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Es sind ja nun keine schönen Sachen, die wir in letzter Zeit zu vermelden haben (gestern: Klimawandel), aber die heutige Grafik von Statista ist noch einmal anders. Wir werden sie ein wenig einordnen, aber von welcher Seite man sie auch betrachtet, sie wirkt bedrohlich.
Infografik: Kein Glaube an bessere Zukunft für die nächste Generation | Statista

Begleittext von Statista
Deutsche glauben besonders selten an eine bessere Zukunft für die nächste Generation in ihrem Land. Das ergab eine Umfrage der US-amerikanischen Kommunikationsfirma Edelman, die diese Woche veröffentlicht wurde. Demnach beantworteten nur 8 Prozent der Deutschen die Frage mit ja, 6 Prozentpunkte weniger als noch im Vorjahr.
Durchschnittlich glauben nur 32 Prozent der Befragten in 28 Ländern, dass es der nächsten Generation besser gehen wird – ein Rückgang um 4 Prozentpunkte.
Der Rückgang des Optimismus ist in großen asiatischen Volkswirtschaften wie Indien und China am stärksten ausgeprägt. Dort sank er in den letzten zwölf Monaten jeweils um 13 Punkte. Dennoch weisen diese beiden Länder ein relativ hohes Maß an Vertrauen in die Verbesserung der Lage auf (53-56 Prozent) und liegen damit deutlich über dem globalen Durchschnitt.
In anderen europäischen sowie nordamerikanischen Volkswirtschaften erscheint der Ausblick hingegen düster. Der Anteil der Befragten, die glauben, dass zukünftige Generationen bessere Bedingungen vorfinden werden, liegt hier nur zwischen 6 Prozent (Frankreich) und 21 Prozent (USA), 3 bis 9 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.
Zu den Ausnahmen von diesem Trend zählen afrikanische Länder wie Nigeria, wo der Optimismus um 15 Punkte auf 65 Prozent gestiegen ist. Sowohl Nigeria als auch Saudi-Arabien erreichten mit 65 Prozent die höchste Zustimmung der Umfrage bei dieser Frage.
Kommentar
Heute werden wir uns nicht einmal mit KI und uns selbst mit Recherchen und Vertiefungen stressen, sondern assoziativ und klein-essayistisch wieder einen klassischen Kommentar schreiben. Es ist alles zu groß und zu klein, um auseinandergenommen zu werden.
Möge das Öl in Saudi-Arabien ewig fließen, damit die Menschen optimistisch bleiben und mögen afrikanische Länder wirtschaftlich prosperieren, und zwar ausnahmsweise so, dass die gesamte Bevölkerung etwas davon hat. Wir gönnen es den Menschen. Die beiden Spitzenreiter in diesem Ranking sind sehr unterschiedlich aufgestellt, und was eine bessere Zukunft ist, hängt auch vom aktuellen Niveau ab. In vielen Ländern der Welt ist wirtschaftlich und den Wohlstand betreffend noch viel Luft nach oben. Auch in China und natürlich in Indien.
Aber in China wird sehr wohl registriert, dass die zweistelligen jährlichen Wachstumsraten von einst für immer Vergangenheit sein werden und der Pessimismus nimmt zu, obwohl gegenüber dem Wohlstand im Westen noch viel aufzuholen ist. Das Gleiche kann man für Indien sagen, obwohl die Menschen dort noch weiter von den Verhältnissen der alten Industrieländer entfernt sind. Eine Frage hat sich uns sofort gestellt: Kann man in China als amerikanische Firma die Menschen so ungestört befragen, wie das bei uns der Fall ist?
Wie auch immer, das Bild wird schon besser sein als im alten Europa. Die Deutschen sind nun endgültig in der Realität angekommen, das wirft sie weit zurück, denn Optimisten waren sie nie. Man sagt ja auch, intelligente Menschen sind meist keine Optimisten, insofern spricht der Trend hierzulande der Bildungskrise Hohn. Die Franzosen sind allgemein noch pessimistischer, also die intelligentesten überhaupt.
Wir glauben aber, hier hat sich etwas verschoben. Die schlechte Stimmung ist berechtigt. Es geht wirtschaftlich nicht mehr voran, dafür schreiten Krisen, Kriege und Klimawandel voran. Es ist zu deutlich zu sehen, dass dieses System am Ende ist. Aber wer pessimistisch ist, kann ja nicht umsteuern, weil ihm dafür der Zukunftsglaube fehlt.
So klug ist das Jammern also doch nicht, oder? Aber was soll man machen, wenn die Großmächte immer mehr freidrehen und man selbst mit einem Kanzler geschlagen ist, der mit seinem ständigen Bashing derjenigen, die dieses Land aufrechterhalten, auch die letzte Bereitschaft zerstört, es noch mal richtig anzupacken. Das hat uns gerade noch gefehlt. Eine Regierung, welche die Gesellschaft auseinandertreibt, anstatt sie zu vereinen und damit das Fundament für eine gemeinsame Anstrengung zu legen. Wir wählen solche Leute ja nicht, aber wir können auch nicht in jedem Artikel schreiben, dass wir uns fürs Recht behalten nichts kaufen können, das wird ja auch irgendwann langweilig, sogar für uns selbst.
