliger Militärabenteuer.

  1. Die hartnäckige Inflation

Trotz der Versprechen, die Lebenshaltungskosten sofort zu senken, bleibt die Inflation das Sorgenkind Nummer eins. Wähler, die Trump wegen der „Economy“ gewählt haben, fühlen sich desillusioniert. Die angedrohten oder bereits umgesetzten Zölle (nicht nur gegen China, sondern nun auch gegen die EU wegen der Grönland-Frage) treiben die Preise für Konsumgüter weiter in die Höhe. Das Versprechen eines „erschwinglichen Lebens“ bleibt für viele Haushalte unerfüllt.

a.) Zehn Top-Quellen aus den USA zur Analyse

Für eine fundierte Analyse der aktuellen Lage sind folgende Quellen und Institutionen maßgeblich:

  1. Gallup: Die Goldstandard-Quelle für langfristige Trends der „Presidential Job Approval“ Ratings.
  2. Navigator Research: Spezialisiert auf detaillierte Umfragen zu spezifischen Themen wie ICE-Gewalt und der Akzeptanz der Grönland-Pläne.
  3. The New York Times (Politics Section): Unverzichtbar für Hintergrundberichte über die internen Zerwürfnisse innerhalb der Republikanischen Partei (GOP).
  4. The Washington Post: Besonders stark in der Analyse der Außenpolitik und der verfassungsrechtlichen Implikationen von Trumps Dekreten.
  5. FiveThirtyEight (ABC News): Bietet datenbasierte Aggregationen von Umfragen und analysiert die Auswirkungen auf die kommenden Midterms.
  6. Politico: Fokus auf das „Power Play“ im Kapitol und die Widerstände von Senatoren wie Mitch McConnell gegen Trumps Expansionspläne.
  7. Brennan Center for Justice: Analysiert die rechtlichen Versuche der Administration, Wahlprozesse zu beeinflussen oder zu verschieben.
  8. The Wall Street Journal: Die wichtigste Quelle für die ökonomische Bewertung der Trump-Zölle und deren Einfluss auf die Inflation.
  9. Reuters US Edition: Liefert objektive, faktenbasierte Berichterstattung über militärische Operationen (wie in Venezuela) und deren internationale Echo-Wirkung.
  10. Democracy Docket: Spezialisiert auf die juristischen Auseinandersetzungen um Wahlrechte und die (fehlende) Befugnis des Präsidenten, Wahlen abzusagen.

b.) Vergleich mit Deutschland: Das ZDF-Politbarometer

Das ZDF-Politbarometer nutzt für sein bekanntes „Top-Ten-Ranking“ eine Skala von +5 bis -5 (Sympathie und Leistung), während die US-Werte meist als reine prozentuale Zustimmung („Approve/Disapprove“) angegeben werden. Eine Vermischung dieser Systeme würde das Bild verfälschen.

Hier ist die korrigierte und aktualisierte Analyse auf Basis der Daten von Januar 2026. Da wir uns im ersten Jahr der Kanzlerschaft von Friedrich Merz (seit Mai 2025 im Amt) befinden, hat sich das personelle Tableau im Jahr 2025 stark verschoben.

Die aktuelle politische Lage in Deutschland (Januar 2026)

Nach der Bundestagswahl im Herbst 2025 führt Friedrich Merz eine Schwarz-Rote Koalition (Union und SPD) an. Die politische Flitterwochen-Phase ist jedoch vorbei; die Regierung kämpft mit einer stagnierenden Wirtschaft und dem Erstarken der Ränder (AfD bei ca. 25-26 %).

Das ZDF-Politbarometer: Die Top Ten (Skala +5 bis -5)

Stand: Umfrage vom 13.–15. Januar 2026

In dieser Liste werden die zehn (nach Meinung der Befragten) wichtigsten Politiker:innen nach Sympathie und Leistung bewertet.

Analyse des Vergleichs: Merz vs. Trump

Wenn man die Werte in Relation setzt, ergibt sich ein interessantes Bild für den Jahresbeginn 2026:

Das aktuelle ZDF-Politbarometer, von uns ergänzt: Bei der Beurteilung von Politikerinnen und Politikern nach Sympathie und Leistung („Was halten Sie von?“) liegt Verteidigungsminister Boris Pistorius auch zu Jahresbeginn auf Platz eins. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 1,9 (hier und im Folgenden Vergleichswert von Dezember: 1,8) bewertet. Weiterhin mit großem Abstand folgen Johann Wadephul mit 0,7 (0,6), Lars Klingbeil mit 0,4 (0,2) und Bärbel Bas mit 0,0 (minus 0,3). Danach kommen Alexander Dobrindt mit minus 0,3 (minus 0,4), Friedrich Merz mit minus 0,4 (minus 0,6), Markus Söder mit minus 0,5 (minus 0,5) und Katherina Reiche mit minus 0,6 (minus 0,7). Auf Rang neun und zehn bleiben Sahra Wagenknecht mit minus 2,0 (minus 1,8) und Alice Weidel mit minus 2,5 (minus 2,6).

