Immer mehr Wettbewerbe bei den olympischen Winterspielen (Statista + Kommentar)

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Gestern Abend wurden die 25. Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo eröffnet. Wir widmen ihnen einen bescheidenen Artikel, der nur ein wenig Statistik und ein paar persönliche Gedanken beinhaltet.

Infografik: Immer mehr Wettbewerbe bei den Olympischen Winterspielen | Statista

Statista-Begleittext

Zwei Tage nach Beginn der ersten Wettkämpfe wurden die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo am Freitagabend auch offiziell eröffnet. Bis zur Schlussfeier am 22. Februar werden fast 3.000 Athlet:innen in acht Wintersportarten und 16 verschiedenen Disziplinen auf die Jagd nach Olympischem Ruhm gehen. Insgesamt werden dabei 116 Wettkämpfe (54 für Männer, 50 für Frauen und 12 Mixed-Wettkämpfe) ausgetragen – ein neuer Rekord.

Wie die Statista-Grafik zeigt, ist die Anzahl der Wettbewerbe bei den Olympischen Winterspielen über die Jahre stetig gewachsen. Von nur 16 Medaillenentscheidungen bei den ersten Winterspielen in Chamonix 1924 zu 116 mehr als 100 Jahre später. Eine neue Sportart ist in diesem Jahr auch dabei: Beim Skibergsteigen – offiziell Ski Mountaineering oder kurz Skimo – ist eine Kombination aus Ausdauer und Technik gefragt. Die Athlet:innen müssen den Berg zunächst mit Fellen an den Skiern bzw. mit Skiern auf dem Rücken erklimmen, bevor sie sich auf die Abfahrt ins Ziel machen.

Kommentar

Es wird alles immer mehr und immer mehr und immer mehr. Niemand kommt auf den Gedanken, einmal eine kluge Beschränkung zu propagieren oder sogar zu organisieren. Bei Turnieren, die sich auf eine Sportart konzentrieren, zum Beispiel im Fußball, erhöhen sich die Teilnehmerzahlen immer mehr, bei Olympischen Spielen steigt die Anzahl der Wettbewerbe immer weiter.

„Eine neue Sportart ist in diesem Jahr auch dabei: Beim Skibergsteigen – offiziell Ski Mountaineering oder kurz Skimo – ist eine Kombination aus Ausdauer und Technik gefragt. Die Athlet:innen müssen den Berg zunächst mit Fellen an den Skiern bzw. mit Skiern auf dem Rücken erklimmen, bevor sie sich auf die Abfahrt ins Ziel machen.“

Wir sind enttäuscht, dass das Berliner Glatteisgehen nicht auch olympisch geworden ist, aber vermutlich war nicht rechtzeitig abzusehen, wie populär es im Winter 2025/26 sein würde. Haben Sie auch den Eindruck, es wird langsam absurd, Sportarten, die kaum ein Mensch kennt, bei Olympischen Spielen unterzubringen? Es gab schon viele Kuriositäten, die wieder vom olympischen Veranstaltungskalender verschwunden sind, aber per Saldo nimmt die Zahl der Wettbewerbe immer weiter zu. Mit dem Effekt, dass die Spiele auch organisatorisch immer aufwendiger werden, dass die Umweltbelastung durch sie immer größer wird und auch das Risiko steigt, dass sie mit einem großen Schuldenberg enden.

Wir werden auf das Anschauen von Wettbewerben verzichten, wie schon seit Jahren. Der Gigantismus ist dafür nicht der Hauptgrund, sondern das Gefühl dem Sport im Ganzen gegenüber. Er wird politisch ausgenutzt, missbraucht, für Nationalismen verwendet, und dann sind da noch all diese schrägen Vögel von Funktionären, die garantiert nicht dafür sorgen werden, dass der Sport wieder „sauber wird“. Deswegen finden finden wir es nicht unlogisch, dass es mittlerweile eine Veranstaltung gibt, bei der Doping ausdrücklich erlaubt ist, denn wer glaubt bitte, dass die heutigen Leitungen nur durch immer bessere Trainingsmethoden und durch immer besseres Material zustande kommen. Bei den Wintersportarten ist die Rekordjagd nicht ganz so dominant wie bei den Sommerspielen, aber immer dort, wo es bei Einzelsportarten um die Bewältigung von Distanzen etc. geht, geht es auch um neue Bestleistungen. Beim Wintersport spielen dabei die Witterungsbedingungen eine größere Rolle, aber natürlich nicht in den Hallensportarten, dort wird einfach das Eis immer besser.

jeder ahnt mittlerweile, dass die sukzessive verschwundene Dominanz der deutschen Damen beim Eisschnelllaufen damit zu tun hat, dass gewisse Praktiken hier nicht mehr so konsequent angewendet werden wie im DDR-Sport, aus dem diese Dominanz kam, während andere Nationen viel mehr Nationalstolz in diesen Bereich investieren – und was es sonst noch an möglichen Investitionen gibt.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, wo es schon von Weitem nach unfairem Wettbewerb riecht, aber alle machen mit, weil die Menschen nun einmal auf immer höher, schneller, weiter stehen. Früher haben wir uns gefreut, wenn Deutschland im Medaillenspiegel relativ weit vorne war, was bei den Winterspielen auch über Jahrzehnte gewährleistet war, seit die Wurzeln im DDR-Sport in der gesamtdeutschen Bilanz Früchte trug. Aber es wird alles normaler, in diesem Land, was wir auf sportlicher Ebene nicht unbedingt als Nachteil empfinden. In manchen Sportarten spielt tatsächlich die Technik eine wichtige Rolle, aber nicht die alleinige, da kann man einiges durch Innovation herausholen, aber nicht alles. Außerdem ist Deutschland konservativ und bei keiner der Sportarten vorne dabei, die in den letzten Jahrzehnten das olympische Programm aufgebläht haben.

Was wir immer gerne gesehen haben, aus ästhetischen Gründen, war das Eiskunstlaufen, aber auch dort geht es um ungeheuer viel Kraft und Ausdauer, damit die immer komplexeren Sprungkombinationen sicher gestanden werden können, also ist auch dieser Sport dopinggefährdet.

Für uns ist die Entwicklung bei den Olympischen Spielen ein Symbol für andere Fehlstellungen der Menschheit geworden, und dies zu beobachten, müssen wir uns nicht stundenlang jeden Tag über Wochen hinweg anschauen. Auch die großen Fußballturniere schauen wir nicht mehr und es wird uns zunehmend egal, wer da gerade wie performt. Wir schauen auf den Alltag.

Wir schauen darauf, wie es den Menschen im Land und auf der Welt geht, und da gibt es genug Themen, die uns wichtig sind. Trotzdem ist der vorliegende Artikel nicht paradox. Einmal kurz winken und seine Meinung äußern, das gehört dazu. Wir sind nicht ignorant, aber wir wählen mehr aus, auf eine vertiefende Recherche-Erweiterung oder Analyse haben wir aber bewusst verzichtet und alles bis auf den Statista-Begleittext „händisch“ selbst geschrieben.

TH


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