Was also tun? Sind wir tatsächlich so hilflos, als Europäer, als Menschen in Deutschland, als Einzelpersonen? Ja, die Zukunft wird mit Wohlstandsverlust verbunden sein, das sehen wir auch so. Den gegenwärtigen Abwärtstrend kriegt man nicht so schnell gedreht. Zumal er bei näherem Hinschauen schon lange anhält – relativ zu anderen Ländern. Jetzt geht es auch in absoluten Zahlen rückwärts. Vielleicht kriegt die Regierung Merz eine Art Strohfeuer mit Schulden hin, aber davor, dies für beruhigend zu halten, warnen wir ausdrücklich. Schon die Regierung Merkel hat die Situation nach der Bankenkrise genutzt, um mehr wirtschaftliche Prosperität zu suggerieren, als vorhanden war.
Auch wenn man über das Grafik-Ergebnis den einen oder anderen Filter legen sollte, der Trend ist nicht günstig. Was also tun? Sagen, jeden Tag ist ein neuer Tag – und ist er ein paar Stunden alt, merkt man, wie sehr man in Umständen gefangen ist, die man nicht ändern kann? Beruf, persönliches Umfeld, Verstrickungen aller Art? Wir sind ja im Kleinen auch ein Abbild der Verwicklungen der Welt. Trotzdem können wir es besser machen. Immer ein Stückchen, und auch mal das große Drumherum ausblenden. Für uns mit der selbstgestellten Aufgabe der Ereignisverfolgung nicht so einfach. Aber heute hat es zum Beispiel funktioniert. Das war der dynamischste Tag seit längerer Zeit und wir haben uns erst an den Schreibtisch gesetzt, um diesen Artikel zu verfassen, als alles andere schon erledigt war.
Das klingt so banal, ist es aber nicht. Es ist nämlich nie alles erledigt. Es muss nachverfolgt, überwacht, justiert werden, und wenn mal etwas tatsächlich fertig ist, warten schon zwei neue Aufgaben auf Bearbeitung. So wirkt im Moment die ganze Welt, politisch und wirtschaftlich, es scheint immer mehr Probleme zu geben. Dieser Eindruck führt zu einem unguten Gleichklang, wenn man bereits persönlich überfordert ist. Oder umgekehrt: Man nimmt sich das alles so zu Herzen, dass man auch im Alltag nicht mehr frei atmen kann.
Sich abkoppeln und doch dabei bleiben, ist eine wahre Kunst. Uns gelingt es leider zu selten, sie auszuüben, sonst hätten wir sicher schon eine Rubrik „Zukunftsprojekte“ oder „Trotz allem!“ eingerichtet. An Unkenrufen mangelt es nämlich nicht, wohl aber an Publikationen, die Gegenmodelle aufzeigen. Es gibt sie. Die Modelle als gelebte Realität und diejenigen, die helfen, sie sichtbar zu machen. Wenn man so will, sind wir sogar in eines davon eingebunden. Dennoch haben wir noch keine Lösung für die persönliche Abspaltung von dem gefunden, was wir in der Grafik sehen. Und dies ist kein Ratgerblog, sondern in erster Linie ein politisches.
Dennoch möchten wir Sie heute bitten, angesichts der Werte auf dieser Grafik nicht zu verzagen. Keine billigen Aufrufe hier, Notwendigkeiten als Chancen zu begreifen! Aber etwas Nachdenken darf sein: Setzen wir die richtigen Prioritäten, haben wir die richtigen Werte verinnerlicht und wie steht es mit der Sinngebung? Sind wir da nicht alle ein wenig zu sehr auf Oberflächliche ausgerichtet? Warum drehen so viele Menschen frei und wollen die Demokratie abwählen, nur, weil es passieren könnte, dass sie sich ein wenig umstellen müssen? Nicht die Demokratie, sondern ihre Einstellung ist das Problem.
Wer diese Publikation kennt, weiß, dass wir damit nicht der Bescheidung das Wort reden möchten, im Gegenteil: Jetzt ist der Moment, endlich die immer größere Ungleichheit geradezurücken. Der Wohlstand, und das ist die Pointe, sinkt nämlich gar nicht, auch nicht in Zeiten des Nullwachstums. Er häuft sich nur immer mehr bei immer weniger Menschen. Was uns persönlich in der Tat pessimistisch macht: Dass die Mehrheit in diesem Land nicht merkt, wie sie sich manipulieren und gegeneinander aufbringen lassen, während ganz oben weiter gelacht wird (über die Mehrheit) und gelebt wird, als gäbe es keine Verantwortung für alle und für das Fortbestehen der Zivilisation.
Das eigene Projekt ist das eine, aber das andere können wir uns nicht ersparen: Wach zu bleiben oder endlich wach zu werden und zu kommentieren. Zum Beispiel eine Bundesregierung, die absolut haltlos und unseriös in ihrer Art ist, mit den Menschen umzugehen.
Vielleicht sollte man darauf einen Tee trinken und sich entspannen. Und ein wenig mehr an sich selbst denken. Das wirklich zu tun, heißt auch, nicht immer im Kleinen so viele Fehler zu machen, zum Beispiel politische, zum Beispiel bei Wahlen, die über kurz oder lang dazu führen, dass es aus dem Pessimismus kaum einen Ausweg gibt.
Viel schlechter kann es kaum noch werden, zumindest die Stimmung betreffend. Also rechnen wir mit dem Schlimmsten und machen weiter das Beste oder wenigstens ein bisschen was vom Guten daraus.
TH
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