  1. Die „43,3 %“ Hürde: Donald Trumps Zustimmung in den USA (43,3 %) entspräche im ZDF-System einem Wert von etwa -0,5 bis -0,8. Das zeigt: Obwohl er in den USA als „angeschlagen“ gilt, hat er eine treuere Basis als viele deutsche Spitzenpolitiker in der aktuellen Krisenzeit.
  2. Kanzler-Bonus vs. Kanzler-Malus: Friedrich Merz liegt mit -0,1 deutlich hinter den Startwerten seiner Vorgänger (Scholz startete 2022 mit +1,3). Die Unzufriedenheit mit der Regierung Merz (53 % „schlecht“) ist fast deckungsgleich mit der Unzufriedenheit der Amerikaner mit Trump (54,4 %).
  3. Das Pistorius-Phänomen: Boris Pistorius bleibt das einzige politische Phänomen, das über den Parteigrenzen steht. Sein Wert von +1,6 ist im Vergleich zu Trumps polarisierter Zustimmung eine „andere Liga“. Er ist der einzige Politiker in diesem Vergleich, der eine echte, positive Mehrheitszustimmung (jenseits der 50 % im qualitativen Sinne) erreicht.

Warum Trump trotz schlechter Werte „stabiler“ wirkt

In den USA ist die Ablehnung Trumps zwar hoch (54,4 %), aber seine Kernwählerschaft ist unerschütterlich. In Deutschland hingegen ist die Ablehnung von Friedrich Merz eher von einer Enttäuschung der Mitte geprägt (72 % sagen, die Regierung tue zu wenig für die Wirtschaft). Während Trumps Verluste durch „Schock-Ereignisse“ wie den Fall Renee Good oder die Grönland-Krise (NATO-Gefährdung: 78 % besorgt) getrieben werden, leidet Merz unter der klassischen „Müdigkeit“ einer Großen Koalition.

Fazit für die Midterms und die Bundestagswahl-Nachwehen

Trump versucht, die Midterms 2026 rhetorisch zu diskreditieren („Wahlen stoppen“), weil er weiß, dass er – genau wie Merz in Deutschland – keine parlamentarische Mehrheit mehr hinter sich hätte. In den USA wie in Deutschland zeigt sich im Januar 2026: Die Regierenden haben das Vertrauen der Mitte verloren, während die Opposition (AfD in Deutschland, Linke/Demokraten in den USA) davon profitiert, ohne selbst „beliebt“ im Sinne der Punkteskala zu sein.

Möchten Sie, dass ich eine detaillierte Prognose für die wirtschaftlichen Auswirkungen der US-Zölle auf die deutsche Wirtschaft unter Kanzler Merz erstelle?

c.) Kann Trump die Midterms 2026 stoppen?

In den USA wird derzeit hitzig über Trumps rhetorische Angriffe auf den Wahlzyklus debattiert. Er äußerte kürzlich, dass „wir eigentlich gar keine Wahl haben sollten“, da Midterms historisch gesehen für die auf Bundesebene regierende Partei schlecht verlaufen. Dieses Korrektiv gab es auch in Westdeutschland, als das Parteiensystem noch nicht so fragmentiert war wie aktuell.

Die rechtliche Lage ist jedoch eindeutig: Nein, der Präsident kann die Midterms nicht stoppen.

  1. Verfassungsrang: Die Verfassung der Vereinigten Staaten legt fest, dass die Mitglieder des Repräsentantenhauses alle zwei Jahre gewählt werden. Der Präsident hat keine Befugnis, diesen Rhythmus zu ändern.
  2. Zuständigkeit des Kongresses: Der Termin für Bundeswahlen (der erste Dienstag nach dem ersten Montag im November) wurde 1845 per Bundesgesetz vom Kongress festgelegt. Nur ein neues Gesetz des Kongresses könnte diesen Termin verschieben – was angesichts der Mehrheitsverhältnisse und des Widerstands im Senat ausgeschlossen ist.
  3. Staatsrechtliche Hoheit: Die Durchführung der Wahlen liegt bei den einzelnen Bundesstaaten. Selbst wenn Trump ein Dekret (Executive Order) unterzeichnen würde, könnten die Gouverneure und Wahlleiter der Staaten dies ignorieren, da sie der Verfassung verpflichtet sind.

Trump nutzt diese Rhetorik primär als politisches Werkzeug, um seine Basis gegen das „System“ zu mobilisieren und von seinen sinkenden Umfragewerten abzulenken. Ein realer Stopp der Wahlen würde einen Staatsstreich gleichkommen, für den es derzeit weder im Militär noch in der Justiz eine tragfähige Basis gibt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Trump ist angeschlagen. Seine zweite Amtszeit ist geprägt von einer Flucht in radikale außenpolitische Themen (Grönland, Venezuela), während er innenpolitisch durch Inflation und kontroverse ICE-Einsätze an Boden verliert. Die Midterms 2026 werden stattfinden, und wenn der aktuelle Trend anhält, droht den Republikanern ein massiver Machtverlust im Kongress.

Analyse der politischen Strategie Trumps

Dieses Video bietet wertvolle Einblicke in die Umfragedynamik und erklärt, wie sich die Popularität von Politikern im Vergleich zu den Erwartungen der Wähler entwickelt.

Schlusskommentar

Stellen Sie sich vor, in Deutschland gäbe es rechte Politiker, die eine solche Massenwirkung entfalten wie Donald Trump. Wo würden dann die rhetorischen Kleinspalter in der Regierung bleiben? Man kann von Glück sagen, dass das Personal der AfD in weiten Teilen der Bevölkerung nicht ankommt – zu Recht, und auch zu Recht sind die Werte für die aktuelle Bundesregierung bzw. deren Politiker niedrig.

Den besten Wert nach Boris Pistorius, der mittlerweile schon als Dauerbrenner gelten kann, erzielt Außenminister Johann Wadephul. Für einen Außenminister ist aber auch sein Wert niedrig, Außenminister zählten lange Zeit zu den besonders beliebten Politikern im Land, Hans-Dietrich Genscher war stets beliebter als Helmut Kohl. Im Verhältnis Außenminister / Kanzler passt das Schema auch jetzt, aber auf einem viel niedrigeren Niveau, wohingegen Angela Merkel faktisch auch Außenministerin war.

Da sich Trumps Werte immer in einem Korridor zwischen 56 Prozent und 43 Prozent Zustimmung bewegen (offenbar gibt es dazwischen noch ein paar neutrale oder „weiß nicht“-Stimmen, die beiden Linien liegen zusammen unter 100 Prozent), kann sich die Lage auch rasch drehen. So würde man es bei den wackeligen deutschen Verhältnissen interpretieren. Aber trifft das auch auf die USA zu? Seit März 2025 kommt Trump zuverlässig nicht mehr in den positiven Bereich. Damals schnitten sich die Linien von Zustimmung und Ablehnung.

Die Lage sieht verfestigt aus – und kaum jemand glaubt, dass Trump nicht neue Zeichen setzen wird, die polarisieren werden. Polarisierende Politik gibt es bei uns auch, und sie hat einen anderen Effekt als in den USA. Abgesehen von den Möglichkeiten, Wahlen zu beeinflussen oder zu manipulieren, lässt die Ablehnung Trumps automatisch das Pendel in Richtung der Demokraten zurückschlagen. Bei uns hingegen können die Rechten trotz der relativen Unbeliebtheit ihrer Spitzenpolitiker in Umfragen punkten. Die Schwäche der Rechten und deren Eifer, rechte Positionen lautstark in den Vordergrund zu rücken, anstatt der Mitte bei der Bewältigung von Alltagsproblemen zu helfen, hilft den Rechtsextremen. Diesen Effekt gab es bis zum Erscheinen der AfD in Deutschland kaum; in den USA gibt es ihn bis heute nicht. Sind die USA deswegen die stabilere Demokratie? Nicht, wenn man den Rankings verschiedener Organisationen glaubt, die sich mit Regierungsformen und Menschenrechten befassen. In ihnen liegen die USA mittlerweile fast hinter allen europäischen Ländern zurück, und das nicht nur um wenige Punkte.

Werfen wir einen Blick voraus. Die Midterms könnten Trump bremsen, dessen Republikaner derzeit über eine Mehrheit in beiden Häusern des Washingtoner Parlaments verfügen. Ein abermaliger Swing bis zu den Präsidentschaftswahl 2028 erscheint durchaus möglich, denn richtigerweise hat die KI erwähnt, dass die MAGA-Bewegung eine stabile Anhängerschaft von ca. 40 Prozent für Trump generiert, die meisten davon würden am Ende des Tages auch seine Abkehr vom Isolationismus mittragen bzw. seine diesbezüglich nicht eingelösten Versprechen. Und viele würden Trump immer wählen, denn sie würden nie einem Demokraten ihre Stimme geben. Zwischen dieser Anhängerschaft und dem etwa gleichstarken, vielleicht etwas kleineren Lager, das niemals republikanisch wählen würde, spielt sich alles ab, deswegen kommt auch den Swing States so eine große Bedeutung zu, in denen sich beide Lager in etwa die Waage halten. Alle Wählmänner und -frauen dieser Staaten werden dem Gewinner zugeschlagen, auch wenn er nur eine Stimme Vorsprung hat. Das System ist komplett veraltet und lädt zu Manipulationen ein, wie etwa der passgenauen Zuschneidung von Wahlbezirken für die Zwecke der einen oder anderen Partei, aber es wird sich bis zur nächsten Wahl nicht ändern. Außerdem hatte Trump 2024 tatsächlich die Mehrheit der Stimmen hinter sich, anders als bei seiner ersten Wahl 2016.

Entgegen seinen Behauptungen wird er wohl nicht für eine dritte Präsidentschaft kandidieren, auch aus rechtlichen Gründen. Wird es dann wieder besser? Vielleicht wird das Erratische und offen Brutale, das seine Amtsführung prägt, nachlassen, aber strategisch sieht es vielleicht anders aus. Wenn ihm zum Beispiel ein von Hass geprägter Mensch wie J. D. Vance nachfolgen würde, der aber strategisch viel bewanderter ist, müssten sich die Europäer erst richtig warm anziehen. Selbst ein Präsident Rubio würde das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen. Und käme ein Demokrat? Joe Biden hat viele protektionistische Agendasettings der ersten Trumpzeit einfach weitergeführt, das ist in seiner traditionell transatlantisch wirkenden Freundlichkeit etwas untergegangen. Das größte protektionistische Projekt vor der Big Beautiful Bill von Trump war der IRA von Joe Biden, mit ihm waren zwei weitere wichtige Gesetze verbunden, welche die US-Wirtschaft massiv subventionierten. Biden hat an der Schraube nicht mit bösartig wirkenden Zöllen, sondern mit nach außen weniger spektakulär wirkenden Subventionen gedreht und damit die US-Wirtschaft mit weiter steigender Verschuldung angekurbelt. Derlei wird uns auf jeden Fall auch ab 2028 erwarten: America first, das ist im Grunde nur eine Verbalisierung und Brutalisierung Trumps für das, was schon lange gilt – USA first.

Es bleibt uns auch heute kein anderer Rat, als den Europäern zu sagen: Die alten Zeiten sind vorbei und werden nicht zurückkehren. Wäre Europa ein kluger und einiger Kontinent, könnte man diese Situation hervorragend nutzen,  um sich elegant abzusetzen, denn Gründe dafür gibt es zuhauf, die man auch der Bevölkerung gut erklären kann. Wann, wenn nicht jetzt, ist die Stimmung für einen europäischen Ausbruch aus der US-Hegemonie gegeben? Selbst rechte Politiker in Europa, die sehr an Trump und seiner Ideologie hängen, ziehen langsam die Bremse, stellvertretend sei die AfD in Deutschland mit ihren jüngsten Distanzierungsansätzen genannt.

Jetzt geschieht auf der rechten Seite des politischen Spektrums und auch bei einigen Scheinlinken genau das, was wir in anderen Beiträgen vorausgesagt haben: Dieser ausufernde Nationalismus der Trump-Administration muss eine Gegenbewegung bei anderen Nationalisten hervorrufen, die in seiner Politik immer mehr Nachteile für ihre eigene Nation sehen. Alles andere wäre massiv unglaubwürdig. Ebenso geht es den Scheinlinken spätestens seit Venezuela, dass sie im Bermudadreieck einer schrägen, inkonsistenten und autokratiengläubigen Ideologisierung landen.

Aber was nützt es, dass andere sich in ihren Widersprüchen verfangen? Recht zu haben, ist keine Münze, mit der man die absehbaren Wohlstandsverluste in Europa ausgleichen kann. Die USA schaden dem Westen im Ganzen, und damit auch sich selbst, ob sie sich die Rohstoffe Grönlands und Venezuelas unter den Nagel reißen oder nicht. Wir nutzen mittlerweile jeden Artikel, um für die Unabhängigkeit Europas zu werben, was wir nicht erst seit Trumps zweiter Amtszeit tun. Auch bei Joe Biden haben wir etwas genauer hingeschaut und daher unsere Haltung nicht geändert, zumal sie geostrategisch ohnehin die beste Option für einen Kontinent in den Vordergrund rückt, der noch einiges aufzuarbeiten hat und im Moment noch die Wahlmöglichkeit hat, es besser zu machen als früher: niemandes Herrscher, aber auch niemandes Knecht zu sein.

Analyse: KI-gestützt, Kommentar: TH


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